Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Eine Reihe mit Brühe gefüllter Schalen stand an der Rückseite meiner Arbeitsfläche, jede mit einem Stück Musselin bedeckt, um zu verhindern, dass etwas hineinfiel – Insekten, Staubpartikel und Mäusekot, von Mäusen ganz zu schweigen. Ich hatte die Brühe gefiltert und abgekocht und dann jede einzelne Schale mit kochendem Wasser ausgespült, bevor ich sie mit der dampfenden, braunen Flüssigkeit füllte. Das war das sterilste Medium, das ich zuwege brachte.
Dann hatte ich von jeder meiner besten Schimmelproben etwas abgeschabt und das Messer sanft durch die abgekühlte Brühe gezogen, um die weichen, blauen Klümpchen so gut wie möglich zu verteilen, bevor ich die Schale wieder mit ihrem Tuch zudeckte und sie einige Tage zur Inkubation stehen ließ.
Einige der Kulturen waren gut gediehen, andere waren eingegangen. Ein paar der Schalen wiesen haarige Klumpen auf, die wie abgetauchte Meerestiere dunkel und unheimlich unter der Oberfläche dahintrieben. Irgendein Eindringling – eine Schimmelart, ein Bakterium oder vielleicht eine Algensorte, aber nicht das kostbare Penicillium.
Ein anonymes Kind hatte eine der Schalen verschüttet; Adso hatte eine weitere zu Boden gestoßen, vom Geruch der Gänsebrühe zum Wahnsinn getrieben, und hatte ihren Inhalt inklusive Schimmel mit allen Anzeichen des Hochgenusses aufgeschleckt. In dieser Schale hatte sich offensichtlich keine toxische Substanz befunden; ich blickte zu der kleinen Katze hinunter, die sich an einem sonnigen Fleck auf dem Boden zusammengerollt hatte, ein Bild schlaftrunkenen Wohlbefindens.
Doch in drei der verbleibenden Schalen war die Oberfläche von schwammigen Matten aus blau geflecktem Samt überzogen, und meine Untersuchung einer Probe daraus hatte mir gerade bestätigt, dass ich tatsächlich hatte, wonach ich suchte. Es war nicht der Schimmelpilz selbst, der antibiotisch wirkte – es war ein klares Sekret, das von ihm abgesondert wurde, als Mittel zum Schutz vor Bakterienattacken. Diese Substanz war das Penizillin, und das war es, was ich wollte.
Ich hatte Jamie das alles erklärt, während er auf einem Hocker saß und mir zusah, wie ich die Brühe mit den lebenden Kulturen erneut durch ein Stück Gaze goss, um sie zu filtern.
»Dann hast du jetzt also Brühe, in die der Schimmelpilz gepisst hat, aye? Das ist sehr vernünftig.«
»Ach ja?«
»Nun, man benutzt ja auch andere Pissearten als Arznei, warum also nicht auch diese?«
Er hob zur Illustration das große, schwarze Notizbuch. Ich hatte es aufgeschlagen auf der Arbeitsfläche liegen gelassen, nachdem ich die jüngste Serie meiner Experimente protokolliert hatte, und er hatte sich mit der Lektüre einiger Seiten amüsiert, die der Vorbesitzer des Buches, ein gewisser Dr. Daniel Rawlings, beschriftet hatte.
»Daniel Rawlings vielleicht – ich nicht.« Da ich beide Hände voll zu tun hatte, wies ich mit dem Kinn auf den Eintrag auf der geöffneten Seite. »Wozu hat er sie denn benutzt?«
»Latwerge zur Behandlung von Skorbut«, las er, und sein Finger folgte den kleinen Zeilen in Rawlings’ ordentlicher Schrift. »Zwei Knoblauchknollen, mit sechs Radieschen zerstampft, dazu Perubalsam und zehn Tropfen Myrrhe, zu mischen mit dem Wasser eines männlichen Kindes, bis es gut trinkbar ist.«
»Von der letzten Zutat abgesehen, hört es sich wie eine ziemlich exotische Würzmischung an«, sagte ich belustigt. »Was meinst du, wozu sie wohl am besten passt? Hasenschmorbraten? Kalbsragout?«
»Nein, Kalb schmeckt zu mild für die Radieschen. Hammeleintopf vielleicht«, erwiderte er. »Hammel kann alles vertragen.« Er fuhr sich geistesabwesend mit der Zunge über die Oberlippe.
»Warum ein männliches Kind, was meinst du, Sassenach? Diese Vorschrift habe ich schon öfter in solchen Rezepten gefunden – Aristoteles spricht davon, und einige andere der antiken Philosophen auch.«
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu und begann, meine Objektträger wegzuräumen.
»Nun, es ist in jedem Fall einfacher, den Urin eines Jungen aufzufangen als den eines kleinen Mädchens; probier es ruhig einmal aus. Und seltsamerweise ist der Urin männlicher Babys sehr sauber, wenn auch nicht ganz steril; vielleicht ist den antiken Philosophen ja aufgefallen, dass ihre Formeln bessere Ergebnisse zeitigten, wenn sie Kinderurin an Stelle des üblichen Trinkwassers benutzten, falls sie dies aus öffentlichen Aquädukten und Brunnen holten.«
»Steril bedeutet Freiheit von Keimen, nicht Unfruchtbarkeit?« Er warf meinem Mikroskop einen argwöhnischen Blick zu.
»Ja. Oder besser – es vermehren sich keine Keime darin, weil keine da sind.«
Da ich jetzt die Arbeitsfläche bis auf das Mikroskop und die Gefäße mit der penizillinhaltigen Brühe – zumindest hoffte ich, dass sie penizillinhaltig war – leer geräumt hatte, begann ich mit den Vorbereitungen für die Operation. Ich holte die kleine Kiste mit meinen chirurgischen Instrumenten herunter und nahm eine große Flasche mit Rohalkohol aus dem Schrank.
Ich reichte sie Jamie zusammen mit dem kleinen Alkoholbrenner, den ich konstruiert hatte – eine leere Tintenflasche mit einem gedrehten Docht aus gewachstem Flachs, der durch einen Korken im Hals der Flasche lief.
»Mach mir das bitte voll, ja? Wo sind die Jungen?«
»Betrinken sich in der Küche.« Er runzelte konzentriert die Stirn, während er den Alkohol eingoss. »Ist der Urin kleiner Mädchen denn nicht sauber? Oder ist er nur schwieriger zu bekommen?«
»Nein, er ist tatsächlich nicht so sauber wie der eines Jungen.« Ich breitete ein sauberes Tuch auf der Arbeitsfläche aus und legte zwei Skalpelle, eine langschenklige Zange und eine Handvoll kleinerer Kautereisen darauf zurecht. Ich kramte im Schrank herum und brachte ein paar Baumwollbäusche zum Vorschein. Baumwollstoff war fürchterlich teuer, aber ich hatte das Glück gehabt, Farquard Campbells Frau im Austausch für ein Glas Honig einen Sack Rohbaumwolle abzuluchsen.
»Man könnte es so ausdrücken, dass der … äh … Weg nach draußen weniger direkt ist. Also nimmt der Urin Bakterien und Ablagerungen aus den Hautfalten mit.« Ich sah mich nach ihm um und lächelte. »Nicht, dass du deshalb Grund hättest, dir überlegen vorzukommen.«
»Das würde mir im Traum nicht einfallen«, versicherte er mir. »Bist du fertig, Sassenach?«
»Ja, geh sie holen. Oh, und bring die große Schüssel mit!«
Er ging aus dem Zimmer, und ich drehte mich zum Fenster um, das nach Osten zeigte. Tags zuvor hatte es heftig geschneit, doch heute war ein schöner, heller Tag, klar und kalt, und die Sonne spiegelte sich mit dem Funkeln einer Million Diamanten in den schneebedeckten Bäumen. Ich hätte mir keinen besseren Tag wünschen können; ich würde jedes Fünkchen Licht brauchen, das ich bekommen konnte.
Ich legte die Kautereisen zum Erhitzen in das kleine Kohlebecken. Dann holte ich mein Amulett aus dem Schrank, legte es mir um den Hals, so dass es unter dem Mieder meines Kleides hing, und nahm die schwere Leinenschürze von ihrem Haken hinter der Tür. Ich zog auch diese an, dann trat ich zum Fenster und blickte auf die gefrorene Zuckergusslandschaft hinaus, um meinen Verstand zu leeren und meinen Geist auf mein Vorhaben vorzubereiten. Es war keine schwierige Operation, und ich hatte sie schon oft durchgeführt – allerdings noch nie an einem Patienten, der aufrecht und bei Bewusstsein vor mir saß, und das war immer etwas anderes.
Außerdem war das letzte Mal mehrere Jahre her, und ich schloss die Augen, um mich daran zu erinnern, mir die einzelnen Schritte bildlich vorzustellen, und ich spürte, wie die Muskeln meiner Hand als Reaktion auf meine Gedanken zuckten und die Bewegungen vorwegnahmen, die ich machen würde.
»Gott steh mir bei«, flüsterte ich und bekreuzigte mich.
Stolpernde Schritte, kichernde Stimmen und Jamies brummende Stimme kamen aus dem Flur, und ich drehte mich lächelnd um, um meine Patienten zu begrüßen.
Ein Monat mit gutem Essen, sauberen Kleidern und warmen Betten hatte den Beardsleys immens gut getan, sowohl, was ihre Gesundheit, als auch ihre Erscheinung anging. Sie waren beide immer noch klein, hager und leicht o-beinig, doch ihre eingefallenen Gesichter hatten sich ein wenig ausgefüllt, ihr dunkles Haar umrahmte weich ihre Köpfe, und der Ausdruck gehetzten Argwohns war zumindest zum Teil aus ihren Augen gewichen.