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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Von dieser stimulierenden Umarmung leicht benommen, stellte ich fest, dass die Stimmung der anderen Männer im Zimmer ähnlich gut war. Man klopfte sich gegenseitig auf den Rücken, stampfte mit den Stiefeln auf und schüttelte die Mäntel aus, während jene Art von Gröllauten und Gebrüll erklang, wie Männer es von sich geben, wenn sie in besonderer Feierlaune sind.

»Was ist denn los?«, fragte ich und sah mich überrascht um. Zu meinem Erstaunen stand Joseph Wemyss inmitten der Menge. Seine Nasenspitze war rot vor Kälte, und er konnte sich kaum auf den Füßen halten, weil die Männer ihm gratulierend auf den Rücken hämmerten. »Was ist passiert?«

Jamie lächelte mich strahlend an, und seine Zähne glänzten in der eisigen Wildnis seines Gesichtes auf. Er drückte mir ein schlaffes Knäuel aus nassem Papier in die Hand, an dem noch ein paar rote Wachsbruchstücke hingen.

Die Tinte war in der Nässe verlaufen, doch ich konnte die entscheidenden Worte noch ausmachen. Als sie von General Waddells geplantem Aufmarsch hörten, hatten die Regulatoren beschlossen, dass der Klügere nachgab. Sie hatten sich zerstreut. Und Kraft dieser Order aus der Feder Gouverneur Tryons – war die Miliz entlassen.

»Oh, gut!«, sagte ich. Und dann warf ich meine Arme um Jamie und erwiderte seinen Kuss, allem Schnee und Eis zum Trotz.

Begeistert über die Nachricht von ihrer Entlassung, nutzte die Miliz das schlechte Wetter zum Feiern aus. Nicht minder begeistert, dass sie nicht gezwungen waren, sich der Miliz anzuschließen, schlossen sich die Browns den Feierlichkeiten fröhlich an und steuerten drei große Fässer von Thomasina Browns besten, selbst gebrauten Bier und sechs Gallonen trockenen Cider bei – zum halben Preis. Als das Abendessen vorbei war, saß ich halb aufgelöst vor Erschöpfung in der Ecke einer Bank, das Baby im Arm, und nur die Tatsache, dass es noch keinen Platz zum Hinlegen gab, hielt mich in der Senkrechten. Rauch und Stimmen schwebten in der Luft. Ich hatte einen kräftigen Cidre zum Essen getrunken. Sowohl die Gesichter als auch die Stimmen verschwammen und wurden wieder klar – auf eine Weise, die zwar ganz und gar nicht unangenehm, aber dennoch ein wenig beunruhigend war.

Alicia Brown hatte keine Gelegenheit mehr gehabt, mit mir zu sprechen, aber ich hatte auch keine Gelegenheit gehabt, mit ihrer Mutter oder ihrer Tante zu sprechen. Das Mädchen hatte sich neben Hirams Pferch niedergelassen und fütterte die Ziege mechanisch mit Maisbrotkrusten, die vom Abendessen übrig waren, ihr Gesicht eine einzige Elendsmiene.

Roger sang auf allgemeines Bitten mit leiser, klarer Stimme französische Balladen. Das Gesicht einer jungen Frau kam in mein Blickfeld, die Augenbrauen fragend hochgezogen. Sie sagte etwas, das im Gewirr der Stimmen unterging, dann streckte sie sanft die Arme aus, um mir das Baby abzunehmen.

Natürlich, Jemima, so hieß sie. Die junge Mutter, die sich bereit erklärt hatte, das Kind zu stillen. Ich stand auf, um ihr auf der Bank Platz zu machen, und sie legte das Baby unverzüglich an.

Ich lehnte mich an den Kaminvorsprung und beobachtete verschwommen und beifällig, wie sie den Kopf des Kindes umfasste und es murmelnd an die richtige Stelle führte. Sie war zärtlich und sachlich zugleich, eine gute Kombination. Ihr eigenes Baby – der kleine Christopher, so hieß er – schnarchte friedlich in den Armen seiner Großmutter, während sich die alte Dame bückte, um ihre Tonpfeife am Feuer anzuzünden.

Ich blickte zurück zu Jemima und hatte ein ganz merkwürdiges Déjà-vu-Gefühl. Ich kniff die Augen zu, versuchte, die flüchtige Vision festzuhalten, und es gelang mir, ein Gefühl überwältigender Nähe einzufangen, von Wärme und völligem Frieden. Einen Augenblick lang dachte ich, es sei das Gefühl beim Stillen eines Kindes, doch dann – noch seltsamer – begriff ich, dass ich nicht das Gefühl der Mutter spürte … sondern das des Kindes. Ich erinnerte mich deutlich daran – wenn es denn eine Erinnerung war –, an einen warmen Körper gehalten zu werden, gedankenlos und vollkommen in der sicheren Überzeugung absoluter Liebe.

Ich schloss die Augen und hielt mich am Kaminvorsprung fest, weil ich spürte, wie das Zimmer sich langsam und träge um mich zu drehen begann.

»Beauchamp«, murmelte ich, »du bist völlig betrunken.«

Wenn es so war, dann war ich nicht die Einzige. Erleichtert über die Nachricht von der Entlassung der Miliz und erfreut über die Aussicht auf sofortige Heimkehr hatten die Männer sich den Großteil alles Trinkbaren in Brownsville einverleibt und arbeiteten sich nun gewissenhaft durch die Überreste.

Doch jetzt löste sich die Feier langsam auf. Einige Männer stolperten zu ihren kalten Betten in den Scheunen und Schuppen davon, während sich andere dankbar am Feuer in ihre Decken rollten.

Als ich die Augen öffnete, sah ich, wie Jamie den Kopf zurücklegte und herzhaft gähnte, die Kiefer aufgerissen wie ein Pavian. Er blinzelte und stand auf, schüttelte die betäubende Wirkung von Essen und Bier ab, dann blickte er zum Kamin und sah mich dort stehen. Er war eindeutig genauso müde wie ich, wenn auch nicht ganz so beschwipst, doch er strahlte eine tiefe Zufriedenheit aus, die sich in der lockeren Art zeigte, mit der er seine langen Glieder reckte und wieder entspannte.

»Ich gehe nach den Pferden sehen«, sagte er zu mir, seine Stimme heiser von der Grippe und vom vielen Reden. »Lust auf einen Spaziergang im Mondschein, Sassenach?«

Der Schneefall hatte aufgehört, und der Mond schien tatsächlich – durch einen dünner werdenden Wolkenschleier hindurch. Die Luft war so kalt, dass sie mir die Lungen kühlte, immer noch frisch und unruhig von den Resten des abziehenden Sturmes, und sie half mir sehr dabei, meinen Schwindel zu vertreiben.

Es bereitete mir ein kindisches Entzücken, die Erste zu sein, die ihre Spuren in dem jungfräulichen Schnee hinterließ, und ich trat fest und sorgfältig auf, um ordentliche Fußabdrücke zu erzeugen. Dann drehte ich mich um und bewunderte sie. Die Abdrücke war nicht sehr geradlinig, aber zum Glück stellte gerade niemand meine Nüchternheit in Frage.

»Kannst du das Alphabet rückwärts aufsagen?«, fragte ich Jamie, dessen Spuren kameradschaftlich neben den meinen herschwankten.

»Ich denke schon«, erwiderte er. »Welches denn? Englisch, Griechisch oder Hebräisch?«

»Auch egal.« Ich klammerte mich fester an seinen Arm. »Wenn du sie alle drei vorwärts kannst, bist du in einem besseren Zustand als ich.«

Er lachte leise, dann hustete er.

»Du bist doch niemals betrunken, Sassenach. Nicht nach drei Bechern Cidre.«

»Dann muss es wohl Erschöpfung sein«, sagte ich verträumt. »Ich fühle mich, als ob mein Kopf an einer Schnur auf und ab schwebt wie ein Ballon. Woher weißt du denn, wie viel ich getrunken habe? Entgeht dir denn gar nichts?«

Er lachte erneut und umfasste dann meine Hand, dort, wo sie seinen Arm umklammert hielt.

»Ich sehe dir gern zu, Sassenach. Besonders in Gesellschaft. Deine Zähne glänzen so schön, wenn du lachst.«

»Schmeichler«, sagte ich, fühlte mich aber dennoch aufrichtig geschmeichelt. Angesichts der Tatsache, dass ich mir seit mehreren Tagen nicht einmal mehr das Gesicht gewaschen hatte, geschweige denn gebadet oder meine Kleider gewechselt hatte, waren meine Zähne wahrscheinlich das Einzige an mir, das man aufrichtig bewundern konnte. Dennoch war das Wissen um seine Aufmerksamkeit ein ausgesprochen schönes Gefühl.

Der Schnee war trockener Pulverschnee, und die weiße Kruste gab leise knirschend unter unseren Füßen nach. Ich konnte Jamie atmen hören, immer noch heiser und mühsam, aber das Rasseln in seiner Brust war verschwunden, und seine Haut war kühl.

»Morgen früh wird das Wetter schön«, sagte er und blickte zu dem verschleierten Mond hinauf. »Siehst du den Ring?«

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