Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Cathar starrte den Ungeheuern mit scheinbarer Ruhe entgegen. Seine Kraft war noch lange nicht erschöpft, wie Torian schaudernd bewußt wurde. Der eigentliche Angriff begann gerade erst.
Wieder war es beinahe unmerklich; zuerst. Eine große, auf sonderbare Weise schwerfällige Bewegung lief durch die Wüste, ein mühsames Zucken wie von einem ungeheuerlichen Körper, der sich in Krämpfen wand. Sehr weit von dem Berg und der Totenarmee entfernt rutschte eine Düne zusammen, eine andere explodierte, wie von einer lautlosen Gewalt auseinandergerissen, dann ging ein sanftes, aber lang anhaltendes Beben durch die Wüste. Sand begann zu knirschen, und zwischen den Dünen bildete sich, wie ein gefrorener gezackter Blitz, ein Spalt, zuerst nur eine dünne, kaum wahrnehmbare Linie, die von nachstürzendem Sand fast rascher wieder gefüllt wurde, als sie entstehen konnte.
Aber eben nur fast.
Ganz allmählich wurde die Linie breiter, wuchs zu einem fingerbreiten Spalt, dann einem Riß, schließlich einer klaffenden, bodenlosen Wunde, welche die Wüste spaltete, unendlich tief bis hinein in ihr steinernes Herz. Und der Riß wuchs auch in der Länge. Sein Ende raste in einem irrsinnigen Zickzack auf den düsteren Berg am Horizont zu, zerfetzte Dünen, verschlang Sand und Staub und Erde und wurde immer schneller und schneller.
Gleichzeitig begann der Sturm. Binnen Sekunden wuchs der Wind zu einem heulenden Höllenchor heran, der Tonnen von Sand in die Höhe riß und die Luft über der Wüste erst braun, dann schwarz färbte. Wie ein Heer unsichtbarer apokalyptischer Reiter schloß sich der Sturmwind dem dahinrasenden Riß an, Sand und Felsbrocken wie tödliche Geschosse mit sich reißend. Es sah aus, als näherte sich eine schwarze, kochende Mauer dem schrecklichen Heerwurm. Und als sie auf ihn prallte, war es wie ein Weltuntergang. Selbst hier oben, fast zwei Meilen entfernt und im Schutz der schwarzen Felsen, konnte Torian die dumpfe Erschütterung spüren, mit welcher der Orkan die Angreifer traf.
Unten war es die Hölle. Das heranmarschierende Heer verschwand von einer Sekunde auf die andere in einer schwarzen, kochenden Masse, die barmherzig verbarg, was in ihrem Innern vor sich ging. Die Männer wurden in die Höhe gerissen wie Spielzeuge, die plötzlich kein Gewicht mehr hatten. Der Sturm packte sie, schleuderte sie durch- und übereinander und schmetterte sie – Dutzende, wenn nicht Hunderte von Metern entfernt – auf den Boden zurück. Der Sand, mit der Geschwindigkeit und Wucht dieses Höllensturmes herangetragen, zerfetzte ihre Gewänder, ließ Funken aus den metallenen Teilen ihrer Waffen und Rüstungen stieben und schmirgelte Fleisch von den Knochen. Dann, eine Sekunde später, war der Riß heran.
Der Boden erbebte ein zweites Mal, und plötzlich klaffte die Wüste auseinander. Eine gigantische, von düster-roter Glut erfüllte Wunde tat sich im Boden auf, verschluckte Sand und Felsen und hilflos rudernde Körper. Wie von einer unsichtbaren Macht angezogen, torkelten die Untoten in diesen Riß hinein und stürzten in die Tiefe, einer nach dem anderen, bis auf den letzten Mann. Dann schloß sich das riesige steinerne Maul wieder.
Von der Armee lebender Toter war nichts mehr geblieben, nichts bis auf ein paar Kleiderfetzen hier und da, Stücke von zerbrochenen Waffen, gebleichte Knochen, ein paar feuchte Flecke auf dem Fels…
Cathar taumelte einen Schritt zur Seite, nahm langsam die Arme herunter, öffnete die Augen und atmete hörbar ein.
Aber es war noch nicht vorbei. Die Wüste war wieder zu einem Stück scheinbar lebloser Erde geworden, der gewaltige Riß, den der Magier nur kraft seines Willens erzwungen hatte, war so spurlos verschwunden, wie er sich gebildet hatte – aber der Sturm tobte weiter. Er hatte sich ein Stück zurückgezogen, eine halbe Meile fort vom Berg und ihrer kleinen Gruppe, aber er war weiterhin da, wie ein gewaltiges, lauerndes Tier, das Beute geschlagen hatte, aber noch nicht zufrieden war. Hinter der schwarzen Wand blitzte und funkelte es ununterbrochen, und Torian spürte selbst über die große Entfernung hinweg einen Hauch glühendheißer Luft.
Mit einem keuchenden Laut fuhr er herum und starrte den Magier an. »Cathar!« schrie er entsetzt. »Was tust du?«
Aber der Magier schien seine Worte gar nicht zu hören. Er stand da, noch immer mit wie beschwörend erhobenen Armen und das Gesicht vor Anstrengung verzerrt, aber jetzt mit weit geöffneten Augen. Helle, irrsinnig klingende Töne kamen über seine Lippen. In seinen Augen loderte ein Feuer, das Torian mit vielleicht noch größerem Schrecken erfüllte als das, was er gerade gesehen hatte.
»Cathar!« schrie er noch einmal. »Hör auf! Es ist vorbei!«
Aber sein entsetzter Aufschrei ging im Heulen des Sturmes unter, der sich wie ein brüllendes Ungeheuer den Berg heraufzuwälzen begann und ihn wie ein Hammerschlag der Götter traf. Torian sah die schwarze Wand einer gewaltigen Woge gleich herankommen, aufgeschreckt von einem dumpfen, rasend schnell lauter werdenden Grollen und Dröhnen, wie der Hufschlag von hunderttausend höllischen Reitern, die ihnen entgegenrasten: eine schwarze Wand, glitzernd wie poliertes Eisen, die den Fuß des Berges verschlang, wuchs und wuchs und wuchs und plötzlich ein gutes Drittel des Himmels verdeckte, ehe sie brüllend und tobend über der kleinen Plattform zusammenschlug und die Welt in ein Chaos aus Lärm und Schreien und zusammenstürzenden Felsbrocken verwandelte.
Hätte der steinerne Wall nicht die erste Wucht des Sturmes aufgefangen, wären die Menschen ohne Chance geblieben, auch nur die ersten Sekunden zu überleben. Der Sturm packte die Felsen, riß sie in die Höhe und schmetterte sie wieder zu Boden, wenn er sie nicht vorher schon in der Luft zermalmt hatte. Die Welt vor Torian erlosch übergangslos, als der Sturm die Sonne verdunkelte, ehe ihn die unsichtbare Faust eines Riesen traf und von den Füßen holte und gegen Garth schleuderte. Ein unheimliches Blitzen und Funkeln war zu sehen, wo Sand, rasend schnell und scheuernd wie das Schmirgelpapier des Teufels, Felsen glatt schliff und Flammen aus den Waffen und Rüstungen der Menschen schlagen ließ. Ein ungeheures Dröhnen und Kreischen marterte die Ohren der drei Männer, und plötzlich war überall Feuer: ein kaltes, unheimliches Feuer, das über den Boden raste, knisternd an Garths und Shyleens Schwertern emporlief und in Torians Augen stach. Die Luft stank nach Ozon und brennendem Fleisch.
Torian schrie vor Schmerz und Angst. Verzweifelt kämpfte er sich in die Höhe, aber die Beine gaben unter seinem Körpergewicht nach; er fiel erneut, schlug schwer auf dem Steinboden auf und sah das Gesicht von Garth wie eine verzerrte Grimasse vor sich auftauchen. Dessen Mund formte Worte, die vom Brüllen des Sturmes verschluckt wurden, ehe sie Torians Ohr erreichen konnten. Aber er verstand auch so, was Garth wollte. Mit aller Kraft, die ihm geblieben war, stemmte er sich hoch, keuchend vor Schmerz und Anstrengung, und versuchte auf Knien und Ellbogen auf Cathar zuzurobben.
Es ging nicht.