Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich nehme es an. Wo soll es sonst hergekommen sein?«
Eigentlich nahmen Jamie und das Kind meine Aufmerksamkeit ganz in Anspruch – es hatte begonnen, sich mit kleinen, an einen Krebs erinnernden Bewegungen an meinem Bauch zu bewegen –, aber ich warf einen kurzen Blick auf unser improvisiertes Lager. Die Kiefern standen schwarz und schweigend unter dem flüsternden Schnee; wenn Fanny Beardsley in den Wald gegangen war, war auf der dicken Nadelschicht keine Spur von ihr zurück geblieben.
Schneekristalle bestäubten die Baumstämme, doch es war nicht genug Schnee auf den Boden gefallen, um dort liegen zu bleiben; keine Chance, dass wir einen Fußabdruck finden würden.
»Sie kann noch nicht weit gekommen sein«, sagte ich und reckte mich, um über Jamies Schulter hinwegzuspähen. »Sie hat keines der Pferde genommen.« Gideon und Mrs. Piggy standen dicht beieinander unter einer Fichte, die Ohren vor Verdruss über das Wetter angelegt, und ihr Atem hing in Dampfwolken um sie herum. Als er sah, dass wir wach waren und uns bewegten, stampfte Gideon wiehernd auf und zeigte uns seine großen, gelben Zähne, um ungeduldig Futter zu fordern.
»Aye, du alter Klepper, ich komme ja schon.« Jamie ließ die Arme sinken und trat zurück. Er rieb sich mit den Fingerknöcheln unter der Nase.
»Sie konnte ja auch kein Pferd nehmen, wenn sie unbemerkt fort wollte. Wenn sie es getan hätte, hätte sich das andere aufgeregt und mich geweckt.« Er legte sanft eine Hand auf die Rundung unter meinem Schultertuch. »Ich muss sie füttern. Geht es ihm gut, Sassenach?«
»Es taut langsam auf«, versicherte ich ihm. »Aber es bekommt auch Hunger.« Das Baby bewegte sich allmählich heftiger und wand sich wie ein unterkühlter Wurm, während sein Mund blind suchte. Die Vertrautheit des Gefühls war schockierend; meine Brustwarze versteifte sich automatisch, und meine Brust kitzelte wie elektrisch geladen, als der winzige Mund wühlend die Brustwarze suchte, fand und sich festsaugte.
Ich quietschte überrascht auf, und Jamie zog eine Augenbraue hoch.
»Es … äh … hat wirklich Hunger«, sagte ich und rückte meine kleine Bürde zurecht.
»Das sehe ich, Sassenach«, sagte er ein wenig trocken. Er warf einen Blick auf die Ziegen, die sich immer noch gemütlich an ihrer geschützten Stelle unter der Lehmbank aneinander drängten, jedoch allmählich lebendig wurden und sich mit schläfrigen Grunzlauten regten. »Es ist nicht der Einzige, der Hunger hat. Eine Sekunde, aye?«
Wir hatten große Futtersäcke mit Heu von der Farm der Beardsleys mitgebracht; er öffnete einen davon und streute den Pferden und Ziegen Futter hin, dann kehrte er zu mir zurück. Er bückte sich, um einen der Umhänge aus dem feuchten Bettzeughaufen zu lösen und legte ihn um meine Schultern, dann suchte er im Gepäck nach einem Holzbecher, mit dem er sich zielstrebig den fressenden Ziegen näherte.
Das Baby saugte kräftig und hatte meine Brustwarze tief in seinen Mund gezogen. Ich fand das beruhigend, was seine Gesundheit betraf, aber das Gefühl machte mich äußerst nervös.
»Eigentlich macht es mir ja gar nichts aus«, sagte ich zu dem Kind, um uns beide abzulenken. »Aber ich bin nun einmal leider nicht deine Mutter. Tut mir leid.«
Wo zum Teufel steckte seine Mutter nur? Ich drehte mich langsam im Kreis und suchte die Landschaft noch einmal sorgfältiger ab, konnte jedoch keine Spur von Fanny Beardsley entdecken, geschweige denn einen Grund für ihr Verschwinden – oder ihr Schweigen.
Was in aller Welt konnte nur geschehen sein? Es war gut möglich – und offensichtlich war es ja auch so gewesen –, dass Mrs. Beardsley unter diesem Berg aus Fett und Kleidern eine fortgeschrittene Schwangerschaft verborgen hatte – aber warum sollte sie das getan haben?
»Ich frage mich, warum sie uns nichts davon gesagt hat«, murmelte ich dem Scheitel des Babys zu. Es wurde jetzt unruhig, und ich wiegte es, um es zu beruhigen. Nun, vielleicht hatte sie Angst gehabt, dass Jamie sie nicht mitnehmen würde, wenn er wusste, dass sie so hochschwanger war. Ich konnte ihr nicht verübeln, dass sie nicht in diesem Farmhaus bleiben wollte, ganz gleich, unter welchen Umständen.
Aber dennoch, warum hatte sie jetzt das Kind im Stich gelassen? Hatte sie es im Stich gelassen? Ich dachte einen Augenblick über die Möglichkeit nach, dass irgendjemand – oder irgendetwas – bei dem Gedanken an Panther lief mir ein Schauer über den Rücken – gekommen war und die Frau vom Feuer entführt hatte, aber mein gesunder Menschenverstand tat diesen Gedanken als unsinnig ab.
Es war zwar vorstellbar, dass eine Raubkatze oder ein Bär das Lager betreten hatte, ohne Jamie oder mich zu wecken – erschöpft, wie wir waren –, aber es war unmöglich, dass ein solches Tier in unsere Nähe kam, ohne die Ziegen und Pferde, die von wilden Tieren mehr als genug hatten, in helle Aufregung zu versetzen. Und jedes Raubtier auf Beutesuche würde einen zarten Happen wie dieses Kind einem zähen Bissen wie Mrs. Beardsley mit Sicherheit vorziehen.
Aber wenn Fanny Beardsley durch menschliches Zutun verschwunden war – warum hatten sie das Kind zurückgelassen?
Oder andersherum: Warum hatten sie es zurückgebracht?
Ich holte heftig durch die Nase Luft, um sie frei zu bekommen, dann wandte ich den Kopf und atmete dabei ein und aus, um die Luft aus den verschiedenen Richtungen zu testen. Eine Geburt hinterlässt Körperflüssigkeiten, und die kräftigen Gerüche dieser Flüssigkeiten waren mir gut vertraut. Das Kind in meinen Armen roch stark danach, aber ich konnte keine Spur von Blut oder Fruchtwasser im eisigen Wind ausmachen. Ziegendung und Pferdemist, geschnittenes Heu, den bitteren Geruch der Holzasche und einen kräftigen Hauch von Kampferschmalz aus Jamies Kleidern – aber sonst nichts.
»Na gut«, sagte ich laut und schaukelte dabei sanft meine Bürde, die zunehmend unruhig wurde. »Sie hat sich vom Feuer entfernt, um dich zu gebären. Entweder ist sie allein gegangen, oder es hat sie jemand dazu gebracht. Aber wenn jemand sie mitgenommen hat und gesehen hat, dass sie im Begriff war, ein Kind zu bekommen, warum hat er sich die Mühe gemacht, dich zurückzubringen? Er hätte dich doch mit Sicherheit entweder behalten, dich umgebracht oder dich zum Sterben liegen gelassen. Oh – tut mir leid. Ich wollte dir keine Angst machen. Schh, Schätzchen. Schh, schh.«
Das Baby, das jetzt aus seiner Benommenheit erwachte, hatte reichlich Zeit gehabt, darüber nachzudenken, woran es in seiner Welt sonst noch mangelte. Es hatte frustriert von meiner Brust abgelassen, und als Jamie jetzt mit einem dampfenden Becher Ziegenmilch und einem einigermaßen sauberen Taschentuch zurück kam, wand es sich jammernd mit einer Kraft, die ermutigend war. Jamie verdrehte das Taschentuch zu einer improvisierten Zitze, die er in die Milch tauchte. Dann steckte er den tropfenden Stoff vorsichtig in das offene Mäulchen. Das Jammern hörte abrupt auf, und wir seufzten beide erleichtert auf, als der Lärm endete.
»Ah, so ist’s besser, nicht wahr? Seas, a bailach, seas«, murmelte Jamie dem Kind zu, während er frische Milch schöpfte. Ich blickte auf das winzige Gesicht hinunter, das immer noch bleich und wachsig von der Käseschmiere war, aber nicht länger kalkig aussah. Es saugte tief konzentriert.
»Wie konnte sie es nur allein lassen?«, fragte ich mich laut. »Und warum?«
Das war das beste Argument für eine Entführung; was sonst konnte eine frisch gebackene Mutter dazu bewegen, ihr Kind im Stich zu lassen? Ganz zu schweigen davon, sich direkt nach einer Geburt zu Fuß in einen dunklen Wald aufzumachen, schweren Schrittes und wund, zerrissen und blutend … Ich verzog das Gesicht bei diesem Gedanken, und mein Bauch krampfte sich mitfühlend zusammen.
Jamie schüttelte den Kopf, den Blick unverwandt auf seine Aufgabe gerichtet.
»Sie hat einen Grund gehabt, aber den kennt nur der Himmel. Aber sie hat das Kind nicht gehasst – sie hätte es im Wald liegen lassen können, und wir hätten nie davon erfahren.«