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Kinder der Sonne

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Kinder der Sonne
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Jelena:  Es heißt, daß sie sich ausbreitet?

Tschepurnoi:  Na - es geht an. Ist Jelisaweta Fjodorowna zu Hause?

Jelena:  Sie ist in ihrem Zimmer.

Tschepurnoi:  Und wie geht's ihr?

Jelena:  Nicht besonders, wie gewöhnlich.

Tschepurnoi  besorgt:  Ja, ja - eine tragische Natur.

Jelena:  Boris Nikolajewitsch … entschuldigen Sie gütigst, daß ich mich in eine Angelegenheit mische, die mich eigentlich nichts angeht … aber die Sache ist von großer Wichtigkeit.

Tschepurnoi:  Um was handelt es sich?

Jelena:  Sie hat mir gesagt, daß Sie ihr einen Heiratsantrag gemacht haben …

Tschepurnoi  schnelclass="underline"   Wie hat sie das gesagt?

Jelena:  Was heißt - wie?

Tschepurnoi:  Was machte sie für 'n Gesicht? Schnitt sie eine Grimasse? Oder lächelte sie höhnisch?

Jelena  verwundert:  Wie können sie nur so fragen? Sie war sehr erfreut …

Tschepurnoi:  Nein? Wirklich?

Jelena:  Ja, ja! So voll stiller Freude … und so gut … Auf der Veranda erscheint Roman.

Tschepurnoi:  Und ich? - Narr! Esel!

Roman:  Ruft man mich?

Tschepurnoi:  Niemand ruft dich … ich schimpfe mich selbst: du Narr!

Jelena:  Ich hab ihn rufen lassen … Lassen Sie den Schlosser kommen, Roman.

Roman:  Den Jegor?

Jelena:  Ja.

Roman:  Sofort?

Jelena:  Ja, ja.

Roman:  Schön. Ab.

Tschepurnoi  freudig:  Geben Sie mir die Hand, ich will sie küssen … so - Sie haben mir ein großes Geschenk gemacht … da haben wir's … wo man's am wenigsten erwartet, da schlägt's ein. So geht's mit Leid, so geht's mit Freud.

Jelena:  Entschuldigen Sie … ich verstehe Sie nicht …

Tschepurnoi:  Ah, mein Gott! Wie ist mir denn! Sie hat Ihnen also wirklich mit Freude erzählt, daß ich ihre Hand verlangt habe?

Jelena:  Ja … ich versichere Sie.

Tschepurnoi  siegesbewußt:  Und doch hat sie mir einen Korb gegeben …

Jelena  lächelnd:  Entschuldigen Sie, es klingt komisch …

Tschepurnoi:  Ja, und es ist komisch. Wissen Sie, ich hab mir ja auch gedacht: nicht deshalb, weil ich ihr zuwider bin, will sie mich nicht heiraten, sondern nur aus Furcht vor ihrer Krankheit.

Jelena:  Ja, Sie haben recht …

Tschepurnoi:  Jetzt weiß ich, was ich tu: ich lauf zu ihr, so schnell, wie die Kugel den Berg hinunter … Ach, ist das ein Glücksfall! Wissen Sie, der Zufall ist doch eine große Sache.

Jelena:  Aber, nehmen Sie Ihre Krawatte ab … Sie mag die rote Farbe nicht.

Tschepurnoi  lachend:  Und ich habe sie absichtlich umgelegt, um sie ein wenig zu necken … Jetzt ist's schon einerlei - rot oder grün, ganz gleich, ohne Krawatte kann ich doch nicht … Geht.  Ich danke Ihnen. Jegor in der Tür zum Speisezimmer, verwirrt, zerzaust.  Ah, ein alter Bekannter. Nun, gib mir die Hand! So. Woll'n wir uns wieder vertragen! So! O du … Recke und Held du!

Jelena  zu Jegor:  Gleich werd ich dir sagen.

Jegor  dumpf:  Gnädige Frau, warten Sie ..

Jelena:  Was gibt's?

Jegor:  Meine Frau ist krank …

Jelena:  Was fehlt ihr?

Jegor:  Ihr ist so übel …

Jelena  beunruhigt:  Seit wann?

Jegor:  Seit heute morgen … sie verlangt immer nach Ihnen … hol die gnädige Frau, sagt sie … sonst verreck ich …

Jelena:  Warum haben Sie mich denn nicht geholt? … Ach Sie …

Jegor:  Ich habe mich geschämt … ich hab doch hier Krawall gemacht …

Jelena:  Ach Unsinn … ich geh zu ihr.

Jegor:  Warten Sie … ich fürchte …

Jelena:  Was?

Jegor:  Vielleicht ist's die Cholera …

Jelena:  Unsinn, da gibt's nichts zu fürchten …

Jegor  bittend, beinahe befehlend:  Jelena Nikolajewna, kurieren Sie sie!

Jelena:  Man muß zum Arzt schicken … Fahren sie gleich …

Jegor:  Es braucht kein Doktor zu kommen … ich trau keinem Doktor nicht … Sie müssen selbst …

Protassow  erscheint:  Aha, Sie da, mein tapferer Krieger …

Jelena:  Pawel, warte, seine Frau ist erkrankt …

Protassow:  Sehen Sie, Sie haben sie geprügelt …

Jelena:  Er glaubt, es ist die Cholera … Ich geh hin und du …

Protassow  besorgt:  Du - willst hin, Lena? Nein. Jelena … weshalb willst du …

Jelena  erstaunt:  Und warum nicht?

Protassow:  Und wenn es die Cholera …

Jegor  grollend und leise:  Also, stirb! heißt es, ganz einfach! Sind wir denn nicht auch Menschen?

Jelena:  Hören Sie auf, Jegor … Pawel, wie kannst du nur so ungeschickt …

Protassow:  Was verstehst du, Jelena? Du bist kein Arzt … und das ist kein Spaß … das ist gefährlich …

Jegor  grollend:  Aber die, die da am Verrecken sind - die sind nicht in Gefahr …

Protassow  zu Jegor:  Bitte mich nicht anzubrüllen.

Jelena  vorwurfsvolclass="underline"   Pawel! Jegor, wir wollen gehen …

Protassow:  Ich komme mit … das ist unverständig, Jelena. Alle drei ab ins Speisezimmer; Jegor voran, man kann ihre Stimmen hören.

Jelena:  Geh zurück und telefonier nach einem Wagen …

Protassow:  Da ist ein Arzt notwendig - aber nicht du, was willst du dort? Kehrt in großer Erregung zurück.  Was will sie bei einem solchen Fall? Antonowna, zum Teufel! Mich haben sie nicht mitgehen lassen … Fima, Antonowna! - wo steckt ihr? Seid ihr gestorben? Fima! Fima kommt angelaufen.  Ich schreie, als wäre ich angeschossen, und Sie geruhen sich über Ihre Schönheit zu freuen -?

Fima  beleidigt:  Durchaus nicht! Ich habe die Messer geputzt.

Protassow:  Lassen Sie die Messer liegen. Gehen Sie zu Jegor …

Fima  entschieden:  Dahin geh ich nicht …

Protassow:  Warum nicht? Die gnädige Frau ist dort …

Fima  frech:  Das ist mir ganz einerlei!

Protassow:  Aber warum wollen Sie denn nicht hin?

Fima:  Weil dort die Cholera ist.

Protassow  ahmt ihr nach:  Aha! Die Cholera. Aber die gnädige Frau ist hingegangen, Es wird geklingelt.

Fima:  Es klingelt.

Protassow:  Ja, öffnen Sie! Fima läuft fort - Protassow hinter ihr her.

Protassow:  Eine freche Kröte … Ja - ach, das Telefon … hol's der Teufel! Melanija tritt auf.  Ach, Sie sind's! Wissen Sie das Neueste? Bei uns auf dem Hof ist die Cholera. - Erfreulich, nicht wahr? Und Jelena ist hingegangen, um zu kurieren, hm? Wie gefällt Ihnen das?

Melanija:  Ei, ei, ei! Also bei Ihnen auch! Bei meinem Nachbar, dem Oberst, haben sie gestern den Koch abgeholt … Und Jelena Nikolajewna - ist hingegangen! Wozu denn?

Protassow:  Ich weiß nicht. Es ist mir ganz rätselhaft.

Melanija:  Wie konnten Sie sie denn gehen lassen!

Protassow:  Wie? Ich weiß es nicht … Ach so, das Telefon. Läuft ins Zimmer.

Fima  aus dem Speisezimmer:  Guten Tag, Melanija Nikolajewna!

Melanija  kühclass="underline"   Ah … Guten Tag, meine Liebe …

Fima:  Ich habe eine große Bitte an Sie.

Melanija:  Und die wäre:

Fima:  Ich will heiraten.

Melanija:  So!

Fima:  Einen anständigen Menschen … einen sehr anständigen Menschen!

Melanija:  Wer ist es denn?

Fima:  Ihr Nachbar …

Melanija  springt erstaunt auf:  Nicht möglich, der Oberst?

Fima  bescheiden:  Was denken Sie! Kotscherin Wassilij Wassiljewitsch …

Melanija:  Ach den! Der alte Satan … Püh! Der ist ja an die sechzig Jahre alt … hat Rheumatismus in allen Gliedern … wie kannst du dich dazu entschließen, Jefimija? Übrigens - er hat viel Geld … Ach du, Mädchen … du tust mir leid! Laß ihn laufen … und sein Geld auch!

Fima:  Ich habe mich schon entschlossen, und alles ist abgemacht.

Melanija:  Wirklich! Das tut mir leid. Und was willst du von mir?

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