Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Haben Sie gehört? fragte Frau Danglars.
Wir müssen gehen, antwortete Villefort, aufstehend und ihr den Arm reichend.
Es hatten sichbereits alle Gäste, von Neugierde getrieben, gesammelt, denn man dachte wohl, derBesuch würde sich nicht auf dieses Zimmerbeschränken, und man würde zugleich die übrigen Teile der ehemaligenBaracke, aus der Monte Christo einen Palast gemacht hatte, durchwandern. Jeder eilte durch die offene Tür. Monte Christo wartete auf die Zögernden; als sie ebenfalls hinausgegangen waren, schloß er den Zug mit einem Lächeln, das seine Gäste, wenn sie es hättenbegreifen können, ganz anders in Schrecken gesetzt haben würde, als das Zimmer, das manbetreten sollte. Man durchschritt nach und nach die auf orientalische Weise ausgestatteten Räume und die mit den schönsten Gemälden alter Meister geschmückten Salons; endlich gelangte man in dasberüchtigte Gemach.
Es zeigte nichtsBesonderes, als daß es, obgleich der Tag sich neigte, nicht erleuchtet war und sein altes Aussehenbeibehalten hatte, während alle übrigen Zimmer in gänzlich neuem Schmucke erschienen. Diese zwei Ursachen genügten in der Tat, ihm eine düstere Farbe zu verleihen.
Hu; rief Frau von Villefort, das ist in der Tat schauerlich.
Frau Danglars suchte ein paar Worte zu stammeln, die man nicht verstand. VerschiedeneBemerkungen flogen durcheinander undbestätigten insgesamt, das Zimmer mit dem roten Damast habe ein unheilschwangeres Aussehen.
Nicht wahr? sagte Monte Christo. Schauen Sie nur, wie diesesBett sonderbar gestellt ist, welch eine düstere, blutige Tapete! Und diesebeiden Porträts mit ihren infolge der Feuchtigkeit verblichenen Augen, scheinen ihreblassen Lippen und ihre irren Augen nicht zu sagen: Ich habe gesehen?
Villefort wurde leichenbleich, und Frau Danglars fiel auf einen in der Nähe des Kamins stehenden Stuhl.
Oh! haben Sie wirklich den Mut, sich auf diesen Stuhl zu setzen, worauf das Verbrechen vielleichtbegangen worden ist? fragte Frau von Villefort lächelnd.
Frau Danglars stand rasch auf.
Und das ist noch nicht alles, sagte Monte Christo.
Was gibt es denn noch? fragte Debray, dem Frau Danglars Aufregung nicht entging.
Sehen Sie doch diese kleine Treppe, sagte Monte Christo, eine in der Tapete verborgene Tür öffnend, schauen Sie, und sagen Sie mir, was Sie davon denken!
Welch unheilschwangere Stufen! rief lachend Chateau‑Renaud.
Ich weiß in der Tat nicht, obes der Wein von Chios ist, der so schwermütig macht, aber ich sehe dieses Haus allerdings ganz schwarz, sagte Debray.
Morel war, seit von Valentines Mitgift die Rede gewesen war, traurig geblieben und hatte kein Wort mehr gesprochen.
Denken Sie sich einen Othello oder irgend einen Abbé von Ganges, sagte Monte Christo, der Schritt für Schritt in einer finstern, stürmischen Nacht mit einer unseligenBürde, die er, wenn nicht dem Auge Gottes, doch demBlicke der Menschen zu entziehen eiligbemüht wäre, diese Treppe hinabginge.
Frau Danglars wurde halbohnmächtig am Arme Villeforts, der sich selbst an die Wand lehnen mußte.
Ah! mein Gott, gnädige Frau, was haben Sie denn? rief Debray, wiebleich werden Sie!
Was sie hat? Das ist ganz einfach, versetzte Frau von Villefort; Herr von Monte Christo erzählt uns schreckliche Geschichten, ohne Zweifel, damit wir vor Furcht sterben sollen. Ja wohl, sagte Villefort. In der Tat, Graf, Sie erschrecken die Damen.
Was haben Sie denn? fragte Debray wiederholt Frau Danglars.
Nichts, nichts, erwiderte diese, nicht ohne eine gewisse Anstrengung, ichbedarf nur der Luft.
Wollen Sie in den Garten hinabgehen? fragte Debray, Frau Danglars seinen Armbietend und auf die Geheimtreppe zuschreitend.
Nein, nein, antwortete sie, ich will lieber hierbleiben!
Ist dieser Schrecken in der Tat ernst, gnädige Frau? sagte Monte Christo.
Nein, mein Herr, erwiderte Frau Danglars; doch Sie haben eine Art, die Dinge an die Wand zu malen, welche die Illusion zur Wirklichkeit macht.
Oh! Gott, ja, sagte Monte Christo lächelnd, und das ist alles ein Erzeugnis der Einbildungskraft; denn warum sollte man sich nicht ebensogut dieses Zimmer als ein ehrliches, gutes Zimmer einerbiederen Hausfrau vorstellen, diesesBett mit seinen purpurroten Vorhängen als ein von der fruchtbaren Göttin Lucinabesuchtes Lager, und diese geheimnisvolle Treppe als den Gang, durch den sacht, und um den erquickenden Schlaf der Wöchnerin nicht zu stören, der Arzt geht, oder die Amme, oder der Vater, das schlummernde Kind auf dem Arme…?
Diesmal stieß Frau Danglars, statt sich zuberuhigen, einen Seufzer aus und fiel in Ohnmacht.
Frau Danglarsbefindet sich unwohl, stammelte Villefort; man sollte sie vielleicht in ihren Wagenbringen.
Oh, mein Gott! rief Monte Christo, ich habe meinen Flacon vergessen.
Hier ist der meinige, sagte Frau von Villefort und reichte Monte Christo einen Flacon voll eines roten Saftes, dem ähnlich, dessen wohltätige Wirkung der Graf an Eduard versucht hatte.
Ah! sagte Monte Christo, während er das Fläschchen aus Frau von Villeforts Händen nahm.
Ja, flüsterte ihm diese zu, ich habe es nach Ihren Angaben versucht.
Und es ist Ihnen gelungen?
Ich glaube.
Man hatte Frau Danglars in das Nebenzimmer gebracht. Monte Christo ließ einen Tropfen von dem roten Safte auf ihre Lippen fallen, und sie kam zu sich.
Oh! welch ein gräßlicher Traum! rief sie.
Villefort drückte ihr kräftig die Hand, um ihr zu verstehen zu geben, sie hätte nicht geträumt.
Man suchte Herrn Danglars; Monte Christo schien in Verzweiflung; er nahm Frau Danglars am Arm und führte sie in den Garten, wo man Herrn Danglars fand, zwischen den Herren Cavalcanti Vater und Sohn Kaffee schlürfend.
Habe ich Sie wirklich erschreckt? fragte Monte Christo.
Nein; aber Sie wissen, die Dingebringen Eindrücke auf uns hervor, je nach der Stimmung, in der wir unsbefinden.
Villefort zwang sich zu lachen. Und dannbegreifen Sie, sagte er, es genügt eine Voraussetzung, eine Chimäre…
Nun wohl, sagte Monte Christo, Sie mögen nur glauben oder nicht, ich habe die feste Überzeugung, daß ein Verbrechen in diesem Hausebegangen worden ist.
Nehmen Sie sich in acht, entgegnete Frau von Villefort, wir haben einen Staatsanwalt hier.
Meiner Treu, rief Monte Christo, da sich dies gerade so trifft, so werde ich esbenutzen, um meine Angabe zu machen.
Ihre Angabe? fragte Villefort.
Ja, und zwar in Gegenwart von Zeugen.
Alles dies ist sehr interessant, bemerkte Debray, und wenn wirklich ein Verbrechen vorliegt, so werden wir vortrefflich verdauen.
Es liegt ein Verbrechen vor, sagte Monte Christo. Kommen Sie hierher, meine Herren, kommen Sie, Herr von Villefort; damit die Angabe gültig ist, muß siebei der zuständigenBehörde gemacht werden. Monte Christo nahm Villefort am Arme, und während er zugleich Frau Danglars' Arm unter den seinigen drückte, zog er den Staatsanwaltbis unter die Platane, wo der Schatten am stärksten war. Die andern Gäste folgten insgesamt.
Sehen Sie, sagte Monte Christo, hier, gerade auf dieser Stelle — und er stieß mit dem Fuße auf die Erde — hier ließ ich, um die altenBäume durch andere zu ersetzen, graben und Erde auslegen; bei dem Graben entdeckten meine Arbeiter ein Kistchen, oder vielmehr die eisernenBande eines Kistchens, unter denen das Skelett eines neugeborenen Kindes lag. Das ist, denke ich, keine Sinnestäuschung?
Monte Christo fühlte, wie Frau Danglars' Arm erstarrte und Villeforts Hand zitterte.
Ein neugeborenes Kind, wiederholte Debray; Teufel! die Sache wird ernst, wie mir scheint.
Oh! wer kann sagen, daß es ein Verbrechen ist? versetzte Villefort mit einer letzten Anstrengung.
Wie? Ein Kind in einem Garten lebendigbegraben und kein Verbrechen? rief Monte Christo. Wie nennen Sie denn diese Handlung, Herr Staatsanwalt?