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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Aber… Cathar«, fuhr Shyleen fort. »Wo ist er? Was ist mit ihm geschehen? Und was hat dieses Gerede über Ch’tuon zu bedeuten?«

»Du wirst alles begreifen«, vertröstete sie Torian. »Ch’tuon hat den Magier zu sich geholt. Wir werden ihm auf gleichem Weg folgen. Hab keine Angst.« Er griff nach ihrer Hand, doch sie wich furchtsam vor ihm zurück. »Bitte, Shyleen«, sagte er. »Vertrau mir. Dir wird nichts geschehen. Wir treten nur in einen anderen Raum, aber es würde zu lange dauern, auf normale Weise dorthin zu gelangen.«

Das Mädchen zögerte, rang kurz mit sich und nickte schließlich, wenn auch sein Mißtrauen längst noch nicht ausgeräumt war. Aber es reichte ihm die Hand. Torian ergriff sie, und dann verschlangen die Schatten auch ihn. Dunkelheit umgab ihn. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er das Gefühl, schwerelos in der Luft zu hängen, dann begann er zu stürzen, sah schwarzen Fels auf sich zurasen und schlug mit grausamer Wucht auf. Für eine Sekunde verlor er das Bewußtsein, erwachte aber schon wieder, ehe er vollends zur Ruhe kam. Neben ihm rappelte sich Shyleen hoch, und nur wenige Schritte entfernt stand Garth. Cathar hing wie eine Puppe in seinen Händen. Der Riß in der Wirklichkeit hatte sie wie erwartet in die Höhle Ch’tuons zurückgeschleudert.

Benommen richtete sich Torian auf. Etwas hatte sich verändert, im gleichen Moment, in dem er den Schritt durch das Nichts getan hatte. In seinem Kopf herrschte ein sonderbares Gefühl der Leere und Taubheit, und es dauerte einige Sekunden, bis ihm bewußt wurde, worin die Veränderung bestand.

Die unsichtbare Nabelschnur, die ihn bislang mit Ch’tuon verbunden hatte, war zerrissen. Er war wieder Herr seines eigenen Willens, zum ersten Mal seit Wochen. Alles, was getan werden mußte, hatte er getan, und die dämonische Kreatur hatte ihr Wort gehalten und ihn zum Dank wieder freigegeben. Auf Dämonen war eben mehr Verlaß als auf Menschen oder Schwarze Magier, dachte er zynisch und tastete nach seiner Schulter. Auch die winzige Schwellung, die bislang die Existenz der Parasiten verraten hatte, war verschwunden.

Shyleens Schrei riß ihn endgültig aus der Benommenheit. Er fuhr herum und starrte an das Ufer des schwarzen Sees. Die teerartige Masse sprudelte und warf Blasen. Sie verdichtete sich, wuchs in die Höhe und bildete die Umrisse eines Körpers, der sich wie eine Karikatur menschlichen Lebens ausnahm. Die Kreatur war nicht größer als ein Gnom, der Körper verwachsen und mit viel zu vielen dünnen, tentakelartigen Armen. Die im Vergleich zu kurzen und viel zu dicken Beine endeten in vogelartigen Krallen, die sich bei jedem Schritt in den Boden gruben, als das Wesen ans Ufer kroch und langsam auf die Menschen zutaumelte. Die Schritte klangen nicht annähernd wie die eines Menschen, sondern wirkten entsetzlich falsch; wie ein Platschen, ein schreckliches, irgendwie nasses Geräusch, da sich anhörte, als würde es von einem gewaltigen, viel zu massigen Körper stammen, nicht von dem kaum halbmannsgroßen Gnom. Wo er entlangschlich, glühte das Gestein unter seinen Füßen auf und erstarrte sofort wieder zu dunkelbraunem, schmierig aussehendem Fels.

Shyleen schrie noch einmal auf, packte ihr Schwert und riß es aus der Scheide. Torian drückte ihren Arm herunter. »Nicht«, stieß er hervor. »Es wird uns nichts tun.«

»Aber das…«

»Es ist eine Erscheinungsform Ch’tuons. Aber er ist uns nicht feindlich gesonnen. Er will nur Cathar.«

Er deutete auf Garth, der den Magier vor sich auf den Boden gelegt hatte und einige Schritte zurücktrat. Sein Gesicht war vor Anspannung verzerrt. Schweiß perlte auf seiner Stirn. Seine Hand lag auf dem Knauf des Schwertes. Auch er war wieder aus dem Bann Ch’tuons erwacht, schien der Kreatur aber nicht völlig zu vertrauen.

»Nicht!« warnte Torian hastig. »Rührt euch nicht!«

Die Kreatur sah beim Klang seiner Stimme auf, und etwas… änderte sich im Blick ihrer entsetzlichen Augen. Für Sekunden, die für Torian zu Ewigkeiten wurden und die er nie, nie mehr im Leben vergessen sollte, begegneten sich ihre Blicke, und für die gleiche Zeitspanne verstand er; begriff er die wahre Natur dieses unendlich fremden Wesens, von dem er ein winziger Teil gewesen war, ohne es zu wissen.

Ch’tuon war nicht böse. Oh, er war schrecklich, ein Wesen von ungeheuerlicher Macht, das die Bedeutung des Wortes Mitleid nicht kannte und dessen Kraft ausreichte, mit einem einzigen Gedanken eine Welt zu vernichten, ein Volk auszulöschen, den Lauf der Geschichte zu verändern. Aber er war nicht böse, denn er kannte die Bedeutung dieses Wortes nicht einmal. Gefühle waren ihm fremd. Er war nur… nur das Werkzeug gewesen, begriff er. Das Werkzeug für Cathar und die anderen Schwarzen Magier. Irgendwann vor Jahrtausenden – wie, erfuhr er nicht von Ch’tuon, und es spielte auch keine Rolle mehr – war es ihnen gelungen, ihn aus seiner Welt herauszureißen und gefangenzusetzen, damit sie sich seiner Kräfte bedienten. Alle Magie, alle schwarzen zauberischen Künste Caracons waren in Wahrheit seine Kräfte, Ch’tuons Magie, von den Schwarzen mißbraucht.

Und es war vorbei, auch das begriff Torian mit unerschütterlicher Sicherheit. Ch’tuon war erwacht, aber er war es nicht, um eine neue Schreckensherrschaft über diese Welt anzutreten. Er würde heimkehren, in jene entsetzliche fremde Welt zwischen den Dimensionen, aus denen die Schwarzen Magier ihn vor so langer Zeit herausgerissen hatten, und der Alptraum hatte ein Ende.

Später, sehr viel später, denn über der Schattenburg ging bereits die Sonne eines neuen Morgens auf, und Torian erinnerte sich kaum, wie Garth, Shyleen und er den Rückweg ans Tageslicht geschafft hatten, erzählte er Garth und der ehemaligen Tempelpriesterin alles. Fast alles, denn manches war in ihm ein Wissen, das so tief und schrecklich war, daß sich ein Teil seiner menschlichen Seele noch immer krümmte bei der bloßen Erinnerung an all die entsetzlichen Geheimnisse, die er erfahren hatte, und vieles würde er niemals aussprechen können, weil es einfach zu schrecklich dazu war und weil ihm in seiner menschlichen Sprache die Worte fehlten, die Dinge zu beschreiben, die er durch Ch’tuons Augen gesehen hatte. Aber er hatte ihnen alles erzählt, was sie wissen mußten, und ohne daß es langer Erklärungen bedurft hätte, hatte er gespürt, daß die beiden ihm glaubten, auch wenn sie vieles – vielleicht das meiste – niemals verstehen würden.

»Du meinst, es ist… vorbei?« fragte Shyleen zögernd. In ihren Augen war noch immer Angst. Aber auch ein schwacher Funke von Hoffnung, daß der entsetzliche Alptraum endlich, endlich zu Ende sei. »Die Schwarzen sind tot, und wir – «

»Nicht tot«, vollendete Torian. »Ch’tuon hätte sie vernichten können, aber warum sollte er das tun?« Sie begriff immer noch nicht, dachte er. Ch’tuon war kein Wesen dieser Welt. Begriffe wie Rache – oder auch nur Gerechtigkeit – waren ihm fremd. »Sie leben, irgendwo unter uns, aber sie…« Er hob hilflos die Hände, suchte einen Moment nach Worten und beließ es dann bei einem stummen Kopfschütteln.

»Du meinst, sie haben ihre Zauberkraft verloren«, vermutete Garth schließlich.

Torian nickte. Das war nicht ganz die Wahrheit, aber es kam ihr nahe. »Ja.«

»Dann sind wir frei?« fragte Shyleen unsicher.

Diesmal antwortete Torian gar nicht. Frei… Er wußte nicht, ob er jemals frei sein würde. Vielleicht war niemand frei. Es gab nicht nur Ch’tuon. Auch das hatte er gelernt, während er mit dem Geist des (Gottes?) Unheimlichen verschmolzen gewesen war. Die Welt war mehr, viel mehr, als sie erkennen konnten. Es gab andere Wesen, die vielleicht noch schlimmer als Ch’tuon waren.

»Sieht so aus«, murmelte Garth, als er nicht antwortete. Er seufzte, drehte sich einmal im Kreis und fuhr sich mit einer seiner gewaltigen Pranken durch das Gesicht. Dann deutete er auf den zerborstenen Stumpf der Brücke, die vom Tor der Schattenburg aus ins Nichts führte. Auch diese Magie war erloschen, mit Ch’tuons Verschwinden.

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