Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Nein.« Torian schüttelte zornig den Kopf. »Wenn ich dich so ansehe, dann fällt es mir schwer, daran zu glauben. Mach ruhig so weiter, dann passiert nämlich wirklich etwas. Ich kann dich nur noch einmal warnen, dich nicht mit Cathar anzulegen. Ich fürchte, daß er jetzt nicht viel Spaß versteht. Spar dir deine Kräfte lieber zum Klettern auf. Ich würde die Schattenburg ungern ohne dich erreichen.«
Es war beinahe zu leicht.
Torian war der erste, der über die zertrümmerten Überreste der Burgmauer kletterte, jeden Nerv bis zum Zerreißen angespannt. Aber seine Vorsicht erwies sich als überflüssig. Hier oben lebte nichts mehr, wenn es hier überhaupt jemals so etwas wie Leben gegeben hatte.
Eine Laune des Schicksals hatte die eiserne Toreinfassung stehen lassen; während die schwarzen Basaltmauern zu beiden Seiten niedergebrochen und die Torflügel selbst – fünfmal so groß wie ein Mann und jeder einzelne sicherlich mehrere Tonnen wiegend – aus ihren Angeln gerissen und davongeschleudert worden waren, Dutzende von Metern weit, und wie Stücke aus verbogenem dünnem Kupferblech zwischen den Trümmern liegengeblieben waren.
Obgleich viele Stunden vergangen waren – sie hatten für das restliche Wegstück beinahe den ganzen Tag gebraucht, da der Weg durch den Sturm fast vernichtet und unter Tonnen von Sand und Staub begraben worden war –, seit die Festung in dem ungeheuerlichen Ausbruch magischer Energien ihren Untergang gefunden hatte, war die Luft noch immer voller Staub, der nur langsam herabsank, um sich wie ein körniges graues Leichentuch über die zerborstenen Mauern und Türme zu legen.
Es war ein Leichentuch, dachte Torian düster. Wer immer hier gewesen war, als sich die ungeheuerlichen Kräfte Cathars in einem schwarzen Blitz gestaltgewordenen Hasses entluden – und er konnte immer noch nicht glauben, daß die Burg nur leer und nutzlos herumgestanden hatte –, mußte tot sein; vernichtet von den brodelnden Energien des Schwarzen Magiers oder erschlagen von den Trümmern der zusammenbrechenden Wände und Türme. Es fiel ihm schwer, dieses Bild aus Chaos und Verwüstung mit der dräuenden schwarzen Zackenkrone zu assoziieren, als die sich das Kastell noch bei Tagesanbruch auf dem Berggipfel erhoben hatte. Diese Burg war alt gewesen, unglaublich alt, wie alles in diesem Land. Sie hatte schon hier gestanden, bevor es Menschen auf diesem Kontinent gab, möglicherweise auf der ganzen Welt. Weder die Jahrtausende noch die zahllosen Feinde, die wie das gigantische Heer von Toten am Fuß des Berges in ihrem Verlauf vor den Toren des Kastells erschienen waren, hatten ihr etwas anhaben können.
Cathar hatte sie vernichtet; in weniger als einer einzigen Minute.
Torian verscheuchte den Gedanken, stieg vorsichtig über ein zermalmtes Etwas hinweg, das aus Metall bestand, dessen ursprüngliches Aussehen er aber nicht einmal mehr zu erraten in der Lage war, und wartete, bis die ihm folgenden Leute ihrer Gruppe zu beiden Seiten ausgeschwärmt waren, um ihren weiteren Weg zu sichern. Sein Verstand sagte ihm, daß keines der Wesen, die diese Burg besetzt hatten, noch am Leben war. Aber auf der Straße der Ungeheuer war nichts undenkbar, und die Feinde, auf die sie möglicherweise doch noch stoßen mochten, würden schließlich keine Menschen sein. Möglicherweise lebten sie nicht einmal. Die Burg war vernichtet, aber das hieß nicht, daß die Gefahr vorüber war. Manchmal konnte man Feuer mit Feuer löschen, aber manchmal entfachte man bei diesem Versuch erst recht einen Großbrand. Das Böse war zäh, und in dieser Ruine mochten auch jetzt noch genug Schrecken verborgen sein, es neu und vielleicht schlimmer auferstehen zu lassen. In jedem Stein konnte es wie ein unsichtbares Gift schlummern. Torian spürte den Atem finsterer Magie überdeutlich, der noch immer zwischen den Trümmern der Burg hing.
Er verscheuchte auch diesen Gedanken, stieg umständlich über ein bizarres Gewirr von Stein- und Metalltrümmern hinweg und sah sich mit einer Mischung aus Furcht und Neugier um.
Es gehörte sehr viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie diese Burg einmal ausgesehen hatte. Der rechteckige Innenhof des kleinen Kastells lag vor ihm, ein schwarzes Loch, dessen Boden nicht zu erkennen war. Der zyklopische Drachenturm war verschwunden; nicht einmal mehr Spuren waren zurückgeblieben, denn durch die magischen Kräfte, die den granitenen Drachen für Augenblicke zum Leben erweckt hatten, war jeder einzelne Stein regelrecht pulverisiert worden. Und die wenigen Sekunden, die der Gigant gewütet hatte, waren ausreichend, in der Festung im wahrsten Sinne des Wortes keinen Stein mehr auf dem anderen stehen zu lassen.
Torian empfand nicht die geringste Spur von Triumph beim Anblick all dieser Vernichtung. Einer der Gründe, aus denen er hierhergekommen war, bestand in der Vernichtung all dessen, was den Schwarzen Magiern ihre Macht verlieh, und das Kastell gehörte auch dazu. Dennoch spürte er auch nach den vielen Stunden immer noch nur Entsetzen über das Ausmaß der Zerstörung.
Garth deutete mit einer fragenden Geste auf das Hauptgebäude, das den Sturm noch am besten überstanden hatte. Torian nickte. Falls es noch Feinde gab, würden sie sich wahrscheinlich im Inneren aufhalten. Und wenn nicht, waren sie dort drinnen zumindest vor einer zufälligen Entdeckung sicher.
»Rührt nichts an, egal wie harmlos oder verlockend es erscheinen mag«, warnte er die anderen Männer. Es gelang ihm nicht ganz, seine Nervosität zu verbergen, und er wußte, daß seine Warnung im Grunde überflüssig war. Auch die anderen spürten den Atem finsterer Magie überdeutlich, der zwischen den Trümmern hing. Torian sah es ihren Gesichtern an, und auch ihre hastigen, unbehaglichen Bewegungen sprachen eine deutliche Sprache.
Er packte sein Schwert fester und trat als erster durch die niedrige, vom Sand halb zugewehte Türfassung. Dahinter lag ein kleiner, bis auf eine fast meterhohe Sandschicht vollkommen leerer Raum. Das schwächer werdende Licht des Tages verlieh der Burgruine etwas Gespenstisches: Alles schien genau anders herum zu sein, als es sein sollte – die Schatten waren wie finstere Mauern, hinter denen sich Dinge bewegten, die sich nicht bewegen sollten, und die Schritte der Männer neben ihm kamen ihm irgendwie irreal vor. Der Raum war finster, erfüllt von wabernden Schatten, die ihm plötzlich eine Winzigkeit zu dunkel vorkamen, vom flüsternden Raunen des Windes, das etwas vom Geheul schattiger großer Wölfe hatte, und in dem er mit einem Male düstere, höhnisch kichernde Stimmen zu hören glaubte, von raschelnder Bewegung, die nicht nur vom Wind aufgewirbelter Staub und Sand war…
Torian blieb stehen, blinzelte ein paarmal, um den verwirrenden Effekt zu verscheuchen, und fuhr sich schließlich mit dem Handrücken über die Augen. Das Fremde, Beunruhigende, das sich in den Winkeln der Wirklichkeit eingenistet hatte, blieb trotzdem. Aber vielleicht war es auch nur Müdigkeit. Er war erschöpft und überanstrengt, und sein Fuß hatte wieder zu schmerzen begonnen. Erst als einer der Männer eine Fackel anzündete, fühlte er sich etwas wohler und trat weiter in den Raum hinein.
In der gegenüberliegenden Wand befand sich ein zweiter Durchgang, hinter dem die ersten Stufen einer steil in die Tiefe führenden Treppe sichtbar wurden. Zumindest war es einmal eine Treppe gewesen, aber jetzt nicht mehr als eine abschüssige Rampe aus Sand. Als Torian einen Moment lauschte, glaubte er wieder leise murmelnde Stimmen, dann ein kehliges, unendlich böses Lachen zu vernehmen, das aus der Tiefe des Treppenschachtes an sein Ohr drang, in ein Meckern überging, das vage an das einer Ziege erinnerte, aber mit Sicherheit keine war, und dann verstummte.
»Hast du das auch gehört?« wandte er sich flüsternd zu Garth.
Der Dieb runzelte die Stirn. »Was meinst du?«
Torian überlegte einen Moment, lauschte und zuckte mit den Schultern, als er nichts mehr hörte. »Schon gut, es ist nichts«, murmelte er. »Allmählich bin ich auch der Ansicht, daß ich mir die Gefahren nur selbst einrede. Wenn dies eine Falle ist, dann jedenfalls die raffinierteste, die ich je gesehen habe.« Aber das nahm er nicht wirklich an. Es gab keinerlei Anzeichen für eine Falle, mit Ausnahme der Stimme in seinem Inneren, die sich einfach weigerte, zu glauben, daß sie es geschafft hatten. Er hatte zu viele Kämpfe erlebt, um nicht einfach zu fühlen, ob er in einen Hinterhalt lief oder nicht. Und hier spürte er nichts.