Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
In den großen Schaufenstern der Modehäuser vollführen nach wie vor die Gliederpuppen in heiterer Gewandung und mit blitzendem Schmuck eine absonderliche Gestik. Aber die Fünfte Avenue dehnte sich leer vor ihm, so still wie die Hauptstraße von Podunk an einem Sonntagmorgen. Die Schaufenster eines großen Juweliergeschäftes waren zertrümmert.
Ein paar Tauben flatterten beim Rockefeller Centre auf; das Geräusch des einsamen Motors hatte sie aufgestört. Bei der Zweiundvierzigsten Straße fiel es ihm ein, mitten auf der Fünften Avenue anzuhalten und auszusteigen; Prinzeß ließ er im Wagen.
Er ging die Zweiundvierzigste Straße in östlicher Richtung hinab; der leere Bürgersteig kam ihm lächerlich breit vor. Er ging in den Grand-Central-Bahnhof hinein und schaute in die weitläufige Empfangshalle hinein.
»Wau!« rief er laut und empfand kindische Freude, als das Echo durch die Leere von der hohen Wölbung widerhallte.
Er kehrte auf die Straße zurück und erblickte eine Drehtür. Gedankenlos durchschritt er sie und befand sich in der Vorhalle eines großen Hotels. Rechts und links standen behäbige Sessel und Sofas; hinten war das Empfangsbüro.
Auf allen Sesseln und Sofas und Zigarettenvitrinen und Marmorfliesen lag deutlich wahrnehmbar eine Schicht grauen Staubes, und von jetzt an würde Staub ein Teil seines Lebens sein.
Als er wieder in seinem Wagen saß, schaltete er den Gang ein, überquerte die Zweiundvierzigste Straße und fuhr weiter nach Süden. Auf den Stufen der Bibliothek sah er eine große graue Katze kauern.
Beim Flatiron Building bog er in den Broadway ein und folgte ihm geradeaus bis zur Wall Street. Dort stiegen sie beide aus, und Prinzeß bezeigte Interesse an einer Art Spur, die den Bürgersteig entlanglief. Wall Street! Es machte ihm Spaß, ihre leere Länge hinabzugehen. Bei einiger Aufmerksamkeit entdeckte er etwas Gras, oder richtiges Unkraut, das hier und dort in den Ritzen des Rinnsteins grünte.
Er ging zu seinem Wagen zurück und fuhr den Broadway weiter in südlicher Richtung hinab, das kleine Stück bis Battery. Dort hielt er über die untere Bucht Ausschau nach dem Ozean hin. Dies war das Ende seiner Reise.
Vielleicht bestanden noch Verbindungen nach Europa oder Südamerika oder einigen der Inseln; aber er nahm keine Spur davon wahr. An dieser Stelle war sicherlich sein holländischer Vorfahr vor drei Jahrhunderten an Land gestiegen. Jetzt stand er, Ish, hier, und der Kreis hatte sich geschlossen.
Er gewahrte die Freiheitsstatue. »Freiheit!« dachte er ironisch. »Die wenigstens habe ich!«
Dicht am Ufer von Governors Island war ein großer Dampfer gestrandet. Er mußte bei Hochflut auf Grund geraten sein, und jetzt, bei tiefer Ebbe, ragte er hoch aus dem Wasser und lag absonderlich schief. Bevor das Schiff Europa verließ, mußte die Infektion heimlich gewirkt haben; Passagiere und Mannschaft waren in gleicher Weise krank oder tot gewesen, als der Dampfer verzweifelt in den Hafen zu gelangen suchte — den Hafen, der seltsamerweise keine Signale mehr aussandte. Es kamen dem Schiff keine Schlepper entgegen. Vielleicht hatte ein sterbender Bootsmann auf der Brücke gar versäumt, den Befehl zum Fallenlassen des Ankers zu geben und nur mit verschwimmenden Augen auf die Sandbank gestarrt. Dort würde das Schiff Ruhe finden, und die Wellen würden Sand und Schlamm gegen das den Verkehr hindernde Wrack werfen, und in einem Jahrhundert würde es kaum noch kenntlich sein — nur die rostbedeckte Mitte einer kleinen Insel, und darum herum würden Bäume wachsen.
Im Weiterfahren bog Ish nach East Side ein, kam an ein unangenehm riechendes Viertel in der Nähe des großen Komplexes des Bellevue-Krankenhauses, wandte sich westwärts und stieß auf den gleichen Geruch rings um den Pennsylvania-Bahnhof und die benachbarten Hotels, und schließlich fuhr er nordwärts durch die Elfte Avenue. Er bog in die Riverside-Promenade ein und gewahrte, daß die Sonne niedrig über den rauchlosen Schornsteinen des Jersey-Ufers stand. Er überlegte gerade, wo er die Nacht verbringen solle, als er einen Ruf hörte: »He! Hierher!«
Prinzeß fing wütend an zu bellen. Er stoppte, schaute zurück und sah einen Mann aus dem Eingang eines Mietshauses herauskommen. Ish stieg aus und ging ihm entgegen; die bellende Prinzeß ließ er im Wagen.
Der Mann kam mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. Er sah kein bißchen ungewöhnlich aus, war gut rasiert und trug einen Tropenanzug; sogar den Rock hatte er an. Halb und halb war Ish darauf gefaßt, daß er jetzt die konventionelle Ladeninhaberbegrüßung hören würde: »Guten Tag, der Herr, womit kann ich dienen?«
»Abrams ist mein Name«, sagte er. »Milt Abrams.«
Ish stotterte seinen eigenen Namen — es war recht lange her, daß er daran gedacht hatte, wie er eigentlich heiße. Nach den Begrüßungsworten nahm Milt Abrams ihn mit ins Haus. Sie gingen in eine hübsche Wohnung des zweiten Stockwerks. Eine blondhaarige, etwa vierzigjährige, gut gekleidete Frau saß an einem Cocktailtisch, und vor ihr stand ein Cocktailshaker. »Habe die Dame — getroffen«, sagte Milt Abrams, und bei seinem Zögern konnte Ish sich sein Teil denken. Schwerlich würde die Katastrophe Mann und Frau verschont haben, und für eine feierliche Trauung war seither keine Gelegenheit gewesen. Augenscheinlich steckte Milt Abrams noch immer so tief im Überlieferten, daß er sich das sogar unter den gegebenen Umständen zu Herzen nahm.
Die Dame sah Ish lächelnd an. »Sagen Sie Ann zu mir«, sagte sie. »Kommen Sie, trinken Sie etwas! — Leider kann ich Ihnen nur warmen Martini anbieten! In New York City ist kein bißchen Eis aufzutreiben!« Auf ihre Art war sie eine genauso typische New Yorkerin, wie Milt ein typischer New Yorker war.
»Hier«, sagte Milt, »ich kann Ihnen etwas Besseres anbieten.« Er machte einen Schrank auf, und man erblickte eine schöne Sammlung von Amontillado, altem Kognak und erlesenen Likören. »Und«, fügte er hinzu, »die kann man auch ohne Eis trinken.«
Augenscheinlich war Milt ein Kenner. Die Flasche Chateau Margaux, die er zum Abendessen hervorzauberte, war erstklassig.
Chateau Margaux zu einer aus kaltem Corned beef bestehenden Mahlzeit war vielleicht nicht alles, was man sich hätte wünschen können, doch der Wein war kräftig genug, um in Ish eine leichte, glückliche Bezechtheit zu erregen. Ann war um jene Zeit schon ziemlich angeheitert.
Der Abend verlief recht angenehm. Sie spielten bei Kerzenlicht Karten — Bridge zu dritt. Sie tranken Liköre. Sie hörten Schallplatten, auf einem dünnstimmigen Koffergrammophon, das den großen Vorteil hatte, vom elektrischen Strom unabhängig zu sein, aber mit der Hand aufgezogen werden mußte. Sie plauderten — wie man an jedem beliebigen Abend geplaudert hätte. »Die Platte kratzt … Ich habe gar nicht geschnitten … Schenk mir noch mal ein!«
Man tat, als gebe es draußen vor den Fenstern eine Welt; man spielte bei Kerzenlicht Karten, weil das hübsch ist; man dachte und sprach nichts, als was unter solcherlei Umständen eben gedacht und gesprochen wurde. Und Ish meinte, das sei nur billig und recht. Normale Menschen, und Milt und Ann schienen durchaus normal zu sein, kümmerten sich nicht allzuviel um Zurückliegendes oder Künftiges. Glücklicherweise lebten sie in der Gegenwart.