Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Innen war der Fußboden mit schlafenden Körpern übersät, die in Decken gewickelt waren, obwohl ein paar Männer immer noch um den Herd hockten, sich unterhielten und einen Krug mit alkoholischem Inhalt kreisen ließen. Ich sah genau hin, doch zum Glück befand sich Richard Brown nicht unter ihnen.
Ich bahnte mir den Weg durch das Zimmer, indem ich vorsichtig über oder um die Schläfer auf dem Boden herumkurvte, und warf im Vorbeigehen einen Blick in das Bett, das an der Wand stand. Richard Brown und seine Frau lagen darin zusammengerollt und schliefen fest, die Nachthauben tief über ihre Ohren gezogen, obwohl es dank der gespeicherten Körperwärme im Haus warm genug war.
Es gab nur einen Ort, an dem Alicia Brown sein konnte, und ich schob die Tür zur Speichertreppe auf, so leise ich konnte. Es spielte kaum eine Rolle; keiner der Männer am Feuer schenkte mir auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Einer von ihnen schien sich erfolgreich zu bemühen, Hiram dazu zu bringen, aus dem Krug zu trinken.
Im Gegensatz zu dem darunter liegenden Zimmer war es auf dem Dachboden ziemlich kalt. Das kam daher, dass das kleine Fenster nicht verdeckt war und der eiskalte Wind eine ganze Menge Schnee hereingeweht hatte. Alicia Brown lag splitternackt in der kleinen Schneewehe unter dem Fenster.
Ich ging zu ihr hinüber, blieb bei ihr stehen und blickte auf sie hinab. Sie lag stocksteif auf dem Rücken, die Arme über der Brust verschränkt. Sie zitterte und hatte die Augen konzentriert zugekniffen. Offensichtlich hatte sie durch die Geräusche von unten meine Schritte nicht gehört.
»Was in Gottes Namen macht Ihr denn hier?«, erkundigte ich mich höflich.
Sie öffnete ruckartig die Augen und kreischte leise auf. Dann schlug sie sich die Hand vor den Mund, setzte sich abrupt auf und starrte mich an.
»Ich habe ja schon von einer ganzen Reihe neuer Methoden zur Herbeiführung einer Fehlgeburt gehört«, sagte ich zu ihr, ergriff eine Bettdecke von der Liege und ließ sie auf ihre Schultern fallen, »aber der Erfrierungstod gehört nicht dazu.«
»Wenn ich t-tot bin, brauche ich keine Fehlgeburt mehr zu haben«, sagte sie nicht ganz unlogisch. Dennoch zog sie zähneklappernd die Quiltdecke fester um sich.
»Ich glaube auch nicht, dass es die beste Selbstmordmethode ist«, sagte ich. »Aber es liegt mir fern, Kritik zu üben. Nur könnt Ihr es jetzt nicht tun; Mr. Morton ist draußen im Schuppen und weigert sich zu gehen, solange Ihr nicht hinausgeht und mit ihm sprecht, also steht Ihr wohl besser auf und zieht Euch etwas an.«
Sie riss die Augen auf und erhob sich umständlich. Ihre Muskeln waren so steif gefroren, dass sie ungeschickt stolperte und hingefallen wäre, wenn ich nicht ihren Arm ergriffen hätte. Sie sagte kein Wort mehr, sondern kleidete sich so schnell an, wie ihre kalten Finger es zuließen, und hüllte sich in einen dicken Umhang.
Da ich Jamies Ermahnung aufzupassen nicht vergessen hatte, schickte ich sie allein die schmale Treppe hinunter. Wenn sie allein war, würde man einfach nur annehmen, dass sie zum Abort ging – falls man überhaupt bemerkte, dass sie das Haus verließ. Doch wenn wir beide gemeinsam gingen, war es möglich, dass man uns ansprach.
Allein auf dem dunklen Dachboden, zog ich meinen Umhang ebenfalls fester um mich und trat an das schmale Fenster, um abzuwarten, bis ich ebenfalls gehen konnte. Ich hörte, wie sich unten die Tür mit einem dumpfen Geräusch schloss, konnte Alicia aber von meinem steilen Blickwinkel aus nicht sehen. Ihrer Reaktion auf meine Aufforderung nach zu schließen, schien sie nicht vorzuhaben, Isaiah zu erstechen, doch der Himmel allein wusste, was die beiden vorhatten.
Es schneite schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Wolken hatten sich jetzt verzogen, und vor mir erstreckte sich die Eislandschaft schimmernd und gespenstisch im Mondschein. Auf der anderen Seite der Straße stand der dunkle, mit Schneehaufen gefleckte Pferdeunterstand aus Zweigen. Die Luft hatte sich verändert, wie Jamie gesagt hatte, und durch den warmen Pferdeatem lösten sich überall Schneebrocken und rutschten zu Boden.
Trotz meiner Verärgerung über die jungen Liebenden und der absurden Untertöne der ganzen Situation konnte ich mich gewisser Sympathien für sie nicht erwehren. Es war ihnen so ernst, und sie waren so aufeinander versessen.
Und Isaiahs Frau?
Ich zog den Kopf ein, denn ich zitterte ein wenig unter meinem Umhang. Eigentlich sollte ich die Situation missbilligen – und das tat ich auch –, doch die wahre Natur einer Ehe kannten nur die, die sie eingegangen waren. Und mir war viel zu sehr bewusst, dass ich im Glashaus saß, als dass es mir in den Sinn gekommen wäre, mit Steinen zu werfen. Fast geistesabwesend strich ich über das glatte Metall meines goldenen Eherings.
Ehebruch. Unzucht. Betrug. Schande. Die Worte fielen leise in meinem Kopf wie die zu Boden rutschenden Schneeklumpen, die kleine, dunkle Vertiefungen erzeugten, Schatten im Mondschein.
Natürlich konnte man Entschuldigungen vorbringen. Ich hatte mir das, was mir zugestoßen war, nicht ausgesucht, hatte dagegen angekämpft, hatte keine andere Wahl gehabt. Nur, dass man letztendlich immer die Wahl hat. Ich hatte die meine getroffen, und alles andere war darauf gefolgt.
Brianna, Roger, Jemmy. Alle Kinder, die sie möglicherweise noch bekamen. Sie alle waren auf die eine oder andere Weise auf Grund des Entschlusses hier, den ich an jenem längst vergangenen Tag auf dem Hügel Craigh na Dun gefällt hatte.
Du mutest dir zu viel zu, hatte Frank immer wieder zu mir gesagt. Normalerweise in missbilligendem Tonfall, wenn er meinte, dass ich Dinge tat, von denen ihm lieber gewesen wäre, dass ich sie unterließ. Dann und wann jedoch auch freundschaftlich.
Und ich dachte jetzt an die freundschaftliche Variante zurück, ob ich die Worte tatsächlich aussprach oder ob ich sie mir nur in mein erschöpftes Gedächtnis rief, weil sie so tröstlich sein konnten. Ein jeder Mensch trifft Entscheidungen, und niemand kann sagen, wohin sie letztendlich führen. Meine Entscheidung mochte ja an vielen Dingen schuld sein, aber sie war nicht die Mutter aller Dinge. Und sie hatte nicht nur böse Folgen gehabt.
Bis dass der Tod uns scheidet. Viele Menschen hatten dieses Gelübde schon abgelegt, nur um es dann zu ignorieren oder zu verraten. Und doch wurde mir klar, dass manche Verbindungen weder durch den Tod noch durch bewusste Entscheidungen gelöst werden konnten. In guten wie in schlechten Zeiten hatte ich zwei Männer geliebt, und ein Teil von beiden würde mich immer begleiten.
Das Schlimme daran war, so dachte ich, dass ich zwar oft ein tiefes, schmerzendes Bedauern über meine Taten empfunden hatte – aber niemals Schuldgefühle. Jetzt, da meine Entscheidung so weit hinter mir lag, war das möglicherweise anders. Ich hatte mich tausendmal bei Frank entschuldigt – ihn aber nie um Vergebung gebeten. Mir kam plötzlich der Gedanke, dass er sie mir trotzdem geschenkt hatte – so gut er konnte. Bis auf die schmalen Lichtstreifen, die durch die Bodenritzen drangen, war der Dachboden dunkel, doch er kam mir nicht länger leer vor.
Ich regte mich abrupt, denn eine plötzliche Bewegung vor dem Haus riss mich aus meinen Gedanken. Schweigend wie dahinhuschende Rentiere flitzten zwei dunkle Gestalten Hand in Hand über das Schneefeld, und ihre Umhänge umwehten sie wie Wolken. Vor dem Unterstand der Pferde zögerten sie kurz, dann verschwanden sie darin.
Ich lehnte mich auf das Fenstersims, ohne die Schneekristalle unter meinen Handflächen zu beachten. Ich konnte die Geräusche der erwachenden Pferde hören; die klare Luft trug deutlich leises Wiehern und Stampfen zu mir herüber. Die Geräusche unten im Haus waren leiser geworden; jetzt drang ein lautes »Mäh-äh-äh!« durch die Bodendielen zu mir herauf, denn Hiram spürte die Unruhe der Pferde.