Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich wiederhole diese Geschichte sowohl, um dich mit Bonnets letztem bekanntem Aufenthaltsort vertraut zu machen, als auch als Warnung vor seinem Naturell und dem, wozu er in der Lage ist. Ich weiß, dass dir Ersteres bereits gut vertraut ist, doch ich möchte dein Augenmerk auch auf Letzteres richten, da mir an deinem Wohlergehen liegt. Nicht, dass ich glauben würde, dass auch nur ein Wort meines gut gemeinten Rates bei dir auf fruchtbaren Boden fallen wird, da du eine solche Abneigung gegen den Mann hegst, aber ich flehe dich an, zumindest zur Kenntnis zu nehmen, was Liston über die Kreise berichtet, in denen Bonnet verkehrt.
Zum Zeitpunkt meiner eigenen Begegnung mit dem Mann war er ein abgeurteilter Krimineller, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er der Krone inzwischen einen Dienst erwiesen hat, der ihm eine offizielle Begnadigung eingebracht hätte. Wenn er sich jedoch in Charleston so öffentlich zu zeigen wagt – wo er noch vor wenigen Jahren der Schlinge des Henkers entkommen ist –, dann hat es wohl den Anschein, dass er nicht besonders um seine Sicherheit fürchtet – und das kann nur bedeuten, dass er die Protektion mächtiger Freunde und Gönner genießt. Wenn du Bonnet vernichten willst, musst du herausfinden, wer sie sind, und dich vor ihnen hüten.
Ich werde meine Nachforschungen in dieser Angelegenheit fortsetzen und dich von eventuellen Neuigkeiten sofort in Kenntnis setzen. In der Zwischenzeit bleib gesund und denk dann und wann an deinen durchnässten und bibbernden Bekannten in Virginia. Mit den besten Wünschen für deine Frau, deine Tochter und Familie verbleibe ich, Sir,
dein ergebener Diener,
John William Grey, Esq.
Mount Josiah Plantage
Virginia
Postscriptum: Auf deine Bitte hin habe ich mich nach einem Astrolabium umgeschaut, jedoch bis jetzt nichts ausfindig machen können, was deinen Zwecken dienlich wäre. Ich lasse mir jedoch in diesem Monat diverse Ausrüstungsgegenstände aus London kommen, und es wird mir eine Freude sein, dir bei Halliburton’s auf der Green Street eines zu bestellen, ihre Instrumente sind von höchster Qualität.
Brianna ließ sich ganz langsam auf dem Stuhl zurück sinken. Sanft, aber bestimmt legte sie ihrem Sohn die Hände über die Ohren und sagte ein sehr schlimmes Wort.
Kapitel 31
Sturmwaise
Mit dem Rücken an die Lehmbank gelehnt, schlief ich ein, Jamies Kopf auf meinem Schoß. Ich träumte heftig und verworren, wie es oft vorkommt, wenn man unbequem schläft und dabei friert. Ich träumte von Bäumen; endlose, monotone Wälder voller Bäume, jeder Baumstamm und jede Nadel wie ein Scherenschnitt in die Innenseite meiner Augenlider geritzt, kristallscharf und einander gleich. Gelbe Ziegenaugen schwebten zwischen den Baumstämmen in der Luft, und der Wald in meinem Kopf hallte von den Schreien von Pantherweibchen und dem Weinen mutterloser Kinder wider.
Ich erwachte plötzlich, das Echo des Weinens noch in den Ohren. Ich lag in einem Durcheinander aus Umhängen und Decken; Jamies Gliedmaßen waren fest mit den meinen verschlungen, und zwischen den Fichten fiel feiner, kalter Schnee zu Boden.
Eiskügelchen verkrusteten meine Augenbrauen und Wimpern, und mein Gesicht war kalt und nass vom geschmolzenen Schnee. Im ersten Moment orientierungslos, streckte ich automatisch die Hand nach Jamie aus; er regte sich und hustete verschleimt, und seine Schulter bebte unter meiner Hand. Das Geräusch brachte mir die Ereignisse des vorigen Tages wieder zu Bewusstsein – Josiah und seinen Zwillingsbruder, die Farm der Beardsleys, Fannys Geister; den Gestank von Leiden und Wundbrand und den reineren Geruch von Schießpulver und feuchter Erde. Das Blöken der Ziege hallte aus meinen Träumen nach.
Ein dünnes Jammern hallte durch den flüsternden Schnee. Ich setzte mich abrupt auf und schlug die Decken zurück, wobei ich eisigen Puder versprühte. Keine Ziege. Ganz und gar nicht.
Jamie erwachte ebenfalls schlagartig, fuhr zusammen und rollte sich instinktiv von dem Durcheinander aus Umhängen und Decken fort. Er landete in der Hocke, das Haar wild zerzaust, und seine Augen suchten fieberhaft nach der Bedrohung.
»Was?«, flüsterte er heiser. Er griff nach seinem Messer, das neben ihm in der Scheide auf dem Boden lag, doch ich hob die Hand, um ihm Einhalt zu gebieten.
»Ich weiß es nicht. Ein Geräusch. Still!«
Er hob den Kopf und lauschte, und ich sah, dass seine Kehle sich beim Schlucken nur unter Schmerzen bewegte. Ich konnte nichts hören außer dem Rieseln des Schnees, und ich sah nur triefende Äste. Doch Jamie hörte etwas – oder er sah es; sein Gesichtsausdruck veränderte sich plötzlich.
»Da«, sagte er leise und wies kopfnickend hinter mich. Ich drehte mich auf allen vieren um und entdeckte etwas, das wie ein kleines Lumpenbündel aussah. Es lag drei Meter von mir entfernt am Rand der Asche des ausgebrannten Feuers. Das Jammern ertönte erneut, und diesmal war keine Verwechslung möglich.
»Ach du lieber Himmel.« Ich war mir kaum bewusst, etwas gesagt zu haben, als ich auch schon auf das Bündel zukrabbelte. Ich hob es auf und begann, mich durch die Schichten der Wickeltücher vorzutasten. Es lebte eindeutig – ich hatte es weinen gehört –, und doch lag es reglos und nahezu gewichtslos in meiner Armbeuge.
Das winzige Gesicht und der haarlose Schädel waren blauweiß, die Gesichtszüge verschlossen und verdorrt wie die Hülle einer Winterfrucht. Ich hielt meine Handfläche über Nase und Mund und spürte eine schwache, feuchte Wärme an meiner Haut. Erschrocken über meine Berührung, öffnete sich der Mund zu einem Jammerlaut, und die Schlitzaugen pressten sich fester zu, um die bedrohliche Welt auszusperren.
»Herrgott im Himmel.« Jamie bekreuzigte sich rasch. Seine Stimme war kaum mehr als ein schleimerfülltes Kratzen; er räusperte sich und versuchte es erneut, während er sich umsah. »Wo ist die Frau?«
Ich war so erschrocken über das Auftauchen des Kindes, dass ich gar nicht weiter über seinen Ursprung nachgedacht hatte, und jetzt war auch nicht die Zeit dazu. Das Baby zuckte schwach in seinen Wickeltüchern, aber seine winzigen Hände waren eiskalt, seine Haut vor Kälte blau und violett gefleckt.
»Das ist jetzt nicht so wichtig – hol mir mein Schultertuch, ja, Jamie? Das arme Ding ist fast erfroren.« Ich kämpfte einhändig mit den Schnüren meines Mieders; es war ein altes Stück, das vorn zu öffnen war und das ich unterwegs trug, weil es sich leichter anziehen ließ. Ich öffnete mein Korsett und den Verschluss meiner Chemise, dann presste ich die kleine, eisige Kreatur an meine nackten Brüste, deren Haut vom Schlaf noch warm war.
Ein Windstoß wehte mir beißenden Schnee über die bloße Haut an Hals und Schultern. Ich zog hastig das Hemd über das Kind und beugte mich zitternd vor. Jamie warf mir das Schultertuch um die Schultern, dann schlang er die Arme um uns beide und drückte uns fest, als wollte er die Hitze seines Körpers mit aller Gewalt auf das Kind übertragen.
Diese Hitze war beträchtlich; er glühte vor Fieber.
»Mein Gott, geht es dir gut?« Ich blickte verstohlen zu ihm auf; er war weißgesichtig und rotäugig, aber fest auf den Beinen.
»Aye, bestens. Wo ist sie?«, fragte er erneut mit heiserer Stimme. »Die Frau.«
Offensichtlich über alle Berge. Die Ziegen drängten sich im Schutz der Lehmbank fest aneinander; ich sah Hirams Hörner zwischen den gescheckten Rücken der Ziegenweibchen auf und ab wackeln. Ein halbes Dutzend gelber Augenpaare beobachtete uns interessiert und rief mir meine Träume wieder ins Gedächtnis.
Die Stelle, wo Mrs. Beardsley gelegen hatte, war leer, nur das niedergedrückte Gras zeugte davon, dass sie tatsächlich dagewesen war. Sie musste sich für die Geburt ein Stück weit entfernt haben; am Feuer war keine Spur davon zu sehen.
»Es ist doch von ihr?«, fragte Jamie. Ich konnte immer noch den Schleim in seiner Stimme hören, aber zu meiner Erleichterung hatte das leise Keuchen in seiner Brust nachgelassen.