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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Das ist es gerade, was ich ihnen zum Vorwurf mache. Der Herr sieht aus, als ober sich heute zum erstenmal anständig kleidete.

Wer sind diese Herren? fragte Danglars den Grafen von Monte Christo.

Sie haben gehört, Cavalcanti.

Dadurch erfahre ich ihren Namen und sonst nichts.

Ah! es ist wahr, Sie sind nicht auf dem laufenden inBezug auf den italienischen Adel; wer Cavalcanti sagt, sagt Fürstengeschlecht.

Schönes Vermögen? fragte derBankier.

Fabelhaft.

Was machen sie?

Sie suchen es zu verzehren, ohne zum Ziele gelangen zu können. Übrigens haben sie Kreditbriefe auf Sie, wie mir diese Herren sagten, als sie mich vorgesternbesuchten. Ich habe sie sogar Ihnen zuliebe eingeladen und werde Ihnenbeide vorstellen.

Doch es scheint mir, sie sprechen das Französische sehr rein, bemerkte Danglars.

Der Sohn ist in einem Kolleg im Süden, ich glaube in Marseille oder in der Nähe, erzogen worden. Sie werden ihn ganzbegeistert finden.

Wofür? fragte dieBaronin.

Für die Französinnen, gnädige Frau. Er will durchaus eine Frau in Paris nehmen.

Wahrlich ein schöner Gedanke! sagte Danglars, die Achseln zuckend.

DerBaron scheint heute sehr düster, sagte Monte Christo zu Frau Danglars; sollte man ihn etwa zum Minister machen wollen?

Nein, nicht daß ich wüßte. Ich glaube eher, daß er an derBörse gespielt, dabei verloren hat, und noch nicht weiß, wem er die Schuld daranbeimessen soll.

Herr und Frau von Villefort! riefBaptistin.

Die zwei gemeldeten Personen traten ein; Herr von Villefort war trotz seiner Selbstbeherrschung sichtbar erschüttert. Als Monte Christo seine Handberührte, fühlte er, daß sie zitterte.

Offenbar nur die Frauen wissen sich zu verstellen, sagte Monte Christo zu sich selbst, während er Frau Danglars anschaute, die dem Staatsanwalt zulächelte und dessen Frau umarmte.

Nach den erstenBegrüßungen sah der Graf, wieBertuccio in einen kleinen Salon schlüpfte, der unmittelbar an den stieß, in dem die Gesellschaft versammelt war.

Der Graf fragte ihn: Was wollen Sie, HerrBertuccio?

Seine Exzellenz hat mir die Zahl der Gäste nicht genannt.

Ah! das ist wahr. Zählen Sie selbst.

Bertuccio warf einenBlick durch die halbgeöffnete Tür, Monte Christobeobachtete ihn mit scharfem Auge.

Oh, mein Gott! rief er.

Was denn? fragte der Graf.

Diese Frau… diese Frau…

Welche?

Die mit dem weißen Kleide und den vielen Diamanten… dieBlonde…

Frau Danglars?

Ich weiß nicht, wie sie heißt. Doch sie ist es! Sie ist es!

Wer, sie?

Die Frau aus dem Garten! Die, welche in andern Umständen war, spazieren ging… und wartete… und wartete auf…

Bertuccio erbleichte und schaute, den Mund geöffnet und die Haare gesträubt, hinaus.

Und wartete auf wen?

Bertuccio deutete, ohne zu antworten, mit dem Finger auf Villefort, ungefähr mit derselben Gebärde, mit der einst Macbeth aufBanco deutete.

Oh!.. oh!.. murmelte er endlich, sehen Sie?

Ihn!.. den Herrn Staatsanwalt Villefort? Allerdings sehe ich ihn.

Ich habe ihn also nicht getötet?

Ich glaube, Sie werden ein Narr, meinbraver HerrBertuccio, sprach der Graf.

Er ist also nicht tot?

Ei, nein, er ist nicht tot, wie Sie sehen; statt ihn zwischen die sechste und siebente linke Rippe zu stoßen, wie dies Ihre Landsleute zu tun pflegen, haben Sie ihn etwas höher oder tiefer getroffen, undbei diesen Männern der Justiz ist die Seele gleichsam mit Pflöcken im Körperbefestigt. Oder es ist vielleicht nichts Wirkliches an dem, was Sie mir sagten, es ist ein Traum Ihrer Einbildungskraft, eine Täuschung Ihrer Sinne; Sie werden, nachdem Sie Ihre Rache schlecht verdaut haben, eingeschlafen sein, sie hat Sie wohl auf den Magen gedrückt, und ein Alpdruck hat Ihnen etwas vorgespiegelt… Das ist das Ganze. Sammeln Sie sich, beruhigen Sie sich und zählen Sie: Herr und Frau von Villefort zwei; Herr und Frau Danglars vier; Herr von Chateau‑Renaud, Herr Tebray, Herr Morel sieben; der Herr MajorBartolomeo Cavalcanti…

Acht, wiederholteBertuccio.

Warten Sie doch! Warten Sie doch! Sie haben große Eile! Den Teufel! Sie vergessen einen von meinen Gästen. Schauen Sie ein wenig links… dort… Herr Andrea Cavalcanti, der junge Mann im schwarzen Frack, der die Jungfrau von Murillobetrachtet und sich eben umdreht.

Diesmal stießBertuccio einen Schrei aus, den derBlick Monte Christos auf seinen Lippen erstickte.

Benedetto, murmelte er ganz leise, oh Verhängnis!

Es hat halbsieben Uhr geschlagen, HerrBertuccio, sagte der Graf mit strengem Tone; dies ist die Stunde, zu der man sich meinemBefehl gemäß zur Tafel setzt; Sie wissen, ich liebe das Warten nicht.

Monte Christo kehrte in den Salon zurück, wo die Gäste seiner harrten, währendBertuccio, sich an den Wänden haltend, den Speisesaal wieder zu erreichen suchte.

Fünf Minuten nachher öffneten sich diebeiden Türen des Salons. Bertuccio erschien und sagte mit einer letzten heldenmütigen Anstrengung: Herr Graf, es ist aufgetragen.

Monte Christobot Frau von Villefort seinen Arm.

Herr von Villefort, sagte er, ichbitte Sie, seien Sie der Kavalier der FrauBaronin Danglars.

Villefort gehorchte, und man ging in den Speisesaal.

Das Mittagsmahl

Offenbarbelebte dasselbe Gefühl alle Gäste, als man in den Speisesaal trat. Sie fragten sich, welch ein seltsamer Einfluß sie alle in dieses Haus geführt habe, und so erstaunt und sogar so unruhig auch einige darüber waren, daß sie sich darinbefanden, so hatten sie doch keineswegs den Wunsch, nicht hier zu sein.

Gleichwohl machten es die kurzeBekanntschaft mit dem Grafen, die sonderbare Ausnahmestellung, die er einnahm, das seiner Herkunft nach unbekannte und fast fabelhafte Vermögen des Grafen den Männern zur Pflicht, behutsam zu sein. Die Damen aber hätten ein Haus nichtbetreten sollen, wo sich keine Frauen fanden, um sie zu empfangen; und dennoch hatten Männer und Frauen, die einen die Vorsicht, die andern die Schicklichkeit aus den Augen gesetzt, indem die Neugierde mit unwiderstehlichem Zuge jedes Widerstreben überwand.

Alle Anwesenden ohne Ausnahme, sogar Cavaleanti, der Vater, trotz seiner Steifheit, und Cavalcanti der Sohn, trotz seiner Leichtfertigkeit, schienen darüberbeunruhigt, daß sie sichbei einem Manne, dessen Zwecke sie nichtbegreifen konnten, mit andern Menschen zusammenbefanden, die sie zum erstenmal sahen.

Frau Danglars machte eineBewegung, als sie gewahrte, daß Herr von Villefort auf Monte Christos Einladung sich ihr näherte, um ihr den Arm zubieten; und Herr von Villefort empfand, daß sich seinBlick unter seiner goldenenBrille verwirrte, als er fühlte wie sich der Arm derBaronin auf den seinigen legte.

Keine dieserBewegungen war dem Grafen entgangen, und es lag schon in dieser einfachenBerührung derbeiden Menschen für denBeobachter dieser Szene ein großes Interesse.

Herr von Villefort hatte zu seiner Rechten Frau von Danglars und zu seiner Linken Morel.

Der Graf saß zwischen Frau von Villefort und Danglars.

Die andern Zwischenräume wurden ausgefüllt durch Debray, der zwischen Cavalcanti Vater und Cavalcanti Sohn, und durch Chateau‑Renaud, der zwischen Frau von Villefort und Morel saß.

Das Mahl war prachtvoll; Monte Christo hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Pariser Symmetrie völlig umzustürzen und mehr noch der Neugierde als dem Appetit seiner Gäste die gewünschte Nahrung zu geben. Es war ein orientalischer Schmaus, was man ihnenbot, doch orientalisch auf eine Weise, wie man sie sich nurbei Festen arabischer Feen vorstellt.

Alle Früchte, welche die vier Weltteile unversehrt und wohlschmeckend in das europäische Füllhorn zu spenden vermögen, waren in Pyramiden in chinesischen Vasen und auf japanischen Schalen aufgehäuft. Seltene Vögel mit glänzendem Gefieder, riesenhafte Fische auf silbernen Platten, alle Weine des Archipels, von Kleinasien und vom Kap, in Flaschen vonbizarren Formen, zogen gleich wiebei jenen gastronomischen Wunderschmäusen, welche die römischen Schlemmer der üppigsten Kaiserzeit ihren Gästenboten, vor diesen Parisern vorüber, welche meinten, man könne tausend Louisd'or für ein Mittagsmahl von zehn Personen nur ausgeben, wenn man wie Cleopatra Perlen verschluckte.

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