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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Er begriff, dass er den Atem anhielt, weil er den Gestank nach Blut und entleerten Eingeweiden nicht riechen wollte. Er atmete ein, sanften Rauch und einen strengen Hauch von Körpergeruch, und er hätte weinen können, so sehr überwältigte ihn auf einmal die Sehnsucht nach der kalten, klaren Luft der Highlands mit ihren durchdringenden Düften nach Torf und Ginster.

Alexander Cameron sagte etwas zu ihm, doch er war zu keiner Reaktion fähig. Ian, der merkte, dass es ihm schwerfiel, beugte sich vor, um zu antworten, und alle lachten. Ian bedachte ihn mit einem fragenden Blick, wandte sich dann aber wieder der Unterhaltung zu und begann eine Geschichte über ein berühmtes Ballspiel, das er bei den Mohawk oft gespielt hatte. Ließ Jamie in Ruhe sitzen, eingehüllt in Rauch.

Vierzehn Männer. Und erinnerte sich an kein einziges Gesicht. Und dieser Daumen, der sich nicht entscheiden konnte. Was mochte er damit meinen? Dass er mit noch einem Mann gekämpft hatte, aber nicht bis zum Allerletzten?

Er hatte Angst davor, nur daran zu denken. Wusste nicht, was er mit der Erinnerung anfangen sollte. Gleichzeitig war er sich jedoch eines Gefühls der Ehrfurcht bewusst. Und war trotz allem dankbar, wenigstens das zurückzuhaben.

Es war sehr spät, und die meisten Männer hatten sich in ihre eigenen Häuser begeben oder lagen gemütlich am Feuer und schliefen. Ian hatte sich vom Feuer entfernt, war aber noch nicht zurück. Doch Cameron war noch da und rauchte jetzt seine eigene Pfeife, die er allerdings mit Bird teilte.

»Es gibt da etwas, das ich Euch sagen möchte«, sagte Jamie abrupt inmitten des schläfrigen Schweigens. »Euch beiden.« Bird zog langsam und fragend die Augenbrauen hoch, trunken vom Tabak.

Er hatte nicht gewusst, dass er vorhatte, es zu sagen. Er hatte vorgehabt, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten – wenn er überhaupt etwas sagte. Vielleicht war es die Enge des Hauses, die Dunkelheit und Intimität am Feuer oder die Wirkung des Tabaks. Vielleicht nur die Seelenverwandtschaft eines Heimatlosen mit jenen, denen das gleiche Schicksal bevorstand. Doch er hatte den Anfang gemacht; jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als ihnen zu erzählen, was er wusste.

»Die Frauen in meiner Familie sind –«, er suchte nach Worten, da er den richtigen Cherokeeausdruck nicht kannte, »Frauen, die im Traum sehen, was kommen wird.« Er warf einen raschen Blick auf Cameron, der sich anscheinend davon nicht aus der Ruhe bringen ließ, denn er nickte und schloss die Augen, um seine Lungen mit Rauch zu füllen.

»Dann haben sie das Zweite Gesicht?«, fragte er neugierig.

Jamie nickte; eine bessere Erklärung fiel ihm nicht ein.

»Sie haben etwas gesehen, das die Tsalagi betrifft. Meine Frau und meine Tochter haben es beide gesehen.«

Als er das hörte, merkte Bird auf. Träume waren wichtig; es war etwas Außergewöhnliches und daher besonders Wichtiges, wenn mehrere Personen dasselbe träumten.

»Es schmerzt mich, es Euch zu sagen«, sagte Jamie, und es war ihm Ernst. »In fünfzig Jahren werden die Tsalagi von ihrem Land geholt und an einen neuen Ort gebracht. Viele werden auf dieser Reise sterben, so dass der Weg, den sie gehen …«, er suchte nach dem Wort für »Tränen«, fand es nicht und schloss: »… ›der Marsch, auf dem sie weinten‹ genannt werden wird.«

Bird spitzte die Lippen, als wollte er an der Pfeife ziehen, doch sie rauchte unbeachtet in seiner Hand vor sich hin.

»Wer wird das tun?«, fragte er. »Wer kann das tun?«

Jamie holte tief Luft; hier kam das Problem. Und doch – es war so viel weniger problematisch, als er gedacht hatte, jetzt, da er einmal dabei war.

»Es werden Weiße sein. Aber es werden nicht die Männer des Königs sein.«

»Die Franzosen?«, sagte Cameron mit einem Hauch von Ungläubigkeit, doch er runzelte trotzdem die Stirn, während er versuchte, sich vorzustellen, wie es dazu kommen sollte. »Oder sind die Spanier gemeint? Die Spanier sind uns um einiges näher – aber sie sind nicht so viele.« Spanien hatte immer noch das Land südlich von Georgia und Teile der Westindischen Inseln in Besitz, doch die Engländer hatten Georgia fest in der Hand, und es schien kaum wahrscheinlich, dass die Spanier nach Norden vorrücken würden.

»Nein. Keine Spanier, keine Franzosen.« Er wünschte aus mehr als einem Grund, Ian wäre noch da. Doch er war es nicht, und so würde er weiter mit der Tsalagisprache kämpfen müssen – die eine interessante Sprache war, in der er sich jedoch nur über konkrete Dinge fließend unterhalten konnte … und deren Zukunft sehr begrenzt war.

»Was sie mir sagen – was meine Frauen sagen –« Er versuchte angestrengt, sinnvolle Worte zu finden. »Wenn sie etwas in ihren Träumen sehen, dann wird es auch geschehen, wenn es viele Menschen betrifft. Aber sie glauben, dass es nicht geschehen muss, wenn es nur wenige oder einen Menschen betrifft.«

Bird blinzelte verwirrt – kein Wunder. Grimmig versuchte er erneut, es zu erklären.

»Es gibt große Ereignisse, und es gibt kleine Ereignisse. Ein großes Ereignis ist ein Ereignis wie zum Beispiel eine große Schlacht oder der Aufstieg eines bedeutenden Häuptlings – obwohl er nur ein Mann ist, steigt er doch durch die Stimmen vieler auf. Wenn meine Frauen von diesen großen Dingen träumen, dann werden sie geschehen. Doch an jedem großen Ereignis sind viele Menschen beteiligt. Die einen sagen, macht es so; andere sagen, macht es anders.« Seine Hand vollführte eine Zickzackbewegung, und Bird nickte.

»Also. Wenn viele Menschen sagen, macht es so –«, er zeigte abrupt mit dem Finger nach links, »– dann geschieht es auch so. Aber was ist mit denen, die gesagt haben, macht es anders?« Und er wies mit dem Daumen in die andere Richtung. »Diese Menschen wählen vielleicht einen anderen Weg.«

Bird stieß das Hm-hm-hm-Geräusch aus, das seine Verblüffung ausdrückte.

»Also ist es möglich, dass einige nicht mitgehen?«, fragte Cameron scharf. »Und entkommen?«

»Ich hoffe es«, sagte Jamie schlicht.

Eine Weile saßen sie schweigend da, und jeder von ihnen starrte in das Feuer und sah seine eigenen Visionen – der Zukunft oder der Vergangenheit.

»Diese Frau, die Ihr habt«, sagte Bird schließlich sehr nachdenklich, »habt Ihr sehr viel für sie bezahlt?«

»Sie hat mich fast alles gekostet, was ich hatte«, sagte er in so trockenem Tonfall, dass die anderen lachten. »Aber sie ist es wert.«

Es war sehr spät, als er sich zum Gästehaus begab; der Mond war untergegangen, der Himmel strahlte tiefe Heiterkeit aus, und die Sterne sangen in der endlosen Nacht vor sich hin. Jeder Muskel seines Körpers schmerzte, und er war so müde, dass er auf der Schwelle stolperte. Doch seine Instinkte waren noch intakt, und obwohl er kaum etwas sah, spürte er, wie sich im Schatten des Schlaflagers jemand bewegte.

Gott, Bird gab einfach keine Ruhe. Nun, heute Nacht würde es keine Rolle spielen; er konnte nackt inmitten einer ganzen Schar junger Frauen liegen und würde trotzdem fest schlafen. Zu erschöpft, um sich über ihre Anwesenheit zu ärgern, suchte er nach einem höflichen Gruß. Dann stand sie auf.

Der Feuerschein zeigte ihm eine ältere Frau, ihr Haar in graumelierten Zöpfen, ihr weißes Hirschlederkleid mit Bemalungen und Stachelschweinstacheln verziert. Er erkannte Calls-in-the-Forest – Die-im-Wald-ruft – in ihrem Sonntagsstaat. Jetzt war der Humor ganz mit Bird durchgegangen; er hatte Jamie seine Mutter geschickt.

Jede Fähigkeit, sich auf Tsalagi zu verständigen, versagte ihm den Dienst. Er öffnete den Mund, gaffte sie jedoch einfach nur an. Sie lächelte kaum merklich und hielt ihm die Hand entgegen.

»Kommt und legt Euch nieder, Bärentöter«, sagte sie. Ihre Stimme war gütig und rauh. »Ich bin hier, um Euch die Schlangen aus dem Haar zu kämmen.«

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