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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Kommt besser mit und setzt Euch.« Ich führte ihn zu der kleinen Bank, die Jamie mir gebaut hatte und die im Schatten eines schwarzen Gummibaums stand, der die Nordseite des Gartens überragte.

Er setzte sich, ließ den Kopf hängen und steckte die Hände zwischen seine Knie. Ich setzte meinen breitkrempigen Sonnenhut ab, wischte mir das Gesicht mit meiner Schürze ab und steckte mir das Haar wieder ordentlich hoch, während ich die kühle Frische der Tannen und Balsamfichten einatmete, die über uns auf dem Berg wuchsen.

»Was ist denn?«, fragte ich sanft, weil ich merkte, dass er nicht wusste, wo er anfangen sollte. »Habt Ihr Angst, dass Ihr sie vielleicht nicht liebt?«

Er warf mir einen verblüfften Blick zu, dann wandte er sich wieder der wissenschaftlichen Betrachtung seiner Knie zu. »Oh. Nein, Ma’am. Ich meine – ich liebe sie nicht, aber das spielt keine Rolle.«

»Nicht?«

»Nein. Ich meine – ich bin mir sicher, dass wir uns auf die Dauer liebhaben werden, das sagt meine Mutter auch. Und ich habe sie ja jetzt schon gern«, fügte er hastig hinzu, als fürchtete er, dass diese Worte beleidigend klangen. »Pa sagt, sie ist eine ordentliche Seele, und meine Schwestern hängen sehr an ihr.«

Ich machte ein unverbindliches Geräusch. Ich hatte von Anfang an meine Zweifel an diesem Arrangement gehabt, und allmählich klang es ganz danach, als wären sie berechtigt gewesen.

»Gibt es … vielleicht eine andere?«, fragte ich vorsichtig.

Manfred schüttelte langsam den Kopf, und ich hörte ihn fest schlucken.

»Nein, Ma’am«, sagte er mit leiser Stimme.

»Seid Ihr sicher?«

»Aye, Ma’am.« Er holte tief Luft. »Ich meine – es gab eine. Aber das ist jetzt alles vorbei.«

Das verwunderte mich. Wenn er beschlossen hatte, sich von diesem mysteriösen anderen Mädchen loszusagen – ob aus Angst vor seiner Mutter oder irgendeinem anderen Grund –, was hielt ihn dann davon ab, seine Heirat mit Lizzie in die Tat umzusetzen?

»Dieses andere Mädchen – ist sie zufällig aus Hillsboro?« Jetzt wurde alles etwas klarer. Als ich ihn und seine Familie beim Gathering kennengelernt hatte, hatten seine Schwestern vielsagende Blicke ausgetauscht, als von Manfreds Besuchen in Hillsboro die Rede war. Sie hatten es damals schon gewusst, auch wenn Ute es nicht mal geahnt hatte.

»Aye. Das ist der Grund, warum ich in Hillsboro war – ich meine, ich musste dorthin, wegen der … äh … Aber ich hatte vor … Myra … zu besuchen und ihr zu sagen, dass ich Miss Wemyss heiraten würde und wir uns nicht mehr sehen könnten.«

»Myra.« Immerhin hatte sie also einen Namen. Ich lehnte mich zurück und klopfte nachdenklich mit dem Fuß auf den Boden. »Ihr hattet es vor – also habt Ihr sie dann doch nicht besucht?«

Er schüttelte den Kopf, und ich sah, wie sich plötzlich eine Träne auf dem staubigen Leinenstoff seiner Hose ausbreitete.

»Nein, Ma’am«, sagte er mit halberstickter Stimme. »Es ging nicht. Sie war tot.«

»Oje«, sagte ich leise. »Oh, das tut mir so leid.« Die Tränen fielen ihm auf die Knie und erschienen als Flecken auf dem Tuch, und seine Schultern bebten, aber er machte kein Geräusch.

Ich nahm ihn in die Arme und drückte ihn an meine Schulter. Sein Haar war weich, seine Haut glühte an meinem Hals. Ich wusste nicht, wie ich mit seinem Schmerz umgehen sollte; er war zu alt, um ihn mit bloßen Berührungen zu trösten, zu jung – vielleicht –, um Linderung in Worten zu finden. Im Moment konnte ich nichts anderes tun, als ihn fest zu halten.

Doch er legte die Arme um meine Taille und klammerte sich auch dann noch einige Minuten an mich, als er ausgeweint hatte. Ich hielt ihn wortlos fest, klopfte ihm sacht auf den Rücken und hielt die flackernden grünen Schatten des berankten Zauns für den Fall im Auge, dass noch jemand kam und mich im Garten suchte.

Schließlich seufzte er, ließ los und setzte sich auf. Ich suchte nach einem Taschentuch, fand keins und zog meine Schürze aus, damit er sich das Gesicht abwischen konnte.

»Ihr braucht doch nicht sofort zu heiraten«, sagte ich, als er sich wieder unter Kontrolle zu haben schien. »Es ist nur recht und billig, dass Ihr etwas Zeit braucht zu – zu heilen. Aber wir können uns eine Ausrede einfallen lassen, um die Hochzeit aufzuschieben; ich werde mit Jamie sprechen –«

Doch er schüttelte den Kopf, und an die Stelle der Tränen trat ein Ausdruck trauriger Entschlossenheit.

»Nein, Ma’am«, sagte er leise, aber endgültig. »Ich kann es nicht.«

»Warum denn nicht?«

»Myra war eine Hure, Ma’am. Sie ist an der Franzosenkrankheit gestorben.«

Dann blickte er zu mir auf, und ich sah das Entsetzen unter der Trauer in seinen Augen.

»Und ich glaube, ich habe sie auch.«

»Seid ihr sicher?« Jamie stellte den Huf ab, den er gerade ausgeschnitten hatte, und warf Manfred einen finsteren Blick zu.

»Ich bin sicher«, sagte ich genervt. Ich hatte Manfred gebeten, mir das Beweismaterial zu zeigen, kaum gewartet, bis er seine Hose wieder verschlossen hatte, und mich dann auf der Stelle mit ihm auf die Suche nach Jamie gemacht.

Jamie fixierte Manfred und überlegte sichtlich, was er sagen sollte. Manfred, der nach der doppelten Belastung seiner Beichte und der Untersuchung dunkelrot angelaufen war, wich seinem Basiliskenblick aus und starrte einen geringelten schwarzen Hufspan an, der auf dem Boden lag.

»Es tut mir so leid, Sir«, murmelte er. »Ich – ich hatte nicht vor …«

»Nein, das hat wohl niemand«, schnaubte Jamie. Er atmete tief durch, und es ging eine Art unterschwelliges Knurren von ihm aus, so dass Manfred den Kopf einzog, der sich wie bei einer Schildkröte in den Schutz seiner Kleidung verkroch.

»Er hat das Richtige getan«, sagte ich und versuchte, die Situation in das bestmögliche Licht zu rücken. »Jetzt, meine ich – indem er die Wahrheit gesagt hat.«

Jamie schnaubte verächtlich.

»Nun, er kann jetzt wohl kaum hingehen und Lizzie mit der Seuche anstecken, oder? Das wäre schlimmer, als nur mit einer Hure zu gehen.«

»Manche Männer würden aber einfach nur den Mund halten und das Beste hoffen.«

»Aye, das stimmt.« Er musterte Manfred mit zusammengekniffenen Augen und suchte anscheinend nach offenen Anzeichen dafür, dass Manfred ein solcher Schurke war.

Gideon, der es hasste, wenn man ihm die Hufe ausschnitt, und der demzufolge schlecht gelaunt war, trat heftig mit dem Huf auf und verfehlte nur knapp Jamies Fuß. Er schlug mit dem Kopf und stieß ein Geräusch aus, das wohl in etwa Jamies Knurren entsprach.

»Aye, nun gut.« Jamie stellte seine funkelnden Blicke in Manfreds Richtung ein und packte Gideon am Halfter. »Geh mit ihm ins Haus, Sassenach. Ich mache hier fertig, und dann holen wir Joseph und sehen, was zu tun ist.«

»Gut.« Ich zögerte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich in Manfreds Beisein etwas sagen sollte. Ich wollte ihm nicht allzu viel Hoffnung machen, bevor ich Gelegenheit gehabt hatte, mir sein Blut unter dem Mikroskop anzusehen.

Syphilis-Spirochäten waren unverwechselbar, aber ich war mir nicht sicher, ob ich ein Färbemittel hatte, das sie mit einem einfachen Lichtmikroskop sichtbar machen konnte. Und ich hielt es zwar für wahrscheinlich, dass mein hausgemachtes Penizillin die Infektion stoppen konnte, doch ich konnte mir nur dann sicher sein, wenn ich sie sehen konnte – und dann verfolgen konnte, dass sie verschwunden waren.

Also sagte ich einfach nur: »Ich habe doch Penizillin.«

»Das weiß ich wohl, Sassenach.« Jamie spendierte diesmal mir seinen finsteren Blick. Ich hatte ihm schon zweimal das Leben mit Penizillin gerettet, doch er hatte es nicht sehr angenehm gefunden. Er entließ uns mit einem schottischen Geräusch, bückte sich und hob erneut Gideons kräftigen Huf auf.

Manfred schien unter Schock zu stehen und blieb abrupt stumm auf dem Weg zum Haus. An der Tür zum Sprechzimmer zögerte er und blickte beklommen von meinem glänzenden Mikroskop zu der offenen Kiste mit dem Chirurgenbesteck, dann zu den Schalen, die ich zugedeckt auf der Arbeitsfläche aufgereiht hatte und in denen ich mein Penizillin züchtete.

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