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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Er folgte der großen Staatsstraße Nr. 99 südlich durch das Joaquin-Tal. Obwohl er nicht schnell fuhr, kam er großartig voran. Er brauchte nicht langsam hinter einer Lastwagenkolonne herzufahren oder bei Verkehrslichtern zu stoppen (obwohl die meisten immer noch funktionierten) oder in den Städten die Geschwindigkeit herabzusetzen. Trotz aller trüben Ahnungen mußte er sich gestehen, daß es unter den gegenwärtigen Umständen sehr viel leichter war, die große Straße Nr. 99 entlangzufahren, als inmitten des dichten, irrsinnig schnellen Verkehrs.

Er sah keinen Menschen. Wenn er bei der Fahrt durch die Städte nachgesucht hätte, so würde er vielleicht einen entdeckt haben; aber dabei wäre nichts herausgekommen. Vielleicht hätte er hier und dort einen einsamen Wanderer auflesen können. Doch er war jetzt auf der Suche danach, ob irgendwo eine größere Ansammlung von Menschen übriggeblieben war.

Bis weit in die Ferne erstreckte sich das Flachland, Weingärten, Obstgärten, Melonenfelder, Baumwollfelder. Eines Landmanns Auge hätte vielleicht entdeckt, daß überall bereits sich Spuren der Vernachlässigung zeigten, das Fehlen der Hand des Menschen; doch für Ish sah alles aus wie früher.

Bei Bakersfield verließ er die Straße Nr. 99 und bog in die kurvenreiche Nebenstraße über den Tehachapi-Paß ein. Die Felder wichen verstreuten Eichenwäldchen, und in noch größerer Höhe kamen lichte, parkähnliche Bestände von dünnkronigen Pflugschar-Kiefern. Auch hier war niemand. Doch hier fiel die Abwesenheit von Menschen weniger auf, da dieses von je ein dünn besiedeltes Gebiet gewesen war. Er fuhr auf der andern Seite des Passes talwärts und hielt über die weiten Landstrecken Ausschau, mit denen die Wüste begann. Stärker denn je lastete eine dumpfe Ahnung auf ihm. Obwohl die Sonne noch recht hoch über dem Horizont stand, hielt er in der kleinen Stadt Mojave und begann mit seinen Vorbereitungen.

Um die gut dreihundert Kilometer Wüste zu durchqueren, hatten die Menschen auch schon vor sehr langer Zeit in ihren Wagen Wasser mitgeführt. Es gab Strecken, wo man einen ganzen Tag gehen mußte, um wenigstens an eine behelfsmäßige Reparaturwerkstatt zu kommen, wenn der Wagen schlecht lief. Das konnte er jetzt nicht riskieren, nun niemand ihm zu Hilfe kommen würde.

Er entdeckte ein Eisenwarengeschäft. Die Tür war fest und gut verschlossen; so schlug er mit dem Hammer eine Fensterscheibe ein, durch die er kletterte. Er nahm sich drei große Kanister und füllte sie an einem Hahn, aus dem noch Wasser lief, wenngleich schwach. Außerdem holte er sich aus einer Lebensmittelhandlung eine große Korbflasche Rotwein.

Aber damit war er noch nicht zufrieden, und der Gedanke an die Wüste bedrückte ihn. Noch einmal durchfuhr er die Hauptstraße, ohne recht zu wissen, was er eigentlich suchte, bis sein Blick auf ein Motorrad fiel. Es war schwarzweiß lackiert, so wie die Räder der Landstraßenstreifen. Trotz aller Niedergeschlagenheit und Angst empfand er Gewissensqualen, ein Motorrad zu stehlen, das der Polizei gehörte. Das war der Höhepunkt des Unglaublichen!

Doch eine Minute später hatte er es geschafft. Er probierte das Motorrad aus, fand es brauchbar und fuhr dann langsam die Straße hinab und zurück.

Nach einer Stunde Arbeit in der drückenden Spätnachmittagshitze, nachdem er aus Brettern und Balken eine Art Rampe gebaut hatte, gelang es ihm, das Motorrad aufzuladen und hinten auf seinem Wagen festzubinden.

Die Sonne ging unter, und er war müde. Er bereitete sich eine kalte, unbefriedigende Mahlzeit und aß sie ohne Appetit. Noch immer war die Angst in ihm. Er überlegte sogar, was er tun würde, wenn das Essen ihm eine Magenverstimmung verursachte. Als er fertig war, entdeckte er in einem Laden eine Dose Hundefutter und gab es dem Dackel zu fressen. Die Hündin nahm es als selbstverständlich entgegen. Danach rollte sie sich auf dem Vordersitz zusammen. Er fuhr nach dem bestaussehenden Gasthof der Stadt, fand eine der Zimmertüren unverschlossen und ging hinein; der Hund lief ihm nach. Aus den Wasserhähnen tröpfelte es nur noch. Augenscheinlich hatte diese kleine Stadt keine automatische Wasserversorgung wie die großen Städte. Er wusch sich, so gut es ging; dann legte er sich zu Bett. Der Hund lag zusammengerollt auf dem Fußboden.

Die Angst machte ihm schwer zu schaffen; er konnte nicht schlafen. Der Hund fiepte im Traum, wobei Ish heftig zusammenfuhr. Immer größer wurde seine Angst. Er stand auf und drückte die Klinke nieder, um sich zu vergewissern, daß er auch die Tür abgeschlossen hatte, obwohl er nicht wußte, wen oder was er fürchten oder warum er die Tür abschließen sollte. Er dachte daran, in einem Drugstore nach Schlaftabletten zu suchen; doch allein schon der Gedanke daran schreckte ihn. Er überlegte, ob er Whisky trinken sollte; aber auch das war mit düsteren Nebengedanken verbunden. Schließlich schlief er ein; aber er schlief äußerst unruhig.

Am Morgen hatte er einen schweren Kopf, und in Anbetracht der zu erwartenden trockenen Hitze des Wüstenvormittags zögerte er, in die dürre Öde hinauszufahren. Er überlegte, ob er nicht umkehren, er überlegte, ob er nicht südwärts nach Los Angeles fahren sollte, wobei er sich einredete, es sei ein guter Gedanke, nachzuschauen, was dort geschehen sei. Doch alle diese Erwägungen waren nur Ausflüchte, wie er nur zu gut wußte, waren nur ein Hinauszögern seines ursprünglichen Vorhabens, und er besaß noch genügend Stolz, um von einer nutzlosen Umkehr oder von einem Abweichen von der geplanten Fahrstrecke Abstand zu nehmen. Dennoch gab er sich so weit nach, daß er beschloß, erst gegen Sonnenuntergang abzufahren. Er begründete das damit, daß es sich um eine ganz gewöhnliche Vorsichtsmaßregel handele. Selbst in normalen Zeiten fuhren viele Leute bei Nacht durch die Wüste, um die Tageshitze zu vermeiden.

Er verbrachte einen ruhelosen Tag in Mojave, bedrückt von Ängsten und immerfort darauf bedacht, noch mehr für seine Sicherheit zu tun. Als die Sonne fast schon die westlichen Hügel berührte, fuhr er ab; der Hund lag neben ihm auf dem Sitz.

Kaum hatte er ein paar Kilometer zurückgelegt, als er wahrnahm, daß die Wüste ihn rings umschloß. Die niedrige Sonne ließ die Judasbäume sonderbare, lange Schatten werfen. Dann loschen die Schatten aus, und es herrschte Dämmerung. Er schaltete die Scheinwerfer ein, und die starken Strahlen beleuchteten die vor ihm sich erstreckende Straße; sie war leer, leer wie stets. Nicht einmal erblickte er im Rückspiegel die fernen Zwillingslichter, die bedeuten konnten, daß ein Wagen ihn überholen wollte.

Dann herrschte völlige Dunkelheit, und seine Angst wuchs und wuchs. Er dachte an alles, was ihm geschehen konnte, obwohl der Motor regelmäßig lief. Er fuhr langsamer und immer langsamer; er dachte an Reifenpannen, an ein Heißlaufen des Motors, an ein Auslaufen des Öls — dann würde er am Wege liegenbleiben, allein in weiter Runde. Er verlor sogar das Zutrauen zu dem Motorrad, das er zur Sicherheit mitgenommen hatte. Nach langer Zeit — er fuhr ja langsam — kam er an einer der kleinen Wüstentankstellen vorüber, wo man zumindest Brennstoff oder einen Ersatzreifen oder etwas zu trinken bekommen konnte. Nun lag sie dunkel, und er wußte: dort war keine Hilfe. Er fuhr weiter, und die weißen Scheinwerferstrahlen ließen die Straße vor ihm klar hervortreten; der Motor arbeitete regelmäßig; doch er überlegte, was er tun sollte, wenn er aussetzte.

Er hatte eine große Strecke zurückgelegt. Schließlich fing der Hund neben ihm an zu fiepen und unruhig zu werden. »Sei still!« fuhr er ihn an; aber der Dackel fuhr fort, zu fiepen und zu zappeln. »Ach so!« sagte er und brachte den Wagen zum Halten, wobei er sich nicht die Mühe machte, rechts heranzufahren.

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