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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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»Ich meine, ob du ihn wirklich liebst«, beharrte Geillis. »Nicht nur, ob du mit ihm schlafen willst; ich weiß, dass du das willst und dass er das auch will. Das wollen sie alle. Aber liebst du ihn?«

Liebte ich ihn? Über das körperliche Verlangen hinaus? Die Grube besaß die dunkle Anonymität eines Beichtstuhls, und eine Seele am Rand des Todes hatte keine Zeit für Lügen.

»Ja«, sagte ich und senkte den Kopf zurück auf meine Knie.

Eine Weile war es still in der Grube, und wieder stand ich kurz vor dem Einschlafen, als ich sie noch einmal sprechen hörte, als redete sie mit sich selbst.

»Dann ist es also möglich«, sagte sie nachdenklich.

Einen Tag später kamen die Inspektoren. Aus dem feuchten Diebesloch heraus konnten wir den Aufruhr bei ihrer Ankunft hören; die Rufe der Dorfbewohner und das Klappern der Pferdehufe auf der High Street. Dann wurde der Trubel leiser, denn die Prozession bewegte sich auf den weiter entfernten Dorfplatz zu.

»Da sind sie«, sagte Geillis, während sie der Aufregung auf der Straße lauschte.

Wir fassten uns automatisch an den Händen, denn die Angst war stärker als jede Feindseligkeit.

»Nun ja«, versuchte ich, mich tapfer zu geben, »vermutlich ist es ja besser zu verbrennen, als zu erfrieren.«

Erst einmal mussten wir allerdings weiter frieren. Erst am Mittag des nächsten Tages rumpelte die schwere Tür unseres Gefängnisses abrupt zur Seite, und man zerrte uns aus der Grube, um uns vor Gericht zu bringen.

Zweifellos im Interesse der Zuschauermassen fand die Sitzung auf dem Dorfplatz statt, vor dem Haus der Duncans. Ich sah, wie Geillis kurz zu den Rautenfenstern ihres Salons aufblickte, dann wandte sie sich ausdruckslos ab.

Es waren zwei kirchliche Inspektoren, die auf gepolsterten Hockern hinter einem Tisch saßen, den man auf dem Platz aufgestellt hatte. Der eine Richter war abnorm groß und dünn, der andere klein und kräftig. Sie erinnerten mich unwiderstehlich an Pat und Patachon aus der Stummfilmzeit; da ich ihre Namen nicht kannte, taufte ich den langen Kerl im Geiste Pat und den anderen Patachon.

Das Dorf war zum Großteil anwesend. Als ich mich umschaute, konnte ich eine ganze Reihe meiner ehemaligen Patienten sehen. Die Bewohner der Burg fielen allerdings durch Abwesenheit auf.

Es war John MacRae, der Dorfschulze von Cranesmuir, der die Anklageschrift gegen eine gewisse Geillis Duncan und eine gewisse Claire Fraser verlas, die beide vor dem Gericht der Kirche des Verbrechens der Hexerei angeklagt wurden.

»In der Form, dass die Angeklagten den Tod Arthur Duncans durch Hexerei herbeigeführt haben«, verkündete MacRae mit fester, ungerührter Stimme. »Und dass sie den Tod des ungeborenen Kindes der Janet Robinson herbeigeführt haben, dass sie das Boot des Thomas MacKenzie zum Sinken gebracht haben, dass sie eine verzehrende Krankheit der Eingeweide über das Dorf Cranesmuir gebracht haben …«

So ging es eine ganze Weile weiter. Colum war bei seinen Vorbereitungen gründlich vorgegangen.

Nach dem Verlesen der Anklage wurden die Zeugen aufgerufen. Die meisten waren Dorfbewohner, die ich nicht kannte; es waren keine meiner Patienten von der Burg darunter, eine Tatsache, für die ich dankbar war.

Zwar klangen die Zeugenaussagen oftmals einfach nur absurd, und andere Zeugen waren eindeutig für ihre Dienste bezahlt worden, doch manchmal haftete den Aussagen auch etwas Wahres an. Janet Robinson zum Beispiel, die von ihrem Vater vor das Gericht gezerrt wurde, bleich, zitternd und mit einem blauen Fleck auf der Wange, um zu bekennen, dass sie ein Kind von einem verheirateten Mann empfangen hatte und es mit Geillis Duncans Hilfe hatte abtreiben wollen.

»Sie hat mir einen Trank mitgegeben, den ich bei Mondaufgang zu mir nehmen und dazu dreimal einen Zauberspruch sagen sollte«, flüsterte das Mädchen, während sie den Blick angsterfüllt von Geillis zu ihrem Vater schweifen ließ, unsicher, wer wohl die größere Bedrohung darstellte. »Sie hat gesagt, dann würde meine Blutung kommen.«

»Und war das so?«, fragte Patachon neugierig.

»Anfangs nicht, Euer Ehren«, antwortete das Mädchen und nickte nervös. »Aber ich habe den Trank noch einmal zu mir genommen, als der Mond verschwand, und dann hat sie angefangen.«

»Angefangen?! Die Kleine wäre fast verblutet!«, mischte sich eine ältere Frau ein, die eindeutig die Mutter des Mädchens war. »Sie hat mir ja nur deshalb die Wahrheit erzählt, weil sie gedacht hat, sie muss sterben.« Mrs. Robinson hätte zwar eindeutig gerne noch mehr zu den schmutzigen Einzelheiten beigetragen, doch man brachte sie mühsam zum Schweigen, damit die nächsten Zeugen folgen konnten.

Es schien niemanden zu geben, der etwas Spezifisches über mich zu sagen hatte, abgesehen von dem vagen Vorwurf, dass ich etwas mit Arthur Duncans Tod zu tun haben musste, da ich dabei gewesen war und Hand an ihn gelegt hatte, ehe er starb. Allmählich glaubte ich, dass Geilie recht hatte; Colum hatte es nicht auf mich abgesehen. Und da dem so war, hielt ich es für möglich, dass ich mit heiler Haut davonkommen konnte. Zumindest dachte ich das, bis die Frau von den Hügeln erschien.

Als sie vortrat, eine dünne, gebückte Frau mit einem gelben Schultertuch, spürte ich, dass wir ernsthaft in Schwierigkeiten waren. Sie war nicht aus dem Dorf; ich hatte sie noch nie gesehen. Sie war barfuß, und ihre Füße waren mit dem Staub der Straße gefleckt, über die sie hierhergekommen war.

»Habt Ihr etwas gegen eine dieser Frauen vorzubringen?«, fragte der hochgewachsene, dünne Richter.

Die Frau hatte Angst; sie wagte es nicht, den Kopf zu heben und die Richter anzusehen. Doch sie nickte kurz, und die Menge verstummte, um sie zu hören.

Ihre Stimme war leise, und Pat musste sie bitten, sich zu wiederholen.

Sie und ihr Mann hatten ein krankes Kind gehabt, das zwar gesund zur Welt gekommen war, dann aber zu verkümmern begonnen hatte. Da sie zu dem Schluss gekommen waren, dass das Kind ein Wechselbalg war, hatten sie es auf den Elfenthron auf dem Hügel Croich Gorm gelegt. Sie hatten Wache gehalten, um ihr eigenes Kind wieder an sich zu nehmen, wenn die Elfen es zurückbrachten, und hatten gesehen, wie die beiden Frauen, die hier standen, zum Elfenthron gingen, das Kind aufhoben und Zaubersprüche darüber sprachen.

Die Frau rang ihre dünnen Hände unter ihrer Schürze.

»Wir haben den ganzen Abend Wache gehalten, werte Herren. Kurz nachdem es dunkel wurde, kam ein großer schwarzer Dämon lautlos aus dem Schatten, um sich über die Stelle zu beugen, an die wir das Kind gelegt hatten.«

Ein ehrfurchtsvolles Raunen ging durch die Menge, und ich spürte, wie sich meine Nackenhaare sträubten, obwohl ich ja wusste, dass der »große Dämon« Jamie gewesen war, der nachgesehen hatte, ob das Kind noch lebte. Ich holte tief Luft, denn ich wusste, was jetzt kam.

»Und bei Sonnenaufgang sind mein Mann und ich nachsehen gegangen. Und da haben wir das Wechselbalg tot auf dem Hügel gefunden und keine Spur von unserem eigenen kleinen Kind.« Bei diesen Worten verlor sie die Fassung und schlug sich die Schürze vor das Gesicht, damit man sie nicht weinen sah.

Als wäre die Mutter des Wechselbalgs eine Art Signal gewesen, teilte sich die Menge, und die Gestalt Peters, des Wagenknechts, kam zum Vorschein. Ich stöhnte innerlich auf, als ich ihn sah. Ich hatte gespürt, wie sich die Emotionen der Menge gegen mich wendeten, als die Frau sprach; alles, was ich jetzt noch brauchte, war, dass dieser Mann dem Gericht von dem Wasserpferd erzählte.

Der Wagenknecht genoss den Moment, in dem sich alle Augen auf ihn richteten. Er nahm Haltung an und zeigte theatralisch mit dem Finger auf mich.

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