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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Im Moment war der Blick besagter Augen leicht glasig, und Lizzie sah sich gezwungen, Keziah am Arm zu packen, damit er nicht über einen Hocker stolperte. Jamie hatte Josiah fest an der Schulter ergriffen; er schob den Jungen zu mir herüber, dann stellte er die Puddingschüssel ab, die er unter dem anderen Arm trug.

»Alles in Ordnung?« Ich lächelte Josiah an und drückte ihm beruhigend den Arm. Er schluckte krampfhaft und grinste mich Schauder erregend an; er war nicht betrunken genug, um keine Angst zu haben.

Ich ließ ihn Platz nehmen, plauderte beruhigend auf ihn ein, schlang ihm ein Handtuch um den Hals und stellte ihm die Schüssel auf den Schoß. Ich hoffte, er würde sie nicht fallen lassen; sie war aus Porzellan und war die einzige, große Schüssel, die wir hatten. Zu meiner Überraschung stellte sich Lizzie hinter ihn und legte ihm ihre kleinen Hände auf die Schultern.

»Willst du wirklich hierbleiben, Lizzie?«, fragte ich skeptisch. »Ich glaube, wir kommen gut zurecht.« Jamie war an Blut und allgemeines Gemetzel mehr als gewöhnt; dagegen konnte ich mir nicht vorstellen, dass Lizzie jemals mehr als die üblichen Krankheiten und vielleicht die eine oder andere Geburt mit angesehen hatte.

»Oh, nein, Ma’am; ich bleibe.« Sie schluckte ebenfalls, machte aber ein tapferes Gesicht. »Ich habe Jo und Kezzie versprochen, dass ich die ganze Zeit bei ihnen bleibe.«

Ich sah Jamie an, und er zog eine Schulter zu einem angedeuteten Achselzucken hoch.

»Nun gut.« Ich ergriff eins der Steingutgefäße mit der Penizillinbrühe, verteilte sie auf zwei Tassen und gab jedem der Zwillinge eine zu trinken.

Die Magensäure würde wahrscheinlich den Großteil des Penizillins außer Gefecht setzen, doch es würde – so hoffte ich – die Bakterien in ihren Hälsen abtöten. Eine weitere Dosis, mit der ich die wunden Stellen nach der Operation spülen würde, beugte vielleicht einer Entzündung vor.

Es war unmöglich, exakt zu wissen, wie viel Penizillin sich in der Brühe befand; möglich, dass ich ihnen massive Dosen verabreichte – oder zu wenig, um etwas zu bewirken. Immerhin war ich mir einigermaßen sicher, dass das Penizillin in der Brühe – wie viel es auch sein mochte – im Augenblick aktiv war. Ich hatte keine Möglichkeit, das Antibiotikum zu stabilisieren, und keine Ahnung, wie lange es wirksam bleiben mochte – doch so frisch, wie die Lösung war, musste sie einfach medizinisch aktiv sein, und die Chancen, dass der Rest der Brühe wenigstens die nächsten paar Tage brauchbar blieb, standen nicht schlecht.

Ich würde neue Kulturen ansetzen, sobald die Operation vorüber war; mit etwas Glück konnte ich den Zwillingen das Mittel drei oder vier Tage lang regelmäßig verabreichen und so – mit noch mehr Glück – eine Infektion verhindern.

»Oh, man kann es also auch trinken, aye?« Jamie betrachtete mich zynisch über Josiahs Kopf hinweg. Ich hatte ihm vor einigen Jahren nach einer Schussverletzung Penizillin gespritzt, und offensichtlich war er jetzt der Meinung, dass ich dies aus reinem Sadismus getan hatte.

Ich erwiderte seinen Blick.

»Man kann. Injizierbares Penizillin ist viel effektiver, vor allem im Fall akuter Infektionen. Allerdings habe ich nicht die Mittel, es zu injizieren, und dies soll nur verhindern, dass sie sich eine Infektion zuziehen, es soll keine heilen. Wenn wir dann jetzt fertig sind …«

Ich hatte gedacht, dass Jamie den Patienten festhalten würde, doch Lizzie und Josiah beharrten darauf, dass dies nicht nötig sei; Josiah würde ganz still sitzen, ganz gleich, was geschah. Lizzie umfasste dennoch seine Schultern, ihr Gesicht blasser als das seine, und ihre kleinen Fingerknöchel traten scharf und weiß hervor.

Ich hatte die beiden Jungen tags zuvor ausführlich untersucht, betrachtete sie jedoch auch jetzt noch einmal rasch, bevor ich anfing. Ich behalf mir mit einem Zungenstäbchen aus Eschenholz. Ich zeigte Jamie, wie er es benutzen musste, um die Zunge beiseite gepresst zu halten, dann griff ich zu Zange und Skalpell und holte tief Luft.

Ich blickte Josiah tief in die dunklen Augen und lächelte; ich konnte zwei winzige Spiegelbilder meines Gesichtes darin sehen, und beide trugen einen angenehm kompetenten Ausdruck.

»Kann es losgehen?«, fragte ich.

Er konnte nicht sprechen, da seine Zunge niedergepresst war, doch er gab ein gutmütiges Grunzen von sich, das ich als Zustimmung interpretierte.

Ich musste schnell sein, und das war ich auch. Die Vorbereitungen hatten Stunden in Anspruch genommen; die Operation selbst dauerte nicht mehr als ein paar Sekunden. Ich ergriff die erste der schwammigen, roten Mandeln mit der Zange, zog sie zu mir hin und machte mehrere kleine, schnelle Schnitte, so dass die Gewebeschichten ordentlich durchtrennt wurden. Ein Blutrinnsal lief dem Jungen aus dem Mund und über das Kinn, doch es war nichts Ernstes.

Ich löste das Gewebeklümpchen, ließ es in die Schüssel fallen und nahm die andere Mandel in die Zange, um den Vorgang dort zu wiederholen, diesmal etwas langsamer, da ich mit der falschen Hand arbeiten musste.

Das Ganze konnte nicht länger als dreißig Sekunden pro Seite gedauert haben. Ich zog die Instrumente aus Josiahs Mund, und er starrte mich erstaunt an. Dann hustete er, würgte, beugte sich vor, und ein weiteres Fleischstückchen landete mit einem leisen Pitsch in der Schüssel, zusammen mit ein wenig hellrotem Blut.

Ich packte ihn bei der Nase und schob seinen Kopf zurück, stopfte ihm Wattebäusche in den Mund, um so viel Blut zu absorbieren, dass ich sehen konnte, was ich tat, dann ergriff ich ein kleines Kautereisen und versorgte die größeren Blutgefäße; die kleineren konnten von selbst verkrusten und heilen.

Seine Augen tränten heftig, und seine Hände hielten die Schüssel in einem Würgegriff umklammert, doch er hatte sich weder bewegt noch ein Geräusch gemacht. Nach allem, was ich gesehen hatte, als Jamie die Brandmarke von seinem Daumen entfernte, hatte ich auch nicht damit gerechnet. Lizzie hatte ihn immer noch an den Schultern gepackt, ihre Augen fest geschlossen. Jamie streckte eine Hand aus und klopfte ihr auf den Ellbogen, und sie riss die Augen auf.

»So, a muirninn, er ist fertig. Nimm ihn mit und bring ihn zu Bett, aye?«

Doch Josiah weigerte sich zu gehen. Stumm wie sein Bruder schüttelte er heftig den Kopf und setzte sich auf einen Hocker, auf dem er schwankend und bleich sitzen blieb. Er grinste seinen Bruder mit blutumrahmten Zähnen Schauder erregend an.

Lizzie stand zögernd zwischen den beiden Brüdern und blickte vom einen zum anderen. Jo fing ihren Blick auf und wies entschlossen auf Keziah, der jetzt mit gespielter Tapferkeit und erhobenem Kinn auf dem Patientenhocker Platz genommen hatte. Sie tätschelte Josiah sanft den Kopf und trat dann unverzüglich zu Keziah, um ihm die Hände auf die Schultern zu legen. Er spähte hinter sich und lächelte sie erstaunlich liebenswert an, dann neigte er den Kopf und küsste ihr die Hand. Schließlich wandte er sich mir zu, schloss die Augen und öffnete den Mund; er sah aus wie ein Jungvogel, der um Würmer bettelt.

Diese Operation war etwas komplizierter; seine Mandeln und Polypen waren fürchterlich angeschwollen und durch chronische Infektionen schlimm vernarbt. Es war eine blutige Angelegenheit; sein Handtuch und meine Schürze waren voller Spritzer, als ich schließlich zum Ende kam. Ich kauterisierte die Wunden und warf einen genauen Blick auf meinen Patienten, der so weiß war wie der Schnee draußen und dessen Blick vollkommen glasig geworden war.

»Alles in Ordnung?«, fragte ich. Er konnte mich nicht hören, aber meine besorgte Miene war deutlich genug. Sein Mund zuckte in einem tapferen Versuch zu lächeln. Er begann zu nicken; dann verdrehten sich seine Augen, und er rutschte vom Hocker und landete mit einem Krach zu meinen Füßen. Jamie fing zielsicher die Schüssel auf.

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