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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Die preisgekrönten Eber sterben in ihren gutgehaltenen Koben, und die dicken Zuchtsäue wandern umher und grunzen und quieken kläglich nach ihren männlichen Gefährten; doch auf manchen Bauernhöfen läuft das Borstenvieh davon, ohne daß Zäune es hindern. Es bedarf des Menschen nicht. Wenn es heiß ist, suhlen sie sich am Flußufer, werden dort heimisch, liegen im Schlamm und grunzen behaglich. Wenn die Luft kalt wird, ziehen sie in die Eichenwälder und nähren sich von Eicheln. Nach ein paar Generationen bekommen sie dünnere Beine und werden schlanker, und ihre Hauer werden länger. Vor der Wut der Eber fliehen selbst der Wolf und der Bär. Gleich dem Menschen nähren sie sich von Fleisch oder Vögeln oder Knollen oder Nüssen oder Früchten. Sie leben weiter.

Nachdem er am nächsten Morgen eine Stunde unterwegs gewesen war, stutzte er bei der Ausfahrt aus einer kleinen Stadt, als sich seinen Augen der ungewohnte Anblick eines gut gejäteten und gepflegten Gartens bot. Er hielt an, um Nachforschungen anzustellen, und entdeckte zum erstenmal, was bei großzügiger Auslegung als eine »soziale Gruppe« bezeichnet werden konnte. Es waren Neger: ein Mann, eine Frau mittleren Alters und ein kleiner Junge. Die Frau sah aus, als ob sich bald ein viertes Familienmitglied ein stellen würde.

Sie waren scheu. Der Junge hielt sich im Hintergrund, neugierig, aber ängstlich, und kratzte sich den Kopf auf eine Weise, die die Vermutung nahelegte, daß er Läuse habe.

Die Frau stand gleichgültig und stumm da, als würde sie nur auf unmittelbare Anrede antworten. Der Mann nahm den Strohhut ab und fingerte nervös an dem schadhaften Rand herum; dicke Schweißtropfen rannen ihm über die blanke schwarze Stirn.

Ish konnte den breiten Dialekt kaum verstehen. Aber er hörte so viel heraus, daß sie von niemandem in der Nachbarschaft wußten; daß sie überhaupt nur sehr wenig von dem wußten, was geschehen war, da sie sich seit der Katastrophe kaum von der Stelle bewegt hatten. Sie waren nicht miteinander verwandt, sondern lediglich der Zufall vereinigte Überlebende, drei, die allen Gesetzen des Zufalls zum Trotz in einer einzigen kleinen Stadt übriggeblieben waren.

Ish konnte bemerken, daß sie nicht nur unter dem von der Katastrophe verursachten Schock litten, sondern auch unter den Verboten und Tabus aus der Zeit vorher. Sie sprachen mit dem weißen Manne ohne alles Selbstvertrauen und schlugen die Augen nieder.

Trotz ihres augenscheinlichen Widerwillens hielt Ish in ihrer Wohnstätte Umschau. Obwohl alle Häuser der Stadt ihnen offengestanden hätten, wohnten sie nach wie vor in der schäbigen Hütte, wo die Frau vor dem Ausbruch der Seuche gewohnt hatte. Ish ging nicht hinein, aber durch die offene Tür sah er das wackelige Bett und Stühle und den Kanonenofen, den mit einer Wachstuchdecke bedeckten Tisch, auf dem die Fliegen die unbedeckten Speisen umsummten. Draußen sah alles besser aus. Sie hatten einen überraschend großen Garten und ein ansehnliches Stück Land, auf dem Mais stand, und gegenwärtig waren sie dabei, ein kleines Feld mit Baumwolle zu bestellen, obwohl es über Ishs Phantasie ging, was in aller Welt sie mit der Baumwolle anfangen wollten. Dem Anschein nach hatten sie einfach weiter das getan, was sie in ihrer Welt gewohnt waren, und daraus gewannen sie ein Gefühl der Sicherheit.

In einem Verschlag hatten sie Hühner, und ein paar Schweine waren auch da. Ihre naive, übermäßige Verlegenheit, als Ish die Schweine gewahrte, ließ nur zu deutlich erkennen, daß sie sie sich aus irgendeinem Bauernkoben angeeignet hatten und nun meinten, der weiße Mann wisse ganz genau, daß sie Diebe seien.

Ish fragte nach ein paar frischen Eiern, und für ein Dutzend gab er ihnen einen seiner Dollarscheine. Sie schienen begeistert über diesen Tausch zu sein. Als er nach einer Viertelstunde alle Möglichkeiten der Situation in sich aufgenommen hatte, stieg Ish in seinen Wagen, sehr zur Erleichterung der Neger.

Einen Augenblick saß er da und überlegte. »Hier«, dachte er, »könnte ich ein bißchen König spielen, wenn ich dabliebe. Es würde ihnen nicht gefallen; aber aus langer Gewohnheit würden sie sich wohl darein schicken; sie würden Gemüse und Hühner und Schweine für mich züchten, und bald könnte ich auch eine Kuh oder zwei haben. Sie würden alle Arbeit übernehmen, die ich eigentlich tun müßte. So könnte ich gewissermaßen König spielen.«

Doch das war nur eine flüchtige Erwägung, und als er weiterfuhr kam ihm die Einsicht, daß die Neger im Grunde besser Herren der Lage geworden waren als er. Er lebte als ein Straßenräuber von dem, was von der Zivilisation übriggeblieben war; sie aber lebten wenigstens noch schaffend, dem Boden verbunden, Vieh züchtend und ernteten selbst das meiste von dem, was sie brauchten.

Von einer halben Million Insektenarten wurden schätzungsweise nur ein paar Dutzend vom Untergang des Menschen betroffen, und die einzigen tatsächlich vom Aussterben bedrohten waren die drei Arten der auf dem Menschen schmarotzenden Läuse. So alt, wenn auch nicht eben ehrenvoll, war diese Gemeinschaft, daß gerade sie als Argument für den einheitlichen Ursprung des Menschen hatten herhalten müssen, indem die Anthropologen feststellten, daß alle noch so fern voneinander lebenden Stämme sich der gleichen Parasiten wegen kratzten und sie ablasen und daraus schlossen, daß der Affen-Urmensch schon von den Vorfahren dieser Insekten bevölkert gewesen sein müsse, von dem Zeitpunkt an, da sie anfingen, sich zu verbreiten und in Spezies aufzuteilen.

Von da an hatten die Läuse durch Hunderte von Jahrtausenden hindurch ihr Leben auf ihre Welt eingestellt, die der Körper des Menschen war. Als sie sich aber so völlig dem Menschen anbefohlen hatten, verloren sie die Fähigkeit, auf einem andern Wirt zu existieren.

Darum bedeutete die Vernichtung des Menschen auch ihre Vernichtung. Als sie merkten, daß ihre Welt alt wurde, krabbelten sie davon und machten sich auf die Suche nach einer neuen warmen Welt, auf der sie wohnen könnten, fanden keine und starben.

Er kam an die lange Brücke über den breiten, braunen, strömenden Fluß, und dort stand ein Lastwagen und versperrte die enge Einbahnstraße nach Memphis.

Ihm war zumute wie einem bösen Jungen, der etwas Verbotenes tut und weiß, daß er dafür bestraft werden wird; aber er fuhr gegen alle Verkehrszeichen an, bog in die schmale Einbahnstraße links von der großen Hauptstrecke ein und fuhr dann gegen Tennessee auf der Straße nach Arkansas.

Doch er traf niemanden, und bald gelangte er auf das Tennessee-Ufer, und als Ausfahrt wählte er wieder die »falsche« Richtung. Memphis war genauso leer wie die andern Städte, wo er gewesen war; aber es wehte Südwind, und der trug einen üblen Gestank von den dicht besiedelten Stadtteilen um die Beale Street mit sich. Wenn das eine Andeutung dessen war, was seiner in den Städten des Südens wartete, so trug Ish wenig Verlangen nach ihnen. Schnell fuhr er wieder ins freie Land hinaus.

Aber er war noch nicht allzuweit gekommen, als der Südwind unaufhörlichen Regen heranführte. Da auf diese Weise das Fahren stumpfsinnig und beschwerlich wurde und da er nicht im mindesten Eile hatte, irgendwohin zu gelangen, machte er Rast in einem Hotel, das an der Einfahrtstraße einer kleinen Stadt lag, deren Namen festzustellen er sich gar nicht bemühte. Im Küchenherd dauerte der Gasdruck noch an, und er bereitete sich als Abendessen eine Mahlzeit aus den frischen Eiern. Sie war wirklich ein Festmahl, und dennoch war er auf irgendeine Weise unzufrieden. »Es fragt sich«, überlegte er, »ob ich auch alles zu mir nehme, was ich eigentlich essen müßte.« Vielleicht sollte er in einen Drugstore einbrechen und sich ein paar Vitamin-Tabletten holen.

Später ließ er Prinzeß hinaus, und der Hund verschwand plötzlich im Regen mit einem langgezogenen Gejaul, das in Gebell überging, als er auf die Spur irgendeines Tiers geraten war. Es behagte ihm wenig, da er wußte, daß er jetzt eine gute halbe Stunde würde warten müssen, bis es Prinzeß gefiel, wiederzukommen. Jedoch war sie schneller wieder da und roch entsetzlich nach einem Stinktier. Er schloß sie in die Garage ein, und sie beklagte sich durch Geheul bitterlich über die Art, wie sie behandelt wurde.

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