Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Villefortbebte und schaute Monte Christo an, als wollte er im Grunde seines Herzens die Absicht lesen, welche den soeben ausgesprochenen Worten zu Grunde lag.
Da aber der Graf das wohlwollende Lächeln, an das seine Lippen gewöhnt waren, beibehielt, so vermochte der Staatsanwalt trotz der Schärfe seinesBlickes nicht, hinter die Maske Monte Christos zublicken.
Obgleich es ein großes Unglück für Valentine ist, das Vermögen ihres Großvaters zu verlieren, sagte Villefort, so glaube ich doch nicht, daß die Heirat deshalbscheitert; ich glaube nicht, daß Herr d'Epinay vor diesem pekuniären Verlust zurückweicht. Er wird sehen, daß ich wohl mehr wertbin, als diese Summe, die ich dem Wunsche, ihm mein Wort zu halten, opfere; er wird sich zudem sagen, daß Valentine schon durch das Vermögen ihrer Mutter reich ist, das von Herrn und Frau von Saint Meran verwaltet wird, die siebeide zärtlich lieben.
Und wohl würdig sind, daß man sie liebt und pflegt, wie dies Valentinebei Herrn Noirtier getan hat, fügte Frau von Villefort hinzu. Sie kommen spätestens in einem Monat nach Paris, und Valentine wird nach einer solchenBeleidigung nicht mehr gebunden sein, sich, wie sie es jetzt getan, bei Herrn Noirtierbegraben zu lassen.
Der Graf hörte mit Wohlgefallen die disharmonische Stimme verletzter Eitelkeit und in den Staubgetretener Interessen und sagte nach kurzem Stillschweigen: Mir scheint, und ichbitte Sie im voraus wegen dessen, was ich sagen werde, um Verzeihung, daß Herr Noirtier, wenn er Fräulein von Villefort, nur weil sie einen jungen Mann heiraten wollte, dessen Vater er gehaßt hat, enterbt, daß Herr Noirtier, sage ich, dem lieben Eduard nicht dasselbe Unrecht vorwerfen kann.
Nicht wahr? rief Frau von Villefort mit einem unbeschreiblichen Tone, nicht wahr, das ist ungerecht, abscheulich ungerecht. Dieser arme Eduard ist ebensogut der Enkel des Herrn Noirtier, und dennoch würde er Valentine sein ganzes Vermögen hinterlassen haben, wenn sie nicht Franz hätte heiraten sollen, und Eduard führt überdies den Namen der Familie, abgesehen davon, daß Valentine, wenn sie auch wirklich ihr Großvater enterbt, immer noch dreimal reicher sein wird, als er.
Nach diesem kräftigen Ausfall hörte der Graf nur noch zu und sparte sich selbst weitere Anregungen.
Nun genug, sagte Villefort. Wir wollen uns nicht länger über diese kleinlichen Familienangelegenheiten unterhalten! Ja, es ist richtig, mein Vermögen wird die Einkünfte der Armen vermehren, die heutzutage die wahren Reichen sind. Ja, mein Vater wird mich um eine gesetzliche Hoffnung gebracht haben, und das ohne Grund; ich aber habe dann als Mann von Verstand, als Mann von Herz gehandelt. Herr d'Epinay, dem ich die Rente von dieser Summe versprach, wird siebekommen, und sollte ich mir die größten Entbehrungen auferlegen.
Es wäre doch vielleichtbesser, sagte Frau von Villefort, auf den einzigen Gedanken zurückkommend, der unablässig in der Tiefe ihres Herzens auftauchte; es wäre doch vielleichtbesser, man machte Herrn d'Epinay Mitteilung, damit er in der Lage wäre, selbst sich darüber zu entscheiden und sein Wort zurückzugeben!
Oh! das wäre ein großes Unglück, rief Villefort.
Ein großes Unglück? wiederholte Monte Christo.
Allerdings, erwiderte Villefort, sichbesänftigend, eine gescheiterte Heirat, und scheitert sie auch aus Geldgründen, wirft ein schlechtes Licht auf ein junges Mädchen. Dann würden auch alte Gerüchte, die ich ersticken wollte, wieder laut werden. Doch nein, dem wird nicht so sein, Herr d'Epinay, der ein ehrenhafter Mann ist, wird sich durch Valentines Enterbung noch mehr für gebunden erachten, als zuvor, sonst würde er ja nur aus Habsucht um unser Kind gefreit haben; nein, das ist nicht möglich.
Ich denke wie Herr von Villefort, sagte Monte Christo, seinenBlick auf Frau von Villefort heftend, und wenn ich ihm einen Rat geben dürfte, so würde ich ihn auffordern, jetzt, wo Herr d'Epinay, wie ich höre, zurückkehrt, dasBand so fest zu knüpfen, daß es sich nicht mehr lösen läßt. Ich würde unter allen Umständen eine Verbindung zustandebringen, die Herrn von Villefort nur zur Ehre gereichen kann.
Villefort erhobsich, von sichtbarer Freude ergriffen, während seine Frau leicht erbleichte.
Gut, sagte er, das ist alles, was ich haben wollte, und ich werde mir die Meinung eines Ratgebers, wie Sie sind, zu nutze machen, fügte er, Monte Christo die Hand reichend, hinzu. Hiernach ist alles, was sich hier ereignet hat, als nicht geschehen zubetrachten, und an unsern Plänen hat sich nichts geändert.
Mein Herr, sagte Monte Christo, so ungerecht die Welt ist, so wird sie Ihnen doch Dank für diesen Entschluß wissen, dafür stehe ich Ihnen. Ihre Freunde werden stolz darauf sein, und Herr d'Epinay, müßte er auch Fräulein von Villefort ohne Mitgift nehmen, was schwerlich der Fall sein wird, ist sicherlich entzückt über seinen Eintritt in eine Familie, in der man sich auf die Höhe solcher Opfer zu erheben weiß, um sein Wort zu halten und seine Pflicht zu erfüllen.
Während der Graf so sprach, stand er auf und schickte sich an, wegzugehen.
Sie verlassen uns? sagte Frau von Villefort.
Ichbin genötigt, gnädige Frau; ich kam nur, um Sie an Ihr Versprechen für Sonnabend zu erinnern.
Befürchten Sie, wir würden es vergessen?
Sie sind zu gütig, gnädige Frau; doch Herr von Villefort hat so ernste und zuweilen so dringende Geschäfte…
Mein Mann hat sein Wort gegeben, Herr Graf, und Sie konnten soeben sehen, daß er es hält, wenn alles dabei verloren gehen kann; er wird es umsomehr tun, wenn alles dabei zu gewinnen ist.
Findet die Gesellschaft in Ihrem Hause in den Champs‑Elysées statt? fragte Villefort.
Nein, sagte Monte Christo, und das macht Ihr Opfer noch verdienstlicher… auf dem Lande.
In der Nähe von Paris?
Vor dem Tore, eine halbe Stunde vor dem Tore, in Auteuil.
In Auteuil! rief Villefort. Ah! es ist wahr, Frau von Villefort sagte mir, Sie wohnten in Auteuil, wo man sie in Ihr Hausbrachte. Und wo in Auteuil?
Rue de la Fontaine.
Rue de la Fontaine? versetzte Villefort mit gepreßter Stimme; Nummer?
Nummer 30.
Man hat also an Sie das Haus des Herrn von Saint‑Meran verkauft? rief Villefort.
Des Herrn von Saint‑Meran? fragte Monte Christo. Dieses Haus gehörte Herrn von Saint‑Meran?
Ja, erwiderte Frau von Villefort; nicht wahr, es ist eine schöneBesitzung?
Reizend.
Und denken Sie sich, mein Mann wollte nie darin wohnen.
In der Tat, mein Herr? Das ist ein Vorurteil, von dem ich mir keine Rechenschaft geben kann.
Ich liebe Auteuil nicht, sagte der Staatsanwalt, sich selbstbezwingend.
Es würde mich jedoch sehr unglücklich machen, sollte mich diese Antipathie des Vergnügensberauben, Siebei mir zu empfangen! versetzte Monte Christo.
Nein, Herr Graf, ich hoffe wohl… glauben Sie mir, daß ich alles tun werde, was ich vermag…, stammelte Villefort.
Oh! ich nehme keine Entschuldigung an, entgegnete Monte Christo. Sonnabend um sechs Uhr erwarte ich Sie, und wenn Sie nicht kämen, so würde ich glauben müssen, es ruhe auf diesem seit zwanzig Jahren unbewohnten Hause irgend eine finstere Überlieferung, irgend eineblutige Legende.
Ich werde kommen, sagte Villefort rasch.
Meinen Dank. Nun aber müssen Sie mir erlauben, mich von Ihnen zu verabschieden.
In der Tat, Sie sagten, Sie müssen uns verlassen, Herr Graf, versetzte Frau von Villefort, und Sie wollten uns sogar mitteilen, warum, als Sie sich unterbrachen, um zu einem andern Gedanken überzugehen.
Wahrhaftig, gnädige Frau, ich weiß nicht, obich Ihnen sagen soll, wohin ich gehe.
Warum nicht? Sagen Sie es nur!
Ich will mir etwas ansehen, worüber ich oft stundenlang geträumt habe.
Was?
Einen Telegraphen.
Einen Telegraphen? wiederholte Frau von Villefort.
Ei, mein Gott! ja, einen Telegraphen. Zuweilen sah ich am Ende einer Straße auf einem Hügelbei schönem Sonnenscheine die schwarzen, wie die Füße eines ungeheuren Käfers sichbiegenden Arme, und dieses Schauspiel hat mich immer merkwürdig ergriffen, das versichere ich Ihnen, denn ich dachte, diese Zeichen, welche die Luft mit unfehlbarer Sicherheit durchschneiden und auf Hunderte von Meilen den unbekannten Willen eines vor einem Tische sitzenden Menschen einem andern am Ende der Liniebefindlichen Menschen verkünden, verdanken ihr Dasein nur der Energie des sonderbaren Insektenkörpers. Geister, Sylphen, Gnomen schienen mir dabei im Spiele zu sein. Niemals aber triebes mich, diese großen Insekten mit den weißenBäuchen und den schwarzen mageren Füßen von nahem zu sehen; denn ich fürchtete, ich würde unter ihrem steinernen Flügel den kleinen Menschenwitz, sehr ernst und würdig, sehr gründlich und steifleinen, triefend von Wissenschaft, von kleinlicher Eifersüchtelei, vielleicht auch von Aberglauben finden. Eines Morgens erfuhr ich aber, diebewegende Kraft jedes Telegraphen sei ein armer Teufel von einem Angestellten mit einem jährlichen Gehalt von zwölfhundert Franken, der nur mechanische Handgriffe verstehe und so wenig von der wunderbaren elektrischen Kraft wisse, wie ein Nachtwächter von der Poesie der göttlichen Nacht. Da erfaßte mich ein seltsames Verlangen, diese lebendige Puppe einmal näher anzuschauen.