Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Eine Zeitlang würden die Herden noch bestehen. Obwohl die Raubtiere einzig aus Blutdurst töten, lassen sich Millionen von Schafen nicht an einem einzigen Tage auslöschen, oder in einem Monat, und es werden Tausende von Lämmern geboren werden. Was bedeuten fünfzig oder hundert Getötete unter Millionen! Doch nicht ohne tieferen Sinn haben die Menschen von einem aussterbenden Volke sinnbildlich gesagt: »Schafe ohne Hirten!« Schließlich werden sie untergehen …
Hilflos ziehen sie durch winterliche Schneestürme, und im Sommer streifen sie vom Wasser weg und sind zu dumm, wieder hinzufinden, sie werden von Springfluten überfallen, und Hunderte werden hinweggespült; sie flüchten in stumpfsinniger Panik über Klippen und liegen in Massen verwesend auf dem Grunde der Schluchten; und es werden immer mehr Raubtiere — die verwilderten Hunde, die Wölfe, die Kojoten, die Berglöwen, die Bären. Schnell sind aus den großen Herden ein paar schreckhafte, trippelnde Häuflein geworden; und schließlich gibt es keine Schafe mehr.
Vor Jahrtausenden haben sie sich dem Schutz des Hirten unterstellt und ihre Behendigkeit und das Gefühl der Unabhängigkeit eingebüßt. Nun der Hirt abgetreten ist, müssen auch sie abtreten …
Am folgenden Tage überquerte er die weite Hochfläche der »Kontinent-Scheide«. Es war ein schafreiches Gebiet, und immer wieder stieß er auf Kadaver, wo die Kojoten in eine Herde eingefallen waren. Einmal sah er auf einem fernen Hügelhang ein versprengtes Schaf wild umherrennen; doch er konnte es nicht genau erkennen.
Dann wieder wurde ihm ein noch seltsamerer Anblick zuteil. Auf einer üppigen Wiese am Flußufer sah er eine Schafherde friedlich weiden. Er hielt Ausschau, halb und halb gewärtig, auch den Hirtenkarren und den Schäfer selbst zu sehen; aber statt dessen sah er nur zwei Hunde. Der Hirt war dahin, doch aus langer Gewohnheit taten die Hunde weiter ihre Pflicht, hielten die Schafe beieinander, hielten sie auf der grünen Weide am Flußufer und kämpften sicherlich auch mit den Räubern, die nachts herankamen. Ish hielt und beobachtete, wobei er Prinzeß neben sich auf dem Sitz festhielt, damit sie die Szene nicht störte. Die beiden Schäferhunde wurden aufgeregt, als sie das Auto sahen; sie bellten wütend und trieben ein paar Einzelgänger zur Herde zurück. Sie hielten auf Abstand und schienen sehr feindlich. Gerade wie in den Städten der elektrische Strom auch nach dem Dahinschwinden des Menschen noch durch die Drähte lief, so bewachten hier die Hunde ihre Schafe in dem weiten Wiesengebiet noch ein Weilchen. Allzu lange konnte es nicht mehr dauern, dachte Ish.
Die Straße lief durch weite Räume dahin; sie war mit U.S. 66 bezeichnet. Sie war schon in alten Zeiten, wie er sich erinnerte, ein wichtiger Verkehrsweg gewesen, die Straße von den Okies nach Kalifornien; sogar in einem Volksliede wurde sie besungen; jetzt lag sie leer.
Er bog in das Tal des Rio Grande ein, überquerte die Brücke und fuhr die lange Straße nach Albuquerque hinab. Das war die größte Stadt, in die er kam, seit er Kalifornien verlassen hatte. Er hupte und wartete auf Antwort. Er hörte nichts, und er wartete nicht lange.
In dieser Nacht schlief er in einem Hotel am Ostrande von Albuquerque, von wo aus er die große Steigung nach der Stadt hin überschauen konnte. Sie lag völlig dunkel da; hier hatte die Stromversorgung bereits ausgesetzt.
Am nächsten Morgen fuhr er weiter durchs Gebirge und gelangte auf der anderen Seite in eine Gegend mit verstreuten Hügelkuppen, zwischen denen weite Ebenen lagen. Wiederum überkam ihn der Geschwindigkeitsrausch, und er ließ den Wagen auf den geraden Straßen bis zur letzten Möglichkeit auslaufen. Die Hügelkuppen versanken hinter ihm; er überfuhr die Staatengrenze und war nun in Texas, im platten Lande des Bettlertums. Es war plötzlich glühend heiß, und ringsum breiteten sich endlose Stoppelfelder, deren Weizen schon gemäht gewesen war, als der Tod die Schnitter überfiel. Diese Nacht schlief er in einer Vorstadt von Oklahoma City.
Am Morgen umfuhr er die Stadt auf einem Umgehungswege und raste weiter. Er folgte der Straße Nr. 66 in Richtung Chicago; aber nach ein paar Kilometern war die Straße durch einen Baum blockiert. Er stieg aus, um die Lage zu untersuchen. Eine hohe Pappel, die vor einem Bauernhaus gestanden hatte, war vom Sturm geknickt worden und umgefallen; die ganze Straße lag unter einem Gewirr von Zweigen und Laubwerk begraben. Es hätte der Arbeit eines halben Tages bedurft, um sich durch dieses Durcheinander einen Weg zu bahnen.
Ish gedachte einen Umweg quer durch die Felder zu fahren; aber der Boden war nach den letzten Regengüssen weich und lehmig. Er sah auf der Karte nach, wenn er etwa fünfzehn Kilometer nach Süden fuhr, konnte er eine andre betonierte Straße nehmen, die ihn auf die große Staatsstraße zurückführte. Er wendete und fuhr zurück.
Doch als er auf jener andern Straße war, überlegte er, daß kein zwingender Grund bestand, auf die 66 zurückzukehren. Diese neue Straße, eine zweiter Ordnung, führte stracks nach Osten, und schließlich war diese Richtung genauso gut wie irgendeine andre. »Vielleicht«, dachte er, »hat jener umgefallene Baum den gesamten künftigen Ablauf der Menschheitsgeschichte in andre Bahnen gelenkt. Ich wäre wohl nach Chicago gefahren, und möglicherweise wäre dort etwas geschehen. Nun geschieht eben etwas anderes.«
So fuhr er ostwärts durch Oklahoma, und überall war das Land leer. Auf den vorübergleitenden Hügeln sahen die struppigen Eichenwäldchen noch genauso aus, wie sie vorher ausgesehen hatten. Auf den ebenen, bebauten Strecken wuchsen Mais und Baumwolle. Der Mais stand hoch; es würde eine gute Ernte geben. Aber die Baumwolle wurde schnell vom Unkraut erstickt.
Jetzt herrschte die volle Sommerhitze, und sie brachte mehrere schöne Zivilisationsreste zu Fall. Zwar rasierte er sich noch täglich, mehr weil es angenehmer war, denn weil er Wert auf seine äußere Erscheinung legte; aber sein Haar war nicht geschnitten. Er ging ihm mit einer Schere zu Leibe. Er trug nur noch blaue Baumwollhosen und ein am Halse offenes Hemd. Jeden Morgen warf er das Hemd weg und zog ein neues an. Irgendwo hatte er seinen grauen Filzhut liegenlassen, und so holte er sich aus einem Warenhaus in Oklahoma einen schlichten Strohhut.
An jenem Nachmittag wechselte er nach Arkansas hinüber, und obwohl er wußte, daß Staatengrenzen nur in der Phantasie bestehen, merkte er plötzlich, daß alles anders aussah. Hier gab es kein trockenes Flachland; das Wetter war heiß und feucht. Die Folge war, daß überall auf den Landstraßen und den Gebäuden etwas wuchs.
Die Ranken des wilden Weins und der Kletterrosen umschlangen bereits die Fenster und hingen schwingend von Dachtraufen und Vorhallendächern. Die kleineren Häuser sahen aus, als wichen sie schüchtern zurück und seien im Begriff, sich in den Wäldern zu verstecken. Auch die Mauern und Zäune waren überwuchert. Es gab keine scharfe Trennungslinie zwischen der Straße und dem Lande mehr, durch das sie führte. Gras und Unkraut sproßten grün aus jedem geringsten Riß im Beton; über die Brüstungen schossen Brombeerranken und überwucherten die hellen, weißen Linien. An einer Stelle waren ein paar Weinranken bereits bis an die weiße Linie in der Straßenmitte gelangt, und von der anderen Seite her wuchsen andere.
Die Pfirsiche waren reif, und er schaffte sich ein bißchen Abwechslung in seiner Konservennahrung, indem er einen Obstgarten plünderte. Beim Hineingehen scheuchte er ein paar Schweine auf, die die abgefallenen Früchte fraßen. Diese Nacht schlief er in North Little Rock.