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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Kommt herein«, sagte ich, musste aber die Hand ausstrecken und ihn am Ärmel fassen, bevor er die Schwelle überschritt. Ich begriff, dass er noch nie zuvor im Sprechzimmer gewesen war; es waren gut fünf Meilen bis zum Haus der McGillivrays, und Frau McGillivray war bestens in der Lage, sich um die kleineren Erkrankungen ihrer Familie selbst zu kümmern.

Momentan waren meine Gefühle gegenüber Manfred nicht besonders mildtätig, doch ich gab ihm einen Hocker und fragte ihn, ob er gern einen Kaffee hätte. Ich hatte zwar eher das Gefühl, dass er etwas Hochprozentiges brauchen konnte, wenn ihm ein Gespräch mit Jamie und Joseph Wemyss bevorstand, aber es war wohl besser, wenn er einen klaren Kopf behielt.

»Nein, Ma’am«, sagte er. Er war blass und schluckte. »Ich meine, nein danke.«

Er sah extrem jung und furchtbar verängstigt aus.

»Bitte krempelt Euren Ärmel auf. Ich werde Euch etwas Blut abnehmen, aber es wird nicht sehr weh tun. Wie kam es, dass Ihr der, äh, jungen Dame begegnet seid? Myra, hieß sie so?«

»Aye, Ma’am.« Beim Klang ihres Namens stiegen ihm Tränen in die Augen; er hatte sie wohl wirklich geliebt, der arme Junge – oder es zumindest geglaubt.

Er war Myra in einem Wirtshaus in Hillsboro begegnet. Sie war ihm gütig vorgekommen, sagte er, und sie war sehr hübsch, und als sie den jungen Büchsenmacher bat, ihr ein Glas Genever zu spendieren, war er dem Wunsch nachgekommen und hatte sich wie ein Mann gefühlt.

»Also haben wir zusammen etwas getrunken, und sie hat mich angelacht, und …« Er schien nicht so recht erklären zu können, wie es dann weitergegangen war, aber er war in ihrem Bett aufgewacht. Damit war die Sache für ihn besiegelt, und von da an hatte er jede mögliche Entschuldigung genutzt, um nach Hillsboro zu reiten.

»Wie lange ging das schon so?«, fragte ich neugierig. Da ich keine vernünftige Kanüle hatte, um ihm Blut abzunehmen, hatte ich einfach die Ader an der Innenseite seines Ellbogens mit einer Lanzette angestochen und das aufquellende Blut in eine kleine Flasche laufen lassen.

Fast zwei Jahre anscheinend.

»Ich wusste, dass ich sie nicht heiraten konnte«, erklärte er ernst. »Meine Mutter hätte nie …« Er verstummte, und seine Miene nahm den Ausdruck eines Kaninchens an, das Jagdhunde in seiner Nähe hört. »Großer Gott!«, sagte er. »Meine Mutter!«

Ich hatte mich auch schon gefragt, wie es um diesen Teil der Affäre stand. Ute McGillivray würde alles andere als erfreut sein zu hören, dass ihr Augapfel, ihr einziger Sohn sich eine ehrenrührige Krankheit eingefangen hatte, die noch dazu zur Auflösung seiner sorgsam in die Wege geleiteten Verlobung sowie höchstwahrscheinlich zu einem Skandal führen würde, von dem das gesamte Hinterland hören würde. Die Tatsache, dass die Krankheit im Allgemeinen zum Tode führte, würde sie nur in zweiter Linie interessieren.

»Sie wird mich umbringen!«, sagte er. Er rutschte von seinem Hocker und krempelte hastig seinen Ärmel hinunter.

»Eher weniger«, sagte ich nachsichtig. »Obwohl ich annehme –«

In diesem ungünstigen Moment erklang das Geräusch der Hintertür, die sich öffnete, gefolgt von Stimmen in der Küche. Manfred erstarrte, und seine dunklen Locken bebten alarmiert. Dann setzten sich schwere Schritte durch den Flur zum Sprechzimmer in Bewegung, und er schoss durch das Zimmer, schwang sein Bein über die Fensterbank und war fort. Er hetzte wie ein Reh auf die Bäume zu.

»Komm zurück, du Esel!«, rief ich durch das offene Fenster.

»Welcher Esel denn, Tante Claire?« Ich drehte mich um und sah, dass die schweren Schritte zu Ian gehörten – schwer deshalb, weil er Lizzie Wemyss in den Armen trug.

»Lizzie! Was ist denn los? Hier, leg sie auf den Tisch.« Ich konnte sofort feststellen, was los war; das Malariafieber war zurückgekehrt. Sie war völlig schlaff, zitterte aber dennoch vor Kälte, und die Muskelkrämpfe schüttelten sie wie Gallert.

»Ich habe sie im Molkereischuppen gefunden«, sagte Ian und legte sie sanft auf den Tisch. »Der taube Beardsley kam herausgerannt, als wäre der Teufel hinter ihm her, hat mich gesehen und mich hineingezerrt. Sie hat auf dem Boden gelegen, das Butterfass umgekippt neben ihr.«

Das war sehr besorgniserregend – sie hatte seit einiger Zeit keinen Anfall mehr gehabt, aber zum zweiten Mal war die Attacke so plötzlich über sie gekommen, dass sie keine Hilfe mehr holen konnte, sondern sofort zusammengebrochen war.

»Das obere Bord im Schrank«, sagte ich zu Ian und drehte Lizzie hastig auf die Seite, um ihre Schnüre zu lösen. »Der blaue Tiegel – nein, der große.«

Er griff wortlos danach und öffnete das Gefäß schon, während er es mir brachte.

»Himmel, Tante Claire! Was ist das denn?« Er rümpfte die Nase über den Geruch der Salbe.

»Gallbeeren und Chinarinde in Gänseschmalz, unter anderem. Nimm etwas davon und fang an, ihr die Füße damit einzureiben.«

Er zog ein verwirrtes Gesicht, nahm vorsichtig eine Fingerspitze der rötlich grauen Creme und tat, was ich sagte. Lizzies kleiner nackter Fuß verschwand fast zwischen seinen großen Handflächen.

»Meinst du, sie wird wieder gesund, Tante Claire?« Er warf einen sorgenvollen Blick auf ihr Gesicht. Ihr Aussehen gab aber auch allen Grund dazu – ihre klamme Haut hatte die Farbe von Molke und war erschlafft, so dass ihre zarten Wangen vor Schüttelfrost bebten.

»Wahrscheinlich. Mach die Augen zu, Ian.« Ich hatte ihr Mieder gelockert und zog ihr jetzt das Kleid, die Unterröcke, Schürzentasche und das Korsett aus. Ich warf eine alte Decke über sie, bevor ich ihr das Hemd über den Kopf zog – sie besaß nur zwei und würde nicht wollen, dass eins davon durch den starken Geruch der Salbe ruiniert würde.

Ian hatte gehorsam die Augen geschlossen, massierte ihr aber systematisch weiter die Salbe in die Füße. Seine Stirn war leicht gerunzelt, so dass sich seine Augenbrauen zusammenzogen, und dieses sorgenvolle Aussehen verlieh ihm für ein paar Sekunden eine flüchtige, aber verblüffende Ähnlichkeit mit Jamie.

Ich zog den Salbentiegel an mich, nahm etwas Salbe heraus, griff unter die Decke und begann, die dünnere Haut unter ihren Achseln damit einzureiben, dann ihren Rücken und ihren Bauch. Ich konnte die Umrisse ihrer Leber deutlich fühlen, eine große feste Masse unterhalb ihrer Rippen. Geschwollen und empfindlich, denn Lizzie verzog bei meiner Berührung das Gesicht; ihre Leber war mit Sicherheit bereits dauerhaft geschädigt.

»Kann ich jetzt die Augen aufmachen?«

»Oh – ja, natürlich. Reib ihr die Beine ein, bitte, Ian.« Ich schob die Salbe wieder in seine Richtung und sah, dass sich in der Tür etwas bewegte. Einer der Beardsley-Zwillinge stand dort, hielt sich am Türrahmen fest und fixierte Lizzie mit seinen dunklen Augen. Es musste Kezzie sein; Ian hatte gesagt, »der taube Beardsley« hätte Hilfe geholt.

»Sie wird wieder gesund«, sagte ich laut zu ihm, und er nickte, dann warf er einen brennenden Blick auf Ian und verschwand.

»Wer war es, den du gerade angeschrien hast, Tante Claire?« Ian blickte zu mir auf, sicher ebenso sehr, um Lizzie gegenüber den Anstand zu wahren, wie aus Höflichkeit mir gegenüber; er hatte die Decke zurückgeschlagen, und seine großen Hände massierten die Salbe in die Haut über ihrem Knie. Seine Daumen kreisten sanft über die Rundungen ihrer Kniescheibe, deren Haut so dünn war, dass der perlmuttfarbene Knochen beinahe hindurchzuschimmern schien.

»Wer – oh. Manfred McGillivray«, sagte ich und erinnerte mich. »Verdammt! Das Blut!« Ich sprang auf und wischte mir hastig die Hände an meiner Schürze ab. Gott sei Dank hatte ich das Fläschchen verkorkt; das Blut darin war noch flüssig. Es würde sich aber nicht lange halten.

»Würdest du ihr auch die Hände und Arme einreiben, Ian? Ich muss das hier schnell erledigen.«

Er machte sich gehorsam daran zu tun, was ich sagte, während ich eilig Blutstropfen auf mehrere Objektträger verteilte und sie mit sauberen Glasscheiben verschmierte. Welches Färbemittel brachte wohl Spirochäten zum Vorschein? Keine Ahnung; ich würde sie alle ausprobieren.

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