Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Herrgott, Jenny Murray«, murmelte ich vor mich hin. »Verzeih ihm doch und lass die Sache auf sich beruhen!«
»Hm?« Brianna hatte die Zeitschrift hingelegt und betrachtete stirnrunzelnd einen quadratischen Brief.
»Nichts. Was hast du denn da?« Ich legte die Briefe aus der Hand, die ich gerade sortiert hatte, und trat zu ihr, um ihn mir anzusehen.
»Er ist von Leutnant Hayes. Was meinst du wohl, was er schreiben könnte?«
Ein kleiner Adrenalinstoß fuhr mir in die Magengrube. Es muss auch in meiner unbewachten Miene zu sehen gewesen sein, denn Brianna legte den Brief hin und sah mich mit gefurchter Stirn an.
»Was?«, wollte sie wissen.
»Nichts«, sagte ich, doch es war zu spät. Sie stand da und musterte mich, eine Faust auf die Hüfte gestemmt. Dann zog sie eine Augenbraue hoch.
»Du bist wirklich eine lausige Lügnerin, Mama«, sagte sie geduldig. Ohne zu zögern, erbrach sie das Siegel.
»Dieser Brief ist an deinen Vater adressiert«, erinnerte ich sie, wenn es meinem Protest auch an Nachdruck mangelte.
»Ah–hm. Der andere auch«, sagte sie, den Kopf über das aufgefaltete Papier gebeugt.
»Was?« Aber ich war an ihre Seite getreten und las über ihren Arm hinweg mit, noch während ich das fragte.
18. Januar 1771
Leutnant Archibald Hayes
Portsmouth, Virginia
Mr. James Fraser
Fraser’s Ridge, North Carolina
Sir –
Ich schreibe, um Euch davon in Kenntnis zu setzen, dass wir uns im Augenblick in Portsmouth befinden und wohl auch bis zum Frühjahr hier bleiben werden. Solltet Ihr mit irgendwelchen Seekapitänen bekannt sein, die bereit wären, vierzig Männern die Überfahrt nach Perth zu gewähren, wenn die Armee ihnen Kompensation bei Erreichen des Hafens verspricht, so wäre ich froh, dies bei nächster Gelegenheit zu erfahren.
Unterdessen haben wir uns für diverse Arbeiten verdingt, um uns während der Wintermonate zu ernähren. Mehrere Männer haben Arbeit in den Schiffswerkstätten gefunden, die es hier sehr zahlreich gibt. Ich selbst bin als Koch in einem Wirtshaus im Ort beschäftigt, bemühe mich aber, meine Männer regelmäßig in ihren diversen Unterkünften zu besuchen, um mich mit ihrem Befinden vertraut zu machen.
Vorgestern Abend besuchte ich ein solches Quartier. Im Verlauf der Unterhaltung erwähnte einer der Männer – ein gewisser Privatgefreiter Ogilvie, den Ihr ja, glaube ich, kennt – ein Gespräch, das er im Hafen mit angehört hatte. Da sich dieses um einen gewissen Stephen Bonnet drehte, der, wie ich mich entsinne, für Euch von Interesse ist, teile ich Euch hiermit den Inhalt mit.
Bonnet scheint den Berichten nach ein Schmuggler zu sein, in dieser Gegend kaum eine seltene Beschäftigung. Allerdings scheint er mit Ware von höherer Qualität – und in größerer Quantität – als gewöhnlich zu handeln, und demzufolge scheint auch die Natur seiner Verbindungen ungewöhnlich zu sein. Will sagen, dass gewisse Lagerhäuser an der Küste von Carolina in Abständen mit Waren von einer Art bestückt sind, die man dort normalerweise nicht findet, und dass dieses Phänomen stets mit dem Auftauchen Stephen Bonnets in den Wirtshäusern und Spelunken der Gegend einhergeht.
Der Privatgefreite Ogilvie erinnert sich kaum an spezifische Namen, da ihm nicht bekannt war, dass Bonnet von Interesse war, und erwähnte die Angelegenheit mir gegenüber nur als Kuriosität. Ein Name, der fiel, war ›Butler‹, sagt er, aber er ist sich nicht sicher, ob dieser Name etwas mit Bonnet zu tun hatte. Ein anderer Name war ›Karen‹, aber Ogilvie weiß nicht, ob sich dies auf eine Frau oder vielleicht auf ein Schiff bezog.
Es stellte sich heraus, dass sich eines dieser Lagerhäuser – er geht davon aus, dass es sich um ein bestimmtes, in der Unterhaltung erwähntes Gebäude handelt, auch wenn er freiwillig zugibt, dass er sich nicht sicher ist – in nicht allzu großer Entfernung vom Hafen befindet, und nachdem er mir dies mitgeteilt hatte, ging ich an diesem Gebäude vorbei und erkundigte mich, wer sein Besitzer ist. Das Gebäude gehört zwei Partnern: einem gewissen Ronald Priestly und einem gewissen Philip Wylie. Im Augenblick liegen mir keinerlei Informationen über diese Männer vor, doch ich werde meine Nachforschungen fortsetzen, so wie es meine Zeit erlaubt.
Nachdem ich oben Stehendes erfahren hatte, habe ich versucht, in den hiesigen Wirtshäusern Gespräche über Bonnet anzufangen, doch mit wenig Erfolg. Ich würde sagen, der Name ist bekannt, doch kaum jemand wünscht von ihm zu sprechen.
Euer gehorsamster Diener
Archibald Hayes, Leutnant
67stes Highlandregiment
Wir waren nach wie vor von den normalen Geräuschen des Hauses umgeben, doch Brianna und ich schienen uns plötzlich gemeinsam in einer kleinen, klaren Blase aus Stille zu befinden, in der die Zeit abrupt stehen geblieben war.
Es widerstrebte mir, den Brief aus der Hand zu legen, denn das hätte ja bedeutet, dass die Zeit weiterlief und etwas unternommen werden musste. Gleichzeitig hätte ich ihn am liebsten nicht nur aus der Hand gelegt, sondern ihn ins Feuer geworfen und so getan, als hätte keine von uns beiden ihn je gesehen.
Dann fing Jemmy im oberen Stock an zu weinen, Brianna reagierte mit einem Ruck und wandte sich der Tür zu, und die Dinge begannen, wieder ihren normalen Lauf zu nehmen.
Ich legte den Brief separat beiseite und widmete mich der restlichen Post. Ich legte die an Jamie adressierten Dinge ordentlich beiseite, stapelte die Zeitungen und Monatsschriften und öffnete die Schnur des Paketes; wie ich vermutet hatte, war es ein Buch – Die Expedition des Humphrey Clinker von Tobias Smollett. Ich wickelte die Schnur auf und steckte sie in meine Tasche, während ein leises »Was-jetzt,-was-jetzt« unablässig wie ein Metronom in meinem Hinterkopf tickte.
Brianna kam mit Jemmy zurück, der von seinem Schläfchen rot und zerknittert war und sich offenbar in jenem Zustand befand, in dem man aus dem Schlaf erwacht und sich voll benommener Irritation über die lästigen Anforderungen des Bewusstseins wiederfindet. Er hatte mein volles Mitgefühl.
Sie setzte sich hin, zog den Ausschnitt ihres Hemdes herunter und legte das Baby an ihre Brust. Seine Schreie verstummten wie von Zauberhand, und ein paar Sekunden lang wünschte ich sehnsüchtig, ich könnte etwas ähnlich Wirkungsvolles für sie tun. So jedoch sah sie bleich, aber gefasst aus.
Ich musste irgendetwas sagen.
»Es tut mir leid, Schätzchen«, sagte ich. »Ich habe versucht, ihn aufzuhalten – Jamie, meine ich. Ich weiß, dass es nicht seine Absicht war, dass du davon erfährst und dir deswegen Sorgen machst.«
»Schon okay. Ich wusste es schon.« Sie streckte eine Hand aus und zog eines der Geschäftsbücher aus dem Stapel, den Jamie auf seinem Schreibtisch liegen hatte. Sie hielt es am Rücken empor und schüttelte einen zusammengefalteten Brief heraus, auf den sie nun deutete.
»Sieh dir das an. Ich habe ihn gefunden, als ihr mit der Miliz unterwegs wart.«
Ich las Lord Johns Bericht über das Duell zwischen Bonnet und Hauptmann Marsden und fühlte, wie sich über meinem Brustbein eine kalte Stelle bildete. Ich hatte mir keine Illusionen in Bezug auf Bonnets Charakter gemacht, aber ich hatte nicht gewusst, dass er so viel Geschick besaß. Mir waren gefährliche Kriminelle sehr viel lieber, wenn sie inkompetent waren.
»Ich dachte, Lord John hätte nur auf eine beiläufige Frage von Pa geantwortet – aber das war wohl ein Irrtum. Was meinst du?«, fragte Brianna. Ihr Ton war kühl, beinahe abwesend, so als erkundigte sie sich nach meiner Meinung über ein Haarband oder eine Schuhschnalle. Ich musterte sie scharf.