Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Schlimmer noch war, dass es Ute zwar nicht gelungen war, ihre Drohung gänzlich wahr zu machen, dass sie ihre nahen Verwandten jedoch hatte beeinflussen können – darunter auch Pastor Berrisch und seine Schwester Monika, der man, wie mir Jamie unter vier Augen sagte, verboten hatte, Joseph je wiederzusehen oder auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln.
»Der Pastor hat sie zu Verwandten seiner Frau in Halifax geschickt«, sagte er und schüttelte traurig den Kopf. »Damit sie vergisst.«
»Oje.«
Und von Manfred gab es nicht die geringste Spur. Jamie hatte die Nachricht durch all seine üblichen Kanäle verbreitet, doch niemand hatte ihn seit seiner Flucht aus Fraser’s Ridge gesehen. Ich dachte täglich an ihn – und betete für ihn –, verfolgt von der Vorstellung, wie er allein durch die Wälder schlich, während sich die tödlichen Spirochäten in seinem Blut mit jedem Tag vervielfachten. Oder schlimmer noch, wie er als Handlanger auf einem Schiff zu den Westindischen Inseln reiste und in jedem Hafen haltmachte, um seinen Schmerz in den Armen ahnungsloser Huren zu ertränken, an die er die lautlose, tödliche Erkrankung weitergab, die sie dann wiederum …
Oder manchmal auch das alptraumhafte Bild eines verrottenden Kleiderbündels, das tief im Wald an einem Ast baumelte, betrauert allein von den Krähen, die ihm das Fleisch von den Knochen pickten. Und trotz allem brachte ich es nicht übers Herz, Ute McGillivray zu hassen, denn sie musste schließlich Ähnliches denken.
Der einzige Lichtblick in diesem ganzen Elend war die Tatsache, dass Thomas Christie es Malva völlig wider Erwarten erlaubt hatte, weiter zu mir ins Sprechzimmer zu kommen, mit der einzigen Einschränkung, dass er im Voraus unterrichtet werden wollte, wenn ich vorhatte, seine Tochter an weiteren Anwendungen des Äthers zu beteiligen.
»Da.« Ich trat zurück und wies sie mit einer Geste an, durch das Okular des Mikroskops zu blicken. »Seht Ihr sie?«
Sie spitzte in stummer Faszination die Lippen. Es hatte mich beträchtliche Mühe gekostet, die richtige Kombination aus Färbemittel und Sonnenstand zu finden, die die Spirochäten sichtbar machte, doch schließlich war es mir gelungen. Sie waren nicht sehr deutlich zu erkennen, doch man sah sie, wenn man wusste, wonach man suchte. Und obwohl ich von der Richtigkeit meiner ursprünglichen Diagnose überzeugt war, war ich erleichtert, sie zu sehen.
»Oh, ja! Kleine Spiralen. Ich erkenne sie gut!« Sie blinzelte zu mir auf. »Wollt Ihr mir wirklich erzählen, dass diese kleinen Dinger der Grund für Manfreds Krankheit sind?« Sie war zu höflich, um offene Skepsis an den Tag zu legen, aber ich konnte sie in ihren Augen sehen.
»Genau.« Ich hatte die Theorie, dass Krankheiten durch Keime ausgelöst werden, schon einer ganzen Reihe ungläubiger Zuhörer aus dem achtzehnten Jahrhundert vorgetragen, und im Licht dieser Erfahrung hatte ich keine großen Erwartungen mehr auf eine positive Aufnahme. Die normalen Reaktionen waren entweder verständnislose Blicke, nachsichtiges Gelächter oder verächtlich gerümpfte Nasen. Auch von Malva erwartete ich eine höfliche Version einer dieser Reaktionen.
Zu meiner Überraschung schien sie diese Vorstellung jedoch sofort zu begreifen – zumindest gab sie vor, es zu tun.
»Aha.« Sie stützte sich mit beiden Händen auf die Arbeitsplatte und linste erneut auf die Spirochäten. »Diese kleinen Tierchen verursachen also die Syphilis. Wie machen sie das? Und wie kommt es, dass die kleinen Wesen aus meinen Zähnen, die Ihr mir gezeigt habt, mich nicht krank machen?«
So gut ich konnte, erklärte ich ihr von »guten Keimen« oder »wirkungslosen Keimen« im Gegensatz zu »bösen Keimen«. Auch das schien sie problemlos zu begreifen. Doch nachdem ich ihr erklärt hatte, was Zellen waren und dass der ganze Körper daraus bestand, blickte sie mit einem verwirrten Stirnrunzeln auf ihre Hand und versuchte, die einzelnen Zellen auszumachen. Doch dann schüttelte sie ihren Zweifel ab, wickelte die Hand in ihre Schürze und fragte mich weiter aus.
Verursachten alle Keime Krankheiten? Das Penizillin – warum bekämpfte es einige Keime, aber nicht alle? Und wie gelangten sie von einer Person zur nächsten?
»Manche werden durch die Luft übertragen – weshalb man versuchen muss zu vermeiden, dass man angehustet oder angeniest wird – und manche durch Wasser – weshalb man nicht aus Bächen trinken darf, die von anderen als Abort benutzt werden, und manche … nun, auf anderen Wegen.« Mir war nicht klar, wie viel sie über den menschlichen Geschlechtsverkehr wusste – sie lebte auf einer Farm und musste ja wissen, wie sich Schweine, Hühner und Pferde verhielten –, und es widerstrebte mir, sie aufzuklären, bevor am Ende ihr Vater davon hörte. Ich hatte das Gefühl, dass er sie lieber mit Äther umgehen lassen würde.
Natürlich nagelte sie mich auf meiner ausweichenden Antwort fest.
»Andere Wege? Was gibt es denn für andere Wege?« Mit einem innerlichen Seufzer erklärte ich es ihr.
»Sie tun was?«, sagte sie ungläubig. »Männer, meine ich. Wie ein Tier! Warum in aller Welt sollte eine Frau zulassen, dass ein Mann ihr so etwas antut?«
»Nun, sie sind schließlich Tiere«, sagte ich und unterdrückte den Drang zu lachen. »Genau wie Frauen. Was den Grund dafür angeht …« Ich rieb mir die Nase, während ich nach einer taktvollen Formulierung suchte. Sie war mir jedoch schon meilenweit voraus und machte sich ihren eigenen Reim darauf.
»Gegen Geld«, sagte sie, und ihr Gesicht war wie vom Donner gerührt. »Das ist es, was eine Hure tut! Sie lässt es gegen Geld mit sich machen.«
»Nun, ja – aber Frauen, die keine Huren sind …«
»Die Kinder, aye, das habt Ihr ja gesagt.« Sie nickte, dachte aber eindeutig an andere Dinge und hatte ihre kleine, glatte Stirn konzentriert gerunzelt.
»Wie viel Geld bekommen sie?«, fragte sie. »Ich glaube, ich würde eine Menge verlangen, damit ein Mann –«
»Ich weiß es nicht«, sagte ich ein wenig überrumpelt. »Es ist unterschiedlich, nehme ich an. Je nachdem.«
»Je nachdem … Oh, wenn er vielleicht hässlich ist, meint er, könnte man sich mehr bezahlen lassen? Oder wenn sie hässlich ist …« Sie warf mir einen raschen, neugierigen Blick zu. »Bobby Higgins hat mir von einer Hure erzählt, der er in London begegnet ist und deren Gesicht von Vitriol zerstört war.« Sie hob den Blick zum Schrank, in dem ich die Schwefelsäure unter Schloss und Riegel aufbewahrte, und erschauerte, so dass ihre zarten Schultern bei der Vorstellung erbebten.
»Ja, das hat er mir auch erzählt. Vitriol ist das, was wir eine ätzende Flüssigkeit nennen. Das ist der Grund –«
Aber ihre Gedanken waren schon wieder zum Gegenstand ihrer Faszination zurückgekehrt.
»Sich vorzustellen, dass Manfred McGillivray so etwas tut!« Sie sah mich mit großen Augen an. »Nun, und Bobby. Er muss es doch getan haben, oder nicht?«
»Ich glaube schon, dass Soldaten öfter –«
»Aber die Bibel«, sagte sie und blinzelte nachdenklich. »Dort steht, man darf keinem Götzenbild hinterherhuren. Heißt das, die Männer haben ihre Glieder in – meint Ihr, die Götzenbilder haben ausgesehen wie Frauen?«
»Das ist mit Sicherheit nicht gemeint«, sagte ich hastig. »Es ist eher eine Metapher. Äh … ich denke, es bedeutet, dass einen die Lust nach etwas beherrscht, nicht, äh …«
»Lust«, sagte sie nachdenklich. »Das ist, wenn man sündhaft nach etwas verlangt, nicht wahr?«
»Ja, genau.« Hitze überflutete meine Haut in tanzenden kleinen Schleiern. Ich brauchte schnell kühle Luft, sonst würde ich rot werden wie eine Tomate und in Schweiß gebadet sein. Ich stand auf, um ins Freie zu gehen, hatte aber das Gefühl, sie um keinen Preis mit dem Eindruck zurücklassen zu dürfen, dass es beim Geschlechtsverkehr nur um Geld oder Babys ging – selbst wenn es gut möglich war, dass es für manche Frauen so war.