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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Aber warum? Warum sollte man jemanden mit Absicht zur Hexe stempeln?«

Die Sonne senkte sich allmählich wieder, doch das Nachmittagslicht reichte aus, um unsere Grube mit einem gedämpften Leuchten zu erfüllen. In Geilies elegantem Gesicht war nichts als Mitleid mit meiner Arglosigkeit zu sehen.

»Du begreifst es immer noch nicht, oder?«, fragte sie. »Sie haben vor, uns umzubringen. Und es spielt nicht die geringste Rolle, wie die Anklage lautet oder wie die Beweislage ist. Wir werden so oder so verbrennen.«

In der vergangenen Nacht war ich zu schockiert über den Angriff des Pöbels und über die Trostlosigkeit unserer Umgebung gewesen, um mehr zu tun, als mich dicht an Geillis zu drängen und auf die Dämmerung zu warten. Mit dem Tag war jedoch auch das erwacht, was von meinem Denkvermögen noch übrig war.

»Weshalb, Geilie?«, fragte ich und bekam vor Entsetzen kaum Luft. »Weißt du es?« Die Luft in der Grube stank nach Fäulnis, Dreck und feuchter Erde, und ich fühlte mich, als stünden die undurchdringlichen Erdwände kurz davor, über mir zusammenzufallen wie die Seitenwände eines schlecht ausgehobenen Grabs.

Ich spürte ihr Achselzucken eher, als dass ich es sah; der Lichtfleck von oben war mit der Sonne weitergezogen und fiel jetzt oben auf die Wand unseres Gefängnisses, so dass wir unten wieder in der kalten Finsternis hockten.

»Falls es dich irgendwie tröstet«, sagte sie trocken, »so bezweifle ich, dass du ebenfalls festgenommen werden solltest. Es ist eine Sache zwischen mir und Colum – du hattest einfach das Pech, bei mir zu sein, als die Leute aus dem Dorf gekommen sind. Wärst du bei Colum gewesen, wärst du vermutlich in Sicherheit gewesen – Sassenach hin oder her.«

Das Wort »Sassenach«, das hier im üblichen verächtlichen Sinne benutzt wurde, erfüllte mich plötzlich mit verzweifelter Sehnsucht nach dem Mann, der mich liebevoll so nannte. Ich schlang die Arme um mich selbst, um die einsame Panik in Schach zu halten, die aus mir herauszubrechen drohte.

»Warum bist du eigentlich zu mir gekommen?«, fragte Geilie neugierig.

»Ich dachte, du hättest mich rufen lassen, weil du krank bist. Eins der Mädchen in der Burg hat mir eine Nachricht überbracht – von dir, hat sie behauptet.«

»Ah«, sagte sie nachdenklich. »Laoghaire, nicht wahr?«

Ich lehnte mich mit dem Rücken an die Erdwand, auch wenn mich die feuchte, stinkende Oberfläche anwiderte. Geillis spürte meine Bewegung und rückte näher. Freundinnen oder Feindinnen, wir waren füreinander die einzige Wärmequelle in der Grube; wir konnten gar nicht anders, als uns aneinanderzudrängen.

»Woher weißt du denn, dass es Laoghaire war?«, fragte ich zitternd.

»Sie hat dir den Talisman ins Bett gelegt«, erwiderte Geillis. »Ich habe dir ja gleich gesagt, dass man es dir übelgenommen hat, dass du den rothaarigen Jungen geheiratet hast. Wahrscheinlich dachte sie, sie bekommt noch eine Chance, wenn du aus dem Weg geräumt bist.«

Es dauerte einen Moment, bis ich die Sprache wiederfand.

»Aber das kann doch nicht wahr sein!«

Geilies Lachen war heiser vor Kälte und Durst, doch seinen Silberklang hatte es nicht verloren.

»Jeder, der die Blicke sieht, die der Junge auf dich richtet, wüsste das. Aber ich glaube nicht, dass sie schon genug von der Welt gesehen hat, um so etwas zu begreifen. Lass sie erst ein- oder zweimal mit einem Mann schlafen, dann weiß sie es, aber jetzt noch nicht.«

»Das meine ich gar nicht!«, entfuhr es mir. »Es geht ihr doch gar nicht um Jamie; das Mädchen bekommt ein Kind von Dougal MacKenzie.«

»Was?!« Im ersten Moment erschrak sie aufrichtig, und ihre Finger bohrten sich in meinen Arm. »Wie kommst du denn darauf?«

Ich erzählte ihr davon, wie ich Laoghaire auf der Treppe vor Colums Studierzimmer beobachtet und welche Schlussfolgerungen ich gezogen hatte.

Geillis prustete. »Pah! Sie hat Colum und Dougal über mich reden hören, deshalb ist sie so bleich geworden – vermutlich glaubte sie, Colum hätte gehört, dass sie wegen des Talismans bei mir gewesen war. Er hätte sie dafür bis aufs Blut verprügeln lassen; er hält nichts von solchen Künsten.«

»Du hast ihr den Talisman gegeben?« Ich war völlig erschüttert.

Geillis rückte abrupt von mir ab.

»Ich habe ihn ihr nicht gegeben, ich habe ihn ihr verkauft.«

Ich versuchte, ihr in der zunehmenden Dunkelheit in die Augen zu sehen.

»Da gibt es einen Unterschied?«

»Natürlich«, sagte sie ungeduldig. »Es war eine reine Geschäftssache. Und ich verrate die Geheimnisse meiner Kunden nicht. Außerdem hat sie mir nicht verraten, für wen er sein sollte. Und vielleicht erinnerst du dich, dass ich versucht habe, dich zu warnen.«

»Danke«, sagte ich sarkastisch. »Aber …« Mir brummte der Kopf, während ich versuchte, meine Gedanken im Licht dieser neuen Informationen neu zu ordnen. »Aber wenn sie mir den Talisman ins Bett gelegt hat, war sie ja doch hinter Jamie her. Das würde natürlich erklären, warum sie mich zu dir geschickt hat. Aber was ist mit Dougal?«

Geillis zögerte einen Moment, dann schien sie einen Entschluss zu fassen.

»Das Mädchen ist genauso wenig schwanger von Dougal MacKenzie, wie du es bist.«

»Wie kannst du dir da so sicher sein?«

Sie tastete in der Dunkelheit nach meiner Hand. Als sie sie gefunden hatte, zog sie sie an sich und legte sie mitten auf die Rundung unter ihrem Kleid.

»Weil ich es bin«, sagte sie schlicht.

»Also nicht Laoghaire«, sagte ich. »Du.«

»Ich«, sagte sie ganz ohne ihren üblichen affektierten Unterton. »Was war es, was Colum gesagt hat? ›Ich sorge dafür, dass ihr recht geschieht.‹ Nun, vermutlich ist das hier ja seine Vorstellung von einer geeigneten Lösung des Problems.«

Ich schwieg eine Weile und überlegte.

»Geilie«, sagte ich schließlich, »die Magenschmerzen deines Mannes …«

Sie seufzte. »Arsenik«, sagte sie. »Ich dachte, es würde ihn erledigen, ehe die Schwangerschaft allzu sichtbar wurde, aber er hat länger durchgehalten, als ich es für möglich gehalten habe.«

Ich erinnerte mich an Arthur Duncans entsetzte Miene, als er am letzten Tag seines Lebens aus der Kammer seiner Frau gestürzt war.

»Ich verstehe«, sagte ich. »Er wusste nicht, dass du schwanger bist, bis er dich am Tag des Banketts halb bekleidet gesehen hat. Und als er es herausgefunden hat … ich vermute, er hatte Grund zu der Annahme, dass es nicht von ihm war?«

Aus der Ecke kam leises Lachen.

»Der Salpeter war zwar teuer, aber er war jeden Penny wert.«

Ich erschauerte, an die Wand gekauert.

»Das ist natürlich der Grund, warum du das Risiko eingehen musstest, ihn in der Öffentlichkeit umzubringen, beim Bankett. Er hätte dich als Ehebrecherin denunziert – und als Giftmischerin. Oder glaubst du, er wusste das mit dem Arsen?«

»Oh, Arthur wusste Bescheid«, sagte sie. »Er wollte es natürlich nicht zugeben – nicht einmal vor sich selbst. Aber er wusste es. Wir haben uns beim Abendessen gegenübergesessen, und ich habe ihn gefragt: ›Noch ein bisschen Fischsuppe, mein Herz?‹, oder: ›Ein Schluck Ale, Liebster?‹ Und er hat mich mit diesen Augen beobachtet, die wie gekochte Eier aussahen, und gesagt, nein, er hätte im Moment keinen Appetit. Und dann hat er seinen Teller von sich geschoben, und später habe ich gehört, wie er sich das Essen heimlich im Stehen in der Küche hineingeschlungen hat, weil er dachte, da wäre er sicher, weil er nichts aß, was ich in der Hand gehabt hatte.«

Ihr Ton war locker und belustigt, so als hätte sie mir gerade ein besonders skandalöses Gerücht erzählt. Ich erschauerte erneut und rückte von dem Wesen fort, das die Dunkelheit mit mir teilte.

»Dass es in dem Tonikum war, das er regelmäßig genommen hat … darauf ist er nicht gekommen. Er hat auch keine Arznei von mir angenommen. Stattdessen hat er sich ein Tonikum aus London schicken lassen – hat ein Vermögen gekostet.« Ihre Stimme klang tadelnd ob dieser Extravaganz. »Es war ohnehin arsenhaltig; er hat überhaupt keinen Unterschied bemerkt, als ich ein bisschen mehr hinzugefügt habe.«

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