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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Natürlich werde ich erst einmal ein oder zwei Tage nichts davon sagen«, vertraute Cameron ihm an, und er nickte. Solche Dinge folgten einem natürlichen Rhythmus. Natürlich hatte Cameron ihm jetzt davon erzählt, damit er ihn unterstützte, wenn zu gegebener Zeit die Rede darauf kam.

Cameron ging davon aus, dass er ihm helfen würde. Es gab zwar kein ausdrückliches Versprechen, dass für ihn selbst ebenfalls ein Stück des Henderson-Kuchens abfallen würde, doch das war auch nicht nötig; dies war die Art von Gelegenheit, die zu den Vergünstigungen des Indianeragenten gehörte – der Grund, warum dieses Amt so begehrt war.

Angesichts dessen, was Jamie über die nähere Zukunft wusste, interessierte er sich weder für Hendersons Handel, noch erwartete er sich etwas davon – doch dieses Thema lieferte ihm eine willkommene Gelegenheit, um eine Gegenleistung zu bitten.

Er hüstelte.

»Ihr kennt doch die junge Tuscarora-Frau, die ich von Bird gekauft habe?«

Cameron lachte.

»Aye. Und er fragt sich völlig verblüfft, was Ihr wohl mit ihr anfangen wollt; er sagt, Ihr weigert Euch, die Mädchen zu nehmen, die er Euch schickt, um Euch das Bett zu wärmen. Sie sieht zwar nicht nach viel aus – aber trotzdem …«

»Das nicht«, versicherte ihm Jamie. »Schon, weil sie verheiratet ist. Ich habe zwei Tuscarora-Indianer mitgebracht; sie gehört zu einem von ihnen.«

»Oh, aye?« Camerons Nase zuckte neugierig, denn er witterte eine Geschichte. Jamie wartete schon auf diese Gelegenheit, seit ihn Camerons Auftauchen auf die Idee gebracht hatte, und er erzählte sie schmackhaft – mit dem zufriedenstellenden Ergebnis, dass Cameron sich bereit erklärte, die drei heimatlosen jungen Tuscarora mitzunehmen und für ihre Adoption durch die Overhill zu sorgen.

»Es ist ja nicht das erste Mal«, sagte er zu Jamie. »Es werden immer mehr – winzige Reste ehemaliger Dörfer, sogar ganzer Stämme –, die hungernd und darbend durch das Land wandern. Habt Ihr von den Dogash gehört?«

»Nein.«

»Das werdet Ihr wahrscheinlich auch nicht mehr«, sagte Cameron und schüttelte den Kopf. »Es gibt nur noch ungefähr zehn von ihnen. Sie sind letzten Winter zu uns gekommen; haben sich als Sklaven angeboten, nur um die Kälte zu überleben. Nein – keine Sorge, Mann«, beruhigte er Jamie, als er seine Miene sah. »Eure drei werden keine Sklaven; darauf gebe ich Euch mein Wort.«

Jamie nickte dankend. Er war froh über diese Abmachung. Ihre Wanderung hatte sie ein Stück vom Dorf weggeführt, und jetzt standen sie am Rand einer Schlucht, und der Wald öffnete sich unvermittelt über einer Landschaft von Bergketten, die wie Furchen in einem endlosen Feld der Götter dahinliefen, ihre Rücken dunkel und brütend unter dem sternenklaren Himmel.

»Wie kann es je genug Menschen geben, um solch eine Wildnis zu besiedeln?«, sagte er, plötzlich tief bewegt von diesem Anblick. Und doch hing der Geruch von Holzrauch und gebratenem Fleisch schwer in der Luft. Es war von Menschen bewohnt, selbst wenn es noch wenige waren, die überall verstreut lebten.

Cameron schüttelte nachdenklich den Kopf.

»Sie kommen«, sagte er, »und es kommen immer mehr. Meine Familie ist aus Schottland gekommen. Ihr doch auch«, fügte er hinzu, und seine Zähne glänzten kurz in seinem Bart auf. »Und ich gehe nicht davon aus, dass Ihr vorhabt zurückzugehen.«

Jamie lächelte bei diesen Worten, doch er antwortete nicht, und ein seltsames Gefühl regte sich bei diesem Gedanken in seinem Bauch. Er hatte nicht vor zurückzugehen. Er hatte sich an der Reling der Artemis von Schottland verabschiedet und genau gewusst, dass er seine Heimat wahrscheinlich zum letzten Mal sah. Und doch hatte er die Vorstellung, dass er nie wieder einen Fuß auf schottischen Boden setzen würde, bis zu diesem Moment nicht verinnerlicht.

»Scottie, Scottie«-Rufe verlangten nach ihnen, er wandte sich um, und während er Cameron zurück zum Dorf folgte, war er sich mit jedem Schritt der herrlichen, schreckenerregenden Leere in seinem Rücken bewusst – und der noch schreckenerregenderen Leere in seinem Inneren.

Sie rauchten an diesem Abend, nach dem Festessen, eine Zeremonie zur Feier von Jamies Handel mit Bird, zu Camerons Begrüßung. Als die Pfeife zweimal um das Feuer gewandert war, begannen sie, Geschichten zu erzählen.

Geschichten von Raubzügen, von Kämpfen. Weil der Tag ihn erschöpft hatte, sein Kopf noch dröhnte, Essen und Bier ihn müde gemacht hatten und der Rauch ihn leicht betäubt hatte, hatte Jamie eigentlich nur vorgehabt zuzuhören. Vielleicht war es der Gedanke an Schottland, den Cameron so beiläufig heraufbeschworen hatte. Doch an irgendeinem Punkt hatte sich eine Erinnerung geregt, und als das nächste Mal erwartungsvolle Stille eintrat, hörte er überrascht seine eigene Stimme, die ihnen von Culloden erzählte.

»Und dann habe ich an einem Wall einen Mann gesehen, den ich kannte, Alistair MacAllister, der von einer Horde von Feinden bedrängt wurde. Er kämpfte mit Muskete und Schwert, doch beide versagten ihm den Dienst – seine Klinge war zerbrochen, der Schild vor seiner Brust zerborsten.«

Der Rauch der Pfeife stieg ihm in die Nase, und er hob sie an den Mund und nahm einen tiefen Zug, als tränke er die Luft auf dem Moor, die vom Regen und dem Rauch jenes Tages vernebelt war.

»Immer mehr feindliche Krieger sind auf ihn eingestürmt, und er ergriff ein Stück Metall, eine Wagenfeder, und brachte sechs –«, er hielt beide Hände hoch und streckte zur Demonstration die Finger aus, »sechs von ihnen damit um, bevor sie ihn schließlich töteten.«

Ehrfurchtsvolle Laute und beifälliges Zungenschnalzen begrüßten diese Schilderung.

»Und Ihr selbst, Bärentöter, wie viele Männer habt Ihr in dieser Schlacht getötet?«

Der Rauch brannte in seiner Brust, hinter seinen Augen, und eine Sekunde lang schmeckte er den bitteren Rauch der Kanonenfeuer, nicht den süßen Tabakduft. Er sah – er sah Alistair MacAllister – zwischen den rot berockten Körpern tot zu seinen Füßen liegen, eine Seite seines Kopfes eingeschlagen, und die Rundung seiner Schulter glänzte durch den Stoff seines Hemdes, das nass an ihm klebte.

Er war dort, auf dem Moor, die Nässe und Kälte nicht mehr als ein Schimmer auf seiner Haut, der Regen glättete sein Gesicht, und auch ihm klebte das Hemd dampfend am Körper, durchtränkt von der Hitze seiner Raserei.

Und dann stand er nicht mehr in Drumossie und wurde sich eine Sekunde zu spät bewusst, dass alles ringsum den Atem anhielt. Er sah Robert Talltrees Gesicht, in dem sich alle Falten vor Erstaunen verzogen, und erst dann senkte er die Augen und entdeckte, wie sich alle zehn Finger seiner Hand streckten und beugten, sich dann die vier Finger seiner rechten Hand noch einmal ausstreckten, ohne dass er selbst es wollte. Der Daumen schwankte unentschlossen. Er sah fasziniert zu, dann kam er endlich zu sich, ballte die rechte Hand, so gut es ging, zur Faust und schlug die linke darum, als wollte er die Erinnerung ersticken, die ihm mit solch verstörender Plötzlichkeit in die Hand gedrückt worden war.

Als er aufblickte, sah er, dass Talltree ihn scharf fixierte, sah, wie die dunklen, alten Augen des Mannes hart wurden und sich dann unter einem Stirnrunzeln verengten – und dann ergriff der Alte die Pfeife, zog fest daran, beugte sich vor und blies den Rauch zu ihm herüber. Dies wiederholte Talltree noch zweimal, und die um das Feuer gedrängten Männer bedachten ihn gedämpft summend mit Beifall für diese Ehre.

Er nahm die Pfeife entgegen und erwiderte Talltree die Ehre dieser Geste, dann reichte er sie an seinen Nachbarn weiter und weigerte sich, noch mehr zu erzählen.

Sie bedrängten ihn nicht und schienen den Schock, den er fühlte, zu verstehen und zu respektieren.

Schock. Nicht einmal das. Was er fühlte, war blankes Erstaunen. Vorsichtig, widerwillig, riskierte er einen Blick auf sein Bild von Alistair. Gott, es war noch da.

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