Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Es ist recht, sie eine Hexe zu nennen, werte Herren! Mit meinen eigenen Augen habe ich gesehen, wie diese Frau ein Wasserpferd aus den Tiefen des verwunschenen Sees gerufen hat, damit es ihr zu Willen sei! Eine gefährliche Kreatur, werte Herren, so groß wie ein Baum mit einem Hals wie eine blaue Riesenschlange und Augen wie Äpfeln, deren Blick einem Menschen die Seele rauben kann.«
Die Richter schienen von seiner Aussage beeindruckt zu sein und berieten sich mehrere Minuten im Flüsterton, während mich Peter trotzig ansah.
Schließlich löste sich der fette Richter aus der Konferenz und winkte John MacRae, der allzeit bereit am Rand stand, gebieterisch herbei.
»Dorfschulze!«, donnerte er, wandte sich um und zeigte auf den Wagenknecht.
»Führt diesen Mann ab und stellt ihn wegen öffentlicher Trunkenheit an den Pranger. Dies ist ein ernstes Gericht; es kommt nicht in Frage, dass die Zeit der Inspektoren durch einen Trunkenbold verschwendet wird, der Wasserpferde sieht, wenn er dem Whisky zu sehr zugesprochen hat!«
Peter, der Wagenknecht, war so verdattert, dass er nicht den geringsten Widerstand leistete, als der Dorfschulze entschlossen vortrat und ihn beim Arm nahm. Mit offenem Mund sah er sich wild nach mir um, als er abgeführt wurde. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihm mit einem kleinen Flattern meiner Finger nachzuwinken.
Nach dieser kurzen Auflockerung verschlechterte sich die Lage jedoch rapide. Es folgte eine ganze Prozession von Mädchen und Frauen, die schworen, dass sie Geillis Duncan Talismane und Tränke abgekauft hatten, um Krankheiten hervorzurufen, sich ungewollter Kinder zu entledigen oder einen Mann für sich zu gewinnen. Alle schworen ausnahmslos, dass die Zaubermittel funktioniert hatten – eine beneidenswerte Bilanz für eine Allgemeinpraktikerin, dachte ich zynisch. Mir sagte zwar niemand Derartiges nach, doch es gab mehrere, die – wahrheitsgemäß – sagten, dass sie mich oft in Mrs. Duncans Kräuterkammer beim Anrühren von Arzneien oder beim Zerstampfen von Kräutern gesehen hatten.
Selbst das wäre möglicherweise noch nicht fatal gewesen; es gab auch eine ähnlich große Anzahl von Leuten, die aussagten, dass ich sie geheilt hatte, und zwar einzig mit gewöhnlichen Heilmitteln, ohne jeden Zauberspruch, Talisman oder anderen Hokuspokus. Angesichts der Wucht der öffentlichen Meinung kostete es diese Leute einiges an Courage, vorzutreten und für mich auszusagen, und ich war ihnen dankbar dafür.
Mir schmerzten die Füße vom langen Stehen; die Richter saßen zwar relativ bequem, doch für die Gefangenen gab es keine Hocker. Als jedoch der nächste Zeuge erschien, vergaß ich meine Füße ganz und gar.
Mit einem dramatischen Instinkt, der Colum gut zu Gesicht gestanden hätte, schleuderte Vater Bain die Kirchentür auf und trat auf den Platz hinaus. Er humpelte schwer und stützte sich auf eine Eichenkrücke. Langsam näherte er sich der Mitte des Platzes und neigte vor den Richtern den Kopf, dann drehte er sich um und ließ den Blick über die Menge hinwegschweifen, bis der Lärm unter seinem ehernen Blick zu beklommenem Gemurmel erstorben war. Als er dann sprach, schlug seine Stimme zu wie ein Peitschenhieb.
»Es wird über euch gerichtet, ihr Bewohner von Cranesmuir! ›Vor ihm her ging Pestilenz, und Plage ging aus, wo er hintrat.‹ Aye, ihr habt zugelassen, dass man euch vom rechten Weg abbrachte! Ihr habt Wind gesät, und jetzt ist der Sturm über euch gekommen!«
Ich starrte ihn an, verblüfft über sein unerwartetes rhetorisches Talent. Oder vielleicht ließ er sich ja nur in Krisenzeiten zu solchen Redekünsten beflügeln. Das Donnern der schwülstigen Stimme fuhr fort.
»Die Pestilenz wird euch befallen, und ihr werdet an euren Sünden sterben, wenn ihr euch nicht reinigen lasst! Ihr habt die Hure von Babylon in eurer Mitte willkommen geheißen!« Das war vermutlich ich, dem giftigen Blick nach, den er mir zuwarf. »Ihr habt eure Seele an eure Feinde verkauft, ihr habt die englische Schlange an eurer Brust genährt, und die Rache des allmächtigen Herrn ist nun nah. ›Dass du nicht geratest an eines andern Weib, an eine Fremde, die glatte Worte gibt, denn ihr Haus neigt sich zum Tod und ihre Gänge zu den Verlorenen.‹ Bereut, ihr Leute, ehe es zu spät ist! Fallt auf die Knie, sage ich, und betet um Vergebung! Stoßt die englische Hure aus und widersagt euren Handel mit der Satansbrut!« Er griff nach dem Rosenkranz an seinem Gürtel und hielt das große Holzkreuz in meine Richtung.
Das war zwar alles äußerst unterhaltsam, doch ich konnte sehen, wie Pat zunehmend unruhig wurde. Professioneller Neid vielleicht.
»Äh, Hochwürden«, sagte der Richter mit einer kleinen Verneigung in Vater Bains Richtung, »habt Ihr der Anklage gegen diese Frauen etwas beizusteuern?«
»Das habe ich.« Nachdem er sein rednerisches Pulver verschossen hatte, war der kleine Priester jetzt ruhiger. Er hob den Zeigefinger drohend in meine Richtung, und ich musste mich zusammennehmen, um nicht einen Schritt zurückzutreten.
»Um die Mittagszeit des Dienstags vor zwei Wochen bin ich dieser Frau in den Gärten der Burg Leoch begegnet. Mit unnatürlichen Kräften hat sie ein Rudel Hunde auf mich gehetzt, so dass ich vor ihnen zu Boden ging und um mein Leben bangen musste. Ich wurde schwer am Bein verletzt und wollte mich von ihr entfernen. In ihrer Sündigkeit wollte sie mich verlocken, mit ihr zu gehen, und als ich ihren Listen widerstand, hat sie einen Fluch über mich gebracht.«
»Was für ein schauderhafter Unsinn!«, sagte ich entrüstet. »Das ist die lachhafteste Übertreibung, die ich je gehört habe!«
Vater Bains dunkle, wie im Fieber glänzende Augen richteten sich von den Inspektoren auf mich.
»Leugnet Ihr etwa, Weib, dass Ihr diese Worte zu mir gesagt habt? ›Kommt sofort mit mir, Priester, oder Eure Wunde soll eitern und verrotten‹?«
»Nun, etwas weniger dramatisch vielleicht«, räumte ich ein.
Der Priester biss triumphierend die Zähne zusammen und schlug die Röcke seiner Soutane beiseite. Sein Oberschenkel war mit einem Verband umwickelt, der einen getrockneten Blutfleck hatte und mit gelbem Eiter durchtränkt war. Darüber und darunter war die bleiche Haut seines Beins geschwollen, und unheilvolle rote Streifen liefen von der unsichtbaren Wunde aufwärts.
»Großer Gott, Mann!«, sagte ich schockiert über den Anblick. »Ihr habt eine Blutvergiftung. Das muss behandelt werden, und zwar auf der Stelle, sonst sterbt Ihr!«
Ein schockiertes Raunen ging durch die Menge. Selbst Pat und Patachon schienen etwas verdattert.
Vater Bain schüttelte langsam den Kopf.
»Hört Ihr das?«, wollte er wissen. »Die Dreistigkeit dieser Frau kennt keine Grenzen. Sie verflucht mich – einen Mann Gottes! – mit dem Tod, vor dem Gericht der Kirche selbst!«
Das erregte Murmeln der Menge schwoll an. Vater Bain sprach weiter, etwas lauter jetzt, um in dem Lärm gehört zu werden.
»Ich überlasse es Euch, werte Herren, dem Urteil Eurer Augen und Ohren zu folgen und der Mahnung des Herrn: ›Die Hexen sollt ihr nicht am Leben lassen!‹«
Vater Bains dramatische Aussage setzte den Zeugenauftritten ein Ende. Vermutlich glaubte niemand, diese Darbietung übertreffen zu können. Die Richter verkündeten eine kurze Pause, und man holte ihnen Erfrischungen aus dem Wirtshaus. Für die Angeklagten waren derlei Annehmlichkeiten nicht vorgesehen.
Ich holte Luft und zerrte versuchsweise an meinen Fesseln. Das Leder der Riemen ächzte zwar ein wenig, doch es gab keinen Zentimeter nach. Das, dachte ich zynisch, während ich versuchte, meine Panik zu unterdrücken, musste doch eigentlich der Zeitpunkt sein, an dem der strahlende junge Held auf seinem Schimmel durch die Menge geritten kam, um die sich duckenden Dorfbewohner zurückzuschlagen und die ohnmächtig werdende Heldin vor sich auf den Sattel zu heben.
Doch mein strahlender junger Held war irgendwo im Wald unterwegs, ließ sich mit einer alternden Schwuchtel das Ale schmecken und metzelte unschuldige Rehlein. Es war ziemlich unwahrscheinlich, dachte ich zähneknirschend, dass Jamie auch nur rechtzeitig zurückkehren würde, um meine Asche zur feierlichen Entsorgung an sich zu nehmen, ehe man mich in alle Winde verstreute.