Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Alles das war in Perrins Geist ganz deutlich zu fühlen. Sehnsuchtsvoll wünschte er sich Caemlyn und Moiraine und Tar Valon herbei. Selbst wenn er keine Antworten finden würde, so hätte doch alles dort ein Ende. Elyas blickte ihn an, und er war sicher, daß der gelbäugige Mann ihn verstand. Bitte, laß es enden.
Der Traum begann angenehmer als die meisten anderen in letzter Zeit. Er saß an Alsbet Luhhans Küchentisch und schärfte seine Axt mit einem Wetzstein. Frau Luhhan erlaubte ihnen nie, Schmiedearbeiten oder ähnliches ins Haus zu bringen. Meister Luhhan mußte sogar die Messer mit nach draußen nehmen, um sie zu schleifen. Aber nun kümmerte sie sich um das Essen und sagte kein Wort wegen der Axt. Sie sagte nicht einmal etwas, als ein Wolf aus dem Inneren des Hauses kam und sich zwischen Perrin und der Hoftür zusammenrollte. Perrin wetzte weiter; bald wurde die Zeit kommen, sie zu benützen.
Plötzlich erhob sich der Wolf. Er grollte aus tiefster Kehle, und sein dichtes Nackenfell richtete sich auf. Ba'alzamon trat aus dem Hof in die Küche ein. Frau Luhhan kochte unberührt weiter.
Perrin rappelte sich hoch und erhob seine Axt, doch Ba'alzamon ignorierte die Waffe und konzentrierte sich statt dessen auf den Wolf. Flammen tanzten dort, wo seine Augen sein sollten. »Ist es das, was dich beschützen soll? Nun, ich habe dem zuvor schon gegenübergestanden. Viele Male schon.«
Er krümmte einen Finger, und der Wolf heulte auf, als Feuer aus seinen Augen und aus seinen Ohren und seiner Schnauze und seiner Haut schoß. Der Gestank brennenden Fleisches und versengter Haare erfüllte die Küche. Alsbet Luhhan hob den Deckel von einem Topf und rührte mit einem hölzernen Kochlöffel um.
Perrin ließ die Axt fallen und sprang vor, um die Flammen mit den Händen zu ersticken. Der Wolf zerfiel unter seinen Handflächen zu schwarzer Asche. Er starrte das formlose Häufchen Asche auf Frau Luhhans sauber gefegtem Fußboden an und trat zurück. Er wünschte, er könne den schmierigen Ruß von seinen Händen wischen, aber der Gedanke daran, ihn an seine Kleider zu schmieren, drehte ihm den Magen um. Er schnappte sich seine Axt und umklammerte den Schaft so kräftig, daß seine Knöchel knackten.
»Laß mich in Ruhe!« schrie er. Frau Luhhan klopfte den Löffel auf dem Topfrand ab und legte den Deckel wieder auf. Sie summte vor sich hin.
»Du kannst mir nicht entkommen«, sagte Ba'alzamon. »Du kannst dich nicht vor mir verstecken. Wenn du derjenige bist, dann gehörst du mir.« Die Hitze des Feuers in seinem Gesicht zwang Perrin, sich durch die ganze Küche zurückzuziehen, bis er mit dem Rücken an die Wand stieß. Frau Luhhan öffnete den Backofen, um nach ihrem Brot zu sehen. »Das Auge der Welt wird dich verschlingen«, sagte Ba'alzamon. »Ich zeichne dich als mein Eigentum!« Er warf ihm die geballte Faust entgegen, als werfe er etwas nach ihm. Als sich seine Finger öffneten, flatterte ein Rabe auf Perrins Gesicht zu.
Perrin schrie auf, als der schwarze Schnabel sein linkes Auge durchdrang... und setzte sich auf. Er griff nach seinem Gesicht, um ihn herum die schlummernden Wagen des Fahrenden Volkes. Langsam senkte er die Hände wieder. Da war kein Schmerz, kein Blut. Aber er konnte sich daran erinnern, an den schrecklich stechenden Schmerz.
Er schauderte, und dann hockte plötzlich Elyas neben ihm in der ersten Dämmerung, eine Hand nach ihm ausgestreckt, als wolle er ihn wachrütteln. Jenseits der Bäume, zwischen denen die Wagen standen, heulten die Wölfe — ein schneidender Aufschrei aus drei Kehlen. Er teilte ihre Gefühle. Feuer. Schmerz. Feuer. Haß. Haß! Töte!
»Ja«, sagte Elyas leise. »Es ist Zeit. Steh auf, Junge. Es ist Zeit, daß wir gehen.«
Perrin kroch unter seinen Decken hervor. Während er noch seine Deckenrolle zusammenband, kam Raen aus seinem Wagen und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Der Sucher blickte zum Himmel auf und erstarrte auf halbem Weg die Stufen hinunter, die Hände zum Gesicht erhoben. Nur seine Augen bewegten sich, als er eingehend den Himmel studierte, doch Perrin verstand nicht, wonach er suchte. Ein paar Wolken hingen im Osten, die Unterseiten rosa von einer Sonne beleuchtet, die bald aufgehen würde, aber sonst war nichts zu sehen. Raen schien auch zu lauschen und den Geruch der Luft zu prüfen, aber es gab kein Geräusch außer dem des Windes in den Bäumen und keinen Geruch außer den rauchigen Resten der Lagerfeuer vom letzten Abend.
Elyas kam mit seinen spärlichen Besitztümern zurück, und Raen ging die letzten Schritte hinunter. »Wir müssen die Richtung unserer Reise ändern, mein alter Freund.« Der Sucher blickte wieder unsicher zum Himmel hinauf.
»Heute gehen wir anderswohin. Wirst du mit uns kommen?« Elyas schüttelte den Kopf, und Raen nickte, als habe er das die ganze Zeit schon geahnt. »Also dann, paß auf dich auf, alter Freund. Es liegt heute etwas in der Luft... « Er wollte schon wieder nach oben blicken, wandte den Blick aber schnell wieder nach unten, bevor er mehr als die Wagendächer betrachtet hatte. »Ich denke, die Wagen werden nach Osten fahren. Vielleicht bis hin zum Rückgrat der Welt. Vielleicht finden wir ein Stedding und bleiben eine Weile dort.«
»Das Unglück kommt nicht in ein Stedding hinein«, stimmte Elyas zu. »Aber die Ogier mögen Fremde nicht besonders.«
»Jeder mag das Fahrende Volk«, sagte Raen und grinste. »Außerdem haben auch die Ogier Töpfe und andere Dinge, die geflickt werden müssen. Komm, laß uns frühstücken, und wir reden darüber.«
»Keine Zeit«, sagte Elyas. »Auch wir ziehen heute weiter. So bald wie möglich. Es ist der richtige Tag zum Weiterziehen, wie es scheint.«
Raen bemühte sich, ihn zu überreden, wenigstens zum Essen zu bleiben, und als Ila mit Egwene aus dem Wagen trat, tat sie das Ihre dazu, doch nicht mit soviel Überzeugungskraft vehement wie ihr Mann. Sie sagte die richtigen Worte, doch ihre Höflichkeit klang steif, und es war klar, daß sie froh sein würde, Elyas und wohl auch Egwene von hinten zu sehen.
Egwene bemerkte die bedauernden Seitenblicke Ilas in ihre Richtung nicht. Sie fragte, was los sei, und Perrin bereitete sich darauf vor, daß sie sagen würde, sie wolle bei den Tuatha'an bleiben, aber als Elyas ihr alles erklärte, nickte sie nur gedankenschwer und eilte in den Wagen zurück, um ihre Sachen zu holen.
Schließlich hob Raen resignierend die Hände. »In Ordnung. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals einen Besucher dieses Lager ohne Abschiedsmahl verlassen ließ, aber... « Unsicher hob er die Augen erneut zum Himmel. »Na ja, ich glaube, wir sollten auch früh aufbrechen. Vielleicht essen wir unterwegs. Aber sagt wenigstens allen Lebewohl.«
Elyas setzte zu einem Widerspruch an, aber Raen eilte schon von Wagen zu Wagen und hämmerte gegen die Türen, wo noch niemand wach war. Als dann ein Kesselflicker mit Bela im Schlepptau ankam, war das ganze Lager in schönster Festtagskleidung angetreten -eine Farbsymphonie, gegen die Raen und Ilas rotgelber Wagen beinahe blaß erschien. Die großen Hunde liefen mit heraushängenden Zungen durch die Menge und warteten darauf, daß jemand sie hinter den Ohren kraulte, während Perrin und die anderen unzählige Hände schüttelten und eine Umarmung nach der anderen über sich ergehen ließen. Die Mädchen, die jede Nacht getanzt hatten, gaben sich nicht mit Händeschütteln zufrieden, und ihre Umarmungen ließen in Perrin plötzlich den Wunsch aufkommen, überhaupt nicht mehr fortzugehen — bis ihm bewußt wurde, wie viele andere zusahen. Dann nahm sein Gesicht beinahe die Farbe des Wagens hinter ihm an.
Aram zog Egwene ein wenig zur Seite. Perrin konnte über dem Lärm all des Abschiednehmens nicht hören, was er ihr zu sagen hatte, aber sie schüttelte wiederholt den Kopf, zu Beginn halbherzig, dann aber energischer, als er sie mit bittenden Gesten bestürmte. Sein Gesichtsausdruck wechselte von bittend zu streitend, aber sie schüttelte weiterhin eisern den Kopf, bis Ila sie durch ein paar scharfe an ihren Enkel gerichtete Worte erlöste. Mit finsterer Miene schob sich Aram durch die Menge und ließ Abschied Abschied sein. Ila sah ihm nach und schien ihn beinahe zurückrufen zu wollen. Sie ist auch erleichtert, dachte Perrin. Erleichtert, daß er nicht mit uns und Egwene weggehen will.