Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
1 ... 134 135 136 137 138 139 140 141 142 ... 150
Перейти на страницу:

Die Jahre eilten dahin, und sie wurden nicht müde zu leben. Über sie war eine Stille gekommen, das Drängen hatte sie beschwichtigt. Die Krümmungen des Lebens erschienen verständlich und wurden geduldig und froh ertragen, das Leben pulsierte in ihnen aber unermüdlich weiter.

Oljga war schon bis zu einem strengen Verständnis des Lebens, wenn auch nur des glücklichen Lebens gelangt; Andrejs Sein und das ihrige hatten sich zu einem einzigen Strom vereinigt; es blieb für die wilden Leidenschaften kein Spielraum übrig; alles bei ihnen war Harmonie und Stille. Es schien, man sollte in dieser wohlverdienten Ruhe einschlafen und selig sein, wie die Bewohner anderer stiller Winkel es tun, indem sie dreimal täglich zusammenkommen, bei der gewohnten Unterhaltung gähnen, in stumpfes Hindämmern versinken und sich von früh bis spät damit quälen, daß alles schon durchdacht, besprochen und getan ist, daß man nichts mehr zu tun und zu besprechen hat und daß »das Leben auf der Welt nun einmal so ist«.

Äußerlich geschah bei ihnen alles so wie bei den anderen. Sie standen zwar nicht beim Morgengrauen, aber doch früh auf; sie liebten es, lange beim Tee zu sitzen, manchmal schwiegen sie sogar träge, gingen dann jeder in sein Zimmer oder arbeiteten zusammen, aßen zu Mittag, fuhren ins Feld, beschäftigten sich mit Musik ... wie alle, wie auch Oblomow es geträumt hatte. Nur fehlte ihnen die Schläfrigkeit und die Trägheit; sie verbrachten ihre Tage ohne Langeweile und Apathie, ihre Blicke und Worte waren nicht leblos, ihre Gespräche nahmen kein Ende und waren oft leidenschaftlich. Ihre hellen Stimmen tönten durch die Zimmer, drangen in den Garten, oder sie teilten sich leise die durch die Sprache nicht wiederzugebende erste Regung, das Wachstum des keimenden Gedankens, das kaum hörbare Flüstern der Seele mit, als zeichneten sie einander die Linien ihres Traumes vor ... Und ihr Schweigen war manchmal immenses Glück, von dem Oblomow zu träumen pflegte, oder geistiges Verarbeiten des endlosen, einander zugewiesenen Materiales ... Oft versenkten sie sich in stummes Bewundern der ewig neuen, strahlenden Schönheit der Natur. Ihre empfänglichen Seelen konnten sich an diese Schönheit nicht gewöhnen. Die Erde, der Himmel und das Meer - alles weckte ihr Gefühl, und sie saßen schweigend nebeneinander, blickten mit denselben Augen und mit derselben Seele diesen schöpferischen Glanz an und verstanden einander ohne Worte. Sie nahmen den Morgen nicht gleichgültig hin und vermochten es nicht, sich stumpf in das Dunkel der warmen, sternenklaren südlichen Nacht zu versenken. Sie wurden durch das ewige Arbeiten des Gedankens, die stets wache Seele und das Bedürfnis, zusammen zu denken, zu fühlen und zu sprechen, geweckt! ... ...

Was war aber der Gegenstand dieser eifrigen Debatten, der stillen Gespräche, des Lesens und der weiten Spaziergänge? Alles. Stolz hatte schon im Ausland die Gewohnheit verloren, allein zu lesen und zu arbeiten. Hier, wo er mit Oljga unter vier Augen war, dachte er auch mit ihr zusammen. Er brachte es mit Mühe zustande, der rastlosen Eile ihres Denkens und Wollens zu folgen. Die Frage, wie er sich im Familienleben betätigen würde, tauchte nicht mehr auf und hatte sich selbst gelöst. Er mußte sie sogar in seine geschäftliche Tätigkeit einweihen; denn sie erstickte in einem Leben ohne Bewegung, als mangelte es ihr an Luft. Kein Bau, keine Angelegenheit, die Oblomows oder sein Gut betraf - nichts geschah ohne ihr Wissen und ihre Teilnahme. Kein einziger Brief wurde fortgeschickt, ohne daß sie ihn las; kein einziger Gedanke und noch weniger dessen Realisierung glitt an ihr vorüber: sie wußte alles, und alles interessierte sie, weil es ihn interessierte. Zuerst tat er es, weil es unmöglich war, vor ihr etwas zu verheimlichen. Wenn ein Brief geschrieben wurde, wenn mit irgendeinem Verwalter oder Unternehmer gesprochen wurde, geschah es vor ihr, vor ihren Augen; dann setzte er es aus Gewohnheit fort, und zuletzt verwandelte es sich auch für ihn in eine Notwendigkeit. Ihre Bemerkungen, ihr Ratschlag, ihr Lob oder ihr Tadel wurden für ihn zum unumgänglichen Prüfstein; er sah, daß sie ebensogut wie er begriff und nicht schlechter als er überlegte und kombinierte ... Sachar war wie viele andere über die Fähigkeit seiner Frau ärgerlich, und Stolz war darüber glücklich! Und dann Lesen und Lernen, das ewige Nähren des Denkens und dessen endlose Entwicklung! Oljga war auf jedes Buch und jeden Journalartikel, den man ihr nicht gezeigt hatte, eifersüchtig; sie war ernsthaft böse und gekränkt, wenn er es nicht für gut hielt, ihr etwas seiner Meinung nach zu Schwieriges, Langweiliges, ihr Unverständliches zu zeigen, nannte das Pedanterie, Abgeschmacktheit, Verzopftheit und nannte ihn eine »alte deutsche Perücke«. Zwischen ihnen spielten sich aus diesem Anlasse lebhafte, gereizte Szenen ab. Sie zürnte, und er lachte, sie zürnte noch mehr und ließ sich nur dann beschwichtigen, wenn er zu scherzen aufhörte und mit ihr seine Gedanken, seine Kenntnisse oder seine Lektüre teilte. Zum Schlusse ergab es sich, daß alles, was er wissen und lesen wollte und wußte, auch für sie zum Bedürfnis geworden war. Er drängte ihr keine Technik der Gelehrsamkeit auf, um dann mit der dümmsten Prahlerei auf seine »gelehrte« Frau stolz zu sein. Wenn ihr im Gespräch ein einziges Wort oder sogar eine Andeutung auf solche Ansprüche entschlüpft wäre, wäre er noch mehr errötet, als wenn sie mit einem stumpfen Blick der Unwissenheit eine im Gebiete der Wissenschaft gewöhnliche, für die bestehende Frauenbildung aber noch unzulängliche Frage beantwortet hätte. Er wollte nur nicht - und sie um so mehr -, daß es nicht so sehr für ihr Wissen, als für ihr Verständnis etwas Unerreichbares geben sollte. Er zeichnete ihr keine Tafeln und Zahlen vor, sprach aber über alles und las vieles, ohne pedantisch irgendeiner sozialen Theorie oder volkswirtschaftlichen oder philosophischen Frage auszuweichen; er sprach mit Eifer und Leidenschaft. Er schien vor ihr ein endloses, lebendiges Bild des Wissens zu entrollen; später entfielen die Einzelheiten ihrem Gedächtnisse, doch das Bild entschwand niemals ihrem empfänglichen Geist, die Farben verblaßten nicht, und das Feuer, mit dem er den für sie erschaffenen Kosmos erhellte, erlosch nicht. Er zitterte vor Stolz und Glück, wenn er bemerkte, wie ein Funken dieses Feuers dann in ihren Augen leuchtete, wie ein Widerhall des ihr mitgeteilten Gedankens in ihren Worten erklang, wie dieser Gedanke in ihr Bewußtsein und Verständnis übergegangen war, sich in ihrem Geist verarbeitet hatte und sich nicht trocken und streng, sondern, mit dem Glanze der weiblichen Grazie versehen, in ihren Worten äußerte, besonders aber, wenn irgendein furchtbarer Tropfen alles dessen, was gesprochen, gelesen und dargestellt wurde, sich gleich einer Perle auf den klaren Grund ihres Lebens senkte. Er webte ihr als Denker und Künstler ein vernünftiges Dasein, und noch nie im Leben, weder zur Zeit der Studien noch in den mühseligen Tagen, als er mit dem Leben kämpfte, sich aus dessen Krümmungen herausarbeitete und seine Kraft in diesen Versuchen prüfte und abhärtete, war er so ganz in Anspruch genommen, als jetzt, da er diese rastlose, vulkanische Arbeit des Geistes seiner Gefährtin zu lenken hatte.

Wie glücklich ich bin! sagte Stolz im stillen und träumte auf seine Weise, indem er in die Zukunft blickte, die den Flitterwochen ihrer Ehe folgen würde. In der Ferne lächelte ihm Oljga in einer neuen Gestalt zu, nicht als Egoistin, als leidenschaftlich liebende Gattin, als Mutter und Kinderfrau, die mit der Zeit in einem farblosen, nutzlosen Dasein verblüht, sondern als etwas anderes, Höheres, fast noch nicht Dagewesenes ... Er träumte von einer schaffenden Mutter, die am geistigen und öffentlichen Leben einer ganzen, glücklichen Generation teilnahm ... Er dachte ängstlich darüber nach, ob ihre Kraft und ihr Willen ausreichen würden, und half ihr, eilig mit dem Leben fertig zu werden und sich für diesen Kampf den nötigen Mut auszuarbeiten, gerade jetzt, solange sie beide noch jung und stark waren, solange das Leben sie schonte oder seine Schläge nicht schwer erschienen, solange der Schmerz noch von der Liebe weggeschwemmt wurde. Ihre Tage verdüsterten sich nicht für lange. Das Mißlingen der Geschäfte, der Verlust einer bedeutenden Geldsumme, das alles berührte sie kaum. Es verursachte ihnen viel Arbeit und Reisen und wurde dann bald vergessen.

1 ... 134 135 136 137 138 139 140 141 142 ... 150
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)