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Kinder der Sonne

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Kinder der Sonne
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Fima:  Ich bin doch eine Waise. Wollen Sie nicht meine Brautmutter sein?

Melanija  macht ihr eine »Feige«, streckt zum Spott den Daumen zwischen den Fingern vor:  Hm … Für wieviel haben Sie mich an Jelena Nikolajewna verraten?

Fima  verwirrt:  Ich?

Melanija:  Ja, Sie! Was?

Fima  hat sich von ihrem Schrecken erholt:  Das tut mir leid … aber ich dachte, weil Sie sich selbst an so 'n alten Kerl verkauft haben …

Melanija  getroffen:  Wie, wie du …

Fima:  Ja, ich dachte, daß Sie mir helfen würden, dasselbe zu tun …

Melanija  dumpf:  Was erlaubst du dir …

Fima  Ruhig und hart:  Sie müssen selbst einsehen, daß es immer noch besser ist, als auf die Straße zu gehen … so ist's wenigstens einer und nicht Hunderte …

Melanija  entsetzt:  Geh … Geh hinaus … Ich werde dir Geld geben … Geh! Geh fort … Ich werd dir geben.

Fima:  Danke schön. Wann werden Sie es mir geben?

Melanija:  Geh fort! Ich hab nichts bei mir!

Fima:  Heute abend werde ich zu Ihnen kommen … Lassen Sie mich nicht sitzen …

Melanija:  Nein! … Um Christi willen - nur fort! Fima ab, ohne sich zu übereilen. Melanija wirft sich in den Lehnstuhl, bricht in Tränen aus und stöhnt wie vor Schmerzen.

Protassow  aus seinem Zimmer:  Sie ist noch nicht zurück? Nein - Sie sind's! Was fehlt Ihnen?

Melanija  fällt auf die Knie:  Heiliger Mann, rette deine Sklavin!

Protassow  verwirrt:  Was haben Sie gesagt? … Stehen Sie auf! Was wollen Sie?

Melanija  umschlingt mit ihren Armen seine Knie:  Ich verkomme im Schlamm … ich verkomme in meiner Niedrigkeit … reiche mir die Hand! Wer ist auf Erden besser als du?

Protassow  erschrocken:  Gestatten Sie. Ich falle … Küssen Sie doch nicht meine Hose … Was machen Sie denn?

Melanija:  Ich hab Niedriges getan, ich hab meine Seele beschmutzt - mach sie wieder rein - wer außer dir kann das tun?

Protassow  bemüht sich, sie zu verstehen:  Sie - setzen Sie sich …! das heißt … stehen Sie auf. So - setzen Sie sich! Was wollen Sie eigentlich?

Melanija:  Nimm mich zu dir, erlaube mir, in deiner Nähe zu leben, dich nur jeden Tag zu sehen … dich zu hören … ich … bin reich, nimm alles! Bau dir ein Laboratorium für deine Wissenschaft … bau einen Turm! Steige hinauf - und lebe dort! Und ich werde Tag und Nacht unten vor der Türe stehen und niemanden zu dir lassen … Verkaufe alles, meine Häuser, meine Güter, und behalte alles für dich!

Protassow  lächelnd:  Erlauben Sie mal, das ist ein Gedanke! Donnerwetter, was könnt ich mir da für ein Laboratorium bauen!

Melanija  erfreut:  Ja, ja! Nimm mich, damit ich dich immer sehen kann; sprich nicht mit mir, das ist nicht nötig! Sieh mich nur hin und wieder einmal an und lächle … Hättest du einen Hund, so würdest du ihm doch auch zulächeln … und ihn bisweilen streicheln? Laß mich diesen Hund sein …

Protassow  besorgt:  Warten Sie … Was soll das - das ist merkwürdig … das ist nicht nötig … ich bin ganz starr, wissen Sie … Konnte ich mir denken, daß es Sie so aufregen würde?

Melanija  ohne auf ihn zu hören:  Ich weiß, ich bin dumm wie ein Stück Holz. Deine Bücher … versteh ich nicht … Glaubst du, daß ich sie gelesen habe?

Protassow  enttäuscht:  Nein? - Was haben Sie dann damit …?

Melanija:  Geliebter! Abgeküßt hab ich die Bücher! … ich habe hineingeguckt, aber da stehen Worte drin, die außer dir niemand versteht … Und da hab ich sie abgeküßt …

Protassow  verwirrt:   Ach! Daher die Flecken auf den Einbänden … Wozu denn Bücher küssen? Das ist ja schon Fetischismus …

Melanija:  Versteh mich doch, ich liebe dich! Es ist bei dir so schön, so rein, so hell! Du göttlicher Mensch, ich liebe dich …

Protassow  leise, ergriffen:  Erlauben sie … das heißt … wie meinen Sie das?

Melanija:  Wie ein Hund. Reden kann ich nicht … nur schweigen kann ich. Jahrelang habe ich geschwiegen, die Haut hat man mir von der Seele gerissen!

Protassow  hoffend, daß er sich getäuscht hat:  Sie … entschuldigen mich! Ich kann Ihre Grundidee nicht erfassen … Vielleicht wäre es Ihnen lieber, über diese Angelegenheit mit Jelena zu sprechen …

Melanija:  Ich habe schon mit ihr gesprochen … Sie ist herrlich … Sie weiß, daß du sie nicht liebst …

Protassow  aufspringend:  Was heißt das, nicht lieben?

Melanija:  Sie weiß alles, fühlt alles … Sie ist so gut! Aber wozu zwei Feuer auf einmal? - Sie ist stolz …

Protassow  aufs neue verwirrt:  Wissen sie, alles das ist so eine verwickelte, konfuse Geschichte … das heißt … Ich bin mir noch niemals so unbeholfen vorgekommen …

Melanija:  Wie werd ich mit dir umgehen … wenn du erst mein sein wirst …

Protassow  etwas gereizt:  Was - was soll das heißen »mein«? Blickt auf sie, halblaut, fast mit Schrecken.  Melanija Nikolajewna … wir müssen uns aussprechen! Entschuldigen Sie … ich muß Sie direkt fragen: Sind Sie vielleicht in mich verliebt?

Melanija  sieht ihn mehrere Minuten lang schweigend an, mit gedämpfter Stimme:  Wovon hab ich denn gesprochen … Geliebter! Davon red ich ja.

Protassow:  Ja … entschuldigen Sie … ich dachte … ich dachte, es wäre nicht so …

Melanija  leise:  So, daß ich ganz wahnsinnig bin …

Protassow  geht erregt im Zimmer auf und ab:  Ich bin Ihnen natürlich sehr dankbar … bin sehr gerührt … zu meinem Bedauern aber … ich bin doch verheiratet … Nein, das ist es nicht! Sehen Sie mal … so plötzlich läßt sich das nicht entscheiden … ja! Aber wissen Sie, es ist nicht notwendig, daß Jelena etwas davon erfährt, wir werden uns schon irgendwie auseinandersetzen.

Melanija:  Sie weiß es aber.

Protassow  fast in Verzweiflung:  Was? Sie weiß? Tschepurnoi und Lisa kommen von oben die Treppe herab, gehen schweigend durch das Zimmer auf die Veranda. Tschepurnoi ist verstimmt, aber ruhig, Lisa in großer Aufregung.

Melanija  leise:  Oh, man kommt, leise, es ist mein Bruder.

Protassow  zu Lisa:  Ah … hm … ihr geht?

Tschepurnoi  dumpf:  Wir gehen. Pause.

Protassow  sehr aufrichtig und einfach:  Melanija Nikolajewna, gestehen Sie - die Verhältnisse liegen hier so außergewöhnlich … die Lage ist so ganz unmöglich … ich erscheine Ihnen wohl lächerlich, und das kränkt Sie … aber, Liebste, Beste, es ist merkwürdig … ich brauch gar nicht …

Melanija:  Sie brauchen es nicht?

Protassow:  Nein … entschuldigen Sie … ich muß nach Jelena sehen, und … darum muß ich gehen, sie ist noch immer dort … das beunruhigt mich … ich muß es ihr sagen … Sie dürfen mir deshalb nicht böse sein. Er geht auf sein Zimmer. Melanija leise hinter ihm her; darauf kehrt sie um, sie ist vollkommen verwirrt und niedergeschlagen.

Melanija  für sich:  Es hat ihn nicht gerührt … welche Schmach … Jelena kommt durch die Verandatür. Melanija fortfahrend:  Teuerste, haben Sie Mitleid mit einer Närrin!

Jelena:  Was heißt das? Haben Sie es Pawel gesagt?

Melanija:  Ich habe ihm alles gesagt …

Melanija:  Nun, und er? Was denn?

Melanija:  Alle meine Worte … alle meine Liebe, alles fiel wie Staub ins Wasser …

Jelena  aufrichtig:  Es schmerzt mich um Ihretwillen … was sagte er?

Melanija:  Ich weiß es nicht. Nichts machte Eindruck auf ihn … Nichts berührte sein Herz -- das Feuer läßt sich eben nicht beschmutzen. Auf den Knien habe ich vor ihm gelegen und … er versteht nicht …

Jelena:  Ich hatte Ihnen gesagt: Warten Sie. Ich hätte zuerst mit ihm sprechen sollen.

Melanija:  Ich dachte, Sie würden mich täuschen … Alles hab ich ihm angeboten, all mein Geld, den Preis für meine verkaufte und beschimpfte Seele … er hat nichts angenommen - wer hätte das ausgeschlagen außer ihm. Er allein konnte das tun …

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