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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Oh, Gott. Wir müssen es den McGillivrays sagen.«

Jamie nickte und erbleichte bei dem Gedanken daran, schob aber seine Bank zurück.

»Am besten gehe ich sofort.«

»Nicht, ohne vorher etwas zu essen.« Mrs. Bug stellte ihm mit Nachdruck einen gefüllten Teller hin. »Ihr wollt Euch doch nicht auf nüchternen Magen mit Ute McGillivray einlassen.«

Jamie zögerte, fand ihre Begründung jedoch offensichtlich überzeugend, denn er griff nach seiner Gabel und widmete sich mit grimmiger Entschlossenheit seinem Schweineragout.

»Jamie …«

»Aye?«

»Vielleicht solltest du die Beardsleys bitten, Manfred aufzuspüren. Ich meine, nicht um ihm etwas anzutun – aber wir müssen ihn finden. Er wird daran sterben, wenn er nicht behandelt wird.«

Er hielt inne, eine Gabel voll Ragout auf halbem Weg zu seinem Mund, und betrachtete mich mit gesenkten Augenbrauen.

»Aye, und wenn sie ihn finden, wird er daran sterben, Sassenach.« Er schüttelte den Kopf, und die Gabel vollendete ihren Weg. Er kaute und schluckte und vervollständigte dabei anscheinend seinen Plan.

»Joseph ist in Bethabara und macht Fräulein Berrisch den Hof. Man muss es ihm sagen, und eigentlich sollte ich ihn holen und zu den McGillivrays mitnehmen. Aber …« Er zögerte, wohl weil er an Mr. Wemyss dachte, jenen freundlichsten und schüchternsten aller Menschen, der keiner Vorstellung von einem nützlichen Verbündeten entsprach. »Nein. Ich werde allein gehen und es Robin sagen. Vielleicht macht er sich ja selbst auf die Suche nach dem Jungen – oder vielleicht hat es sich Manfred ja auch anders überlegt und ist schon nach Hause gelaufen.«

Das war ein ermutigender Gedanke, und ich verabschiedete ihn hoffnungsvoll. Doch er kehrte kurz vor Mitternacht schweigend und mit grimmiger Miene zurück, und ich wusste, dass Manfred nicht nach Hause gekommen war.

»Hast du es beiden gesagt?«, fragte ich, während ich die Decke zurückschlug, damit er zu mir ins Bett klettern konnte. Er roch nach Pferden und nach der Nacht, kühl und durchdringend.

»Ich habe Robin gebeten, mit mir ins Freie zu gehen, und habe es ihm gesagt. Ich habe es nicht fertiggebracht, es Ute ins Gesicht zu sagen«, gab er zu. Er lächelte mich an und kuschelte sich unter den Quilt. »Ich hoffe, du hältst mich jetzt nicht für einen Feigling, Sassenach.«

»Bestimmt nicht«, versicherte ich ihm und lehnte mich aus dem Bett, um die Kerze auszublasen. »Vorsicht ist besser als Nachsicht.«

Kurz vor Tagesanbruch weckte uns donnerndes Hämmern an der Tür. Rollo, der auf dem Treppenabsatz geschlafen hatte, schoss unter drohendem Gebell die Stufen hinunter. Dicht gefolgt von Ian, der an Lizzies Bett gesessen und Wache gehalten hatte, während ich schlief. Jamie war mit einem Satz aus dem Bett, griff sich eine geladene Pistole, die auf dem Schrank lag, und stürzte sich ebenfalls ins Getümmel.

Erschrocken und benommen – ich war erst vor weniger als einer Stunde eingeschlafen – setzte ich mich klopfenden Herzens auf. Rollo hörte kurz zu bellen auf, und ich hörte Jamie durch die Tür »Wer ist da?« rufen.

Diese Frage wurde durch erneutes Hämmern beantwortet, das die Treppe hinaufhallte und das Haus erbeben zu lassen schien, begleitet von einer lauten Frauenstimme, die Wagner in einer seiner deftigeren Launen alle Ehre gemacht hätte. Ute McGillivray.

Ich begann, mich aus der Bettwäsche zu kämpfen. Unterdessen Stimmengewirr, erneutes Gebell, das Knirschen des Riegels, der geöffnet wurde, und dann noch mehr Stimmengewirr, diesmal sehr viel lauter. Ich rannte zum Fenster und blickte hinaus; Robin McGillivray stand auf dem Hof, nachdem er offenbar gerade von einem seiner zwei Maultiere abgestiegen war.

Er sah viel älter aus und irgendwie erschlafft, als seien seine Lebensgeister von ihm gewichen und hätten ihn als leere Hülle zurückgelassen. Er wandte den Kopf von dem Aufruhr an der Haustür ab und schloss die Augen. Die Sonne war gerade aufgegangen, und das reine, klare Licht zeigte all seine Falten, die Höhlen der Erschöpfung und eine verzweifelte Traurigkeit.

Als spürte er, dass ich ihn ansah, öffnete er die Augen und hob das Gesicht zum Fenster. Er hatte rote Augen und sah mitgenommen aus. Er sah mich, reagierte aber nicht auf das zögernde Winken, mit dem ich ihn begrüßte. Stattdessen wandte er sich ab, schloss erneut die Augen und stand einfach nur wartend da.

Der Aufruhr unten hatte sich ins Innere des Hauses verlagert und schien jetzt die Treppe heraufzukommen, getragen von einer Welle schottischer Kraftausdrücke und deutscher Kreischlaute, von Rollo, der Festivitäten stets gern auf die Sprünge half, mit begeistertem Gebell begleitet.

Ich griff nach meinem Morgenmantel, war aber kaum mit einem Arm hineingeschlüpft, als die Tür zum Schlafzimmer aufgeworfen wurde und so fest gegen die Wand schlug, dass sie zurückschwang und meine Besucherin vor die Brust traf. Unbeeindruckt ließ sie sie erneut aufkrachen und rauschte wie eine Dampfmaschine auf mich zu. Ihre Haube saß schief, und ihre Augen flammten.

»Ihr! Altes Waschweib! Wie könnt Ihr es wagen, solche Beleidigungen, solche Lügen über meinen Sohn zu verbreiten! Ich bringe Euch um, ich reiße Euch die Haare einzeln aus. Der Teufel soll Euch holen! Nighean na galladh! Ihr –«

Sie stürzte sich auf mich, und ich warf mich zur Seite und verhinderte knapp, dass sie mich am Arm zu packen bekam.

»Ute! Frau McGillivray! Hört mir doch –«

Beim zweiten Mal war sie erfolgreicher; sie bekam den losen Ärmel meines Nachthemdes zu fassen, zerrte daran und zog es mir von der Schulter. Ich konnte hören, wie der Stoff riss, während sie mit der freien Hand auf mein Gesicht einkratzte.

Ich fuhr zurück und schrie aus voller Kehle, als sich meine Nerven eine schreckliche Sekunde lang an eine Hand erinnerten, die nach meinem Gesicht schlug, Hände, die an mir zerrten …

Ich schlug nach ihr, und das Entsetzen verlieh mir Kraft. Ich schrie und schrie, während mich ein letzter Rest rationalen Denkens in meinem Gehirn dabei beobachtete, verwundert, angewidert – aber völlig unfähig, die instinktive Panik, die blinde Wut zu bremsen, die wie ein Geysir aus einer tiefen, unvermuteten Quelle aufschoss.

Ich hämmerte weiter blind auf sie ein, schrie – und fragte mich zur selben Zeit: Warum, warum tat ich das?

Ein Arm packte mich um die Taille und hob mich vom Boden auf. Eine neue Welle der Panik schoss durch mich hindurch, und dann fand ich mich plötzlich allein, unbehelligt. Ich stand trunken, schwankend und keuchend in der Ecke neben dem Kleiderschrank. Jamie stand vor mir, die Schultern angespannt und die Ellbogen erhoben, und schirmte mich ab.

Er redete, sehr ruhig, doch die Fähigkeit, Worte zu verstehen, war mir abhandengekommen. Ich presste meine Hände hinter mir an die Wand, und das Bollwerk in meinem Rücken wirkte beruhigend.

Das Herz hämmerte mir in den Ohren, und meine Atemgeräusche machten mir Angst, weil sie mich so an mein Keuchen erinnerten, nachdem mir Harley Boble die Nase gebrochen hatte. Ich schloss mit aller Kraft den Mund und versuchte, damit aufzuhören. Es schien zu helfen, wenn ich die Luft anhielt und nur ganz flach durch meine jetzt wieder funktionstüchtige Nase einatmete.

Mir fiel auf, dass Ute die Lippen bewegte, und ich starrte sie an, während ich versuchte, mich wieder in Raum und Zeit einzuordnen. Ich hörte Worte, schaffte jedoch noch nicht den Schritt, sie zu verstehen. Ich atmete, ließ die Worte wie Wasser über mich hinwegfließen und filterte nur die Gefühle heraus – Wut, Vernunft, Protest, Besänftigung, Kreischen, Grollen –, nicht aber ihre eigentliche Bedeutung.

Dann holte ich tief Luft, wischte mir über das Gesicht – das zu meiner Überraschung nass war –, und mit einem Schlag war alles wieder normal. Ich konnte hören und verstehen.

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