Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie zog ihn widerstandslos auf das Schlaflager, und er legte seinen Kopf auf ihren Schoß. Tatsächlich flocht sie sein Haar auf und breitete es über ihre Knie; ihre Berührung linderte das Dröhnen in seinem Kopf und die Schmerzen der Beule auf seiner Stirn.
Er hatte keine Ahnung, wie alt sie wohl sein mochte, doch ihre Finger waren kräftig und unermüdlich und vollführten kleine rhythmische Kreisbewegungen auf seiner Kopfhaut, seinen Schläfen, hinter seinen Ohren, an der Unterkante seines Schädelknochens. Sie hatte Kalmus und noch ein anderes Kraut in das Feuer geworfen; die Kaminöffnung zog sehr gut, und er konnte weißen Rauch als schwankende Säule aufsteigen sehen, sehr ruhig, aber doch von ständiger Bewegung erfüllt.
Sie summte leise vor sich hin oder flüsterte vielmehr ein Lied, dessen Worte zu undeutlich waren, um sie zu verstehen. Er beobachtete die lautlosen Formen, die mit dem Rauch nach oben strömten, und spürte, wie sein Körper schwer wurde, als seien seine Gliedmaßen mit nassem Sand gefüllt, sein Körper ein Sandsack, der einer Flut im Weg war.
»Rede, Bärentöter«, sagte sie ganz leise und hörte auf zu singen. Sie hatte einen Holzkamm in der Hand; er spürte, wie die von langem Gebrauch abgerundeten Zähne seine Kopfhaut liebkosten.
»Ich kann mich nicht an Eure Worte erinnern«, sagte er sehr langsam, weil er nach jedem einzelnen Tsalagi-Wort suchen musste. Sie antwortete mit einem leisen Prusten.
»Die Worte spielen keine Rolle, auch nicht die Sprache, die Ihr sprecht«, sagte sie. »Redet nur. Ich werde es verstehen.«
Und so begann er stockend zu sprechen – auf Gälisch, weil es die einzige Sprache zu sein schien, die ihn keine Mühe kostete. Er begriff, dass er von dem erzählen sollte, was ihm das Herz füllte, und so begann er in Schottland – und Culloden. Sprach von Trauer. Von dem, was verloren war. Von Angst.
Wandte sich dann von der Vergangenheit der Zukunft zu, in der er erneut diese drei Gespenster lauern sah, kalte Gestalten, die aus dem Nebel auf ihn zukamen und ihn mit leeren Augen ansahen.
Unter ihnen stand noch eine Gestalt – Jack Randall –, zu seiner Verwirrung sowohl rechts als auch links. Diese Augen waren nicht leer, sondern lebendig, gebannt in einem verschwommenen Gesicht. Hatte er den Mann getötet oder nicht? Wenn ja, wurde er von seinem Geist verfolgt? Oder wenn nicht, war es der Gedanke an unerfüllte Rache, der ihn verfolgte, ihn mit dieser unvollkommenen Erinnerung quälte?
Doch während er sprach, schien er sich irgendwie ein kleines Stück über seinen eigenen Körper zu erheben und sich selbst ruhen zu sehen, mit offenen Augen, die nach oben blickten, sein Haar ein dunkel flammender Heiligenschein rings um seinen Kopf, vom Silber des Alters durchzogen. Und dort sah er, dass er einfach nur war, in einem Zwischenraum, für sich. Und völlig allein. In Frieden.
»In meinem Herzen ist kein Raum für böse Geister«, sagte er und hörte seine eigene Stimme langsam aus weiter Ferne sprechen. »Sie können mir nichts anhaben. Möglich, dass noch andere kommen, doch nicht diese. Nicht hier. Nicht jetzt.«
»Ich verstehe«, flüsterte die alte Frau und fuhr fort, ihm die Haare zu kämmen, und der weiße Rauch stieg lautlos aus dem Loch, dem Himmel entgegen.
Kapitel 45
Böses Blut
Juni 1774
Ich setzte mich auf die Fersen zurück, müde, aber zufrieden. Mein Rücken schmerzte, meine Knie ächzten wie Scharniere, meine Fingernägel waren mit Schmutz verkrustet, und Haarsträhnen klebten mir an Wangen und Hals – aber die kommende Ernte an Stangenbohnen, Zwiebeln, Rüben und Radieschen war gepflanzt, die Kohlbeete vom Unkraut befreit und gelichtet. Und ich hatte ein Dutzend große Erdnussbüsche aus dem Boden gezogen und zum Trocknen an die Gartenpalisaden gehängt, wo sie vor marodierenden Eichhörnchen sicher waren.
Ich blinzelte zur Sonne auf; sie stand noch über den Kastanien. Vor dem Abendessen war also noch genug Zeit für ein oder zwei letzte Erledigungen. Ich stand auf, ließ den Blick über mein kleines Königreich schweifen und debattierte mit mir selbst darüber, wo ich die verbleibende Zeit am besten verbrachte. Die Katzenminze und Zitronenmelisse jäten, die das andere Ende des Gartens zu überwuchern drohten? Körbeweise fein verrotteten Mist von dem Haufen hinter der Scheune anschleppen? Nein, das war Männerarbeit.
Kräuter? Meine drei französischen Lavendelsträucher reichten mir bis zum Knie und waren voller dunkelblauer Knötchen auf schmalen Stielen, und die Schafgarbe stand in voller Blüte mit Spitzenmusterdolden in Weiß, Rot und Gelb. Ich rieb mir die juckende Nase und versuchte, mich daran zu erinnern, ob dies die richtige Mondphase zum Schneiden von Schafgarbe war. Lavendel und Rosmarin sollten allerdings am Morgen geschnitten werden, wenn die flüchtigen Öle mit der Sonne aufgestiegen waren; sie waren nicht so aromatisch, wenn man sie später am Tag erntete.
Nieder mit der Minze also. Ich griff nach der Hacke, die ich an den Zaun gelehnt hatte, sah ein Gesicht durch den Zaun grinsen und fuhr zurück. Das Herz hüpfte mir in die Kehle.
»Oh!« Mein Besucher, der nicht minder erschrak, war ebenfalls zurückgefahren. »Bitte, Ma’am! Ich wollte Euch nicht erschrecken.«
Es war Manfred McGillivray, der schüchtern durch die Prunkwinden und die Yamswurzelranken linste. Er war heute Morgen aufgetaucht und hatte ein in Segeltuch gewickeltes Bündel mitgebracht, das mehrere Musketen für Jamie enthielt. »Ist schon gut.« Ich bückte mich, um die Hacke aufzuheben. »Seid Ihr auf der Suche nach Lizzie? Sie ist im –«
»Ach, nein, Ma’am. Das heißt, ich – könnte ich etwas mit Euch besprechen, Ma’am?«, fragte er abrupt. »Allein vielleicht?«
»Natürlich. Kommt herein; wir können uns unterhalten, während ich arbeite.«
Er nickte und schritt am Zaun entlang, um durch das Törchen einzutreten. Was mochte er von mir wollen, fragte ich mich. Er trug Mantel und Stiefel, beides mit Staub bedeckt, und seine Hose war stark zerknittert; er war also weit geritten und kam nicht von zu Hause – und er war noch nicht im Haus gewesen; Mrs. Bug hätte ihn kräftig entstaubt.
»Woher kommt Ihr?«, fragte ich und bot ihm den Schöpflöffel aus meinem Wassereimer an. Er nahm an, trank gierig, dann wischte er sich höflich den Mund am Ärmel ab.
»Danke, Ma’am. Ich war in Hillsboro, um die … äh … die Sachen für Mr. Fraser zu holen.«
»Wirklich? Das erscheint mir aber weit«, sagte ich nachsichtig.
Ein Ausdruck tiefster Beklommenheit huschte über sein Gesicht. Er war ein hübscher Kerl, braungebrannt und gutaussehend wie ein junger Faun mit dichten, dunklen Locken. Im Moment jedoch wirkte er beinahe gehetzt und sah sich nach dem Haus um, als fürchtete er, unterbrochen zu werden.
»Ich … ähm … nun ja, Ma’am, das hat etwas mit dem zu tun, worüber ich mit Euch sprechen möchte.«
»Oh? Nun …« Ich machte eine freundliche Geste, um ihm anzuzeigen, dass er es sich ruhig von der Seele reden sollte, und wandte mich ab, um mit meiner Arbeit zu beginnen, so dass er sich weniger befangen fühlte. Mir kam langsam ein Verdacht, was er mich fragen wollte, wobei mir aber nicht klar war, was Hillsboro damit zu tun hatte.
»Es … äh … nun, es hat mit Miss Lizzie zu tun«, begann er und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
»Ja?«, sagte ich ermutigend. Jetzt war ich mir beinahe sicher, dass ich mit meinen Mutmaßungen recht hatte. Ich blickte zum westlichen Ende meines Gartens, wo Bienen fröhlich die großen gelben Dolden der Daucopflanzen umschwärmten. Nun, immerhin war es besser als die zeitgenössischen Vorstellungen von Kondomen.
»Ich kann sie nicht heiraten«, platzte er heraus.
»Was?« Ich ließ meine Hacke ruhen, richtete mich auf und starrte ihn an. Er hatte die Lippen fest aufeinandergepresst, und jetzt sah ich, dass das, was ich für Schüchternheit gehalten hatte, sein Versuch gewesen war, die tiefe Traurigkeit zu maskieren, die seinen Gesichtszügen jetzt deutlich anzusehen war.