Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Trotzdem bedeutete er Garth mit einer Geste, von nun an still zu sein, wechselte das Schwert von der rechten in die linke Hand und näherte sich auf Zehenspitzen der Treppe. Er blieb stehen, lauschte abermals und schlich weiter, noch immer mit angehaltenen Atem und jeden Augenblick auf einen Angriff gefaßt.
Aber der kam nicht. Unbehelligt erreichten sie den Niedergang, schlichen die versandeten, gefährlich rutschigen Stufen hinab und blieben vor der letzten Biegung des eng gewendelten Schachtes stehen. Vorsichtig spähte Torian um die Ecke. Er sah einen langen Gang, von dem zahlreiche Türen abzweigten. Dieser Teil der Burg war von den Verwüstungen weitgehend verschont geblieben. Sie durchsuchten jeden Raum, jeden Winkel der Burg. Nirgendwo fanden sie etwas, das auf eine akute Gefahr hindeutete, dafür aber eine Menge anderer Dinge, die Torians düstere Vorahnungen zur Gewißheit werden ließen. Die Ruine des Kastells war vollgestopft mit Dingen voller übler Magie, die er zwar nicht verstand, aber dafür um so deutlicher spürte.
»Kein angenehmer Ort, nicht wahr?«
Die Stimme Cathars ließ Torian aufschrecken. Instinktiv riß er die Hand hoch. Sie waren wieder in den Hof zurückgekehrt, und an eine Mauer gelehnt, mußte er für ein paar Sekunden eingenickt sein. Er nahm die Hand wieder herunter, lächelte verlegen und atmete hörbar ein. »Nein«, gestand er. »Und wir sollten uns hier nicht länger als unbedingt nötig aufhalten. Irgend etwas ist hier, das mir Angst macht.«
Cathar nickte. »Ich versuche die ganze Zeit, es zu ergründen, aber es gelingt mir nicht. Zumindest droht uns keine direkte Gefahr. Jetzt nicht mehr.«
Es klang wie eine Rechtfertigung für die Verwüstungen, die er ungewollt angerichtet hatte, und obwohl er ganz offensichtlich auf eine Bestätigung hoffte, reagierte Torian nicht darauf.
»Wie lange bleiben wir noch hier?« erkundigte er sich statt dessen.
»Es gibt keine andere Möglichkeit, als hier ein Nachtlager aufzuschlagen. Direkt bei Sonnenaufgang gehen wir weiter.«
»Hier?« fragte Torian erschrocken. »Du willst wirklich hier rasten? Das ist Wahnsinn. Keiner der Männer wird freiwillig die ganze Nacht hier verbringen wollen.«
»Kein Wahnsinn, sondern das einzig Vernünftige«, widersprach Cathar. »Ich sagte schon, hier droht uns keine Gefahr, außer wir machen uns selbst verrückt. Wie es außerhalb der Mauern ist, weiß ich nicht. Selbst wenn es nicht so scheint, werden die Mauern uns Schutz bieten.«
Mit dem Untergang der Sonne war es schlagartig ziemlich kühl geworden, und Torian raffte unwillkürlich den Umhang enger um den Körper. Cathar hatte recht, vor der Kälte waren sie hier ein wenig geschützt. Aber es war besser, ein wenig zu frieren, als möglicherweise überhaupt nicht mehr aufzuwachen.
»Ich würde mich wohler fühlen, wenn wir direkt weitergingen«, murmelte er. »Du sagtest doch, daß die Brücke nicht mehr weit wäre.«
»Das ist sie auch nicht, aber es ist unmöglich, sie im Dunkeln zu überqueren. Die Männer sind völlig erschöpft und brauchen unbedingt eine Rast. Sie haben alles gegeben, was ich erwarten konnte.«
»Ich weiß verdammt gut, daß sie eine Pause brauchen«, erwiderte Torian von plötzlich aufflackernder Wut gepackt. Er machte eine weitausholende Geste, die den kümmerlichen Rest ihrer Gruppe einschloß. »Die meisten haben diesem Wahnsinn bereits ihr Leben geopfert, und das ist verdammt viel mehr, als du erwarten konntest. Trotzdem wollen sie ebensowenig wie ich hier übernachten.«
»Dann geht doch«, entgegnete Cathar sarkastisch. »Sucht euch meinetwegen eine Höhle oder schlaft im Freien, aber beschwert euch nicht, wenn euch etwas zustößt. Ich jedenfalls bleibe hier.«
Torian bebte vor mühsam unterdrücktem Zorn. Einige Sekunden hielt er dem spöttischen Blick des Magiers stand, dann fuhr er abrupt herum und kehrte zu den anderen zurück, die in einer Ecke des Hofes zusammengetragenes Holz aufgeschichtet und ein Feuer entfacht hatten. Er setzte sich neben Garth.
»Ärger?« fragte der Dieb knapp.
»Dieser Narr will die Nacht hier verbringen«, teilte ihm Torian mit. Obwohl er leise gesprochen hatte, fingen die Männer in seiner Nähe die Worte auf. Unwilliges Murren wurde laut, und selbst Bard zuckte überrascht zusammen. »Cathar meint, wir wären hier sicher«, fuhr Torian fort, diesmal so laut, daß alle ihn verstehen konnten. »Wem das nicht paßt, der könnte gerne woanders hingehen. Allein deshalb würde ich es am liebsten schon tun.«
Das Raunen und Stimmengewirr um ihn herum wurde für einige Sekunden lauter, dann verstummte es und wich wieder der lähmenden, nur vom leisen Prasseln des Feuers unterbrochenen Stille. Die Gesichter der Leute versteinerten erneut. Obwohl sie nicht hierbleiben wollten, würden sie auch nicht ohne den Magier fortgehen. Torian wechselte einen knappen Blick mit Shyleen, die ein Stück entfernt saß. Sie schüttelte den Kopf.
Das Feuer brannte sehr hoch, und trotz der Kälte, welche die Wüstennacht gebracht hatte, war seine Wärme schon fast unangenehm. Die Flammen schlugen dreifach mannshoch gegen den Himmel, und Funken stoben wie Schwärme kleiner brennender Käfer weit in die Nacht hinaus, ehe sie erloschen oder sich auf die Trümmerlandschaft herabsenkten. Trotzdem rückte Torian noch näher heran und warf noch Holz nach. Die Hitze trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, und seine Hände und sein Gesicht brannten, aber er wurde nicht müde, mehr und mehr Holz auf den brennenden Stapel zu werfen und das Feuer zu immer höherer Glut zu entfachen. Keiner der anderen protestierte auch nur mit einem Wort gegen sein scheinbar sinnloses Tun, obgleich ihnen die Hitze so unangenehm sein mußte wie ihm. Aber sie schienen wie er zu spüren, daß irgend etwas mit dieser Nacht nicht stimmte, und wie er rückten sie schutzsuchend noch näher in den Kreis schattenloser, blendender Helligkeit hinein, den das Feuer in die Nacht stanzte. Dahinter lastete Schwärze. Eine solch absolute, alles umfassende Finsternis, wie sie selbst Torian fremd war. Und noch etwas anderes.
Die Angst.
Er verscheuchte den Gedanken, warf ein weiteres Scheit auf die prasselnde Glut und wischte sich gleichzeitig den Schweiß fort, den ihm die erbarmungslose Hitze auf die Stirn trieb. Seine Augen tränten und schmerzten von der gnadenlosen Helligkeit, die das Feuer verbreitete; trotzdem sah er nicht weg, denn den Blick vom Feuer zu wenden, hätte bedeutet, in diese grauenhafte Dunkelheit zu starren, die dahinter lauerte.
Für einen Moment mußte er mit aller Macht gegen die Vorstellung ankämpfen, daß diese Dunkelheit mehr war als das Fehlen von Licht, sondern etwas Großes, Finsteres, das mit unsichtbaren Zähnen an der schwankenden Front nagte, die ihm das Licht entgegenwarf. Er versuchte, auch diesen Gedanken abzuschütteln, aber es gelang ihm nicht ganz. Etwas blieb. Irgend etwas war in dieser Dunkelheit, das wußte er einfach, und wenn Cathar ihm tausendmal das Gegenteil versicherte.
Nervös blickte Torian sich um, doch er konnte den Magier nirgendwo entdecken. Cathar war nicht zu ihnen herübergekommen, sondern zog es offensichtlich vor, allein zu bleiben. Für einen Moment hoffte Torian mit aller Inbrunst, daß das, was er in den Schatten lauern zu spüren glaubte, Menschen verabscheute, dafür aber einen um so größeren Appetit auf großkotzige Schwarze Magier verspürte.
Nach einer Weile bückte er sich, um die nur noch halbvolle Feldflasche mit seinem Wasser aufzuheben. Er zögerte einen ganz kurzen Moment, ehe er trank. Die Nacht war noch nicht zu einem Drittel vorüber, und der Wasservorrat würde nicht reichen, seinen Durst für die Zeit bis zum Morgen zu stillen, denn er wußte, daß er keinen Schlaf finden würde. Es gab zwar einen Brunnen, der wie durch ein Wunder nicht verschüttet worden war, als das Kastell zusammenbrach, aber er lag auf der anderen Seite des Hofes, hinter der Wand aus Finsternis und Angst, und nicht einmal der Durst konnte ihn zwingen, dorthin zu gehen. Aber dann trank er doch einige Schlucke, verschloß die Flasche sorgsam wieder und starrte weiterhin in die Flammen. Er konnte die Flasche morgen früh wieder füllen, bis dahin würde er seinen Durst eben bezwingen müssen.