Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Gut gemacht«, sagte er in beiläufigem Tonfall und klopfte Roger zum Gruß auf die Schulter, bevor er sich umwandte, um sich von den anderen Männern begrüßen zu lassen und Bekanntschaft mit unseren unfreiwilligen Gastgebern zu schließen.
Roger nickte nur lässig – aber sein Gesicht nahm ein gedämpftes Leuchten an, als hätte jemand in ihm eine Kerze angezündet.
Die kleine Miss Beardsley sorgte für großen Aufruhr; eine der stillenden Mütter wurde herbeigeholt und legte das brüllende Baby sofort an ihre Brust, nachdem sie mir in aller Hast ihr eigenes Kind gereicht hatte. Es war ein drei Monate alter Junge von friedlichem Wesen, der mich leicht erstaunt ansah, aber keine Einwände gegen den Tausch zu haben schien, denn er gurgelte nur nachdenklich einige Speichelblasen in meine Richtung.
Es folgte ein gewisses Maß an Verwirrung, weil jedermann seine Fragen und Spekulationen gleichzeitig äußerte, doch Jamies – drastisch gekürzter – Bericht von den Ereignissen auf der Farm der Beardsleys setzte dem Durcheinander ein Ende. Selbst die rotäugige, junge Frau, die ich Fergus’ Erzählung nach als die Geliebte Isaiah Mortons erkannte, vergaß ihren Schmerz und lauschte mit offenem Mund.
»Das arme, kleine Ding«, sagte sie mit einem Blick auf das Baby, das heftig an der Brust ihrer Cousine saugte. »Dann hast du ja anscheinend gar keine Eltern.« Miss Brown warf ihrem Vater einen finsteren Blick zu, denn sie schien zu denken, dass das Waisendasein durchaus seine Vorteile hatte.
»Was wird jetzt aus ihr werden?«, fragte Mrs. Brown, die praktischer dachte.
»Oh, wir sorgen schon dafür, dass sie in gute Hände kommt, meine Liebe. Sie wird einen sicheren Platz bei uns finden.« Ihr Mann legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm und wechselte gleichzeitig einen Blick mit seinem Bruder. Auch Jamie entging dies nicht; ich sah, wie sein Mund zuckte, als wollte er etwas sagen, doch stattdessen wandte er sich Henry Gallegher und Fergus zu, um mit ihnen zu konferieren, wobei seine beiden steifen Finger sanft gegen sein Bein klopften.
Die ältere Miss Brown beugte sich zu mir herüber und war gerade im Begriff, eine weitere Frage zu stellen, wurde jedoch durch einen arktischen Windstoß daran gehindert, der plötzlich durch das große Zimmer fegte, dabei die losen Felle vor den Fenstern anhob und das Zimmer mit Schnee bombardierte wie mit gefrorenen Schrotkugeln. Miss Brown gab ein abruptes »Huch« von sich, vergaß ihre Neugier und rannte los, um die Fenstervorhänge zu befestigen; alle anderen beendeten ihre Gespräche über die Beardsleys und begannen, hastig die Fensterluken gegen den Sturm zu schließen.
Ich konnte einen raschen Blick nach draußen werfen, während Miss Brown mit den unhandlichen Fellen kämpfte. Das Unwetter war jetzt in vollem Gange. Der Schnee fiel dicht und schnell; die schwarzen Furchen der Straße waren unter einem weißen Überzug so gut wie verschwunden, und es war offensichtlich, dass Frasers Kompanie vorerst nirgendwo hin ziehen würde. Mr. Richard Brown machte zwar ein etwas mürrisches Gesicht, bot uns aber dennoch großzügig für eine zweite Nacht Quartier an, und die Milizionäre verteilten sich zum Abendessen auf die Häuser und Scheunen des Dorfes.
Jamie ging hinaus, um unser Bettzeug und die Vorräte von den Pferden zu holen und dafür zu sorgen, dass diese Futter und ein Dach über den Kopf bekamen. Wahrscheinlich würde er dabei auch die Gelegenheit nutzen, um sich unter vier Augen mit Isaiah Morton zu unterhalten, falls Letzterer immer noch draußen im Schneesturm auf der Lauer lag.
Ich fragte mich, was Jamie mit diesem Gebirgsromeo vorhatte, aber für solche Spekulationen hatte ich keine Zeit. Es dämmerte inzwischen, und ich wurde in den Strom der Aktivitäten rund um den Herd gesogen, als sich die Frauen jetzt erneut der Herausforderung stellten, vierzig unerwartete Gäste mit Abendessen zu versorgen.
Julia – das heißt, die jüngere Miss Brown – saß schmollend in der Ecke und weigerte sich zu helfen. Allerdings nahm sie das Beardsleybaby in ihre Obhut und wiegte und beruhigte es, auch als schon lange klar war, dass es schlief.
Fergus und Gallegher waren losgeschickt worden, um die Ziegen zu holen, und kehrten kurz vor dem Essen mit ihnen zurück, nass und schlammig bis zu den Knien, die Bärte und Augenbrauen mit Eiskrusten überzogen. Die Ziegen waren ebenfalls nass und mit Schneematsch verklebt, und ihre Euter waren rot vor Kälte, angeschwollen von der Milch und schwangen schmerzhaft gegen ihre Beine. Sie waren jedoch entzückt, in den Schoß der Zivilisation zurückzukehren, und blökten einander fröhlich und aufgeregt zu.
Mrs. Brown und ihre Schwägerin brachten die Ziegen zum Melken in die kleine Scheune und überließen mir die Aufsicht über den Eintopf und über Hiram, der neben dem Herd ein majestätisches Einzelquartier in einem improvisierten Pferch bezog, der aus einem umgekippten Tisch, zwei Stühlen und einer Deckentruhe bestand.
Die Blockhütte war im Prinzip ein einziges, großes, zugiges Zimmer, über dem sich ein geschlossener Dachboden befand, und einem kleinen Vorratsschuppen an der Rückseite. Da sie sowieso schon zum Bersten vollgestopft war – mit Tischen, Bänken, Hockern, Bierfässern, Fellbündeln, einem kleinen Handwebstuhl in der einen Ecke, einer Chiffoniere nebst völlig unpassender, mit Amorfiguren verzierter Glockenuhr in der anderen, zwei Bänken am Kamin, einer Muskete und zwei Vogelflinten, die am Kaminvorsprung hingen, und diversen Schürzen und Umhängen an Haken neben der Tür –, machte die Gegenwart einer kranken Ziege verblüffend wenig aus.
Ich warf einen Blick auf meinen ehemaligen Patienten, der mich missmutig anblökte und mir verächtlich seine lange, blaue Zunge heraus streckte. Schmelzender Schnee lief ihm von den spiralförmigen Hörnern und färbte sie schwarz und glänzend, und sein Fell war an den Schultern so nass, dass es in gescheckten Stacheln abstand.
»Das nennst du also dankbar«, sagte ich vorwurfsvoll. »Wenn Jamie nicht gewesen wäre, würdest du jetzt nicht neben diesem Feuer braten, sondern darauf, und es würde dir ganz recht geschehen, du hinterlistiger, alter Bock.«
»Mäh!«, sagte er kurz angebunden.
Dennoch, ihm war kalt, er war müde und hungrig, und sein Harem war nicht in der Nähe, um sich von ihm beeindrucken zu lassen, daher duldete er es, dass ich ihm den Kopf massierte und ihn an den Ohren kratzte, ihn mit Heubüscheln fütterte und – schließlich – in seinen Pferch trat und ihm vorsichtig mit der Hand über sein verletztes Bein fuhr, um die Schiene zu überprüfen. Ich war selbst mehr als nur etwas müde und hungrig, denn ich hatte seit dem bisschen Ziegenmilch in der Morgendämmerung nichts mehr zu essen gehabt. Mir wurde schwindelig vom Geruch des simmernden Eintopfes und dem flackernden Spiel von Licht und Schatten im Zimmer, und ich fühlte mich ein wenig körperlos, als schwebte ich einen halben Meter über dem Boden.
»Du bist ja doch ein netter, alter Kerl, nicht wahr?«, murmelte ich. Nachdem ich den ganzen Nachmittag in engem Kontakt mit Babys verbracht hatte, die alle mehr oder minder feucht und laut waren, war die Gesellschaft des aufbrausenden, alten Ziegenbocks ausgesprochen beruhigend.
»Wird er sterben?«
Ich blickte überrascht auf, denn ich hatte die jüngere Miss Brown, die man im Zwielicht auf der Kaminbank übersehen hatte, ganz vergessen. Sie stand jetzt am Herd, das Baby der Beardsleys nach wie vor im Arm, und blickte stirnrunzelnd auf Hiram hinab, der gerade versuchte, meinen Schürzensaum anzuknabbern.