Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Das stimmte; sie – oder irgendjemand – hatte das Baby sorgfältig eingewickelt und es so dicht wie möglich am Feuer liegen gelassen. Also wollte sie, dass es überlebte – wenn auch ohne sie.
»Dann glaubst du also, dass sie freiwillig gegangen ist?«
Er nickte und sah mich an.
»Wir sind hier nicht weit von der Vertragsgrenze entfernt. Es kann sein, dass es Indianer waren – aber wenn es so war, wenn jemand sie entführt hat, warum hat er uns dann nicht auch gefangen genommen? Oder uns alle umgebracht?«, fragte er in aller Logik. »Und Indianer hätten die Pferde mitgenommen. Nein, ich glaube, sie ist aus eigenem Antrieb gegangen. Aber was den Grund angeht …« Er schüttelte den Kopf und tauchte das Taschentuch erneut in die Milch.
Es schneite jetzt immer heftiger, trockenen, leichten Schnee, der jedoch hier und dort liegen zu bleiben begann. Besser, wenn wir bald aufbrachen, dachte ich, bevor das Unwetter noch schlimmer wurde. Irgendwie kam es mir jedoch nicht richtig vor, einfach so zu gehen, ohne den geringsten Versuch herauszufinden, was aus Fanny Beardsley geworden war.
Die ganze Situation kam mir unwirklich vor. Es war, als sei die Frau plötzlich wie durch Zauberei verschwunden und hätte im Austausch dieses kleine Ersatzwesen zurückgelassen. Ich fühlte mich auf bizarre Weise an die schottischen Sagen von Wechselbälgern erinnert; Feenkinder, die an Stelle menschlicher Babys zurückgelassen wurden. Ich konnte mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, was die Feen mit Fanny Beardsley wollten.
Ich wusste, dass es zwecklos war, doch ich drehte mich ein weiteres Mal um die eigene Achse und betrachtete unsere Umgebung. Nichts. Die Lehmbank ragte über uns auf, mit trockenem Gras befranst. Ein Stückchen weiter tröpfelte ein winziger Bach dahin, und die Bäume raschelten und seufzten im Wind. Keine Huf- oder Fußspur markierte die feuchte, schwammige Nadelschicht, und ein Pfad war nicht einmal zu ahnen. Der Wald stand ganz und gar nicht schweigend, weil es so windig war, aber dafür war er schwarz und tief.
»Sind wir noch weit von dem Ziel«, merkte ich an und wandte mich seufzend wieder zu Jamie um.
»Häh? Äh, nein, zu Pferd ist es nicht mehr als eine Stunde bis nach Brownsville«, versicherte er mir. »Oder vielleicht zwei«, verbesserte er sich nach einem Blick zum musselinweißen Himmel, denn es schneite immer heftiger. »Jetzt, wo es hell ist, weiß ich, wo wir sind.«
Er hustete erneut, ein plötzlicher Krampf, der seinen ganzen Körper schüttelte, dann richtete er sich auf und reichte mir Becher und Sauger.
»Hier, Sassenach. Gib dem armen, kleinen sgaogan zu trinken, während ich mich um die Tiere kümmere, aye?«
Sgaogan. Ein Wechselbalg. Also hatte auch er den Eindruck, dass der ganzen Angelegenheit etwas Seltsames, Übernatürliches anhaftete. Nun, die Frau hatte behauptet, Gespenster zu sehen; vielleicht hatte sie nun eines geholt? Ich erschauerte und hielt das Baby fester an mich gedrückt.
»Gibt es außer Brownsville noch irgendeine Siedlung in der Nähe? Irgendeinen Ort, den Mrs. Beardsley vielleicht aufgesucht haben könnte?«
Jamie schüttelte den Kopf, und zwischen seinen Augenbrauen erschien eine Falte. Der Schnee schmolz, sobald er seine erhitzte Haut berührte, und lief ihm in kleinen Rinnsalen über das Gesicht.
»Nicht, dass ich wüsste«, sagte er. »Nimmt das Kleine die Ziegenmilch an?«
»Als wäre es ganz selbstverständlich«, versicherte ich ihm.
Während ich dem Kind weiter tropfenweise Nahrung einflößte, molk er rasch die restlichen Ziegen und brachte uns einen vollen Eimer Milch zum Frühstück mit. Ich hätte zwar gern eine schöne, heiße Tasse Tee gehabt – meine Finger waren vom ständigen Eintauchen der falschen Zitze kalt und taub –, aber die sahnige, weiße Milch war köstlich und nicht minder angenehm für unsere kalten, leeren Mägen als für den des Babys.
Das Kind hatte aufgehört zu nuckeln und sich nach Leibeskräften eingenässt; alles in allem ein Zeichen guter Gesundheit, wenn es mir auch gerade nicht sehr gelegen kam, da sowohl sein Wickeltuch als auch die Vorderseite meines Mieders jetzt durch und durch nass waren.
Jamie durchwühlte erneut hastig das Gepäck, diesmal auf der Suche nach etwas zum Wickeln und trockenen Kleidern. Zum Glück trug Mrs. Piggy die Tasche, in der ich die Leinenstreifen und die Baumwollwatte zum Säubern und Verbinden aufbewahrte. Er nahm sich eine Hand voll davon und ergriff das Kind, während ich mich an die umständliche und zugige Aufgabe machte, Hemd und Leibchen zu wechseln, ohne dabei meinen Rock, Unterrock oder Umhang auszuziehen.
»Z-zieh dir doch auch deinen Umhang an«, sagte ich zähneklappernd. »Du stirbst noch an einer verf-flixten Lungenentzündung.«
Er lächelte, den Blick fest auf seine Aufgabe gerichtet, obwohl seine Nasenspitze im Kontrast zu seinem bleichen Gesicht rot leuchtete.
»Mir geht es gut«, krächzte er, dann räusperte er sich ungeduldig, was sich wie zerreißender Stoff anhörte. »Gut«, wiederholte er kräftiger, dann hielt er inne und riss überrascht die Augen auf.
»Oh«, sagte er jetzt wieder leiser. »Sieh mal. Es ist ein kleines Mädchen.«
»Wirklich?« Ich ließ mich neben ihm auf die Knie sinken, um es mir anzusehen.
»Nicht besonders hübsch«, sagte er mit einem kritischen Blick auf das kleine Geschöpf. »Gut, dass sie eine ordentliche Mitgift hat.«
»Ich glaube nicht, dass du bei deiner Geburt eine große Schönheit warst«, sagte ich tadelnd. »Das arme Ding ist ja noch nicht einmal anständig sauber. Aber was hast du damit gemeint, eine Mitgift?«
Er zuckte mit den Achseln, während er das Kunststück zuwege brachte, das Kind mit einem Schultertuch zugedeckt zu halten und ihm gleichzeitig ein zusammengefaltetes Leinentuch unter den winzigen Hintern zu schieben.
»Ihr Vater ist tot und ihre Mutter verschwunden. Sie hat keine Brüder oder Schwestern, mit denen sie ihr Erbe teilen müsste, und ich habe in dem Haus kein Testament gefunden, in dem gestanden hätte, dass jemand anders Beardsleys Besitz erben soll. Auf diese Weise hinterlässt er ihr eine ordentliche Farm und einiges an Handelswaren – von den Ziegen ganz zu schweigen.« Er warf einen Blick auf Hiram und seine Familie und lächelte. »Also gehört das alles wohl ihr.«
»Vermutlich«, sagte ich langsam. »Also wird sie ein gut betuchtes, kleines Mädchen sein, nicht wahr?«
»Aye, und sie hat gerade in die Hose geschissen. Hättest du das nicht tun können, bevor ich dich auf ein frisches Tuch gelegt habe?«, wollte er von dem Kind wissen. Ohne sich von seiner Strafpredigt beeindrucken zu lassen, blinzelte ihm das kleine Mädchen verschlafen zu und rülpste leise.
»Oh, nun ja«, sagte er resigniert. Er rückte ein Stück beiseite, um sie besser vor dem Wind abzuschirmen, hob kurz ihre Decke an und wischte ihr geschickt eine schwärzliche Schleimspur von den knospenartigen Geschlechtsteilen.
Das Kind machte einen gesunden Eindruck, wenn es auch sehr klein war; es war nicht größer als eine Puppe, sein Bäuchlein von der Milch leicht vorgewölbt. Das war momentan die größte Schwierigkeit; klein, wie sie war, und ohne isolierendes Körperfett würde sie in kürzester Zeit an Unterkühlung sterben, wenn es uns nicht gelang, sie warm und satt zu halten.
»Pass auf, dass sie nicht kalt wird.« Ich schob mir die Hände in die Achselhöhlen, um sie aufzuwärmen, bevor ich das Kind hochhob.
»Keine Sorge, Sassenach. Ich muss ihr nur noch den kleinen Hintern abwischen, und dann …« Er hielt inne und runzelte die Stirn.
»Was ist denn das, Sassenach? Meinst du, sie ist verletzt? Hat das törichte Weib sie vielleicht fallen gelassen?«
Ich beugte mich vor, um es mir anzusehen. Er hielt mit einer Hand die Füße des Babys hoch, einen verschmutzten Baumwollbausch in der anderen. Dicht oberhalb der winzigen Pobacken befand sich eine dunkle, bläuliche Verfärbung, ganz wie ein blauer Fleck.
Es war kein blauer Fleck. Dafür war es aber so etwas wie eine Erklärung.