Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Monte Christo sah das allgemeine Erstaunen und fing an zu lachen und zu spotten.
Meine Herren, sagte er, Sie werden mir eines wohl zugeben, daß es nämlich, wenn man zu einem gewissen Grade des Vermögens gelangt ist, nichts so sehr Notwendiges gibt, als das Überflüssige. Was ist eigentlich ein wahrhaft wünschenswertes Gut? Ein Gut, das wir nicht haben können. Dinge sehen, die ich nichtbegreifen kann, mir Dinge verschaffen, die unmöglich zu haben sind, das ist nun das einzige Streben meines Lebens. Ich gelange hierzu durch zwei Mittel, durch das Geld und durch den Willen. Um eine Laune zu verfolgen, wende ich zuweilen dieBeharrlichkeit an, die Sie anwenden, Herr Danglars, um eine neue Eisenbahnlinie herzustellen; Sie, Herr von Villefort, um einen Menschen zum Tode verurteilen zu lassen; Sie, Herr Debray, um ein Diplomatenkunststück zu vollbringen; Sie, Herr von Chateau‑Renaud, um einer Frau zu gefallen; Sie, Herr Morel, um ein Pferd zubändigen, das sonst niemand zubändigen vermag. Sehen Sie zumBeispiel diese Fische an, von denen der eine fünfzig Meilen von St. Petersburg, der andere fünf Meilen von Neapel das Licht der Welt erblickt hat. Ist es nichtbelustigend, sie auf derselben Tafel zu vereinigen?
Was für Fische sind dies? fragte Danglars.
Hier ist Herr von Chateau‑Renaud, der sich in Rußland aufgehalten hat und Ihnen den Namen des einen sagen wird, antwortete Monte Christo, und hier ist Herr Major von Cavalcanti, ein Italiener, der Ihnen wohl den Namen des andern nennt.
Dieser hier ist, glaube ich, ein Sterlet, sagte Chateau‑Renaud.
Und dieser hier ist, wenn ich mich nicht täusche, eine Lamprete, versetzte Cavalcanti.
So ist es. Mein lieber Herr Danglars, fragen Sie nun diebeiden Herren, wo man diese Fische fängt.
Die Sterlets fängt man nur in der Wolga, sagte Chateau‑Renaud.
Nur der Fusaro‑See liefert meines Wissens Lampreten von dieser Größe, sagte Cavalcanti. Ganz richtig: der eine kommt aus der Wolga, der andere aus dem Fusaro‑See.
Unmöglich! riefen zugleich alle Gäste.
Sehen Sie, das ist es gerade, was michbelustigt, sagte Monte Christo. Ichbin wie Nero, das Unmögliche zieht mich an, und das ist es auch, was Sie ergötzt, denn daß Ihnen dieses Fleisch, das in Wirklichkeit vielleicht nicht so viel wert ist, als das desBarsches oder des Salms, ausgezeichnet erscheint, rührt wohlbloß davon her, daß es Ihnen unmöglich schien, es sich zu verschaffen, und daß es nun doch da ist.
Doch wie hat man es fertig gebracht, diese Fische nach Paris zu transportieren?
Oh, mein Gott! Es gibt nichts Einfacheres; man hat jeden in ein großes Faß getan, von denen das eine mit Schilfrohr und Meergras, das andere mitBinsen und Seepflanzen ausgepolstert war. Man legte sie sodann auf einenbesonders hierzu gebauten Packwagen, und so lebte der Sterlet zwölf Tage und die Lamprete acht; undbeide waren noch völlig lebendig, als sie meinem Koch in die Hände fielen, der den einen in Milch, den andern in Wein sterben ließ.
Sie sind in der Tat ein wunderbarer Mann! rief Danglars, und die Philosophen mögen sagen, was sie wollen, es ist doch herrlich, reich zu sein.
Das alles istbewundernswürdig, sagte Chateau‑Renaud; doch ich gestehe, was ich am meistenbewundere, ist die staunenswerte Schnelligkeit, mit der Siebedient werden. Nicht wahr, Herr Graf, Sie haben dieses Haus erst vor fünfbis sechs Tagen gekauft?
Allerdings.
Nun wohl, ichbin überzeugt, daß es in acht Tagen völlig umgestaltet sein wird; denn wenn ich mich nicht täusche, hatte es einen ganz andern Eingang, als jetzt, und der Hof war gepflastert und leer, während er heute aus einem herrlichen Rasenbesteht, eingefaßt vonBäumen, die über hundert Jahre alt zu sein scheinen.
Das ist natürlich, ich liebe das Grüne und den Schatten, versetzte Monte Christo.
In der Tat, sagte Frau von Villefort, früher kam man durch ein Tor, das auf die Straße ging, und am Tage meiner wunderbaren Rettung ließen Sie mich, wie ich mich erinnere, von der Straße aus in das Haus eintreten.
Ja, gnädige Frau, erwiderte Monte Christo; doch seitdem zog ich einen Eingang vor, der mir erlaubt, dasBois deBoulogne durch mein Gitter zu sehen.
In vier Tagen, rief Morel, das ist ein Wunder!
Sie haben recht, sagte Chateau‑Renaud, aus einem alten Hause ein neues zu machen, ist etwas höchst Wunderbares, denn das Haus war in der Tat sehr alt und hatte sogar ein sehr düsteres Aussehen; ich entsinne mich dessen, denn ich war von meiner Mutterbeauftragt, es in Augenschein zu nehmen, als es Herr von Saint‑Meran vor ein paar Jahren zum Verkaufe ausbot.
Herr von Saint‑Meran! sagte Frau von Villefort, dieses Haus gehörte also Herrn von Saint‑Meran, ehe Sie es kauften, Herr Graf?
Es scheint so, antwortete Monte Christo.
Wie, es scheint? Sie wissen nicht, wem Sie Ihr Haus abgekauft haben?
Meiner Treu, nein, mein Intendantbesorgt alle diese Einzelheiten.
Es war wenigstens zehn Jahre gar nichtbewohnt, bemerkte Chateau‑Renaud, und esbot einen gar traurigen Anblick mit seinen geschlossenen Läden und Türen und dem Grase im Hofe. Wahrlich, wenn es nicht dem Schwiegervater eines Staatsanwaltes gehört hätte, man wäre versucht gewesen, es für eines von jenen verfluchten Häusern zu halten, in denen ein großes Verbrechenbegangen worden ist.
Villefort, derbis jetzt keines von den dreibis vier mit außerordentlichen Weinen gefüllten Gläsernberührt hatte, die vor ihm standen, nahm das nächststehende und leerte es in einem Zuge.
Monte Christo ließ einen Augenblick hingehen, dann sagte er, das Stillschweigen unterbrechend, das auf die Worte Chateau‑Renauds gefolgt war: Es ist seltsam, HerrBaron, aber derselbe Gedanke ergriff mich, als ich es zum erstenmalebetrat, und dieses Haus kam mir so düster vor, daß ich es nie gekauft haben würde, wenn nicht der Intendant die Sache für mich abgemacht hätte. Ohne Zweifel hat derBursche vom Sachwalter ein hübsches Trinkgeldbekommen.
Das ist wahrscheinlich, stammelte Villefort, der zu lächeln suchte; glauben Sie mir jedoch, daß ich an dieserBestechung keinen Teil habe. Es war der Wille des Herrn von Saint‑Meran, daß dieses Haus, das zur Mitgift seiner Enkelin gehört, verkauft würde, denn wäre es noch drei oder vier Jahre unbewohnt geblieben, so müßte es in Trümmer zerfallen sein.
Nun erbleichte Morel ebenfalls.
Besonders ein Zimmer, fuhr Monte Christo fort, ein Zimmer, mein Gott! ein scheinbar ganz einfaches Zimmer, ein Zimmer wie alle anderen Zimmer, mit rotem Damast austapeziert, kam mir, ich weiß nicht warum, so tragisch vor, wie nur etwas sein kann.
Warum dies? fragte Debray, warum tragisch?
Gibt man sich Rechenschaft über unbewußte Eindrücke? Gibt es nicht Orte, an denen man geradezu Traurigkeit einzuatmen scheint? Warum? Man weiß es nichts durch eine Verkettung von Erinnerungen, durch eine Laune des Geistes, der uns in andere Zeiten, an andere Orte zurückführt, die vielleicht in gar keinem Zusammenhang mit den Zeiten und Orten stehen, wo wir unsbefinden! Ich weiß nur gewiß, daß mich dieses Zimmer auf eine wunderbare Weise an das Zimmer der Desdemona erinnerte. Bei Gott, da wir mit dem Mittagsmahl fertig sind, muß ich es Ihnen zeigen, dann gehen wir in den Garten und nehmen dort den Kaffee. Monte Christobefragte seine Gäste durch ein Zeichen. Frau von Villefort stand auf, Monte Christo tat dasselbe, und die andern folgten demBeispiel.
Villefort und Frau Danglarsblieben einen Augenblick wie an ihre Plätze genagelt, siebefragten sich mit kalten, stummen, eisigen Augen.