Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Bei der Frage, wo die Wahrheit war, suchte er fern und nah in der Phantasie und mit den Augen nach Beispielen von einfachen, ehrlichen, aber tiefen und unwandelbaren Beziehungen zum Weibe, fand aber keine; wenn er sie zu finden glaubte, war es nur Schein, darauf folgte die Enttäuschung; er sann traurig nach und verzweifelte sogar. Dieses Glück wird uns wohl nicht in seiner ganzen Fülle zuteil, dachte er, oder die Herzen, welche vom Lichte dieser Liebe erhellt werden, sind scheu; sie ängstigen sich und verstecken sich, ohne die Klugen widerlegen zu wollen; vielleicht bemitleiden sie sie und verzeihen ihnen im Namen ihres Glückes, daß sie die Blüten in den Kot treten, weil sie keinen Boden haben, in dem diese tiefe Wurzeln fassen und sich zu einem Baume entwickeln könnten, der ihr ganzes Leben beschatten würde. Wenn er die Ehen, die Männer und ihr Verhalten den Frauen gegenüber betrachtete, sah er stets eine Sphinx mit ihrem Rätsel vor sich; alles erschien unverstanden und unausgesprochen, und dabei sannen diese Männer über keine verwickelten Fragen nach und schritten mit einem so gleichmäßigen, selbstbewußten Gang über den Weg der Ehe, als hätten sie nichts zu suchen und zu beschließen. Sind sie denn im Unrecht? Vielleicht ist tatsächlich nichts anderes mehr notwendig, dachte er, sich selbst nicht trauend, wenn er sah, wie schnell manche die Liebe durchlebten, als sei sie das Abc der Ehe oder eine Form der Höflichkeit, als hätten sie beim Eintritt in die Gesellschaft ihre Verbeugung gemacht und wären schnell weitergeschritten! Sie schütteln den Frühling des Lebens ungeduldig von ihren Schultern; viele sehen dann das ganze Leben lang ihre Frauen schief an, als ärgerten sie sich darüber, daß sie einst so dumm waren, sie zu lieben. Manche verläßt die Liebe lange nicht, bis zum Alter, sie wird aber auch immer vom Lächeln eines Satyrs begleitet ... Die meisten schließen die Ehe ebenso, wie man ein Gut kauft und seine Vorzüge genießt; die Frau bringt Ordnung ins Haus, sie ist Wirtschafterin, Mutter, Erzieherin der Kinder, und die Liebe wird von demselben Standpunkte aus betrachtet, von dem ein praktischer Besitzer die Lage des Gutes anschaut, das heißt, indem er sich sofort daran gewöhnt und sie dann nie mehr beachtet. Was ist das: angeborenes Unvermögen, als Folge der natürlichen Gesetze? fragte er sich, oder ein Fehler der Vorschule und der Erziehung? ... Wo ist denn jene Sympathie, die niemals ihren natürlichen Reiz einbüßt und kein Narrengewand anzieht, die sich verändert, aber nicht erlischt? Wie ist die natürliche Gestalt und wie sind die Farben dieses überall verstreuten und alles füllenden Glückes, dieses Saftes des Lebens? Er blickte prophetisch in die Ferne, und dort erschien ihm im Nebel die Gestalt des Gefühles und zugleich des Weibes, das seine Farbe trug und in seinem Lichte erstrahlte, eine so einfache, aber lichte und reine Vision. »Träume! Träume!« sagte er erwachend und lächelte über die müßige Arbeit der Gedanken. Aber dieser Traum lebte gegen seinen Willen in seiner Erinnerung fort. Zuerst sah er in diesem Traum die Zukunft der Frau überhaupt; als er aber in der gereiften und entwickelten Oljga nicht nur die Pracht erblühter Schönheit, sondern auch eine zum Leben bereite, nach Wahrheit und Kampf dürstende Kraft sah - alles Attribute seiner Vision -, erstand in ihm der alte, fast vergessene Traum von der Liebe. Oljga erschien ihm in dieser Gestalt, und er glaubte in weiter Ferne zu sehen, daß in ihrer Sympathie die Wahrheit ohne Narrenkappe und ohne Zwang erschien.
Ohne mit der Frage von der Liebe und Ehe zu spielen, ohne irgendwelche andere Frage bezüglich des Geldes, der gesellschaftlichen Verbindungen und der Ämter damit in Zusammenhang zu bringen, dachte Stolz doch darüber nach, wie seine bis dahin unermüdliche Tätigkeit sich mit dem Familienleben verbinden würde und wie er sich aus einem Touristen und Kaufmann in einen seßhaften Familienvater verwandeln würde. Wenn diese äußere Unruhe vergehen würde, was würde dann sein Leben zu Hause ausfüllen? Die Erziehung und Bildung der Kinder, das Überwachen ihres Lebens war natürlich keine leichte und einfache Aufgabe, aber das lag noch in weiter Ferne, was würde er aber bis dahin tun?
Diese Fragen hatten ihn lange und oft beunruhigt, und ihm war das Leben eines Hagestolzes nicht lästig; es fiel ihm nicht ein, sowie sein Herz, die Nähe der Liebe witternd, zu klopfen begann, sich von den Ketten der Ehe fesseln zu lassen. Darum hatte er früher sogar Oljga vernachlässigt und hatte sie nur als ein liebes Kind, das zu großen Hoffnungen berechtigte, bewundert; er warf ihr scherzend im Vorübergehen einen kühnen, neuen Gedanken oder eine treffende Beobachtung des Lebens in ihr gieriges, empfängliches Hirn und weckte in ihrer Seele, ohne daran zu denken, ein lebhaftes Verständnis für die Erscheinungen und eine richtige Ansicht über dieselben, um dann Oljga und seinen nachlässigen Unterricht zu vergessen. Und als er manchmal sah, daß in ihr nicht ganz gewöhnliche Gedanken und Meinungen auftauchten, daß in ihr keine Lüge war, daß sie keine allgemeine Anbetung suchte, daß ihr die Gefühle einfach und frei kamen und sie ebenso verließen, daß nichts Fremdes, sondern Eigenes in ihr lebte und dieses Eigene so kühn, frisch und verläßlich wurde, war er verblüfft, wo sie das hernahm, und erkannte seine eigenen Lehren und flüchtigen Bemerkungen nicht wieder. Wenn er seine Aufmerksamkeit damals auf sie gerichtet hätte, hätte er begriffen, daß sie fast allein ihren Weg ging, durch die flüchtige Aufsicht der Tante vor Übertreibungen geschützt, daß über ihr aber nicht die Vormundschaft und Autorität von sieben Kinderfrauen, von Großmüttern und Tanten mit den Traditionen des Geschlechtes, der Familie, der Gesellschaftsklassen, der veralteten Sitten, Gebräuche und Sentenzen lastete; daß man sie nicht gewaltsam über einen schablonenhaften Weg führte, daß sie einen neuen Pfad verfolgte, den sie sich durch den eigenen Verstand, Blick und durch das eigene Gefühl gefunden hatte. Die Natur hatte ihr nichts versagt; die Tante herrschte nicht despotisch über ihren Willen und Verstand, und Oljga begriff und erriet vieles selbst, beobachtete aufmerksam das Leben und lauschte ... unter anderem auch den Reden und Ratschlägen ihres Freundes ... Er zog das alles nicht in Betracht und erwartete von ihr nur in Zukunft vieles, aber in weiter Ferne, ohne in ihr jemals seine Gefährtin zu ahnen.
Sie ließ sich aus eitler Schüchternheit lange nicht erraten, und er sah erst nach dem qualvollen Kampfe im Auslande voll Erstaunen, zu welch einem einfachen, kraftvollen und natürlichen Wesen dieses vielversprechende und von ihm vergessene Kind sich entwickelt hatte. Dort eröffnete sich vor ihm nach und nach die Tiefe ihrer Seele, die er stets füllen mußte und nie befriedigen konnte.
Zuerst hatte er mit der Lebhaftigkeit ihrer Natur viel zu kämpfen, mußte das Fieber ihrer Jugend unterbrechen, ihren Bestrebungen einen bestimmten Umfang verleihen und ihrem Leben einen ruhigen Verlauf sichern, doch das gelang ihm nur zeitweise; sowie er vertrauend die Augen schloß, begann wieder der Sturm, das Leben strömte wie eine Quelle dahin, und es ertönten neue Fragen des unruhigen Verstandes und des aufgeregten Herzens; er mußte die gereizte Phantasie beruhigen und den Ehrgeiz beschwichtigen oder aufstacheln. Sowie sie über eine Erscheinung zu grübeln begann, beeilte er sich, ihr den Schlüssel dazu einzuhändigen.
Der Glaube an Zufälle, der Nebel und die Halluzinationen verschwanden aus ihrem Leben. Vor ihr breitete sich eine helle und freie Ferne aus, und sie sah darin wie im klaren Wasser jeden Stein, jede Vertiefung und dann den reinen Grund. »Ich bin glücklich!« flüsterte sie, ihr vergangenes Leben mit einem Blick umfassend, dachte, indem sie die Zukunft befragte, an ihren Mädchentraum vom Glück, den sie einst in jener stillen, blauen Nacht in der Schweiz geträumt hatte, und sah, daß dieser Traum wie ein Schatten durch ihr Leben schwebte. Wofür ist mir das alles zuteil geworden, mir? dachte sie demütig. Sie sann und sann und fürchtete sogar manchmal, dieses Glück könnte versagen.