Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Sie ist nicht verletzt«, versicherte ich ihm und zog noch eines von Mrs. Beardsleys abgelegten Schultertüchern über den kahlen Kopf ihrer Tochter. »Es ist ein Mongolenfleck.«
»Ein was?«
»Es bedeutet, dass das Kind schwarz ist«, erklärte ich. »Afrikanisch, meine ich, zumindest zum Teil.« Jamie blinzelte verblüfft, dann senkte er den Kopf und lugte stirnrunzelnd unter das Schultertuch.
»Nein, das ist nicht wahr. Sie ist so blass wie du, Sassenach.«
Das stimmte nicht ganz; das Kind war so weiß, dass es blutleer zu sein schien.
»Die Kinder von Schwarzen sehen normalerweise bei der Geburt noch nicht schwarz aus«, erklärte ich ihm. »Sie sind sogar oft ziemlich hell. Die Pigmentierung der Haut beginnt sich ein paar Wochen später zu entwickeln. Aber sie werden oft mit dieser schwachen Verfärbung am unteren Ende der Wirbelsäule geboren – man nennt das Mongolenfleck.«
Er rieb sich mit der Hand durch das Gesicht und blinzelte die Schneeflocken beiseite, die versuchten, sich auf seinen Wimpern festzusetzen.
»Ich verstehe«, sagte er langsam. »Aye, nun ja, und das erklärt einiges, nicht wahr?«
So war es in der Tat. Was auch immer er sonst gewesen sein mochte, ein Schwarzer war der verstorbene Mr. Beardsley jedenfalls nicht gewesen. Der Vater des Kindes dagegen schon. Und Fanny Beardsley, die wusste – oder befürchtete –, dass das Kind, welches sie im Begriff war zu gebären, sie als Ehebrecherin entlarven würde, hatte es für besser gehalten, das Kind im Stich zu lassen und zu fliehen, bevor die Wahrheit ans Licht kam. Was das betraf, so fragte ich mich auch, ob der mysteriöse Vater etwas mit Mr. Beardsleys Schicksal zu tun hatte.
»Ob sie wohl mit Sicherheit gewusst hat, dass der Vater ein Neger war?« Jamie berührte die kleine Unterlippe, die sich jetzt schwach rosa verfärbte, sanft mit einem Finger. »Oder ob sie das Kind gar nicht richtig gesehen hat? Denn sie muss es schließlich in der Dunkelheit geboren haben. Vielleicht hätte sie ja beschlossen, es darauf ankommen zu lassen, wenn sie gesehen hätte, dass es weiß aussah.«
»Vielleicht. Aber sie hat es nicht getan, Was meinst du wohl, wer der Vater gewesen sein kann?« Angesichts der isolierten Lage der Beardsley-Farm konnte ich mir nicht vorstellen, dass Fanny oft Gelegenheit bekommen hatte, Männer kennen zu lernen, abgesehen von den Indianern, die zu Tauschgeschäften vorbeikamen. Ob Indianerbabys wohl auch Mongolenflecken hatten?
Jamie warf einen trostlosen Blick auf unsere gottverlassene Umgebung und nahm das Kind in seine Arme.
»Ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht, dass es schwierig sein wird, ihn auszumachen, wenn wir erst in Brownsville sind. Lass uns aufbrechen, Sassenach.«
Jamie beschloss widerstrebend, die Ziegen zurückzulassen, um so schnell wie möglich an einen Unterschlupf und Nahrung für das Kind zu gelangen.
»Fürs Erste kommen sie hier gut zurecht«, sagte er und streute ihnen das restliche Heu hin. »Die Ziegen werden sich nicht von dem alten Kerl entfernen – und du wirst ja wohl vorerst nirgendwo hingehen, was, a bailach?« Er kratzte Hiram zum Abschied zwischen den Hörnern, und wir brachen unter protestierenden Mäh-Lauten auf, da sich die Ziegen inzwischen an unsere Gesellschaft gewöhnt hatten.
Das Wetter wurde mit jeder Minute schlechter; da jetzt die Temperatur stieg, änderte sich die Konsistenz des Schnees von trockenem Pulver zu großen, nassen Flocken, die überall hängen blieben, Boden und Bäume mit einer Eiskruste überzogen und die Mähnen der Pferde mit Schmelzwasser durchnässten.
Tief in meinen dicken Kapuzenumhang eingehüllt, unter dem ich mehrere Schultertücher anhatte und das Kind in einer improvisierten Schlinge an meinem Bauch trug, war mir trotz der Flocken, die mein Gesicht streiften und in meinen Wimpern hängen blieben, schön warm. Jamie hustete dann und wann, sah aber im Großen und Ganzen viel gesünder aus als zuvor; die Notwendigkeit, einen Notfall in die Hand zu nehmen, hatte ihn belebt.
Er ritt direkt hinter mir und sah sich wachsam nach marodierenden Panthern oder anderen Bedrohungen um. Ich war zwar der Meinung, dass jede Katze, die etwas auf sich hielt – ganz besonders, wenn sie eine Ziege im Bauch hatte –, einen Tag wie diesen lieber zusammengekuschelt in einem gemütlichen Unterschlupf verbringen würde, anstatt durch den Schnee zu stapfen. Dennoch war es sehr beruhigend, ihn dicht bei mir zu haben; ich war sehr angreifbar, da ich die Zügel nur in einer Hand hielt und die andere schützend unter die Wölbung im Inneren meines Umhangs gelegt hatte.
Das Kind schlief, dachte ich, aber unruhig; es räkelte und wand sich mit den langsamen, trägen Bewegungen der Wasserwelt und hatte sich an das freie Leben außerhalb des Mutterleibes noch nicht gewöhnt.
»Du siehst aus, als ob du ein Kind unter dem Herzen trägst, Sassenach.« Ich blickte hinter mich und sah, dass Jamie unter der Krempe seines Schlapphutes ein belustigtes Gesicht machte, obwohl ich glaubte, auch noch etwas anderes in seiner Miene zu entdecken. Vielleicht eine leise Sehnsucht; er hatte mich nie hochschwanger mit seinem Kind gesehen.
»Das mag daran liegen, dass ich ein Kind unter dem Herzen trage«, erwiderte ich und verrutschte ein wenig im Sattel, um den Bewegungen meiner kleinen Begleiterin mehr Raum zu geben. »Nur, dass es das Kind einer anderen ist.« Das Köpfchen und die kleinen Knie, die gegen meinen Bauch drückten, erinnerten mich tatsächlich bestürzend daran, wie sich eine Schwangerschaft anfühlte; die Tatsache, dass sich die Bewegungen außerhalb und nicht in meinem Bauch abspielten, machte einen bemerkenswert kleinen Unterschied aus.
Als zöge ihn die Schwellung unter meinem Umhang magisch an, trieb Jamie Gideon an meine Seite. Das Pferd schnaubte und schlug mit dem Kopf, weil es sich vordrängen wollte, aber Jamie hielt es mit einem leisen, tadelnden »Seas!« zurück, und es gehorchte und atmete in kleinen Dampfwölkchen aus.
»Machst du dir Sorgen um sie?«, fragte Jamie mit einer Kopfbewegung in Richtung des umliegenden Waldes.
Ich brauchte nicht zu fragen, wen er meinte. Ich nickte, eine Hand auf der winzigen Wirbelsäule, die immer noch gekrümmt war, um sich der Rundung der verschwundenen Gebärmutter anzupassen. Wo war sie, Fanny Beardsley, allein im Wald? Hatte sie sich wie ein verwundetes Tier verkrochen, um zu sterben – oder hielt sie auf irgendeine eingebildete Zuflucht zu, während sie blind durch gefrorenes Laub und zunehmenden Schnee irrte, unterwegs zurück zur Chesapeake Bay und dem offenen Himmel, den weiten Wassern und dem Glück ihrer Erinnerung?
Jamie beugte sich zu mir herüber und legte seine Hand auf die meine, die sich um das schlafende Kind schmiegte; ich konnte die Kälte seiner bloßen Finger durch die Stoffschicht spüren, die uns trennte.
»Sie hat ihre Wahl getroffen, Sassenach«, sagte er. »Und sie hat uns das Kind anvertraut. Wir werden das kleine Mädchen in Sicherheit bringen; das ist alles, was wir für die Frau tun können.«
Ich konnte meine Hand nicht umdrehen, um die seine zu ergreifen, aber ich nickte. Er drückte meine Hand und ließ sie los, und ich wandte mein Gesicht unserem Ziel entgegen und blinzelte mit feuchten, stacheligen Wimpern die schmelzenden Tropfen beiseite.
Doch als wir in Sichtweite von Brownsville eintrafen, war meine Sorge um Fanny Beardsley zum Großteil der Angst um ihre Tochter gewichen. Das Kind war wach und schrie und boxte auf der Suche nach Nahrung mit seinen winzigen Fäusten gegen meine Leber.
Ich setzte mich aufrechter in den Sattel und blinzelte durch den Vorhang aus fallendem Schnee. Wie groß war Brownsville? Ich konnte nicht mehr sehen als den Dachfirst einer einzelnen Blockhütte, der durch das immergrüne Dickicht aus Kiefern und Lorbeerbüschen lugte. Einer der Männer aus Granite Falls hatte doch gesagt, das Dorf sei »ansehnlich« – aber was hieß hier im Hinterland »ansehnlich«? Wie groß war die Chance, dass zumindest einer der Einwohner von Brownsville eine stillende Mutter war?