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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Auf der Weiterfahrt sah er in der Nähe der alten Bergwerkstadt Oatman zwei Burros. Ob sie sich zur Zeit der Katastrophe in der Umgebung der Stadt herumgetrieben oder ob sie schon früher verwildert waren, wußte er nicht; aber sie sahen ganz zufrieden aus. Er stieg aus dem Wagen und versuchte an sie heranzukommen; aber sie trabten davon und hielten sich in sicherer Entfernung. Er ging wieder zum Wagen und ließ Prinzeß los, die eine wilde Jagd auf die beiden sonderbaren Tiere vollführte. Das eine legte die Ohren zurück; zog die Lippen von den Zähnen und stampfte mit den Vorderbeinen. Prinzeß machte kehrt, lief zum Wagen und tat, als wolle sie ihr Herrchen schützen. Solch ein Burro dachte Ish, könnte den Kampf mit jedem Wolf aufnehmen und wäre wohl gar dem Berglöwen gewachsen.

Er fuhr die Bergkette hinter Oatman hinauf, und auf der andern Seite gelangte er zum erstenmal an eine größere schadhafte Stelle der Landstraße. Im Laufe der letzten Tage mußte ein heftiges Wüstengewitter über diesen Teil des Gebirges niedergegangen sein. Die Wassermassen hatten die Fassungskraft der Durchlässe überstiegen, die Straße überschwemmt und Sand mitgeführt. Er stieg aus und sah sich die Sache an. In normalen Zeiten wären rasch Straßenarbeiter zur Stelle gewesen. Sie hätten den Sand von der Straße weggeschaufelt und die Abflüsse gereinigt, und alles wäre gewesen wie zuvor. Jetzt aber blieben die Abflüsse verstopft, der Sand blieb fußhoch auf der Straße liegen, und er stellte fest, daß ein beträchtliches Stück der Betonlage unterspült war. Beim nächsten Unwetter würde das alles sich steigern; innerhalb weniger Jahre würde die Betonlage Risse und Sprünge bekommen und an den unterspülten Stellen einbrechen, und Sand und Geröll würden sich auf der Straße immer höher häufen. Einstweilen jedoch war sie noch passierbar. Er lenkte den Wagen durch den Sand.

»Eine Straße hat die Dauer ihrer schwächsten Stelle«, dachte er und überlegte, wie lange es wohl noch möglich sei, zu reisen, wie er jetzt reiste. In dieser Nacht schlief er wieder in einem Bett zu dem er sich im besten Hotel von Kingman verhalf.

Die Rinder, die Pferde, die Esel — sie hatten Tausende von Jahrhunderten ihr eigenes Leben gelebt und waren ihre eigenen Wege in Wald, Steppe und Ödland gegangen. Der Mensch erstarkte, und für eine Weile bediente er sich der Rinder, der Pferde und der Esel zu seinen Zwecken. Aber als es mit dem Menschen zu Ende war, gingen sie wieder ihre eigenen Wege.

Eine Weile muhten die in den langen Ställen angebundenen Milchkühe durstig; dann lagen sie tot und stumm da. In ihren Boxen starben langsam die hochbeinigen Vollblutpferde.

Aber die weißblessigen Herefordpferde auf den Koppeln sorgten für sich selbst, und auf den Bauernhöfen durchbrachen die Kühe die Zäune und liefen frei herum. Das gleiche taten die Pferde und Esel …

Die Esel suchen das Ödland auf. Sie schnuppern den trockenen Ostwind ein, galoppieren über die sandigen Seeufer und stapfen die unkrautüberwucherten Hänge hinauf; mit ihren harten Mäulern könnten sie sogar Dorngesträuch fressen. Ihre Gefährten sind großgehörnte Schafe.

Die Pferde wählen sich trockene, offene Flächen. Sie fressen das grüne Gras des Frühlings, des Sommers und das vertrocknete des Herbstes, und im Winter scharren sie, die Flanken eingefallen, im Schnee nach dem dürren. Mit ihnen gemeinsam weiden die Herden der Gabelantilopen.

Die Rinder und Kühe suchen die grüneren Landstriche und die Wälder auf. Im Unterholz verbergen die Kühe die neugeborenen Kälber, bis sie den Muttertieren folgen können. Ihr Gefährte ist der Bison, und auch ihr Rivale. Die großen Bullen kämpfen miteinander, und am Ende siegt vielleicht der schwerere Bison, und dann breitet der Bison sich über sein altes Herrschaftsgebiet aus. Dann werden die Rinder tiefer in das Waldland zurückgedrängt und finden dort ihre Heimstatt.

Auch in Kingman hatte die Stromversorgung ausgesetzt; aber das Wasser lief noch. Der Herd in der Hotelküche wurde von einem Tank mit flüssigem Gas gespeist, und der Druck war normal. Seit es keine elektrischen Kühlanlagen mehr gab, fielen für ihn Eier, Butter und Milch aus. Aber er nahm sich Zeit, und nach einem Einbruch in einen Laden bereitete er sich ein vortreffliches Frühstück — eingemachte Grapefruits, Wurstkonserven, Pfannkuchen, Sirup. Er kochte sich eine große Kanne Kaffee und trank ihn mit Zucker und Kondensmilch. Prinzeß labte sich an einer Büchse Pferdefleisch. Nach dem Frühstück verschaffte er sich Brennstoff, indem er mit Hammer und Meißel ein Loch in den Tank eines Lastwagens schlug. Er setzte einen Kanister darunter, ließ ihn vollaufen und füllte das Gasolin dann in seinen eigenen Tank, der nicht mehr viel enthielt.

Hinter Kingman gelangte er bald in eine Gegend, wo die gedrungenen, kleinen Pinon-Kiefern in regelmäßigen Abständen über das dürre Hügelgelände verteilt waren. Abgesehen von der großen Landstraße hatte der Mensch hier nur geringe Spuren hinterlassen. Keine Fernsprechmasten begleiteten diese Straße, und häufig fehlten auch Hecken und Umzäunungen; einzig gewelltes Land erstreckte sich zu beiden Seiten, das infolge der Sommerregen grün war, und darauf standen die kleinen Bäume. Er wußte jetzt, daß die Umwandlung in Weideland in der ganzen Gegend den Graswuchs und das Buschland verändert hatte, und daß durch das Verschwinden des Menschen weitere Veränderungen eintreten würden.

An den beiden ersten Tagen hatte ihn die Angst gefangengehalten; am dritten war er, als das Freiheitsgefühl ihn überkam, wild dahingerast. Nachdem heute abermals eine Reaktion eingesetzt hatte, verspürte er nun eine große Ruhe.

Allmählich rückte der Nachmittag heran; er war in eine höher gelegene Gegend gekommen, wo hagere Kiefern wuchsen; im Norden schimmerte ein schneebedeckter Berggipfel. In Williams stand ein schimmernder Stromlinienzug im Bahnhof, so wie ihn der Zugführer verlassen hatte; er sah niemanden. In Flagstaff lag der größere Teil der Stadt in Schutt und Asche; er sah niemanden.

Hinter Flagstaff beschrieb die Straße eine Kurve, und in einiger Entfernung vor sich sah er zwei Krähen von etwas auffliegen, das auf der Straße lag, und schwerfällig davonrudern. Er empfand beim Näherfahren eine gewisse Scheu vor dem Anblick dessen, was sie gefressen hatten; doch es war nur ein Schaf. Als er Umschau hielt, nahm er wahr, daß auf der Straße noch weitere tote Schafe lagen, und andere fanden sich zu beiden Seiten. Er ging die Straße ein Stückchen entlang und zählte sechsundzwanzig.

Aus bloßer Laune bog er bald danach in die kleine Straße ein, die zum Walnuß-Cañon-Nationaldenkmal führte. Er gelangte zu dem schmucken Aufseherhaus, das in den tiefen Cañon mit den zerstörten Wohnstätten der Klippenbewohner hinabschaut. Es blieb ihm noch eine Tagesstunde, und er empfand ein grimmiges Vergnügen dabei, auf dem schmalen Pfade entlangzugehen und sich anzusehen, was aus den Wohnstätten jenes alten Volkes geworden war. Er kehrte um und verbrachte die Nacht in dem Haus am Rand des Cañons. Hier war bereits ein Sommergewitter niedergegangen, und das Wasser war unter der Tür hindurch eingedrungen. Da niemand es aufgewischt hatte, war eine Pfütze entstanden und hatte den Fußboden beschädigt. Es würden andere Regengüsse kommen, sie würden sich auswirken, und bald würde das schmucke Haus am Rande des Cañons in Trümmer sinken und sich kaum noch von den alten Wohnstätten in den Klippen unterscheiden. Hier würden die Ruinen der einen Zivilisation sich über den Ruinen einer anderen erheben.

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