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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Ich war so mit meiner wachsenden Angst beschäftigt, dass ich das Hufgetrappel zunächst gar nicht hörte. Erst als das Murmeln und die Blicke der Menge meine Aufmerksamkeit erregten, hörte ich das rhythmische Klappern auf dem Pflaster der High Street.

Das überraschte Raunen wurde lauter, und die Menge begann, sich vom Rand her zu teilen, um den Reiter durchzulassen, den ich nach wie vor nicht sehen konnte. So verzweifelt ich gerade noch gewesen war, jetzt regte sich doch ein winziger Funke unlogischer Hoffnung in mir. Was, wenn Jamie verfrüht zurückgekehrt war? Womöglich hatte er die Avancen des Herzogs nicht mehr ertragen, oder das Wild war zu spärlich gewesen? Was auch immer sein mochte, ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um das Gesicht des nahenden Reiters erkennen zu können.

Die Reihen der Zuschauer wichen widerstrebend zurück, als das Pferd, ein kräftiger Brauner, die Nase zwischen zwei Schulterpaare steckte. Vor den erstaunten Augen der Anwesenden – mich eingeschlossen – stieg Ned Gowans Strichmännchenfigur behende aus dem Sattel.

Auch Patachon betrachtete die schmale, adrette Gestalt vor seinen Augen verblüfft.

»Und Ihr seid, Sir?« Sein zurückhaltend höflicher Ton rührte vermutlich daher, dass der Besucher Schuhe mit Silberschnallen und einen Samtrock trug – es zahlte sich eben aus, für das Oberhaupt des MacKenzie-Clans zu arbeiten.

»Mein Name ist Edward Gowan, Sir«, sagte er präzise. »Anwalt.«

Pat ließ seine Schultern kreisen; sein Hocker hatte keine Lehne, und sein langer Oberkörper begann das zweifellos allmählich zu spüren. Ich starrte ihn festen Blickes an und wünschte ihm einen Bandscheibenvorfall. Wenn man mich schon auf den Scheiterhaufen bringen wollte, weil ich den bösen Blick hatte, sollte es sich wenigstens lohnen.

»Anwalt?«, brummte er. »Und was führt Euch hierher?«

Ned Gowans graue Perücke neigte sich zu einer äußerst gekonnten formellen Verbeugung.

»Ich bin hier, um Mrs. Fraser durch meine bescheidenen Dienste zu unterstützen, werte Herren«, erklärte er, »eine äußerst großherzige Dame, die ich persönlich als ebenso gütig und segensreich erlebt habe, großzügig und kundig bei der Anwendung der Heilkunst.«

Nicht schlecht, dachte ich beifällig. Eins zu null für uns. Ich konnte sehen, wie sich Geilies Mund zu einem halb bewundernden, halb verächtlichen Lächeln verzog. Ned Gowan war zwar nicht das, was man sich unter einem Märchenprinzen vorstellte, doch ich hatte nicht vor, ausgerechnet jetzt wählerisch zu sein. Mir war jeder Ritter recht.

Mit einer Verneigung vor den Richtern und einer weiteren, nicht minder formellen Verbeugung in meine Richtung richtete sich Ned Gowan noch gerader auf als sonst, steckte beide Daumen in seinen Hosenbund und machte sich mit der ganzen Romantik seines alternden, tapferen Herzens bereit für den Kampf – ausgefochten mit der vom Gesetz bevorzugten Waffe der quälenden Langeweile.

Und er war wirklich langweilig. Mit der tödlichen Präzision eines automatischen Fleischwolfs legte er jeden einzelnen Anklagepunkt auf das Hackbrett seines prüfenden Blicks und zerschredderte ihn gnadenlos mit dem Messer des Gesetzbuchs und dem Hackbeil des Präzedenzfalls.

Es war ein nobler Auftritt. Er redete. Und er redete. Und er redete weiter. Gelegentlich hielt er respektvoll inne, scheinbar um auf Instruktionen von der Bank zu warten, in Wahrheit jedoch nur, um Luft zu holen für seinen nächsten Wortschwall.

Da mein Leben auf dem Spiel stand und meine gesamte Zukunft von der Eloquenz dieses dürren Männleins abhing, hätte ich ihm eigentlich jedes Wort von den Lippen ablesen müssen. Stattdessen ertappte ich mich schmählich beim Gähnen, ohne mir die Hand vor den Mund halten zu können, und ich trat von einem schmerzenden Fuß auf den anderen, während ich mir wünschte, sie würden mich sofort verbrennen und dieser Folter ein Ende setzen.

Den Zuschauern schien es nicht viel anders zu gehen; die Erregung des Morgens ging zunehmend in Langeweile über, und Mr. Gowans leise, gepflegte Stimme redete und redete und redete. Die ersten Leute verdrückten sich, weil ihnen plötzlich einfiel, dass sie Kühe hatten, die gemolken werden mussten, und Fußböden, die gewischt werden mussten. Sie konnten ja in der Gewissheit ruhen, dass unmöglich etwas Interessantes passieren würde, solange diese tödliche Stimme ihr Geleier fortsetzte.

Bis Ned Gowan schließlich die Grundzüge seiner Verteidigung dargelegt hatte, wurde es Abend, und der untersetzte Richter, den ich Patachon getauft hatte, verkündete, dass das Gericht am Morgen erneut zusammentreffen würde.

Nach einer kurzen, leisen Konferenz zwischen Ned Gowan, Patachon und John MacRae wurde ich zum Gasthaus geführt, flankiert von zwei kräftigen Dorfbewohnern. Ich warf noch einen Blick zurück und sah, dass man Geilie in die andere Richtung führte. Sie ging kerzengerade, ließ sich nicht hetzen und reagierte in keiner Weise auf ihre Umgebung.

Im dunklen Hinterzimmer des Gasthauses nahm man mir schließlich die Fesseln ab und brachte mir eine Kerze. Dann kam Ned Gowan herein.

»Ich habe nur ein paar Minuten mit Euch, meine Liebe, und musste hart darum kämpfen, also hört mir gut zu.« Der kleine Mann beugte sich zu mir hinüber, verschwörerisch im flackernden Kerzenschein. Seine Augen leuchteten, und bis auf die Tatsache, dass seine Perücke leicht verrutscht war, legte er keinerlei Anzeichen der Erschöpfung an den Tag.

»Mr. Gowan, ich bin so froh, Euch zu sehen«, sagte ich aufrichtig.

»Jaja, meine Liebe, aber dafür ist jetzt keine Zeit.« Er tätschelte mir freundlich, jedoch flüchtig die Hand.

»Es ist mir gelungen, sie dazu zu bewegen, Euren Fall getrennt von Mrs. Duncan zu behandeln, und das ist möglicherweise hilfreich. Anscheinend war es ursprünglich gar nicht beabsichtigt, Euch festzunehmen, und es geschah nur aufgrund Eurer Verbindung mit der H… – mit Mrs. Duncan. Dennoch«, fuhr er eilig fort, »befindet Ihr Euch in Gefahr, das will ich Euch nicht verhehlen. Die öffentliche Meinung im Dorf ist Euch gegenwärtig nicht wohlgesinnt. Was war nur in Euch gefahren«, wollte er unerwartet hitzig wissen, »Hand an dieses Kind zu legen?«

Ich öffnete den Mund, um zu antworten, doch er winkte ungeduldig ab.

»Ah, nun ja, das spielt jetzt keine Rolle mehr. Was wir tun müssen, ist, die Tatsache auszureizen, dass Ihr Engländerin seid – nicht weil Ihr eine Fremde seid, sondern weil Ihr Euch hier nicht auskennt – , und die Sache so weit wie möglich in die Länge zu ziehen. Die Zeit ist auf unserer Seite, denn die schlimmsten dieser Prozesse finden in einem Klima der Hysterie statt, in dem es geschehen kann, dass solide Beweise verworfen werden, um den Blutdurst zu stillen.«

Blutdurst. Das traf es gut, jenes Gefühl, das ich in den Gesichtern der Menge gespürt hatte. Hier und dort sah ich zwar eine Spur von Zweifel oder Mitgefühl, doch man brauchte außergewöhnlichen Mut, um sich gegen eine solche Menge zu stellen, und in Cranesmuir herrschte großer Mangel an solchen Charakteren. Oder nein, verbesserte ich mich. Einen gab es – diesen kleinen, trockenen Anwalt aus Edinburgh, der so zäh war wie der alte Stiefel, dem er so frappierend ähnelte.

»Je länger wir brauchen«, fuhr Mr. Gowan sachlich fort, »desto wahrscheinlicher werden überhastete Handlungen. Daher«, sagte er, die Hände auf den Knien, »wird es morgen Eure Aufgabe sein, zu schweigen. Ich werde das Reden übernehmen, und ich bete, dass es Erfolg haben wird.«

»Das klingt vernünftig«, sagte ich und versuchte schwach zu lächeln. Ich blickte zur Tür, denn vorn im Gasthaus erhoben sich Stimmen. Mr. Gowan sah meinen Blick und nickte.

»Aye, ich muss jeden Moment gehen. Ich habe dafür gesorgt, dass Ihr die Nacht hier verbringt.« Er sah sich skeptisch um. Das Zimmer war ein kleiner Schuppen an der Rückseite des Gasthauses, der zum Großteil als Lagerraum diente. Es war kalt und dunkel, doch es war trotzdem unvergleichlich viel besser als das Diebesloch.

Die Tür des Schuppens öffnete sich und rahmte den Umriss des Gastwirts ein, der hinter einer flackernden Kerzenflamme in das Zwielicht blinzelte. Mr. Gowan erhob sich zum Gehen, doch ich packte ihn beim Ärmel. Es gab etwas, das ich wissen musste.

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