Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nein«, sagte ich und zog ihm den Stoff aus dem Maul. »Ich glaube nicht.« Wie hieß sie nur gleich? Ich kramte benommen in meinem Gedächtnis und versuchte, nach der hektischen Vorstellung von vorhin Namen und Gesichter einander zuzuordnen. Alicia, das war es, obwohl sie für mich immer noch Julia war.
Sie war auch nicht viel älter als Julia, kaum fünfzehn, wenn sie schon fünfzehn war. Doch sie war ein gewöhnliches Kind mit einem runden Gesicht und teigiger Haut. Schmal in der Schulter und breit in der Hüfte; sie war alles andere als die schönste Blume von Veronas Flor. Sie schwieg, und um das Gespräch im Gang zu halten, wies ich auf das Baby in ihren Armen. »Wie geht es der Kleinen denn?«
»Ganz gut«, sagte sie lustlos. Sie blieb noch einen Moment stehen und starrte die Ziege an. Dann quollen plötzlich Tränen in ihren Augen auf.
»Ich wünschte, ich wäre tot«, sagte sie.
»Oh, wirklich?«, sagte ich verblüfft. »Äh … nun ja …« Ich rieb mir mit der Hand über das Gesicht und versuchte, genug Geistesgegenwart zur Bewältigung der Situation aufzubringen. Wo steckte bloß die Mutter dieses verflixten Mädchens? Ich warf rasch einen Blick zur Tür, hörte aber niemanden kommen. Wir waren fürs Erste allein, denn die Frauen waren beim Melken oder kümmerten sich um das Essen, und die Männer waren mit den Tieren beschäftigt.
Ich verließ Hirams Pferch und legte ihr eine Hand auf den Arm.
»Also«, sagte ich leise. »Isaiah Morton ist es nicht wert. Er ist verheiratet – habt Ihr das gewusst?«
Sie riss die Augen weit auf, dann kniff sie sie fast ganz zusammen, und plötzlich schossen die Tränen hervor. Nein, offensichtlich hatte sie es nicht gewusst.
Die Tränen liefen ihr über die Wangen und ergossen sich auf den Kopf des schlafenden Babys. Ich streckte die Hand aus und nahm ihr das eingewickelte Kind sanft ab. Dann schob ich sie mit der freien Hand auf die Kaminbank zu.
»W-woher habt Ihr …? W-wer?« Sie gurgelte und schluchzte und versuchte hektisch, zur selben Zeit Fragen zu stellen und sich unter Kontrolle zu bekommen. Draußen erscholl eine rufende Männerstimme, und sie rieb sich heftig mit dem Ärmel über die Wangen.
Diese Geste erinnerte mich daran, dass mir die Situation zwar in meinem gegenwärtigen, benommenen Geisteszustand melodramatisch – um nicht zu sagen leicht komisch – vorkam, dass sie jedoch für die Hauptbeteiligten eine todernste Sache war. Schließlich hatten ihre männlichen Verwandten versucht, Morton umzubringen, und sie würden es mit Sicherheit wieder versuchen, wenn sie ihn fanden. Ich spannte mich an, weil ich Schritte kommen hörte, und das Baby wand sich leise jammernd in meinen Armen. Doch die Schritte knirschten auf der Straße vorbei, und das Geräusch ging im Wind unter.
Ich setzte mich neben Alicia Brown und seufzte, weil es eine solche Wohltat war, meine Füße zu entlasten. Jeder Muskel und jedes Gelenk meines Körpers schmerzte von den Nachwirkungen des vergangenen Tages und der letzten Nacht, wenn ich auch bis jetzt noch keine Zeit gehabt hatte, großartig darüber nachzudenken. Jamie und ich würden die Nacht mit Sicherheit in Decken gewickelt bei fremden Leuten auf dem Fußboden verbringen; ich beäugte die schmutzigen, vom Feuer beschienenen Bretter mit einem Gefühl, das dem der Lust sehr nahe kam.
Es war geradezu unpassend friedlich in dem großen Raum – draußen fiel flüsternd der Schnee, und auf dem Herd gluckste der Eintopf vor sich hin und erfüllte die Luft mit den verlockenden Düften von Zwiebeln, Wild und Rübchen. Das Baby schlief an meiner Brust und strahlte friedvolles Vertrauen aus. Am liebsten hätte ich einfach nur dagesessen und es festgehalten, aber die Pflicht rief.
»Woher ich das weiß? Morton hat es einem der Männer in der Truppe meines Mannes erzählt«, sagte ich. »Ich kenne seine Frau allerdings nicht und weiß nur, dass sie in Granite Falls lebt.« Ich tätschelte den kleinen Rücken, und das Baby rülpste sacht und entspannte sich wieder, sein Atem warm unter meinem Ohr. Die Frauen hatten es gewaschen und eingeölt, und jetzt roch es fast wie ein frischer Pfannkuchen. Ich hielt mit einem Auge die Tür im Blick und richtete das andere argwöhnisch auf Alicia Brown, falls sie erneut hysterisch wurde.
Sie schniefte und schluchzte, japste einmal heftig und verfiel dann in Schweigen und starrte zu Boden.
»Ich wünschte, ich wäre tot«, flüsterte sie erneut, und ihr Tonfall war so verzweifelt, dass ich sie erschrocken ansah. Sie saß zusammengesunken da, das Haar hing ihr schlaff unter der Haube hervor, ihre Hände waren zu Fäusten geballt und schützend vor ihrem Bauch gekreuzt.
»Oh je«, sagte ich. Angesichts ihrer Blässe, der allgemeinen Umstände und ihres Verhaltens dem Baby gegenüber war es nicht sehr schwierig, aus dieser Geste den offensichtlichen Schluss zu ziehen. »Wissen Eure Eltern davon?«
Sie warf mir einen raschen Blick zu, fragte aber gar nicht erst, woher ich es wusste.
»Mama und meine Tante, ja.«
Sie atmete durch den Mund und zog zwischendurch die Nase hoch.
»Ich dachte – ich dachte, Papa müsste mir erlauben, ihn zu heiraten, wenn –«
Ich hatte Erpressung noch nie für eine besonders Erfolg versprechende Basis für eine Ehe gehalten, doch dies schien der falsche Zeitpunkt zu sein, dies auszusprechen.
»Mm«, sagte ich stattdessen. »Und weiß Mr. Morton davon?«
Sie schüttelte untröstlich den Kopf.
»Hat er – hat seine Frau Kinder, wisst Ihr das?«
»Ich habe keine Ahnung.« Ich wandte den Kopf und lauschte. Ich konnte entfernte Männerstimmen hören, die vom Wind herbeigetragen wurden. Sie hörte sie auch; sie packte überraschend kraftvoll meinen Arm, und ihre nassen, braunen Augen sahen mich unter den zusammengeklebten Wimpern flehend an.
»Ich habe gehört, wie Mr. MacKenzie und die Männer sich gestern Abend unterhalten haben. Sie sagen, Ihr seid eine Heilerin, Mrs. Fraser – einer von ihnen hat gesagt, dass Ihr eine Kräuterfrau seid. Wisst Ihr, wie man Babys –«
»Es kommt jemand.« Ich rückte von ihr ab und unterbrach sie, bevor sie die Frage beenden konnte. »Hier, kümmert Euch um das Baby. Ich muss – muss den Eintopf umrühren.«
Ich drückte ihr ohne Umschweife das Kind in den Arm und erhob mich. Als sich die Tür öffnete und eine verschneite Windbö sowie eine große Anzahl Männer einließ, stand ich am Herd, den Löffel in der Hand, den Blick auf den Topf geheftet, und meine Gedanken brodelten genauso heftig wie der Eintopf.
Sie hatte keine Zeit gehabt, die Frage explizit zu stellen, aber ich wusste, was ihr auf der Zunge gelegen hatte. »Kräuterfrau« hatte sie mich genannt. Sie wollte mit ziemlicher Sicherheit meine Hilfe, um das Kind loszuwerden. Wie war das möglich?, fragte ich mich. Wie konnte eine Frau an so etwas denken, während sie ein lebendes Kind im Arm hatte, das den Mutterleib nicht einmal seit einem Tag verlassen hatte?
Aber sie war sehr jung. Sehr jung, und sie litt unter dem Schrecken der Nachricht, dass ihr Geliebter treulos war. Außerdem war ihre Schwangerschaft noch nicht so weit fortgeschritten, dass man es ihr ansah; wenn sie die Bewegungen ihres Kindes noch nicht gespürt hatte, war es für sie mit Sicherheit noch völlig unwirklich – sie hatte es nur als Mittel betrachtet, die Zustimmung ihres Vaters zu erzwingen; jetzt kam es ihr wahrscheinlich wie eine Falle vor, die im Begriff war zuzuschnappen.
Kein Wunder, wenn sie bestürzt war und panisch nach einer Fluchtmöglichkeit suchte. Doch wenn man ihr etwas Zeit ließ, sich zu erholen, dachte ich mit einem Blick zur Kaminbank, wo sie im Dunklen verborgen saß. Am besten unterhielt ich mich mit ihrer Mutter, ihrer Tante …
Jamie stand plötzlich neben mir und rieb sich die geröteten Hände über dem Feuer. Schmelzwasser tropfte ihm aus den Kleidern. Er machte einen extrem fröhlichen Eindruck, trotz seiner kalten Finger, der Komplikationen in Isaiah Mortons Liebesleben und des Sturmes, der draußen tobte.
»Wie ist die Lage, Sassenach?«, fragte er heiser, und ohne meine Antwort abzuwarten, nahm er mir den Löffel aus der Hand, legte seinen festen, kalten Arm um mich, hob mich hoch und küsste mich heftig, was mich umso mehr aufschreckte, als sein sprießender Bart dick mit Schnee verkrustet war.