Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Herr von Villefort suchte zu lächeln und erwiderte: Nein, mein Herr Graf, es ist hier kein anderes Opfer, als ich selbst. Ichbin es, der den Prozeß verliert; der Zufall, die Halsstarrigkeit, die Narrheit haben die Anklageschrift abgefaßt.
Was wollen Sie damit sagen? fragte Monte Christo mit einer vortrefflich gespielten Teilnahme. Ist Ihnen in der Tat ein ernstes Unglück widerfahren?
Oh! Herr Graf, versetzte Villefort mit ingrimmiger Ruhe, es ist nicht der Mühe wert, davon zu sprechen; es ist so gut wie nichts, nur ein Geldverlust.
In der Tat, erwiderte Monte Christo, ein Geldverlust ist etwas Geringesbei einem Vermögen, wie Sie esbesitzen, undbei Ihrem philosophischen, erhabenen Geiste.
Auch ist es nicht die Geldfrage, was mich kümmert, obschon 900 000 Franken immerhin wohl einBedauern oder wenigstens eine Regung des Ärgers wert sind, sondern ich fühle mich getroffen durch die Fügung des Schicksals, des Zufalls, des Verhängnisses, ich weiß nicht, wie ich die Macht nennen soll, die den Schlag lenkt, der mich trifft, meine Hoffnungen niederstürzt und vielleicht die Zukunft meiner Tochter durch die Laune eines kindisch gewordenen Greises zerstört.
Ei, mein Gott! rief der Graf. 900 000 Franken, sagten Sie? In der Tat, diese Summe verdient wohl einBedauern, selbst für einen Philosophen. Und werbereitete Ihnen diesen Verdruß?
Mein Vater, von dem ich mit Ihnen sprach.
Herr Noirtier? Sie sagten mir doch, er sei völlig gelähmt, und alle seine Fähigkeiten seien vernichtet?
Ja, seine körperlichen Fähigkeiten, denn er kann sich nicht rühren, er kann nicht sprechen, undbei alledem denkt er, will er, handelt er, wie Sie sehen. Ich habe ihn vor fünf Minuten verlassen, und er ist in diesem Augenblick damitbeschäftigt, zwei Notaren ein Testament zu diktieren.
Er hat also doch gesprochen?
Nein, aber er hat sich mit Hilfe desBlickes verständlich gemacht; die Augen haben zu leben fortgefahren und töten, wie Sie sehen.
Mein Freund, sagte Frau von Villefort, welche nun ebenfalls eintrat, Sie übertreiben wohl die Lage der Dinge.
Gnädige Frau… sagte der Graf sich verbeugend.
Frau von Villefort grüßte mit ihrem freundlichsten Lächeln.
Was sagt mir denn Herr von Villefort? sagte Monte Christo; und welche unbegreifliche Ungnade…
Unbegreiflich, das ist das richtige Wort, versetzte der Staatsanwalt, die Achseln zuckend; die Laune eines Greises!
Gibt es denn kein Mittel, ihn von dieser Entscheidung abzubringen?
Doch, sagte Frau von Villefort, und es hängt nur von meinem Manne ab, daß dieses Testament statt zum Nachteil für Valentine, gerade zu ihren Gunsten gemacht wird.
Als der Graf sah, daß diebeiden Ehegatten in Rätseln zu sprechen anfingen, nahm er eine zerstreute Miene an und sah mit größter Aufmerksamkeit und der augenscheinlichstenBilligung Eduard zu, der Tinte in das Trinkgeschirr der Vögel goß.
Meine Teure, sagte Villefort, seiner Frau antwortend, Sie wissen, daß ich es nicht liebe, in meinem Hause als Tyrann aufzutreten. Es ist mir indessen daran gelegen, daß meine Entscheidungen in meiner Familie geachtet werden und die Narrheit eines Greises und die Laune eines Kindes nicht einen seit langen Jahren festgestellten Plan umwerfen. DerBaron d'Epinay war mein Freund, wie Sie wissen, und eine Verbindung mit seinem Sohne mußte mir in jederBeziehung entsprechend erscheinen.
Glauben Sie, Valentine sei mit ihm einverstanden? sagte Frau von Villefort; sie widersetzte sich in der Tat von jeher dieser Heirat, und es würde mich nicht wundern, wenn alles, was wir soeben gehört und gesehen haben, die Ausführung eines zwischen ihnen verabredeten Planes wäre.
Gnädige Frau, entgegnete Villefort, glauben Sie mir, man verzichtet nicht so leicht auf ein Vermögen.
Sie verzichtete doch auf die Welt, als sie vor einem Jahre in ein Kloster gehen wollte.
Gleichviel, rief Villefort, ich sage, daß diese Heirat geschlossen werden muß, gnädige Frau.
Gegen den Willen Ihres Vaters! sagte Frau von Villefort, eine andere Seite angreifend, das ist sehr ernst!
Monte Christo stellte sich, als hörte er nichts, verlor aber kein Wort von dem, was gesprochen wurde.
Ich kann wohl sagen, fuhr Villefort fort, daß ich stets meinen Vater geachtet habe, weil sich mit dem natürlichen Gefühle der Abkunftbei mir dasBewußtsein seiner moralischen Überlegenheit verband; doch diesmal muß ich darauf Verzicht leisten, verständige Überlegung in dem Greise anzuerkennen, der nur wegen seines Hasses gegen den Vater auf diese Art den Sohn verfolgt. Es wäre also lächerlich von mir, wenn ich mich in meinemBenehmen nach seinen Launen richtete. Ich werde nicht aufhören, die größte Achtung für Herrn Noirtier zu hegen; ich werde, ohne zu klagen, mich der Geldstrafe unterziehen, die er über mich verhängt; aber ichbleibe unerschütterlich in meinem Willen, und die Welt mag richten, auf welcher Seite die gesunde Vernunft ist. Ich verheirate folglich meine Tochter mit demBaron Franz d'Epinay, weil diese Verbindung meinen Ansichten nach gut und ehrenvoll ist, und ich meine Tochter verheiraten kann, mit wem es mirbeliebt.
Ei! sagte der Graf, dessenBilligung der Staatsanwaltbeständig mit demBlicke nachgesucht hatte; ei! Herr Noirtier enterbt, wie Sie sagen, Fräulein Valentine, weil sie den HerrnBaron Franz d'Epinay heiraten soll?
Mein Gott! ja, mein Herr; das ist der Grund, rief Villefort, die Achseln zuckend.
Läßt sich diesbegreifen? entgegnete die junge Frau, ich frage Sie, in welcher Hinsicht mißfällt Herr d'Epinay Herrn Noirtier mehr als ein anderer?
In der Tat, sagte der Graf. Ich habe Herrn Franz d'Epinay kennen gelernt; er ist doch der Sohn des Generals von Quesnel, der von König Karl X. zumBaron d'Epinay gemacht wurde?
Ganz richtig! erwiderte Villefort.
Ei! mir scheint, das ist ein reizender junger Mann.
Ichbin fest überzeugt, es ist auch nur ein Vorwand, sagte Frau von Villefort; die Greise sind Tyrannen in ihren Zuneigungen; Herr Noirtier will nicht, daß seine Enkelin heiratet.
Können Sie sich nicht diesen Haß irgendwie sonst erklären? Vielleicht stammt er von irgend einer politischen Antipathie?
In der Tat, mein Vater und der Vater des Herrn d'Epinay lebten in stürmischen Zeiten, von denen ich nur noch die letzten Tage gesehen habe, sprach Villefort.
War Ihr Vater nichtBonapartist? Ich glaube mich zu erinnern, daß Sie mir etwas dergleichen sagten.
Mein Vater war vor allem Jakobiner, erwiderte Villefort, durch die Aufregung über die Grenzen der Klugheit fortgerissen, und das Gewand des Senators, das ihm Napoleon um die Schultern warf, gabihm nur eine andere Hülle, ohne etwas an ihm zu ändern. Konspirierte mein Vater, so geschah es nicht für den Kaiser, sondern gegen dieBourbonen, denn mein Vater hatte das Furchtbare an sich, daß er nie für Hirngespinste, sondern stets für mögliche Dinge kämpfte, und daß er zur Durchsetzung seiner Ideen vor keinem Mittel zurückwich.
Sie sehen, sagte Monte Christo, Herr Noirtier und Herr d'Epinay werden sich auf politischemBoden entgegengetreten sein. Hatte der General d'Epinay, obgleich er unter Napoleon diente, nicht im Grunde seines Herzens eine royalistische Gesinnungbewahrt, und ist es nicht derselbe, der eines Abends, als er einen napoleonistischen Klubverließ, zu dem man ihn in der Hoffnung desBeitritts eingeladen hatte, ermordet wurde?
Villefort schaute den Grafenbeinahe mit Schrecken an.
Täusche ich mich? fragte Monte Christo.
Nein, mein Herr, antwortete Frau von Villefort, im Gegenteil, es ist genau so, und eben, um einen alten Haß zu ersticken, hatte Herr von Villefort den Gedanken, zwei Kinder sich lieben zu lassen, deren Väter sich gehaßt hatten.
Erhabener Gedanke! rief Monte Christo, ein Gedanke voll milder Menschenliebe, dem die ganze Welt ihrenBeifall zollen müßte. In der Tat, es wäre schön gewesen, Fräulein Noirtier von Villefort sich Frau Franz d'Epinay nennen zu sehen.