Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Andrea runzelte die Stirn; der vermeintliche Sohn des Majors von Cavalcanti war, wie er sich dessen selbst gerühmt hatte, ein ziemlich schlimmer Kopf. Er hielt einen Augenblick an, warf einen raschenBlick umher und steckte dann die Hand verstohlen in seine Hosentasche, wo er denBügel einer Taschenpistole zu streichelnbegann.
Caderousse aber, der seinen Gefährten nicht aus den Augen verlor, griff mit seinen Händen hinter seinen Rücken und öffnete ganz sacht ein langes, spanisches Messer, das er für jeden Fallbei sich trug.
Diebeiden würdigen Freunde verstanden einander, wie man sieht. Andreas Hand kam harmlos wieder aus der Tasche hervor und stiegbis zu seinem roten Schnurrbarte hinauf, den er eine Zeitlang zwischen den Fingern drehte.
Gut, Caderousse, sagte er, du willst also glücklich werden?
Ich werde mein möglichstes tun, erwiderte der Wirt vom Pont du Gard, während er sein Messer wieder in die Scheide steckte.
Vorwärts, fahren wir in die Stadt hinein! Doch wie willst du es machen, um durch das Tor zu kommen, ohne Verdacht zu erwecken? Mir scheint, mit deiner Tracht wagst du noch mehr im Wagen, als zu Fuß.
Warte, das wirst du sehen, erwiderte Caderousse.
Er nahm den Mantel mit großem Kragen, den derBediente an seinem Platze zurückgelassen hatte, und legte ihn auf seine Schultern; dann griff er nach Cavalcantis Hut und setzte ihn sich auf, worauf er die Stellung einesBedienten, dessen Herr selbst fährt, einnahm.
Und ich, sagte Andrea, soll ich etwabarhauptbleiben?
Bah! Es weht ein so starker Wind, daß er dir wohl deinen Hut fortgenommen haben kann.
Vorwärts also, daß wir zu Ende kommen!
Sie gelangten ohne Unfall durch das Tor. Bei der ersten Querstraße hielt Andrea sein Pferd an, Caderousse sprang zuBoden.
Nun, sagte Andrea, und der Mantel und mein Hut?
Oh! erwiderte Caderousse, du wirst nicht wollen, daß ich den Schnupfenbekomme. Und er verschwand in einem Gäßchen.
Ach! kann man denn in dieser Welt nie ganz glücklich sein! sagte Andrea, einen Seufzer ausstoßend.
Eheliche Szene
Morel, Chateau‑Renaud und Debray waren aus der Gesellschaft gemeinsam fortgerittenbis zum Platze Ludwigs XVI.; hier trennten sich die jungen Leute; Morel schlug den Weg über dieBoulevards ein, Chateau‑Renaud ritt über den Pont de la Revolution, und Debray folgte dem Kai.
Morel und Chateau‑Renaud kehrten zweifellos nach Hause zurück; nicht so Debray, denn er ritt im scharfen Trabnach der Rue de la Michodière zu und kam vor Herrn Danglars' Tür gerade in dem Augenblick an, als der Wagen des Herrn von Villefort, nachdem er diesen und seine Frau im Faubourg Saint‑Honoré abgesetzt hatte, anhielt, um dieBaronin nach Hause zubringen.
Als ein im Hausebekannter Mann ritt Debray zuerst in den Hof, warf den Zügel einemBedienten zu und kehrte dann an den Wagenschlag zurück, empfing Frau Danglars undbot ihr den Arm, um sie in ihre Gemächer zu führen. Sobald das Tor geschlossen war und dieBaronin und Debray sich im Hofebefanden, fragte der letztere: Was haben Sie, Herminie, und warum ist Ihnen so übel gewordenbei der Geschichte oder vielmehr Fabel, die der Graf erzählte?
Weil ich heute abend abscheulich aufgelegt war.
Nein, Herminie, Sie werden mich das nicht glauben machen. Sie waren im Gegenteil in vortrefflicher Stimmung, als Siebeim Grafen ankamen. Es hat Ihnen irgend jemand etwas getan. Erzählen Sie es mir! Sie wissen wohl, ich dulde es nicht, daß Ihnen eineBeleidigung zugefügt wird.
Ich versichere Ihnen, Sie täuschen sich, Lucien, es ist so, wie ich Ihnen gesagt habe.
Frau Danglars stand offenbar unter dem Einfluß einer jener Nervenreizungen, von denen die Frauen sich selbst keine Rechenschaft geben können, oder sie hatte, wie Debray annahm, irgend eine geheime Aufregung erfahren, die sie niemand gestehen wollte. Als ein Mensch, der gewohnt ist, die Launen als ein unvermeidliches Element der Weiblichkeit zubetrachten, drang er nicht weiter in sie undbeschloß, einen günstigen Augenblick zu neuem Ausforschen oder ein freiwilliges Geständnis abzuwarten.
An der Tür ihres Zimmers traf dieBaronin Fräulein Cornelie, ihre Lieblingskammerfrau. Was macht meine Tochter? fragte Frau Danglars.
Sie hat den ganzen Abend studiert und ist dann zuBett gegangen, antwortete Fräulein Cornelie.
Es kommt mir doch vor, als hörte ich ihr Klavier?
Fräulein Louise d'Armilly musiziert, während das Fräulein imBett liegt.
Gut, kleiden Sie mich aus!
Man trat in das Schlafzimmer. Debray streckte sich auf einem großen Sofa aus, und Frau Danglars ging mit Fräulein Cornelie in ihr Ankleidekabinett.
Einige Minuten nachher kam sie in einem reizenden Negligé aus ihrem Kabinett und setzte sich neben Lucien.
Dann fing sie an, träumerisch mit ihrem spanischen Schoßhündchen zu spielen. Lucienbetrachtete sie eine Minute schweigend und sagte hierauf mit weichem Tone: Antworten Sie offenherzig, Herminie, nicht wahr, es hat Sie irgend etwas verletzt?
Nichts, erwiderte dieBaronin.
Doch sie mußte aufstehen und suchte freieren Atem zu gewinnen, denn es schnürte ihr dieBrust zusammen; sie stellte sich vor einen Spiegel und rief: Ich sehe in der Tat heute abend aus, daß einem vor mirbange werden könnte.
Debray erhobsich ebenfalls lächelnd, um Frau Danglars über diesen letzten Punkt zuberuhigen, als plötzlich die Tür sich öffnete. Herr Danglars erschien; Debray setzte sich wieder. Bei dem Geräusch der Tür wandte sich Frau Danglars um und schaute ihren Gatten mit einem Erstaunen an, das sie sich nicht einmal zu verbergenbemühte.
Guten Abend, gnädige Frau, sagte Danglars; guten Abend, Herr Debray. DieBaronin glaubte ohne Zweifel, dieser unvorhergeseheneBesuchbedeute etwas wie ein Verlangen, diebitteren Worte wieder gutzumachen, die ihm am Tage entschlüpft waren.
Siebewaffnete sich mit einer würdigen Miene, wandte sich gegen Debray um und sagte zu diesem, ohne Danglars' Gruß zu erwidern: Lesen Sie mir etwas vor, Herr Debray.
Debray, den dieserBesuch anfangs einigermaßenbeunruhigt hatte, erholte sichbald wieder, als er dieBaronin so unbewegt sah, und streckte die Hand nach einemBuche aus.
Verzeihen Sie, sagte derBankier, doch Sie werden sehr müde werden, Baronin, wenn Sie so lange wachen; es ist elf Uhr, und Herr Debray wohnt sehr weit von hier.
Debray war im höchsten Maße erstaunt; nicht als obDanglars' Ton nicht vollkommen ruhig und höflich gewesen wäre; doch hinter dieser Ruhe und Höflichkeit ließ sich die ungewöhnliche Absicht nicht verkennen, an diesem Abend etwas anderes zu tun, als den Willen seiner Frau. DieBaronin war ebenfalls verwundert undbezeigte ihr Erstaunen durch einenBlick, der ihrem Manne ohne Zweifel zu überlegen gegeben haben würde, hätte dieser seine Augen nicht auf eine Zeitung gerichtet gehabt, in der er die Schlußnotierung der Rente suchte. Demzufolge ging dieserBlick ins Leere und verfehlte völlig seine Wirkung.
Herr Lucien, sagte dieBaronin, ich erkläre Ihnen, daß ich nicht die geringste Lust habe zu schlafen, ich muß Ihnen tausend Dinge erzählen, und Sie werden die Nacht damit zubringen, mich anzuhören, und sollten Sie stehend schlafen.
Zu IhrenBefehlen, gnädige Frau, antwortete phlegmatisch Lucien.
Mein lieber Herr Debray, sagte derBankier, bringen Sie sich nicht damit um, daß Sie stundenlang Frau Danglars' Torheiten anhören, denn Sie können sie ebensogut noch morgen vernehmen; doch dieser Abend gehört mir, ich muß mir ihn vorbehalten und mit Ihrer gütigen Erlaubnis derBesprechung ernster Interesse mit meiner Frau widmen.