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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Oh, mein Gott! ja, sagte der Mann, die Hände in seine Tasche steckend und Andrea mit herausfordernden Augen anschauend, es ist so ein Gedanke von mir, verstehst du, mein kleinerBenedetto?

Bei diesem Namen überlegte der junge Mann ohne Zweifel, denn er näherte sich seinem Reitknecht und sagte zu ihm: Dieser Mensch hat wirklich einen Auftrag von mir erhalten, über den er mirBericht erstatten soll. Geh zu Fußbis ans Tor und nimm dort einen Wagen, damit du nicht zu spät kommst.

Der Diener entfernte sich sehr erstaunt.

Lassen Sie mich wenigstens in den Schatten treten, sagte Andrea.

Oh! was dasbetrifft, erwiderte der Mann mit dem roten Tuch, ich will dich selbst an einen schönen Platz führen, warte nur.

Und er nahm das Pferdbeim Gebiß und führte das Tilbury an eine Stelle, wo es wirklich keinem Menschen in der Welt möglich war, zu sehen, welche Ehre ihm Andrea erwies. Oh! es istbei mir nicht der Stolz, in einen schönen Wagen steigen zu dürfen, sagte der Unbekannte: nein, es geschieht nur, weil ich müdebin und ein wenig in Geschäften mit dir zu sprechen habe.

Steigen Sie ein! sagte der junge Mann.

Zum Glück war es nicht Tag, denn es wäre ein seltsames Schauspiel gewesen, diesenBettlerbreit auf gestickten Kissen neben dem jungen, zierlichen Führer des Tilbury sitzen zu sehen. Andrea ließ sein Pferdbis an das letzte Haus des Dorfes laufen, ohne nur ein Wort zu seinem Gefährten zu sagen, der seinerseits lächelte und schwieg, als sei er entzückt, in einem so schönen Wagen fahren zu dürfen.

Sobald Andrea außerhalbAuteuils war, schaute er umher, ohne Zweifel, um sich zu versichern, obsie niemand sehen oder hören könnte, hielt dann sein Pferd an, kreuzte die Arme vor dem Mann mit dem roten Taschentuch und sagte zu ihm: Nun, Herr Caderousse! Warum kommen Sie und stören mich in meiner Ruhe?

Ei, mein Gott! ärgere dich nicht, Kleiner; du mußt doch wissen, was das Unglückbedeutet; das Unglück, sage ich dir, macht eifersüchtig. Ich glaubte, du liefest in Piemont und Toskana umher, genötigt, den Facchino oder Cicerone zu spielen; ichbeklagte dich vom Grunde meines Herzens, wie ich mein Kindbeklagen würde. Du weißt, daß ich dich stets mein Kind genannt habe.

Weiter! Weiter!

Und ich sehe dich plötzlich durch das Tor desBons Hommes, mit einem Reitknecht, mit einem Tilbury und mit funkelneuen Kleidern fahren. Ah! Du hast also eine Goldmine entdeckt oder eine Stelle als Wechselagent gekauft?

Sie sind somit, wie Sie gestehen, eifersüchtig?

Nein, ichbin zufrieden, so zufrieden, daß ich dir meine Komplimente machen wollte. Kleiner; da ich jedoch nicht gut gekleidet war, nahm ich meine Vorsichtsmaßregeln, um dich nicht zu kompromittieren.

Schöne Vorsichtsmaßregeln, Sie reden mich in Gegenwart meinesBedienten an.

Ei, was willst du denn, mein Kind? Ich rede dich an, wo ich deiner habhaft werden kann. Du hast ein sehr lebhaftes Pferd, dubist von Natur schlüpfrig wie ein Aal; verfehlte ich dich heute abend, so lief ich Gefahr, dich nie mehr zu erwischen.

Sie sehen wohl, daß ich mich nicht verberge.

Dubist sehr glücklich, und ich wünschte dasselbe von mir sagen zu können; ich aber verberge mich. Zwar fürchtete ich, du würdest mich nicht erkennen; doch du hast mich erkannt, fügte Caderousse mit seinem schlimmen Lächeln hinzu; dubist sehr artig, mein Junge.

Wasbrauchen Sie? versetzte Andrea.

Du duzest mich nicht mehr, und das ist schlimm von einem alten Kameraden; Benedetto, nimm dich in acht, du wirst mich anspruchsvoll machen.

Bei dieser Drohung sank der Zorn des jungen Mannes; der Wind des Zwanges wehte ihn nieder. Er ließ sein Pferd wieder im Trabgehen und sagte: Es ist von dir selbst schlimm, Caderousse, daß du dich so gegen einen alten Kameradenbenimmst, wie du mich soeben nanntest:; dubist ein Marseiller, ichbin…

Du weißt also nun, was dubist?

Nein, ich wurde in Korsika aufgezogen; dubist alt und halsstarrig, ichbin jung und starrköpfig. Unter Leuten, wie wir sind, tut eine Drohung nicht gut, und alles muß sich auf gütliche Weise abmachen. Ist es mein Fehler, wenn das Glück, das dir noch den Rücken zukehrt, mir eine freundliche Miene zeigt?

Das Glück ist dir also freundlich? Es ist kein entlehnter Reitknecht, es ist kein entlehntes Tilbury, es sind keine entlehnten Kleider, was ich da sehe? Gut, destobesser! sagte Caderousse, in dessen AugenBegierde und Lüsternheit glänzten.

Oh! Du siehst es wohl und weißt es wohl, da du mich anredest, sagte Andrea, immer lebhafter werdend. Hätte ich ein Taschentuch, wie du, um meinen Kopf, trüge ich einen fettigen Rock auf den Schultern und durchlöcherte Schuhe an den Füßen, so würdest du mich nicht kennen.

Du täuschest dich, du hast unrecht; nun, da ich dich wiedergefunden, hindert mich nichts gekleidet zu sein, wie ein anderer, denn ich weiß, daß du ein gutes Herz hast. Besitzest du zwei Röcke, so wirst du mir wohl einen davon geben; ich gabdir auch eine Portion Suppe undBohnen, als dich hungerte.

Das ist wahr, bestätigte Andrea.

Welch einen Appetit hattest du! Hast du immer noch einen so guten Appetit?

Ja wohl, sagte Andrea lachend.

Du mußt vortrefflichbei dem Fürsten gespeist haben, von dem du kommst.

Es ist kein Fürst, sondern nur ein Graf.

Ein Graf, und zwar ein reicher, nicht wahr?

Ja, doch traue ich ihm nicht, er ist ein Herr, der nicht ganzbequem aussieht.

Mein Gott, sei nur unbesorgt! Man hat keine Absichten auf deinen Grafen und überläßt dir ihn ganz allein. Doch, fügte Caderousse mit dem schlimmen Lächeln hinzu, das schon einmal seine Lippen gestreift hatte, doch dubegreifst, du mußt etwas dafür geben.

Sprich, wievielbrauchst du?

Ich glaube, mit 100 Franken monatlich könnte ich leben…

Mit hundert Franken?

Allerdings schlecht, wie du ebenfallsbegreifst!

Hier sind zweihundert, sagte Andrea. Und er legte in Caderousses Hand zehn Louisd'or.

Gut, sagte Caderousse.

Finde dich immer am Ersten des Monatsbeim Hausmeister ein, und du wirst ebensoviel finden.

Du demütigst mich abermals dadurch, daß du mich mitBedientenvolk inBerührungbringst; nein, siehst du, ich will nur mit dir zu tun haben.

Es sei, frage nach mir, und am Ersten jeden Monats erhältst du deine Rente, wenigstens solange ich die meinige erhalte.

Schön, schön! ich sehe, daß ich mich nicht täuschte, dubist einbraver Junge, und es ist ein Segen, wenn das Glückbei Leuten deiner Art einkehrt. Erzähle doch, wie dein Glück gekommen ist.

Ich habe meinen Vater wieder gefunden. — Deinen wahren Vater? — Verdammt! Solange erbezahlt… — Wirst du es glauben und ihn ehren, das ist ganz richtig. Wie nennt sich dein Vater? — Major Cavalcanti. — Und wer half dir dazu, daß du deinen Vater wiederfandest? — Der Graf von Monte Christo. — Der, von dem du herkamst? — Ja. — Ei, so versuche es doch, michbei ihm als nächsten Verwandten anzubringen, da er solche Geschäfte treibt.

Wohl; ich werde mit ihm über dich sprechen.

Dubist sehr gut, daß du es tun willst, sagte Caderousse.

Da du so viel Anteil an mir nimmst, versetzte Andrea, so erlaubst du wohl, mir auch einige Auskunft über dich zu erbitten.

Das ist richtig… Ich will ein Zimmer in einem ehrlichen Hause mieten, mich mit einem anständigen Kleidebedecken, mich alle Tage rasieren lassen und das Kaffeehausbesuchen, um die Zeitungen zu lesen. Am Abend gehe ich mit irgend einem Claqueur ins Schauspiel; ich sehe dann aus wie einBäcker, der sich vom Geschäft zurückgezogen hat, und das ist mein Ideal.

Sehr gut! Willst du diesen Plan ausführen und vernünftig sein, so wird alles gut gehen. Und nun, da du hast, was du willst, und da wir an Ort und Stelle sind, springe aus meinem Wagen und verschwinde.

Nein, Kleiner, bedenke doch ein rotes Tuch auf dem Kopf, so gut wie keine Schuhe, keine Spur von Papieren und zehn Napoleons in Gold in der Tasche — man würde mich unfehlbar am Tor anhalten; zu meiner Rechtfertigung wäre ich dann genötigt, zu sagen, du habest mir diese zehn Napoleons gegeben. Dann erfolgt eine Nachforschung, eine Untersuchung; man erfährt, daß ich Toulon verlassen habe, ohne Abschied zu nehmen, und man führt mich ohne Gnade an das Mittelländische Meer zurück. Ich werde wieder ganz einfach Nr. 106, und dahin ist mein Ideal, einem ehemaligenBäcker zu gleichen! Nein, mein Sohn, ich ziehe es vor, ganz ehrlich in der Hauptstadt zubleiben.

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