Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Er stieg aus und hielt dem Hunde die Tür auf. Sogleich sprang der Dackel hinaus, immer fiepend; dann erleichterte er sich, hob plötzlich die Nase in die Luft, kläffte erst ziemlich laut für solch ein kleines Tier und stob, so schnell er konnte, davon, in die Wüste hinein. »Komm! Komm her!« rief er; aber der Hund kümmerte sich nicht darum; sein Bellen entfernte sich immer mehr.
Es trat tiefe Stille ein, als der Hund aufhörte, Laut zu geben, und in dieser Stille stutzte Ish, weil ihm bewußt wurde, daß auch ein anderes Geräusch aufgehört hatte. Der leerlaufende Motor war stehengeblieben. Entsetzt sprang er in den Wagen und drückte den Startknopf. Sogleich fing der Motor wieder an zu arbeiten. Aber Ish durchschüttelte es. Ihm war, als wirke er auffällig, als werde er gesehen, ohne seinerseits jemanden zu sehen; so schaltete er denn die Scheinwerfer ab und saß im Finstern.
Schwach und in großer Entfernung hörte er wieder den Dackel bellen. Das Geräusch nahm zu und ab je nach dem Kreise, in dem der Hund hinter seiner Beute her war. Anfangs hatte Ish das Tier überhaupt nicht haben wollen. Wenn ihm der Dackel jetzt entlief, hinter dem ersten albernen Kaninchen her in die Wüste hinein, so war das seine Sache. Er schaltete den Gang ein und fuhr an. Doch schon nach ein paar Metern stoppte er. Dies sah nach Fahnenflucht aus. Wahrscheinlich würde der Hund in der Wüste kein Wasser finden und elend zugrunde gehen. In gewisser Beziehung hatte er dem Dackel gegenüber schon Verpflichtungen übernommen, obwohl der Hund ihn einzig für seine Zwecke auszunutzen schien. Ish erschauerte vor Einsamkeit und seelischer Not.
Nach einer Weile wurde er plötzlich gewahr, daß der Dackel wieder da war. Er hatte ihn nicht gehört, und nun war er einfach da, keuchend, mit heraushängender Zunge. In Ish stieg plötzlich eine unbezähmbare Wut gegen das Tier auf. Er malte sich in überstürztem Ablauf alle möglichen Gefahren aus, denen die Verrücktheit des Dackels ihn auszusetzen schien. Wenn er das Tier auch nicht gut in der Wüste verdursten lassen konnte, so konnte er ihm doch wenigstens zu einem schnellen Ende verhelfen. Er nahm die Flinte und stieg aus dem Wagen.
Doch als er dann niederschaute, sah er den Hund mit dem Kopf auf den Vorderpfoten daliegen; er keuchte noch immer von dem schnellen Lauf. Der Dackel bewegte sich nicht; aber Ish konnte seine großen Augen erkennen, die etwas verdreht zu ihm aufgeschlagen waren, so daß man das Weiße sah. Das Tier hatte bei der Kaninchenjagd seinen Spaß gehabt, und nun war es zu seinem Herrchen zurückgekehrt, das es sich erwählt und das sich als Spender schmackhafter Nahrung aus Konservendosen als so nützlich erwiesen hatte und es nach einem schönen Lande fahren würde, wo es richtige Kaninchen gab, die man jagen konnte. Ish wurde schnell anderen Sinnes und lachte.
Mit diesem Lachen zerbrach etwas in ihm; es war, als sei eine Last von ihm genommen. »Wovor fürchte ich mich eigentlich?« dachte er. »Ärgeres als der Tod kann mir schließlich nicht widerfahren. Den haben die meisten Menschen schon überstanden. Warum sollte ich Angst davor haben? Er ist das Schlimmste, was mir zustoßen kann.«
Er fühlte sich unendlich erleichtert. Er lief ein paar Dutzend Schritte die Straße entlang; er hüpfte beinahe; er gab seinem Körper Gelegenheit, das auszudrücken, was seine Seele empfand.
Und sicherlich war dies mehr als das Abfallen einer Last, die er eine Zeitlang hatte schleppen müssen. Er fühlte und zeigte seine Unabhängigkeit. Er war dem Schicksal kühn entgegengetreten; er hatte dem Schicksal mitten ins Gesicht geschlagen; er hatte es gewagt, dem Schicksal zu verstehen zu geben, es habe unrecht.
Daraufhin entschloß er sich, wenn er schon lebte, ohne Furcht zu leben. Denn schließlich war er einer Katastrophe von universalen Ausmaßen entgangen.
In raschem Entschluß trat er hinter seinen Wagen, löste die Verschnürungen und ließ das Motorrad hinunterfallen. Schwerlich gab es ein Schicksal, das es den Menschen zugestand, ein allzu sicheres Spiel zu spielen. Aber auch wenn es überhaupt kein Schicksal gab, behagte ihm ein solches Spiel nicht länger. Er wollte fortan seine eigenen Möglichkeiten nützen und wenigstens sich furchtlos des Lebens freuen, solange er lebte. Lebte man denn nicht, wie es hieß, auf gewährte Zeit?
»Komm her, Prinzeß!« sagte er ironisch. »Wir wollen weiter!«
Und als er das sagte, merkte er, daß er nun endlich dem Hunde einen Namen gegeben hatte. Es war ein guter Name; gerade daß er so alltäglich war, schien eine Verbindung zum Vergangenen herzustellen, und schließlich war die Hündin ja auch eine Prinzessin, die stets erwartete, bestens bedient zu werden, und die ihm das nur beiläufig vergalt, indem sie seine Gedanken von ihm selbst ablenkte.
Nach kurzem Überlegen beschloß er, in dieser Nacht nicht weiterzufahren. In seinem neugewonnenen Bewußtsein der Freiheit wollte er alles nehmen, wie es gerade kam. Er packte seinen Schlafsack aus. Im spärlichen Schutz eines Mezquite-Busches legte er ihn in den Sand. Prinzeß kuschelte sich neben ihn und schlief auf der Stelle ein. Einmal wachte er mitten in der Nacht auf und lag ruhig da. Er hatte viel durchgemacht; doch jetzt schien ihm eine Ruhe zuteil geworden zu sein, die nie von ihm weichen würde. Einmal fiepte Prinzeß im Schlaf, und er sah, wie sie die Beine bewegte als liefe sie noch immer hinter dem Kaninchen her. Dann lag sie wieder ruhig da; auch er schlief wieder ein.
Dies ist die Wüste, die Wildnis. Sie begann vor unendlich langer Zeit. Nach einer Weile kamen die Menschen. Sie rasteten an den Quellen und hinterließen dort Steinhaufen im Sande; sie bahnten schmale Pfade durch das Mezquite-Buschwerk; doch man konnte kaum wahrnehmen, daß sie dagewesen seien. Noch später legten sie Schienen und spannten Drähte und bauten lange, gerade Straßen. Doch im Vergleich zur Ausdehnung der Wüste konnte man kaum sagen, daß die Menschen dagewesen seien, und zehn Schritte jenseits der Eisenschienen und der Betonstraßen war alles wie früher. Nach einer Weile verschwanden die Menschen und hinterließen ihre Werke.
In der Wüste hat alles viel Zeit. Tausend Jahre sind wie ein Tag. Der Sand treibt, und bei Stürmen rückt selbst der Kies von der Stelle; doch all das vollzieht sich sehr langsam. Dann und wann, vielleicht einmal in jedem Jahrhundert, ereignet sich ein Wolkenbruch, und die seit langem ausgetrockneten Bachbetten füllen sich mit rauschendem Wasser und rollen große Steine. Vielleicht alle zehn Jahrhunderte klaffen Erdspalten auf, und schwarze Lava quillt hervor.
Aber wie die Wüste nur langsam vor dem Menschen zurückgewichen ist, so dauert es auch lange, bis sie seine Spuren ausgelöscht hat. Komm in tausend Jahren wieder: dann siehst du immer noch die Steinhaufen im Sande und die langen Straßen, die sich nach den Einschnitten der sich messerscharf vom Horizont abhebenden Hügel hin erstrecken. Kann sein, daß sie ein bißchen verkommen sind. Sogar die Schienenstränge sind wohl noch da. Dagegen die Kupferdrähte sind wohl vergangen. Dies ist die Wüste — langsam im Geben, langsam in Nehmen.
Eine Zeitlang stand die Tachometernadel auf achtzig, und er fuhr in dem wilden, freudigen Gefühl der Freiheit, und der Gedanke an eine Reifenpanne machte ihm keine Sorge. Später fuhr er etwas langsamer und begann mit neu erwachter Anteilnahme Umschau zu halten; sein geschultes Geographengehirn stellte sich auf die Tragödie vom Untergang des Menschen ein. In dieser Gegend freilich merkte man den Unterschied kaum.
Als er nach Needles kam, war sein Brennstoff beinahe verbraucht. Die Stromversorgung hatte ausgesetzt, und die Tankstellen wurden schwerlich funktionieren. Nach kurzem Suchen fand er ein Treibstofflager am Stadteingang und füllte seinen Tank aus einer der Tonnen. Er fuhr weiter.
Er überquerte den Colorado-Fluß; er durchfuhr Arizona, und die Straße begann zwischen scharfzackigem Felsgeklipp anzusteigen. Hier sah er endlich Vieh. Ein halbes Dutzend Ochsen und zwei Kühe mit ihren Kälbern standen am Straßenrand. Sie hoben träge die Köpfe, als er anhielt und zu ihnen hinschaute. Die einsame Herde bekam, wenn sie nicht gerade unmittelbar am Straßenrand graste, kaum alle Monate einmal einen Menschen zu sehen. Zweimal im Jahr kamen die Cowboys und trieben sie zusammen. Das Hinschwinden des Menschen verursachte hier keine Änderung, außer daß die Herden sich wohl schneller vermehren würden. Nach einer gewissen Zeit gab es vielleicht Schwierigkeiten wegen des Mangels an Gras auf den Gebirgshängen; aber dann würde das langgezogene Geheul der Lobo-Wölfe die Schluchten erfüllen, und die waren dann ein neues Mittel, die Zahl einzudämmen. Schließlich, Ish zweifelte nicht daran, würde sich ein gewisser Gleichstand zwischen dem Vieh und den Wölfen herstellen, und auch ohne den Menschen wurde das Vieh weiter gedeihen.