Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Hier hatte sie den Rest der Zeile durchgeschwärzt und eine kleine, unwirsche Randnotiz angefügt, die lautete,
Tja, die ganzen Bücher, die ich gelesen habe, konnten es ja auch nicht beschreiben!
Trotz seiner schockierten Faszination lachte Roger laut auf, dann würgte er das Lachen ab, sah sich hastig um und überzeugte sich, dass er nach wie vor allein war. Er hörte Geräusche in der Küche, aber keine Schritte im Flur, und seine Augen kehrten zu der Seite zurück wie Eisenspäne, die von einem Magneten angezogen werden.
Ich hatte meine Augen geschlossen – im Traum, meine ich – und lag da und wurde immer noch von diesen kleinen Elektroschocks durchzuckt, und dann habe ich die Augen geöffnet, und der Mann in mir war Stephen Bonnet.
Ich habe mich so erschrocken, dass ich aufgewacht bin. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich geschrien – meine Kehle war ganz rau –, aber das konnte nicht sein, weil Roger und das Baby fest schliefen. Mir war am ganzen Körper heiß, so heiß, dass ich geschwitzt habe, aber mir war auch kalt, und ich hatte Herzklopfen. Es hat lange gedauert, bis ich mich so weit beruhigt hatte, dass ich wieder einschlafen konnte; die Vögel haben schon gesungen.
Das ist es auch gewesen, was mich schließlich wieder hat einschlafen lassen – die Vögel. Pa – und Daddy auch, wenn ich es mir so überlege – hat mir gesagt, dass Spechte und Krähen zwar Alarm schlagen, aber dass die Singvögel aufhören zu singen, wenn jemand in die Nähe kommt, dass man also im Wald darauf achten soll. Bei so viel Lärm in den Bäumen rings um das Haus wusste ich, dass keine Gefahr drohte – es war niemand da.
Am Ende der Seite war eine kleine, freie Stelle. Er blätterte um und spürte den Schweiß auf seinen Handflächen. Sein Herzschlag dröhnte ihm in den Ohren. Oben auf der Seite ging der Eintrag weiter. Bis dahin war die Handschrift flüssig und beinahe hastig gewesen, die Buchstaben waren flach gedrückt über die Seite gerast. Hier waren sie mit mehr Sorgfalt hingemalt, rund und aufrecht, als sei Brianna nach dem ersten Schock noch einmal zurückgekehrt, um hartnäckig und vorsichtig weiter darüber nachzudenken.
Ich habe versucht, es zu vergessen, aber das hat nicht funktioniert. Ich musste wieder und wieder daran denken, also bin ich schließlich allein in den Kräuterschuppen gegangen, um dort zu arbeiten. Mama passt auf Jemmy auf, wenn ich dort bin, weil er seine Finger nicht bei sich behalten kann, also wusste ich, dass ich allein sein würde. Ich habe mich mitten zwischen die aufgehängten Bündel gesetzt, die Augen geschlossen und versucht, mich an jedes winzige Detail zu erinnern und mir die unterschiedlichen Teile ins Gedächtnis zu rufen. »Das ist okay«, oder »Das ist nur ein Traum.« Denn Stephen Bonnet hat mir Angst gemacht, und mir wurde übel, wenn ich an das Ende gedacht habe – aber ich wollte mich wirklich daran erinnern, wie es war. Wie es sich angefühlt hat und wie ich es gemacht habe, damit ich es vielleicht noch einmal tun kann, mit Roger.
Aber ich habe dieses Gefühl, dass ich es nicht kann, es sei denn, Rogers geheimer Name fällt mir wieder ein.
An dieser Stelle endete der Eintrag. Auf der nächsten Seite standen noch mehr Träume, aber Roger las nicht weiter. Er schloss das Buch ganz vorsichtig und steckte es hinter den anderen wieder in das Regal. Er erhob sich und stellte sich ans Fenster. Er blickte eine Zeit lang hinaus und rieb sich unbewusst mit den schwitzenden Handflächen über die Nähte seiner Hose.
FÜNFTER TEIL
Besser zu heiraten, als zu brennen
Kapitel 39
Im Garten der Lüste
Meinst du, sie schlafen in einem Bett?«
Jamie erhob seine Stimme nicht, doch er bemühte sich auch nicht, sie zu senken. Zum Glück standen wir am anderen Ende der Terrasse, außer Hörweite des Brautpaars. Doch eine ganze Reihe von Köpfen wandte sich in unsere Richtung.
Ninian Bell Hamilton starrte uns offen an. Ich lächelte dem älteren Schotten strahlend zu, grüßte ihn mit einer kleinen Geste meines geschlossenen Fächers und stieß Jamie energisch in die Rippen.
»Was für ein überaus anständiger Gedanke eines Neffen über seine Tante«, sagte ich mit gedämpfter Stimme.
Jamie trat außer Reichweite meines Ellbogens und musterte mich mit hochgezogener Augenbraue.
»Was hat das denn mit Anstand zu tun? Sie heiraten doch. Und sind beide mehr als mündig«, fügte er hinzu, während er Ninian angrinste, der vor unterdrücktem Humor leuchtend rot wurde. Ich hatte keine Ahnung, wie alt Duncan Innes war, schätzte ihn aber auf Mitte fünfzig. Jamies Tante Jocasta musste mindestens ein Jahrzehnt älter sein.
Über die Köpfe der Menge hinweg konnte ich knapp sehen, wie Jocasta am anderen Ende huldvoll ihre Nachbarn und Freunde begrüßte. Sie war eine hochgewachsene Frau und trug heute ein Kleid aus rostbraunem Wollstoff. Sie war von Steinvasen flankiert, die getrocknete Goldrutenbüschel enthielten; ihr schwarzer Butler Ulysses stand würdevoll in Perücke und grüner Livree daneben. Mit der eleganten, weißen Spitzenhaube, die ihre kühnen MacKenziezüge krönte, war sie unleugbar die Königin der Plantage von River Run. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und hielt nach ihrem Partner Ausschau.
Duncan war zwar etwas kleiner als Jocasta, aber er hätte dennoch zu sehen sein müssen. Etwas früher am Morgen hatte ich ihn auch schon gesehen, in die feinste, scharlachrote Highlandtracht gekleidet, in der er prachtvoll, wenn auch furchtbar befangen aussah. Ich reckte den Hals und legte Jamie die Hand auf den Arm, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Er ergriff meinen Ellbogen, um mich zu stützen.
»Wonach suchst du, Sassenach?«
»Duncan. Sollte er nicht bei deiner Tante sein?«
Niemand hätte Jocasta angesehen, dass sie blind war – dass sie zwischen den großen Vasen stand, um sich zu orientieren, oder dass Ulysses bei ihr war, um ihr die Namen der herannahenden Gäste ins Ohr zu flüstern. Ich sah, wie sich ihre linke Hand von ihrer Seite weg nach außen vortastete, nur Luft berührte und sich wieder senkte. Doch ihr Gesicht blieb unverändert; sie lächelte und nickte, während sie etwas zu Richter Henderson sagte.
»Vor der Hochzeitsnacht davongelaufen?«, mutmaßte Ninian und hob Kinn und Augenbrauen, um über die Menge hinwegspähen zu können, ohne sich auf die Zehen zu stellen. »Diese Aussicht würde mich wahrscheinlich auch ein bisschen nervös machen. Eure Tante ist eine stattliche Frau, Fraser, aber wenn sie es darauf anlegt, bekommt sogar der König von Japan weiche Knie.«
Jamies Mund zuckte.
»Vielleicht ist Duncan irgendwie verhindert«, sagte er. »Ganz gleich, warum, er ist heute Morgen schon dreimal auf dem Abort gewesen.«
Jetzt zog auch ich die Augenbrauen hoch. Duncan litt unter chronischer Verstopfung; Jamies rüden Bemerkungen über die Natur eines passenden Hochzeitsgeschenkes zum Trotz hatte ich sogar ein Paket mit Sennesblättern und Salomonssiegelwurzeln für ihn dabei. Duncan musste nervöser sein, als ich gedacht hatte.
»Nun, für meine Tante wird es keine große Überraschung werden; sie war ja schließlich schon dreimal verheiratet«, sagte Jamie, nachdem Hamilton ihm etwas zugemurmelt hatte. »Aber für Duncan wird es die erste Ehe. Das ist für jeden Mann ein Schock. Ich kann mich noch gut an meine eigene Hochzeitsnacht erinnern, aye?« Er grinste mich an, und ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg. Auch ich konnte mich daran erinnern – lebhaft.
»Ziemlich warm hier draußen, findest du nicht?« Ich schlug meinen Fächer zu einem Halbkreis aus elfenbeinfarbener Spitze auf und hielt ihn mir wedelnd vor die Wangen.
»Wirklich?«, sagte er und grinste mich weiter an. »Das war mir gar nicht aufgefallen.«
»Duncan aber«, meldete sich Ninian zu Wort. Er spitzte seine krausen Lippen, um sein Gelächter zu unterdrücken. »Als ich ihn zuletzt gesehen habe, hat er geschwitzt wie ein Pudding im Wasserbad.«