Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Es gibt schon welche: im Leben eine Stütze haben! Wenn man aber keine hat, dann ist das Leben auch ohne diese Fragen unerträglich!«
»Was soll man denn tun? Sich dieser Stimmung hingeben und trauern?«
»Nichts«, sagte er, »sich mit Festigkeit waffnen und geduldig und beharrlich seinen Weg verfolgen. Wir sind keine Titanen«, fuhr er fort und umarmte sie, »wir werden nicht mit Manfred und Faust zugleich einen kühnen Kampf mit quälenden Fragen beginnen, wir werden die Herausforderung nicht annehmen, sondern das Haupt neigen und den schweren Augenblick demütig ertragen, und dann lächelt wieder das Leben, das Glück und ...«
»Und wenn das niemals aufhört, wenn die Traurigkeit immer und immer mehr quält? ...« fragte sie.
»Was dann? Wir nehmen sie als ein neues Element des Lebens auf ... Aber das ist unmöglich, das kann bei uns nicht eintreffen! Das ist nicht deine Traurigkeit, sondern die allgemeine Krankheit der Menschheit. Dich hat nur ein Tropfen davon genetzt ... Das alles ist furchtbar, wenn der Mensch sich vom Leben abwendet ... wenn er keine Stütze besitzt. Aber wir ... Wollen wir hoffen, daß diese Traurigkeit das ist, wofür ich sie halte, und kein Symptom einer Krankheit ... das wäre weit schlimmer. Das wäre ein Unglück, das mich schutzlos und kraftlos vorfände ... Wie könnten aber Nebel, Traurigkeit, Zweifel, Fragen uns unseres Glückes berauben und unsere ...«
Er sprach nicht zu Ende, sie stürzte sich wie wahnsinnig in seine Arme und erstarrte für einen Augenblick wie eine Bacchantin in leidenschaftlicher Selbstvergessenheit, indem sie seinen Hals mit den Armen umschlang.
»Weder Nebel noch Traurigkeit noch Krankheit, nicht einmal der Tod! ...« flüsterte sie begeistert, wieder glücklich, beruhigt und froh. Ihr schien, sie hätte ihn noch nie so leidenschaftlich geliebt wie in diesem Augenblick.
»Sieh dich vor, daß das Schicksal dein Murren nicht hört«, schloß er mit der abergläubischen Bemerkung, die zärtliche Sorge ihm eingab, »und nicht für Undankbarkeit hält! Es liebt nicht, daß seine Gaben nicht geschätzt werden. Bis jetzt hast du das Leben nur beobachtet, du wirst es aber noch selbst auskosten ... Warte, bis es sich vor dir entrollt und Leid und Arbeit beginnen ... Wenn sie aber beginnen, dann hat man für solche Fragen keine Zeit ... Schone deine Kräfte!« fügte Stolz leise, wie im Selbstgespräch als Antwort auf ihren leidenschaftlichen Ausbruch hinzu. In seinen Worten erklang Traurigkeit, als sehe er in der Ferne schon »Leid und Arbeit«.
Sie schwieg, für den Augenblick durch den traurigen Klang seiner Stimme betroffen. Sie glaubte ihm grenzenlos, sie glaubte auch seiner Stimme. Sein Sinnen steckte auch sie an, sie sammelte ihre Gedanken und wandte sich ganz ihrem Innern zu. Sie schritt, sich auf ihn stützend, mechanisch, langsam und in tiefes Schweigen versenkt, durch die Allee. Sie blickte, ihrem Gatten folgend, ängstlich in die Ferne des Lebens, dorthin, wo seinen Worten nach die Zeit der »Prüfungen« beginnen würde und wo »Leid und Arbeit« sie erwarteten. Sie träumte einen anderen Traum, nicht von der blauen Nacht; sondern ihr eröffnete sich ein neuer Abschnitt des Lebens, nicht mehr der durchsichtig klare, festliche, in der Stille, inmitten der grenzenlosen Fülle, allein mit ihm ... Nein, sie sah dort eine Kette von Verlusten, von Entbehrungen, von mit Tränen benetzten, unvermeidlichen Opfern, ein Leben des Fastens und des unfreiwilligen Entsagens der vom Müßiggang erzeugten Launen - Stöhnen und Weinen, die neue, ihnen jetzt unbekannte Gefühle begleiten würden; sie träumte von Krankheiten, vom schlechten Gang der Geschäfte, vom Verlust des Gatten ... Sie zitterte und ermattete, blickte aber mit mutiger Neugier auf diese neue Lebensweise, betrachtete sie entsetzt und prüfte ihre Kräfte ... Nur die Liebe versagt auch in diesem Traum nicht, sie stand als treue Wache des neuen Lebens da; aber auch sie hatte sich verändert! Sie fühlte nicht ihren heißen Atem, sah keine lichten Strahlen und keine blaue Nacht; nach Jahren würde das alles im Vergleich mit jener fernen Liebe, die das tiefe und unerbittliche Leben in sich aufgenommen hatte, wie ein Kinderspiel erscheinen. Man hörte dort keine Küsse, kein Lachen und keine bebenden, sinnenden Gespräche in der Allee, inmitten von Blumen, beim Fest der Natur und des Lebens ... Alles würde verblassen und verwelken. Jene nie welkende, unvergängliche Liebe spiegelte sich mächtig wie eine Lebenskraft auf ihren Gesichtern wider, sie leuchtete in der Stunde des gemeinsamen Schmerzes in einem schweigend und langsam gewechselten Blick auf und äußerte sich in der endlosen, beiderseitigen Geduld der Folter des Lebens gegenüber, in verhaltenen Tränen und unterdrücktem Schluchzen ... Mit Oljgas nebelhafter Traurigkeit und den in ihr auftauchenden Fragen verwebten sich leise andere, wenn auch ferne, so doch klare, bestimmte und drohende Träume.
Bei den beruhigenden und energischen Worten ihres Mannes und im grenzenlosen Vertrauen ihm gegenüber ruhte Oljga sowohl von ihrer rätselhaften, nicht allen verständlichen Traurigkeit, als auch von den drohenden, prophetischen Träumen der Zukunft aus und schritt mutig vorwärts. Auf den »Nebel« folgte ein heller Morgen mit den Sorgen der Mutter und Hausfrau; dort lockte sie der Blumengarten und das Feld und das Arbeitszimmer des Mannes. Sie spielte aber nicht mehr voll sorglosem Vergnügen mit dem Leben, sondern lebte mit einem verborgenen, kühnen Gedanken, bereitete sich vor und wartete ... Sie wuchs immer höher und höher ... Andrej sah, daß sein früheres Ideal einer Frau und Gattin unerreichbar war, doch er war selbst durch den bloßen Widerschein desselben in Oljga beglückt; er hatte selbst das nie erwartet.
Außerdem trug er noch lange Zeit, fast das ganze Leben, die nicht geringe Sorge, seine Würde als Mann vor den Augen der ehrgeizigen, stolzen Oljga aufrechtzuerhalten; er tat es nicht aus brutaler Eifersucht, sondern um dieses kristallähnliche Leben nicht zu verdüstern; und das hätte leicht geschehen können, wenn ihr Glaube an ihn auch nur ein wenig gewankt hätte.
Viele Frauen verlangen dies alles nicht; sowie sie verheiratet sind, nehmen sie die guten und die bösen Eigenschaften des Mannes demütig hin, fühlen sich in der ihnen zugewiesenen Stellung und Sphäre ohne weiteres befriedigt oder ergeben sich ebenso demütig der ersten, zufälligen Leidenschaft, indem sie es sofort für unmöglich oder nicht für notwendig halten, sich ihr zu widersetzen; das sei so ihr Schicksal, die Frau sei ein schwaches Wesen und könne dem Sturm nicht standhalten usw. Wenn der Gatte durch seinen Verstand, diese unwiderstehliche Macht des Mannes, die Menge sogar überragt, sind diese Frauen auf diesen seinen Vorzug ebenso stolz wie auf irgendeinen kostbaren Schmuck, doch auch das nur dann, wenn dieser Verstand ihren kleinlichen, weiblichen Intrigen gegenüber blind bleibt. Wenn er es aber wagt, die armselige Komödie ihrer nichtigen und manchmal lasterhaften Existenz zu durchschauen, beengt und bedrückt er sie.
Oljga kannte nicht diese Logik der Unterwürfigkeit dem blinden Schicksal gegenüber und begriff die weiblichen kleinen Leidenschaften und Freuden nicht. Sowie sie in dem erwählten Mann einmal gewisse Eigenschaften und Rechte sich gegenüber erkannt hatte, glaubte sie an ihn und liebte ihn folglich auch; sowie sie aber an ihn zu glauben aufhörte, war auch ihre Liebe zu Ende, wie es mit Oblomow geschehen war. Aber damals waren ihre Schritte noch unsicher und ihr Wille schwankend gewesen; sie hatte soeben begonnen, das Leben zu beobachten, darüber nachzudenken, sich der Elemente ihres Geistes und Charakters bewußt zu werden und Material zu sammeln; die Arbeit des Schaffens war noch nicht erwacht und die Wege des Lebens waren noch nicht enträtselt. Doch jetzt glaubte sie nicht blind, sondern bewußt an Andrej, und er verkörperte ihr Ideal der männlichen Vollkommenheit. Sie glaubte immer bewußter an ihn, und es wurde ihm immer schwerer, auf der gleichen Höhe zu bleiben und der Held nicht nur ihres Verstandes und Herzens, sondern auch ihrer Phantasie zu bleiben. Und sie glaubte an ihn so, daß sie zwischen ihm und sich, außer Gott, keinen anderen Vermittler, keine andere Instanz zuließ. Darum hätte sie es nicht ertragen, wenn die von ihr anerkannten Eigenschaften sich auch nur um ein Haar verringert hätten; jede falsche Note seines Charakters oder Verstandes würde einen erschütternden Mißklang hervorgerufen haben.