Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh.« Er lächelte. »Habt Ihr – nun, ich vermute, Ihr habt das noch nie gesehen, Milady?«
»Das kann ich nicht behaupten.« Ich war hin- und hergerissen zwischen Faszination und dem Gefühl, dass ich den Blick abwenden sollte. »Was …?«
»Wenn die Wehen nur zögernd beginnen wollen, regt es die Bewegungen der Gebärmutter an, wenn man an den Brüsten der Frau saugt, und so kommt das Kind schneller«, erklärte er und strich unbewusst mit dem Daumen über die dunkelbraune Brustwarze, die sich sogleich aufrichtete, rund und fest wie eine Frühlingskirsche. »Wenn im Bordell eine der filles Schwierigkeiten hatte, hat ihr manchmal eine andere diesen Dienst erwiesen. Ich habe es schon einmal für ma douce getan – als Felicité gekommen ist. Es hilft; Ihr werdet sehen.«
Und ohne weitere Umstände nahm er die Brust in beide Hände, umfasste die Brustwarze mit dem Mund und saugte sanft, aber sehr konzentriert mit geschlossenen Augen daran.
Marsali seufzte, und ihr Körper schien in jene fließende Entspannung zu verfallen, die man nur bei Schwangeren findet, als wäre sie plötzlich knochenlos wie eine gestrandete Qualle.
Ich war mehr als aus der Fassung gebracht, musste aber für den Fall, dass etwas Drastisches passierte, im Zimmer bleiben.
Ich überlegte kurz, dann zog ich einen Hocker hervor, setzte mich darauf und versuchte, mich unauffällig zu verhalten. Doch eigentlich schien sich keiner von beiden auch nur im Geringsten an meiner Gegenwart zu stören – wenn sie mich überhaupt noch wahrnahmen. Allerdings wandte ich mich ein wenig ab, um sie nicht anzustarren.
Fergus’ Technik erstaunte und interessierte mich zugleich. Er hatte völlig recht; ein Kind zu stillen, bringt die Gebärmutter dazu, sich zusammenzuziehen. Die Hebammen im Hôpital des Anges in Paris hatten mir das ebenfalls erzählt; man sollte einer frisch Entbundenen sofort das Kind reichen, damit sich die Blutung verlangsamte. Doch keine von ihnen war darauf gekommen, diese Methode als Mittel zur Geburtseinleitung zu erwähnen.
Wenn im Bordell eine der filles Schwierigkeiten hatte, hat ihr manchmal eine andere diesen Dienst erwiesen, hatte er gesagt.
Seine Mutter war eine der filles gewesen, auch wenn er ihr nie begegnet war. Ich konnte mir eine Pariser Prostituierte vorstellen, dunkelhaarig, wahrscheinlich jung, wie sie in den Wehen stöhnte – und eine Freundin, die neben ihr kniete, um sanft an ihr zu saugen, ihre empfindlichen, geschwollenen Brüste umfasste und ihr Mut zuflüsterte, während gleichzeitig die hemmungslosen Laute befriedigter Kunden durch die Fußböden und Wände hallten.
War sie gestorben, seine Mutter? Bei seiner oder einer späteren Geburt? Erwürgt von einem betrunkenen Kunden, erschlagen vom Schuldeneintreiber der Puffmutter? Oder hatte sie ihn einfach nicht gewollt, wollte nicht für einen Bastard verantwortlich sein und hatte ihn daher dem Mitleid der anderen Frauen überlassen, einer der namenlosen Söhne der Straße, niemandes Kind?
Marsali änderte ihre Lage auf dem Bett, und ich warf einen Blick zu ihr hinüber, um mich zu überzeugen, dass alles in Ordnung war. So war es. Sie hatte sich nur bewegt, um Fergus die Arme um die Schultern zu legen und ihren Kopf über ihn zu beugen. Sie hatte ihre Haube nicht angezogen; ihre blonden Strähnen hingen lose herab und hoben sich leuchtend von seinem glänzend schwarzen Haar ab.
»Fergus … ich glaube, ich werde sterben«, flüsterte sie, und ihre Stimme war so leise, dass sie im Wind, der durch die Bäume fuhr, fast unterging.
Er ließ ihre Brustwarze los, bewegte aber seine Lippen vorsichtig über die Oberfläche ihrer Brust und murmelte: »Das ist ganz normal, p’tite puce, das glauben alle Frauen.«
»Aye, das liegt daran, dass tatsächlich viele von ihnen sterben«, sagte sie mit einem leicht scharfen Unterton und öffnete die Augen. Er lächelte, die Augen immer noch geschlossen, und schnellte sanft mit der Zungenspitze gegen die Brustwarze.
»Du aber nicht«, sagte er leise, aber mit großer Überzeugung. Er fuhr mit der Hand über ihren Bauch, zuerst sanft, dann kräftiger. Ich konnte sehen, wie sich die Kugel festigte, sich plötzlich rund und hart zusammenzog. Marsali holte tief und abrupt Luft, und Fergus drückte fest mit dem Handballen gegen die Unterseite der Kugel und ließ die Hand auf ihrem Schambein liegen, bis die Wehe nachließ.
»Oh«, sagte sie und klang atemlos.
»Tu … pas«, flüsterte er noch leiser. »Du nicht. Ich lasse dich nicht gehen.«
Ich ballte meine Hände im Stoff meines Rocks zusammen. Das sah nach einer schönen, handfesten Wehe aus. Sie schien keine schrecklichen Ereignisse nach sich zu ziehen.
Fergus machte sich wieder ans Werk. Dann und wann hielt er inne, um Marsali Lächerlichkeiten auf Französisch zuzuflüstern. Ich stand auf und begab mich vorsichtig zum Fußende des Tischbetts. Nein, nichts Auffälliges. Ich prüfte meine Arbeitsfläche, um mich zu vergewissern, dass alles bereit war. Gut.
Vielleicht würde ja alles gutgehen. Auf dem Bettlaken war eine Blutspur – doch es war nur Ausfluss, ganz normal. Der Herzschlag des Kindes war immer noch besorgniserregend, und es bestand nach wie vor die Möglichkeit einer Nabelschnurkomplikation – aber daran konnte ich jetzt nichts ändern. Marsali hatte ihre Entscheidung getroffen, und es war die richtige.
Fergus fuhr mit dem Saugen fort. Ich trat lautlos in den Flur und zog die Tür halb zu, um ihnen Zurückgezogenheit zu gewähren. Wenn sie einen Blutsturz hatte, konnte ich in einer Sekunde bei ihr sein.
Ich hatte noch das Glas mit den Himbeerblättern in der Hand. Dann konnte ich wohl genauso gut den Tee machen – und sei es nur, um mir nützlich vorzukommen.
Arch Bug, der seine Frau nicht zu Hause angetroffen hatte, war mit den Kindern zu uns gekommen. Felicité und Joan schliefen tief und fest auf der Kaminbank, und Arch rauchte am Feuer seine Pfeife und blies Rauchkringel für den faszinierten Germain. Währenddessen schienen Jamie, Ian und Malva Christie eine freundschaftliche Diskussion zu führen und verglichen die literarischen Vorzüge von Henry Fielding, Tobias Smollett und …
»Ovid?«, sagte ich, nachdem ich den Schluss einer Bemerkung aufgefangen hatte. »Tatsächlich?«
»›Solange es dir gutgeht, wirst du viele Freunde zählen‹«, zitierte Jamie. »›Wenn Wolken in deinem Leben aufziehen, wirst du allein sein.‹ Findest du nicht, dass das auf den armen Tom Jones genauso zutrifft wie auf Perry Pickle?«
»Aber wahre Freunde würden einen Mann doch wohl nicht im Stich lassen, nur weil er in Schwierigkeiten ist!«, protestierte Malva. »Was für Freunde sind denn das?«
»Ganz normale, fürchte ich«, sagte ich. »Zum Glück gibt es aber ebenso andere.«
»Aye, das stimmt«, pflichtete Jamie mir bei. Er lächelte Malva an. »Highlander sind die treusten Freunde – wenn auch nur, weil sie die schlimmsten Feinde sind.«
Sie war leicht rot geworden, begriff aber, dass er sie aufzog.
»Hmp«, sagte sie und hob den Kopf, um ihn herablassend anzufunkeln. »Mein Vater sagt, Highlander sind deshalb begeisterte Kämpfer, weil es in den Highlands so wenig Wertvolles gibt und die schlimmsten Kämpfe immer um die belanglosesten Dinge ausgefochten werden.«
Bei diesen Worten brachen alle in Gelächter aus. Jamie erhob sich, um neben mich zu treten, und überließ Ian und Malva ihrem Wortgefecht.
»Wie steht es um die Kleine?«, fragte er leise und schöpfte heißes Wasser für mich aus dem Kessel.
»Ich weiß es nicht genau«, sagte ich. »Fergus … äh … hilft ihr.«
Jamies Augenbrauen fuhren in die Höhe.
»Wie denn?«, fragte er. »Ich wusste gar nicht, dass ein Mann in dieser Sache viel tun kann, wenn sie einmal im Gange ist.«
»Oh, du wärst überrascht«, versicherte ich ihm. »Ich war es jedenfalls.«