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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Valentine hatte also das seltsame Problem gelöst, die Gedanken des Greises zu verstehen und ihm ihre Gedanken verständlich zu machen; und infolgedessen kam es nur selten vor, daß siebei den gewöhnlichen Vorkommnissen des Lebens nicht genau das Verlangen dieser lebendigen Seele oder dasBedürfnis dieses halbunempfindlichen Körpers erraten hätte. Der DienerBarrois kannte alle Gewohnheiten seines Herrn, und Noirtierbrauchte nur ausnahmsweise etwas von ihm zu verlangen.

Villefortbedurfte keiner Unterstützung, um mit seinem Vater das seltsame Gespräch anzuknüpfen, das er mit ihm zu führen gedachte, denn auch er kannte, wie gesagt, vollkommen das Wörterbuch des Greises, und wenn er sich desselben nicht häufigerbediente, so geschah dies aus Überdruß oder Gleichgültigkeit. Er ließ also vorher Valentine in den Garten hinabgehen, entfernteBarrois, setzte sich rechts von seinem Vater, während Frau von Villefort ihren Platz zu seiner Linken nahm, undbegann: Mein Herr, wundern Sie sich nicht, daß Valentine nicht mit uns heraufgekommen ist, und daß ichBarrois entfernte, denn die Unterredung, die wir untereinander haben werden, kann nicht in Gegenwart eines jungen Mädchens oder eines Dieners stattfinden; Frau von Villefort und ich haben Ihnen eine Mitteilung zu machen.

Noirtiers Gesichtbliebunempfindlich, während Villeforts Augebis in die tiefste Seele des Greises dringen zu wollen schien.

Diese Mitteilung, fuhr der Staatsanwalt mit dem eisigen Tone fort, der nie einen Widerspruch zuzulassen schien, diese Mitteilung, Frau von Villefort und ich sind fest davon überzeugt, wird Sie erfreuen.

Das Auge des Greisesbliebteilnahmlos, er hörte nur.

Mein Herr, sagte Villefort, wir verheiraten Valentine.

Ein Gesicht von Wachs wärebei dieser Kunde nicht kälter geblieben, als das Gesicht des Greises.

Die Heirat wirdbinnen drei Monaten stattfinden, fügte Villefort hinzu.

Das Auge des Greisesbliebimmer gleich leblos.

Frau von Villefort nahm ebenfalls das Wort und sagte hastig:

Wir dachten, diese Mitteilung hätte Interesse für Sie, mein Herr; überdies schien Valentine sich stets Ihrer Zuneigung zu erfreuen; wir haben Ihnen also nur noch den Namen des für siebestimmten jungen Mannes zu sagen. Es ist eine von den ehrenvollsten Partien, auf die Valentine Anspruch machen kann. Der junge Mannbesitzt Vermögen, einen schönen Namen, und seinBenehmen und sein Geschmackbieten die vollkommene Gewähr, daß sie glücklich sein wird. Sein Name kann Ihnen nicht unbekannt sein: es handelt sich um Franz von Quesnel, Baron d'Epinay.

Während der kurzen Rede seiner Frau heftete Villefort einen noch aufmerksamerenBlick als zuvor auf den Greis. Sobald Frau von Villefort den Namen Franz aussprach, bebte Noirtiers Auge, das sein Sohn so gut kannte, und ließ einenBlitz hervorleuchten.

Der Staatsanwalt, der mit der früheren politischen Feindschaft, die zwischen seinem Vater und Franzens Vaterbestanden hatte, vertraut war, begriff diesen Feuerblick und diese Aufregung; doch er ließbeides scheinbar unbemerkt vorübergehen und nahm die Rede da wieder auf, wo seine Frau abgebrochen hatte.

Mein Herr, sagte er, Siebegreifen, es ist von Wichtigkeit, daß Valentine, die nunmehr ihrem neunzehnten Jahre nahe steht, ihre häusliche Versorgung findet. Nichtsdestoweniger haben wir Siebei unseren Konferenzen nicht vergessen, und wir haben uns zum voraus vergewissert, daß Valentines Gatte einwilligen würde, wenn nichtbei uns zu leben, was für ein junges Ehepaar vielleicht lästig wäre, wenigstens Sie, den Valentine ganzbesonders liebt, und der die gleiche Zuneigung für sie zubesitzen scheint, bei sich aufzunehmen. Dann würden Sie keine von Ihren Gewohnheiten aufzugebenbrauchen und statt eines zwei Kinder haben, die über Ihre alten Tage wachten.

Noirtiers Augenblitz wurde gleichsamblutig. Es ging offenbar etwas Furchtbares im Innern des Greises vor, sicherlich stieg ihm der Schrei des Schmerzes und der Wut in die Kehle und erstickte ihnbeinahe, da er nicht ausbrechen konnte, denn sein Gesicht wurde purpurrot, und seine Lippen erbleichten.

Villefort öffnete ruhig ein Fenster und sagte: Es ist sehr warm hier, die Wärmebekommt Herrn Noirtier schlecht.

Dann kam er zurück, jedoch ohne sich zu setzen.

Die erwähnte Heirat, fügte Frau von Villefort hinzu, ist Herrn d'Epinay und seiner Familie sehr angenehm; übrigensbesteht diese Familie nur aus einem Oheim und einer Tante. Seine Mutter starbin dem Augenblick, wo sie ihn zur Weltbrachte, und da sein Vater 1815, das heißt, als das Kind kaum zwei Jahre alt war, ermordet wurde, sobraucht er nur dem eigenen Willen zu folgen.

Ein geheimnisvoller Mord, dessen Urheber unbekannt geblieben sind, obgleich der Verdacht sich auf verschiedene lenkte, sagte Villefort.

Noirtier machte eine solche Anstrengung, daß seine Lippen sich wie zu einem Lächeln zusammenzogen.

Die wahren Schuldigen aber, fuhr Villefort fort, diejenigen, die da wissen, daß sie das Verbrechenbegangen haben; diejenigen, welche die Gerechtigkeit der Menschen während ihres Lebens und die Gerechtigkeit Gottes nach ihrem Tode treffen kann, sollten glücklich sein, wenn sie sich an unserem Platzebefänden und Herrn Franz d'Epinay eine Tochterbieten könnten, um auch den Schein des Verdachtes zu ersticken.

Noirtier hatte sich mit einer Gewaltberuhigt, die manbei dieser gebrochenen Organisation nicht hätte erwarten sollen.

Ja, ichbegreife, antwortete er Villefort mit einemBlicke, der zugleich tiefe Verachtung und sittlichen Zorn ausdrückte.

Villefort erwiderte diesenBlick, dessen Inhalt er gelesen hatte, mit einem leichten Achselzucken. Dannbedeutete er seiner Frau durch ein Zeichen, sie möge aufstehen.

Mein Herr, genehmigen Sie nun den Ausdruck meiner Achtung, sagte Frau von Villefort. Erlauben Sie, daß Eduard Ihnen seine Ehrfurchtbezeugt?

Verabredetermaßen drückte der Greis durch ein Schließen der Augen seineBilligung, seine Weigerung durch ein wiederholtesBlinzeln, und irgend einen Wunsch dadurch aus, daß er seine Augen zum Himmel aufschlug. Verlangte er nach Valentine, so schloß er nur das rechte Auge, verlangte er nachBarrois, so schloß er das linke Auge.

Auf Frau von Villeforts Frageblinzelte er heftig.

Als Frau von Villefort den Vorschlag mit einer offenbaren Weigerung aufgenommen sah, kniff sie die Lippen zusammen.

Ich werde Ihnen also Valentine schicken? sagte sie.

Ja, antwortete der Greis, rasch die Augen schließend.

Herr und Frau von Villefort grüßten und entfernten sich mit demBefehle, Valentine zu rufen, der indessen schon gesagt worden war, sie sollte sich im Verlaufe des Tagesbei Herrn Noirtier einfinden.

Kaum hatten sich die Eltern entfernt, so trat Valentine, noch ganz rosig vor Aufregung, bei dem Greise ein. EinBlick sagte ihr, wie sehr ihr Großvater litt, und wieviel er ihr zu sagen hatte.

Ah, guter Papa, rief sie, was ist denn geschehen? Nicht wahr, man hat dich geärgert, und dubist aufgebracht?

Ja, erwiderte er, die Augen schließend.

Gegen wen? Gegen meinen Vater? Nein. Gegen Frau von Villefort? Nein. Gegen mich?

Der Greis machte einbejahendes Zeichen.

Gegen mich! versetzte Valentine erstaunt.

Der Greis wiederholte das Zeichen.

Was habe ich dir denn getan, lieber, guter Papa? rief Valentine. — Keine Antwort; sie fuhr fort: Ich habe dich den ganzen Tag nicht gesehen, man hat dir irgend etwas über mich gesagt.

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