Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Was ist das? Was ist das, he? Was ist das?« sagte er, sich bleich und atemlos die Wange haltend, »du willst mir meine Ehre rauben? Du wirst mir dafür bezahlen! Ich wende mich an den Generalgouverneur; ihr habt es gesehen?«
»Wir haben nichts gesehen!« sagten beide Frauen zugleich.
»Ah! Hier ist eine Verschwörung, eine Räuberhöhle! Eine Diebesbande! Man plündert und schlägt tot ...«
»Hinaus, Schuft!« schrie Oblomow bleich und vor Wut bebend, »sofort, dein Fuß darf nicht mehr meine Schwelle betreten, sonst töte ich dich wie einen Hund!«
Er suchte mit den Augen nach einem Stock.
»Hilfe! Räuber! Hilfe!« schrie Tarantjew.
»Sachar! Wirf diesen Schuft hinaus, und er soll sich hier nie mehr blicken lassen!« schrie Oblomow.
»Bitte, hierher!« sagte Sachar, ihm auf die Tür zeigend.
»Ich bin nicht zu dir gekommen, sondern zur Gevatterin!« brüllte Tarantjew.
»Gott sei mit Ihnen, Michej Andreitsch, ich brauche Sie nicht«, sagte Agafja Matwejewna. »Sie haben meinen Bruder besucht und nicht mich! Ich habe Sie satt. Sie essen und trinken und schimpfen noch obendrein.«
»Ah, so ist's, Gevatterin! Gut, der Bruder wird mit Ihnen schon ein Wörtchen reden! Und dir werde ich die Schande schon heimzahlen! Wo ist mein Hut? Zum Teufel mit euch! Räuber, Mörder!« schrie er, über den Hof gehend. »Du wirst mir für die Schande bezahlen!«
Der Hund zerrte an der Kette und bellte unaufhaltsam. Seitdem sahen Tarantjew und Oblomow einander nicht mehr.
Achtes Kapitel
Stolz kam ein paar Jahre lang nicht nach Petersburg. Er sah sich nur einmal für kurze Zeit nach Oljgas Gut und nach Oblomowka um. Ilja Iljitsch bekam einen Brief, in dem Andrej ihm zuredete, selbst nach Oblomowka zu kommen und das geordnete Gut persönlich zu übernehmen. Er selbst fuhr mit Oljga Sjergejewna aus zwei Gründen an das südliche Krimufer: seiner Geschäfte in Odessa wegen und um die durch die Niederkunft zerrüttete Gesundheit seiner Frau zu kräftigen.
Sie ließen sich in einer stillen Gegend am Meeresufer nieder. Ihr Haus war bescheiden und nicht groß. Seine innere Einrichtung hatte ebenso seinen Stil, wie die äußere Architektur und wie alles daran den Stempel der Gedanken und des persönlichen Geschmacks der Eigentümer trug. Sie hatten eine Menge Sachen mitgebracht, und man schickte ihnen aus ihrer Heimat und aus dem Auslande viele Kisten, Koffer und Fuhren nach. Ein Liebhaber des Komforts würde beim Anblick dieser verschiedenartigen Möbelstücke, der alten Bilder, der Statuen mit abgebrochenen Händen und Füßen, der manchmal schlechten, aber durch Erinnerungen wertvollen Stiche und Kleinigkeiten die Achseln gezuckt haben. Zwar die Augen eines Kenners hätten beim Blick auf das eine oder das andere Bild, auf irgendein vor Alter vergilbtes Buch, auf altes Porzellan, Kameen und Münzen gierig aufgeleuchtet. Aber inmitten dieser Möbelstücke verschiedener Stilarten, der Bilder, der für Fremde wertlosen, für sie beide aber durch eine glückliche Stunde, durch eine unvergeßliche Minute geheiligten Kleinigkeiten, inmitten dieses Ozeans von Büchern und Noten wehte warmes Leben, etwas, das den Verstand und das ästhetische Gefühl anregte; überall waren die Spuren eines unermüdlichen Geistes oder die Schönheit menschlicher Arbeit zu sehen, die mit der Schönheit der ringsherum leuchtenden Schönheit der Natur wetteiferte. Daselbst waren auch der hohe Schreibtisch, so wie ihn Andrejs Vater gehabt hatte, und die Gemslederhandschuhe untergebracht; in der Ecke neben dem Schrank mit den Mineralien, den Muscheln, den Vogelbälgen, den Mustern verschiedener Waren und Lehmarten hing der Wachstuchmantel. In der Mitte prangte auf dem Ehrenplatz, mit Gold und Intarsien verziert, ein Erardflügel. Ein Netz von Wein, Efeu und Myrten bedeckte das Cottage von unten bis oben. Von der Galerie aus sah man das Meer und von der anderen Seite die Straße in die Stadt. Dort spähte Oljga nach Andrej aus, wenn er geschäftlich vom Hause fortfuhr; sobald sie ihn erblickte, stieg sie herab, lief durch den prachtvollen Blumengarten und die lange Pappelallee und warf sich stets mit vor Freude glühenden Wangen, mit leuchtendem Blick und stets mit der gleichen Ungeduld des Glücks, trotzdem seit ihrer Verheiratung schon ein paar Jahre vergangen waren, an die Brust ihres Mannes.
Stolz hatte über die Liebe und das Heiraten vielleicht originelle und übertriebene, aber selbständige Ansichten. Er hatte auch dabei einen freien und, wie ihm schien, einfachen Weg gewählt; aber welch eine schwierige Schule der Beobachtung, der Geduld und der Arbeit mußte er durchmachen, bevor er diese »einfachen Schritte« zu machen lernte!
Er hatte vom Vater die Gewohnheit geerbt, alles im Leben, selbst die Kleinigkeiten, ernst zu betrachten; vielleicht hatte er von ihm auch die pedantische Strenge geerbt, welche die Deutschen in ihren Ansichten, in jedem Schritt ihres Lebens und unter anderem auch in der Ehe äußern.
Das Leben des alten Stolz lag wie eine Inschrift auf einer Steintafel allen offen, und es war darin nichts zwischen den Zeilen zu lesen. Aber die Mutter mit ihren Liedern und ihrem zarten Flüstern, das fürstliche Haus, ferner die Universität, die Bücher und die Welt lenkten Andrej von dem geraden, vom Vater vorgezeichneten Weg ab; das russische Leben malte seine unsichtbaren Muster hinein und verwandelte die unscheinbare Tafel in ein großes, leuchtendes Bild. Andrej fesselte seine Gefühle nicht durch pedantische Ketten und ließ den Träumen sogar volle Freiheit, indem er nur bestrebt war, nicht »den Boden unter den Füßen« zu verlieren, wenn er auch beim Erwachen, infolge seiner deutschen Natur oder aus irgendeinem anderen Grunde, eine Folgerung nicht unterdrücken konnte und irgendeine Lebenswahrheit davontrug. Er war frisch an Körper, weil er frisch an Geist war. In seinen Knabenjahren war er übermütig, und wenn er nicht herumtollte, beschäftigte er sich unter der Aufsicht des Vaters mit etwas Ernstem. Er hatte keine Zeit, sich Träumen hinzugeben. Seine Phantasie und sein Gemüt blieben unangetastet; die Mutter hütete wachsam dessen Reinheit und Jungfräulichkeit. Als Jüngling schonte er instinktiv die Frische seiner Kräfte und begann schon zu entdecken, daß diese Frische Lebensfreude und Frohsinn erzeugt und jene Männlichkeit bildet, welche die Seele abhärtet, damit sie nicht vor dem Leben erbleicht, wie dieses auch sein mag, es nicht als ein schweres Joch und ein Kreuz, sondern nur als eine Pflicht betrachtet, und den Kampf damit würdig besteht. Viele Gedanken und Sorgen hatte er dem Herzen und dessen schwer zu ergründenden Gesetzen geweiht. Indem er bewußt oder unbewußt die Wirkung der Schönheit auf die Phantasie, den Übergang des Eindruckes in ein Gefühl, dessen Symptome, dessen Spiel und Ausgang betrachtete, um sich blickte und mit dem Leben vertraut wurde, arbeitete er sich die Überzeugung aus, die Liebe bewege mit der Macht des archimedischen Hebels die Welt, und darin sei ebensoviel allgemeine, unzweifelhafte Wahrheit und so viel Gutes enthalten, als aus ihrem Nichtbegreifen und Mißbrauch Lüge und Häßliches entstehe. Wo war das Gute und wo das Böse? Wo lag die Grenze zwischen beidem?
Bei der Frage: Wo ist die Lüge? zogen bunte Masken der Gegenwart und Vergangenheit durch seine Phantasie. Er blickte lächelnd, bald errötend und bald die Stirne runzelnd, auf den endlosen Zug der Helden und Heldinnen der Liebe: auf die Don Quichottes in Stahlhandschuhen, auf die Damen ihres Herzens und auf ihre fünfzigjährige Treue in der Trennung; auf die Schäfer mit roten Wangen und treuherzig glotzenden Augen und auf ihre Chloen mit den Lämmern. Vor ihm erschienen gepuderte Marquisen in Spitzen mit geistreich leuchtenden Augen und einem lasterhaften Lächeln; ferner die Werther, die sich erschossen, aufhängten und erdrosselten, die verblühten alten Jungfern mit den ewigen Liebestränen und dem Kloster und die bärtigen Gesichter der modernen Helden, mit dem wilden Feuer in den Augen, diese naiven und bewußten Don Juans, und die Erhabenen, die vor dem Verdachte, zu lieben, zittern und heimlich ihre Wirtschafterinnen anbeten ... Alle, alle!