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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ich fürchtete, dass auch Lizzie womöglich in Ohnmacht fallen würde; alles war voller Blut. Sie torkelte ein wenig, setzte sich aber auf meine Anweisung hin gehorsam neben Josiah. Josiah saß da, schaute zu und drückte Lizzie fest die Hand, während Jamie und ich Ordnung schafften.

Jamie nahm Keziah in die Arme; der Junge hing schlaff und blutbefleckt da und sah aus wie ein ermordetes Kind. Josiah stand auf, den Blick ängstlich auf den bewusstlosen Körper seines Bruders gerichtet.

»Keine Sorge«, sagte Jamie im Tonfall absoluter Zuversicht zu ihm. »Ich habe dir doch gesagt, dass meine Frau eine große Heilerin ist.« Daraufhin drehten sie sich alle um und sahen mich lächelnd an: Jamie, Lizzie und Josiah. Ich hatte das Gefühl, mich verbeugen zu müssen, begnügte mich aber damit, ebenfalls zu lächeln.

»Keine Sorge«, wiederholte ich Jamies Worte. »Geht jetzt und ruht euch aus.«

Die kleine Prozession verließ das Zimmer sehr viel stiller, als sie gekommen war, und ich blieb zurück, um meine Instrumente zu verstauen und aufzuräumen.

Ich war sehr glücklich und glühte vor stiller Genugtuung, wie sie einer erfolgreich ausgeführten Arbeit folgt. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr gemacht; die Nöte und Einschränkungen des achtzehnten Jahrhunderts ließen nicht viele Operationen zu, es sei denn, sie wurden im Notfall durchgeführt. Ohne Anästhesie und Antibiotika waren nicht lebensnotwendige Operationen einfach zu schwierig und zu gefährlich.

Doch jetzt hatte ich wenigstens Penizillin. Und es gab keinen Grund zur Sorge, dachte ich und summte beim Löschen der Alkohollampe vor mich hin. Ich hatte es den Jungen angefühlt, als ich sie während der Arbeit berührte. Kein Keim würde sie bedrohen, keine Infektion die Sauberkeit meiner Arbeit beflecken. Die medizinische Praxis war immer auch Glückssache – doch heute war mir das Glück hold gewesen.

»Und siehe da, es war sehr gut«, zitierte ich an Adso gewandt, der geräuschlos auf der Arbeitsplatte erschienen war, wo er eifrig eine der leeren Schalen ausleckte.

Das große, schwarze Notizbuch lag aufgeschlagen auf der Arbeitsfläche, wo Jamie es liegen gelassen hatte. Ich blätterte die hinteren Seiten auf, wo ich den Verlauf meiner Experimente protokolliert hatte, und griff nach meinem Federkiel. Später, nach dem Abendessen würde ich die Details der Operation niederschreiben. Für den Augenblick … ich hielt inne und schrieb dann »Heureka!« an den Fuß der Seite.

Kapitel 37

Die Post ist da

Alle zwei Monate unternahm Fergus eine Reise nach Cross Creek, und diesmal kehrte er mit Salz, Nadeln, Indigo, diversen anderen Notwendigkeiten und einem Sack voller Post heim. Er traf am frühen Nachmittag ein und hatte es so eilig, zu Marsali zu kommen, dass er nur auf ein schnelles Bier blieb. So konnten Brianna und ich die Pakete durchstöbern und in unserer Beute schwelgen.

Es war ein dicker Stapel Zeitungen aus Wilmington und New Bern dabei, außerdem ein paar aus Philadelphia und Boston – Freunde aus dem Norden schickten sie Jocasta Cameron, die sie an uns weiterleitete. Ich sah sie rasch durch; die jüngste war drei Monate alt. Egal; an einem Ort, an dem Lesematerial rarer war als Gold, waren Zeitungen genauso gut wie Romane.

Außerdem hatte Jocasta zwei Ausgaben von Brigham’s Lady’s Book für Brianna mitgeschickt, einem Periodikum mit Zeichnungen der jüngsten Londoner Mode und Artikeln, die für die Frau von Geschmack interessant waren.

»Wie man Goldspitze reinigt«, las Brianna und zog eine Augenbraue hoch, als sie eine dieser Zeitschriften aufschlug. »Das sollte natürlich wirklich jeder wissen.«

»Sieh hinten nach«, riet ich ihr. »Da bringen sie die Artikel darüber, wie man eine Ansteckung mit Gonorrhoe verhindert und was man gegen die Hämorrhoiden seines Ehemannes unternehmen sollte.«

Ihre andere Augenbraue hob sich, und jetzt sah sie haargenauso aus wie Jamie, wenn er sich mit einem höchst fragwürdigen Vorschlag konfrontiert sah.

»Wenn mein Ehemann mich mit Gonorrhoe anstecken würde, könnte er sich um seine Hämorrhoiden selbst kümmern.« Sie blätterte einige Seiten weiter, und ihre Augenbrauen hoben sich noch weiter. »Der Sporn der Venus. Eine Liste unfehlbarer Mittel gegen die Ermüdung des männlichen Gliedes

Ich blinzelte über ihren Arm hinweg und zog meinerseits die Augenbrauen hoch.

»Ach du liebe Güte. ›Ein Dutzend Austern, über Nacht in einer Mischung aus Wein und Milch ziehen lassen, dann mit gemahlenen Mandeln und Hummerfleisch zu einer Pastete verbacken und mit Pfeffer servieren.‹ Ich weiß ja nicht, welche Wirkung dies auf das männliche Glied haben würde, aber es würde dem dazugehörigen Herrn wahrscheinlich gehörige Verdauungsbeschwerden verursachen. Und wir haben hier ja sowieso keine Austern.«

»Kein großer Verlust«, versicherte sie mir, während sie mit gerunzelter Stirn konzentriert auf die Seite schaute. »Austern erinnern mich immer an große Rotzkleckse.«

»Nur, wenn sie roh sind; gekocht sind sie mehr oder weniger essbar. Aber apropos Rotz – wo ist eigentlich Jemmy?«

»Er schläft, oder zumindest hoffe ich das.« Sie warf einen argwöhnischen Blick zur Decke, doch es waren keine verdächtigen Geräusche zu hören, und sie wandte sich wieder der Zeitungsseite zu.

»Hier ist eins, das wir ausprobieren könnten. ›Die Testikel eines männlichen Tieres‹ – als ob man die eines weiblichen Tieres nehmen könnte – ›zusammen mit sechs großen Pilzen in saurem Ale kochen, bis sie zart sind, dann Testikel und Pilze in dünne Scheiben schneiden, gut pfeffern und salzen, dann mit Essig beträufeln und vor dem Feuer bräunen, bis sie knusprig sind.‹ Pa ist doch noch nicht dazu gekommen, Gideon zu kastrieren, oder?«

»Nein, aber er gibt dir die fraglichen Gegenstände bestimmt gern, wenn du es ausprobieren möchtest.«

Sie wurde ziemlich rot im Gesicht und räusperte sich mit einem Geräusch, das mich noch mehr an ihren Vater erinnerte.

»Ich – äh – glaube, so schlimm ist es dann doch noch nicht.«

Ich lachte und überließ sie ihrer faszinierenden Lektüre, um mich wieder der Post zu widmen.

Der eingepackte, an Jamie adressierte Gegenstand musste ein Buch sein; er kam von einem Buchhändler in Philadelphia, trug aber Lord John Greys Siegel – einen blauen Wachskreis mit der drolligen Abbildung eines lächelnden Halbmondes und eines einzelnen Sterns. Unsere halbe Bibliothek stammte von John Grey, der darauf beharrte, uns die Bücher primär zu seiner eigenen Befriedigung zu schicken, da ihm außer Jamie in den Kolonien niemand bekannt sei, mit dem man ein anständiges Gespräch über Literatur führen könne.

Auch eine Reihe von Briefen war an Jamie adressiert; ich sah sie sorgfältig durch, in der Hoffnung, die charakteristische, spitze Schrift seiner Schwester zu entdecken, doch ich hatte kein Glück. Es war ein Brief von Ian dabei, der jeden Monat treu und brav schrieb, aber nichts von Jenny; wir hatten seit sechs Monaten kein Wort mehr von ihr gehört, nicht mehr, seit Jamie ihr widerstrebend geschrieben hatte, um ihr vom Schicksal ihres jüngsten Sohnes zu berichten.

Ich runzelte die Stirn und legte den kleinen Briefstapel an den Rand des Schreibtisches, wo Jamie sich ihnen später widmen konnte. Unter den gegebenen Umständen konnte ich Jenny kaum Vorwürfe machen – doch ich war schließlich dabei gewesen. Es war nicht Jamies Schuld gewesen, auch wenn er die Verantwortung dafür auf sich genommen hatte. Ian hatte selbst beschlossen, bei den Mohawk zu bleiben. Er war ein Mann, wenn auch ein junger, und die Entscheidung hatte bei ihm gelegen. Andererseits, so besann ich mich, war er noch ein Junge gewesen, als er seine Eltern verließ, und für Jenny war er es wahrscheinlich immer noch.

Dennoch wusste ich, dass ihr Schweigen Jamie tief verletzte. Er schrieb weiterhin an sie, wie er es immer getan hatte, und brachte fast jeden Abend stur ein paar Absätze für sie zu Papier. Er sammelte die Seiten, bis jemand nach Cross Creek oder Wilmington reiste. Er sagte es nie laut, doch ich sah jedes Mal, wie seine Augen auf der Suche nach ihrer Handschrift über den Briefstapel huschten und sein Mundwinkel sich beinahe unmerklich verspannte, wenn er sie nicht fand.

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